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Staats/ und Gelehrte Zeitung des Hollsteinischen Correspondenten. Nr. 37, Hamburg, 2. September 1721.

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[Spaltenumbruch]
Franckreichs Affairen.

Unser König wird an
Kräfften wieder so starck, daß er sich schon neulichst
mit der Jagd belustiget hat. Morgen sol der
Nahmens-Tag dieses jungen Monarchen so wohl
bey Hofe, als bey allen Grossen der Stadt mit grö-
ster Freude gefeyert werden, dazu man auch über-
all ungemeine Anstalten macht. Man ist zwar
am Hofe wegen des Financien-Wercks äusserst be-
schäfftiget, doch wird darinn wenig gefördert, deß-
wegen sol diese Woche ein ausserordentlicher Re-
gierungs-Raht sich versammlen, um ein Mittel
auszufinden, diejenigen Schwierigkeiten zu he-
ben, welche einige verständige Persohnen vor
Augen gestellet, und gezeiget haben, wo man sel-
be nicht suchen würde wegzutuhn, daß das Elend
und die Noht, die bereits aufs höchste gestiegen,
noch grösser werden dürffte. Die Nachricht aus
dem Delphinat vergewissert, daß durch Aufschwel-
lung und Ergiessung vieler Ströhme im selben
Lande ungemeiner Schade geschehen. Der Car-
dinal du Bois wird vom Spanischen Minister
sehr fleissig besucht. Der Hertzog von Boufleur,
welcher 15. Jahr alt, und schon vor 2. Jahren mit
der Tochter des Hertzogs von Bouillon verspro-
chen gewesen, sol nun eine Nichte des Marschalls
von Villeroy heyrahten, nachdem dessen erster
Heyrahts-Contract in voriger Woche, ohne daß
man die Ursachen weiß, zernichtet worden.

Spanische Affairen.

Seine Majestät der
König hat eine der besten Militair-Commanderey-
en, die jährlich 12000. Ducaten beträgt, und durch
den Todt des Hertzogs von Naxera ledig worden,
welche auch viele Generals zu erhalten getrachtet,
an seinen eigenen Printzen, den Jnfanten Don
Philippo gegeben. Don Gonzales Chacon, der
von der Provintz Guipuscoa General worden, hat
Ordre, sich dahin zu begeben, und die nöhtigen
Anstalten zu machen, um von St. Sebastian und
Fontarabien wieder Besitz zu nehmen, so bald die
Frantzöfischen Gouverneurs von ihrem Hofe sol-
che Plätze einzuräumen Ordre erhalten haben.

Jtaliänische Affairen.

Da neulich der Pabst
wegen des Festes vom heiligen Jgnatio die Kirche
del Giesu besuchte, ist zwischen dem Herrn Conti,
und dem Connestable Colonna der Kutschen hal-
ber ein Streit entstanden, weil jener mit Gewalt
hindurch gedrungen, und diesem dadurch 2 Kutsch-
Pferde beschädiget worden; worüber sich der
[Spaltenumbruch] Connestable Colonna durch den Cardinal Gior-
gio Spinola beym Pabste beklagen lassen; der a-
ber sol geantwortet haben, wie es ihm fast wun-
dere, daß gedachter Connestable noch nicht wü-
ste, daß der Herr Conti des Pabsts Nepote wäre.
Der Pabst hat eine Cürassier-Wache nebst einem
Officier nach Albano geschicket, um dem Präten-
denten zu dienen, und dessen dortseyn, welches den
gantzen Herbst über dauren wird, desto ansehnli-
cher zu machen; Er hat auch an alle Geist- und
Weltliche alda befehlen lassen, dem König Jacob
(welchen Nahmen man ihme da giebt) nicht al-
lein vor ihren Herrn anzunehmen, sondern ihme
auch in allen zu gehorsamen. Durch das neuli-
che Absterben des Printzen Don Emilio Altieri in
dem 52. Jahr seines Alters, sind dem Pabst 11.
Vacantien, so eine Summa von 11000. Scudi
ausmachen, heimgefallen. Nunmehro werden
die köstlichen Schildereyen der Weyland Königin
Christina von Schweden, welche der Regent in
Franckreich für 90000. Ecus von dem Hertzog
von Bracciano gekaufft, alhier eingepackt, um da-
hin ehestens gesand zu werden. Jhro Päbstliche
Heiligkeit sollen gesinnet seyn, sich nach der Ville-
giatur von Frascoli zu begeben, und in einem dem
Hause Conti zugehörigen Pallast logiren zu wol-
len; deßwegen dero Herr Bruder der Hertzog von
Poli alles nöhtige daselbst veranstaltet. Eben
jetzo vernimmt man, daß Seine Heiligkeit die in
Besitz Nehmung von St. Gio Laterano biß auf
den 10. Octobr. ausgesetzt, wenn sie wieder von
der Villegiatur werden zurück kommen seyn.

