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Stats- u. Gelehrte Zeitung des Hollsteinischen Correspondenten. Nr. 68, Hamburg, 28. April 1725.

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[Spaltenumbruch] hat zwey Zusälle gehabt, wodurch sie sich an der rech-
ten Seite gelähmet, sonsten aber bey vollem Ver-
stande befindet.


Wir haben dieser Tagen unterschiedliche Kauff-
fahrdey-Schiffe erhalten, mit deren einigen man ver-
nommen, daß sich in Morea alles bey guter Ge-
sundheit befünde, und daß Se. Excellentz der Gene-
ral-Provediteur von Dalmatien, sich zu Zara, der
General-Provediteur des Meers aber, mit denen
Schiffen und Galleen zu Corfu aufhalte. Der Graf
Carl Colloredo, des hiesigen Käyserl. Ambassadeurs
Sohn, ist, nebst seiner Gemahlin, in Gesellschafft
des Grafen von Taxis, Käyserl. General-Postmei-
sters in Flandern, von hier nach Wien abgereiset.
Jn dem verflossenen Jahre 1724. seynd in dieser
Haupt-Stadt 4590 Persohnen mit Tode abgegan-
gen; hingegen 5046 gebohren worden; so daß die
Natur ihren eigenen Verlust mit 456 mehrern,
so sie zur Welt gebracht, ersetzet hat.


Gestern geschahe in unserer Citadelle die Aufrich-
tung derer beyden, den Käyser und die Käyserin
vorstellende Marmornen Statuen, nach vorhero ge-
sungener solennen Messe, deren der Herr Graf Gou-
verneur mit seiner Gemahlin, der Generalität und
andern Ministris und Dames, aßistirte, worauf
folglich das Te Deum, unter Abfeurung des groben
und kleinen Geschützes von besagter Citadelle, ab-
gesungen wurde; Nach geendigter dieser Function
tractirte der Commendant und Feld-Marschall, Graf
von Walderis, den Herrn Gouverneur und die übri-
gen Eingeladenen, über 60 an der Zahl, zu Mit-
tage, und des Abends ward alles mit einer drey-
sachen Salve aus der Artillerie und dem kleinen Ge-
wehr, auch vielen Freuden-Feuren beschlossen. Am
ersten Oster-Tage ward das Portrait unsers Herrn
Gouverneurs, des Grafen Colloredo, mit einer sehr
schönen Unterschrifft, so die hiesige Kauffmannschafft
demselben zu Ehren verfertigen lassen, unter dem
Gewölbe des Marckt-Platzes aufgerichtet.


Von hiesigem Tuhm-Capittel sind würcklich die
Deputirten ernandt worden, welche Se. Chur-Fürstl.
Durchl. zu Cölln, bey Dero Ankunft von München
zu Bonn, Nahmens desselben empfangen und com-
plimentiren sollen; es dürfte aber der Tag, wann
Se. Chur-Fürstl. Durchl. Dero öffentlichen Einzug
zu erwehntem Bonn halten werden, nicht eher zu
vernehmen seyn, bis Dieselbe zu Coblentz angelanget
[Spaltenumbruch] seyn werden. Briefe aus dem Haag bringen mit,
daß die Spanis. Bevollmächtigte zu Cammerich von dor-
ten dahin überkommen würden; Es hätten aber die Eng-
lischen von ihrem Hofe einen Expressen, und mit
demselben die Ordres erhalten, um alle ihre Efforts
dahin anzuwenden, damit jene sich nicht von erwehn-
tem Cammerich retiren möchten, ehe sie einen neuen
Courier empfangen hätten, indeme Se. Groß-Brit-
tannische Majest. welche sehr auf die Unterhaltung
der Ruhe von Europa attentive wären, neue prä-
cise Jnstructiones an Dero Minister zu Madrit,
Obristen Stanhoppe, gesandt hätten, um Seine
Majestät den König in Spanien über Dero finale
Jntention, wegen dermahligen Zustand der Affai-
res, zu sondiren. Franckreich thäte würcklich seine
Prätensiones gegen Spanien erneuren, und dörffte,
der Apparence nach, diese Cron dahin anhalten, die
Arrerages, so solche zeithero dem letztern Succes-
sions-Krieg schuldig, abzutragen, desgleichen auch
die Unkosten von dem letzten Kriege, als man Fon-
tarabien und St. Sebastian hinweggenommen.

Verfolg des Schreibens der Aebtißin von Chelles,
wegen der Constitution:

"Jch glaube an einen einigen GOtt, den allmäch-
"tigen Vater, Schöpffer Himmels und der Erden.
"Jch glaube an JEsum seinen Sohn und unsern
"Seligmacher. Jch glaube an den Heiligen Geist,
"die Liebe des Vaters und des Sohnes, den Ur-
"sprung des Lichts und aller vollkommenen Gaben.
"Jndem ich an GOTT dem Allmächtigen Vater
"glaube, so stelle ich seine Macht keine Gräntzen,
"verziehe auch nicht um zu glauben, daß wir, durch
"ihn erschaffen seyende, in allen von ihme abhan-
"gen; daß er eine oberste Macht über uns habe,
"und daß kein Wille geschaffen, der die Auswir-
"ckung seines göttlichen Willens hindern könne. Daß
"er uns inzwischen nicht nöhtige, sondern daß dies
"oberste Vermögen, oder die Gnade, (dann das ist
"eins), wodurch er auf uns wirckt, bestehe in einer
"sieghafften Vergnügung, die uns ungezwungen das
"Gute über das Böse schätzen läst, wohin unser freyer
"