Schweitzerische Vorfälle.

Nun sind die
sämmtlichen Abgeordneten von Zürich, Bern, Lu-
cern und Ury hier ankommen, und haben die Be-
rahtschlagungen mit diesem Canton bereits an-
gefangen: Man hoffet balde zu vernehmen, wie
weit sie mit den aufrührischen Wilchinger Bauern
sollen kommen; es ist gewiß allen Cantons sehr
nachtheilig und schädlich diß Werck länger anzu-
sehen und zu gestatten, daß diese Leute nicht zu ih-
ren schuldigen Gehorsam gebracht werden, wel-
ches sich nun jetzo ausweisen muß. Die Ver-
sammlung der Eydgenossenschafft zu Frauenfeld
hat sich nun geendiget. Wegen der Pest in Pro-
vence ist die Zeitung noch sehr veränderlich, doch
streckt sich solche nicht gegen diese Lande aus, son-
dern geht an den Küsten der Mittelländischen See
fort, wiewohl sie mehr ab, als zunehmen sol.




Schiffbeck bey HAMBURG, Gedruckt und zu bekommen in der Hollischen privilegirten Buchdruckerey;
werden auch verkauft in Kiel auf dem Hoch-Fürstl. Post-Hause. Die Woche 2. Stück.

[Spaltenumbruch]
Franckreichs Affairen.

Unſer Koͤnig wird an
Kraͤfften wieder ſo ſtarck, daß er ſich ſchon neulichſt
mit der Jagd beluſtiget hat. Morgen ſol der
Nahmens-Tag dieſes jungen Monarchen ſo wohl
bey Hofe, als bey allen Groſſen der Stadt mit groͤ-
ſter Freude gefeyert werden, dazu man auch uͤber-
all ungemeine Anſtalten macht. Man iſt zwar
am Hofe wegen des Financien-Wercks aͤuſſerſt be-
ſchaͤfftiget, doch wird darinn wenig gefoͤrdert, deß-
wegen ſol dieſe Woche ein auſſerordentlicher Re-
gierungs-Raht ſich verſammlen, um ein Mittel
auszufinden, diejenigen Schwierigkeiten zu he-
ben, welche einige verſtaͤndige Perſohnen vor
Augen geſtellet, und gezeiget haben, wo man ſel-
be nicht ſuchen wuͤrde wegzutuhn, daß das Elend
und die Noht, die bereits aufs hoͤchſte geſtiegen,
noch groͤſſer werden duͤrffte. Die Nachricht aus
dem Delphinat vergewiſſert, daß durch Aufſchwel-
lung und Ergieſſung vieler Stroͤhme im ſelben
Lande ungemeiner Schade geſchehen. Der Car-
dinal du Bois wird vom Spaniſchen Miniſter
ſehr fleisſig beſucht. Der Hertzog von Boufleur,
welcher 15. Jahr alt, und ſchon vor 2. Jahren mit
der Tochter des Hertzogs von Bouillon verſpro-
chen geweſen, ſol nun eine Nichte des Marſchalls
von Villeroy heyrahten, nachdem deſſen erſter
Heyrahts-Contract in voriger Woche, ohne daß
man die Urſachen weiß, zernichtet worden.

Spaniſche Affairen.

Seine Majeſtaͤt der
Koͤnig hat eine der beſten Militair-Commanderey-
en, die jaͤhrlich 12000. Ducaten betraͤgt, und durch
den Todt des Hertzogs von Naxera ledig worden,
welche auch viele Generals zu erhalten getrachtet,
an ſeinen eigenen Printzen, den Jnfanten Don
Philippo gegeben. Don Gonzales Chacon, der
von der Provintz Guipuſcoa General worden, hat
Ordre, ſich dahin zu begeben, und die noͤhtigen
Anſtalten zu machen, um von St. Sebaſtian und
Fontarabien wieder Beſitz zu nehmen, ſo bald die
Frantzoͤfiſchen Gouverneurs von ihrem Hofe ſol-
che Plaͤtze einzuraͤumen Ordre erhalten haben.

Jtaliaͤniſche Affairen.

Da neulich der Pabſt
wegen des Feſtes vom heiligen Jgnatio die Kirche
del Gieſu beſuchte, iſt zwiſchen dem Herrn Conti,
und dem Conneſtable Colonna der Kutſchen hal-
ber ein Streit entſtanden, weil jener mit Gewalt
hindurch gedrungen, und dieſem dadurch 2 Kutſch-
Pferde beſchaͤdiget worden; woruͤber ſich der
[Spaltenumbruch] Conneſtable Colonna durch den Cardinal Gior-
gio Spinola beym Pabſte beklagen laſſen; der a-
ber ſol geantwortet haben, wie es ihm faſt wun-
dere, daß gedachter Conneſtable noch nicht wuͤ-
ſte, daß der Herr Conti des Pabſts Nepote waͤre.
Der Pabſt hat eine Cuͤrasſier-Wache nebſt einem
Officier nach Albano geſchicket, um dem Praͤten-
denten zu dienen, und deſſen dortſeyn, welches den
gantzen Herbſt uͤber dauren wird, deſto anſehnli-
cher zu machen; Er hat auch an alle Geiſt- und
Weltliche alda befehlen laſſen, dem Koͤnig Jacob
(welchen Nahmen man ihme da giebt) nicht al-
lein vor ihren Herrn anzunehmen, ſondern ihme
auch in allen zu gehorſamen. Durch das neuli-
che Abſterben des Printzen Don Emilio Altieri in
dem 52. Jahr ſeines Alters, ſind dem Pabſt 11.
Vacantien, ſo eine Summa von 11000. Scudi
ausmachen, heimgefallen. Nunmehro werden
die koͤſtlichen Schildereyen der Weyland Koͤnigin
Chriſtina von Schweden, welche der Regent in
Franckreich fuͤr 90000. Ecus von dem Hertzog
von Bracciano gekaufft, alhier eingepackt, um da-
hin eheſtens geſand zu werden. Jhro Paͤbſtliche
Heiligkeit ſollen geſinnet ſeyn, ſich nach der Ville-
giatur von Fraſcoli zu begeben, und in einem dem
Hauſe Conti zugehoͤrigen Pallaſt logiren zu wol-
len; deßwegen dero Herr Bruder der Hertzog von
Poli alles noͤhtige daſelbſt veranſtaltet. Eben
jetzo vernimmt man, daß Seine Heiligkeit die in
Beſitz Nehmung von St. Gio Laterano biß auf
den 10. Octobr. ausgeſetzt, wenn ſie wieder von
der Villegiatur werden zuruͤck kommen ſeyn.

Schweitzeriſche Vorfaͤlle.

Nun ſind die
ſaͤmmtlichen Abgeordneten von Zuͤrich, Bern, Lu-
cern und Ury hier ankommen, und haben die Be-
rahtſchlagungen mit dieſem Canton bereits an-
gefangen: Man hoffet balde zu vernehmen, wie
weit ſie mit den aufruͤhriſchen Wilchinger Bauern
ſollen kommen; es iſt gewiß allen Cantons ſehr
nachtheilig und ſchaͤdlich diß Werck laͤnger anzu-
ſehen und zu geſtatten, daß dieſe Leute nicht zu ih-
ren ſchuldigen Gehorſam gebracht werden, wel-
ches ſich nun jetzo ausweiſen muß. Die Ver-
ſammlung der Eydgenoſſenſchafft zu Frauenfeld
hat ſich nun geendiget. Wegen der Peſt in Pro-
vence iſt die Zeitung noch ſehr veraͤnderlich, doch
ſtreckt ſich ſolche nicht gegen dieſe Lande aus, ſon-
dern geht an den Kuͤſten der Mittellaͤndiſchen See
fort, wiewohl ſie mehr ab, als zunehmen ſol.




Schiffbeck bey HAMBURG, Gedruckt und zu bekom̃en in der Holliſchen privilegirten Buchdruckerey;
werden auch verkauft in Kiel auf dem Hoch-Fuͤrſtl. Poſt-Hauſe. Die Woche 2. Stuͤck.

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[[6]/0006] Franckreichs Affairen. Paris/ den 24. Auguſti. Unſer Koͤnig wird an Kraͤfften wieder ſo ſtarck, daß er ſich ſchon neulichſt mit der Jagd beluſtiget hat. Morgen ſol der Nahmens-Tag dieſes jungen Monarchen ſo wohl bey Hofe, als bey allen Groſſen der Stadt mit groͤ- ſter Freude gefeyert werden, dazu man auch uͤber- all ungemeine Anſtalten macht. Man iſt zwar am Hofe wegen des Financien-Wercks aͤuſſerſt be- ſchaͤfftiget, doch wird darinn wenig gefoͤrdert, deß- wegen ſol dieſe Woche ein auſſerordentlicher Re- gierungs-Raht ſich verſammlen, um ein Mittel auszufinden, diejenigen Schwierigkeiten zu he- ben, welche einige verſtaͤndige Perſohnen vor Augen geſtellet, und gezeiget haben, wo man ſel- be nicht ſuchen wuͤrde wegzutuhn, daß das Elend und die Noht, die bereits aufs hoͤchſte geſtiegen, noch groͤſſer werden duͤrffte. Die Nachricht aus dem Delphinat vergewiſſert, daß durch Aufſchwel- lung und Ergieſſung vieler Stroͤhme im ſelben Lande ungemeiner Schade geſchehen. Der Car- dinal du Bois wird vom Spaniſchen Miniſter ſehr fleisſig beſucht. Der Hertzog von Boufleur, welcher 15. Jahr alt, und ſchon vor 2. Jahren mit der Tochter des Hertzogs von Bouillon verſpro- chen geweſen, ſol nun eine Nichte des Marſchalls von Villeroy heyrahten, nachdem deſſen erſter Heyrahts-Contract in voriger Woche, ohne daß man die Urſachen weiß, zernichtet worden. Spaniſche Affairen. Madrit/ den 7. Auguſt. Seine Majeſtaͤt der Koͤnig hat eine der beſten Militair-Commanderey- en, die jaͤhrlich 12000. Ducaten betraͤgt, und durch den Todt des Hertzogs von Naxera ledig worden, welche auch viele Generals zu erhalten getrachtet, an ſeinen eigenen Printzen, den Jnfanten Don Philippo gegeben. Don Gonzales Chacon, der von der Provintz Guipuſcoa General worden, hat Ordre, ſich dahin zu begeben, und die noͤhtigen Anſtalten zu machen, um von St. Sebaſtian und Fontarabien wieder Beſitz zu nehmen, ſo bald die Frantzoͤfiſchen Gouverneurs von ihrem Hofe ſol- che Plaͤtze einzuraͤumen Ordre erhalten haben. Jtaliaͤniſche Affairen. Rom/ den 12. Auguſti. Da neulich der Pabſt wegen des Feſtes vom heiligen Jgnatio die Kirche del Gieſu beſuchte, iſt zwiſchen dem Herrn Conti, und dem Conneſtable Colonna der Kutſchen hal- ber ein Streit entſtanden, weil jener mit Gewalt hindurch gedrungen, und dieſem dadurch 2 Kutſch- Pferde beſchaͤdiget worden; woruͤber ſich der Conneſtable Colonna durch den Cardinal Gior- gio Spinola beym Pabſte beklagen laſſen; der a- ber ſol geantwortet haben, wie es ihm faſt wun- dere, daß gedachter Conneſtable noch nicht wuͤ- ſte, daß der Herr Conti des Pabſts Nepote waͤre. Der Pabſt hat eine Cuͤrasſier-Wache nebſt einem Officier nach Albano geſchicket, um dem Praͤten- denten zu dienen, und deſſen dortſeyn, welches den gantzen Herbſt uͤber dauren wird, deſto anſehnli- cher zu machen; Er hat auch an alle Geiſt- und Weltliche alda befehlen laſſen, dem Koͤnig Jacob (welchen Nahmen man ihme da giebt) nicht al- lein vor ihren Herrn anzunehmen, ſondern ihme auch in allen zu gehorſamen. Durch das neuli- che Abſterben des Printzen Don Emilio Altieri in dem 52. Jahr ſeines Alters, ſind dem Pabſt 11. Vacantien, ſo eine Summa von 11000. Scudi ausmachen, heimgefallen. Nunmehro werden die koͤſtlichen Schildereyen der Weyland Koͤnigin Chriſtina von Schweden, welche der Regent in Franckreich fuͤr 90000. Ecus von dem Hertzog von Bracciano gekaufft, alhier eingepackt, um da- hin eheſtens geſand zu werden. Jhro Paͤbſtliche Heiligkeit ſollen geſinnet ſeyn, ſich nach der Ville- giatur von Fraſcoli zu begeben, und in einem dem Hauſe Conti zugehoͤrigen Pallaſt logiren zu wol- len; deßwegen dero Herr Bruder der Hertzog von Poli alles noͤhtige daſelbſt veranſtaltet. Eben jetzo vernimmt man, daß Seine Heiligkeit die in Beſitz Nehmung von St. Gio Laterano biß auf den 10. Octobr. ausgeſetzt, wenn ſie wieder von der Villegiatur werden zuruͤck kommen ſeyn. Schweitzeriſche Vorfaͤlle. Schafhauſen/ den 19. Auguſti. Nun ſind die ſaͤmmtlichen Abgeordneten von Zuͤrich, Bern, Lu- cern und Ury hier ankommen, und haben die Be- rahtſchlagungen mit dieſem Canton bereits an- gefangen: Man hoffet balde zu vernehmen, wie weit ſie mit den aufruͤhriſchen Wilchinger Bauern ſollen kommen; es iſt gewiß allen Cantons ſehr nachtheilig und ſchaͤdlich diß Werck laͤnger anzu- ſehen und zu geſtatten, daß dieſe Leute nicht zu ih- ren ſchuldigen Gehorſam gebracht werden, wel- ches ſich nun jetzo ausweiſen muß. Die Ver- ſammlung der Eydgenoſſenſchafft zu Frauenfeld hat ſich nun geendiget. Wegen der Peſt in Pro- vence iſt die Zeitung noch ſehr veraͤnderlich, doch ſtreckt ſich ſolche nicht gegen dieſe Lande aus, ſon- dern geht an den Kuͤſten der Mittellaͤndiſchen See fort, wiewohl ſie mehr ab, als zunehmen ſol. Schiffbeck bey HAMBURG, Gedruckt und zu bekom̃en in der Holliſchen privilegirten Buchdruckerey; werden auch verkauft in Kiel auf dem Hoch-Fuͤrſtl. Poſt-Hauſe. Die Woche 2. Stuͤck.

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Zitationshilfe: Staats/ und Gelehrte Zeitung des Hollsteinischen Correspondenten. Nr. 37, Hamburg, 2. September 1721, S. [6]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/hc_370209_1721/6>, abgerufen am 21.03.2019.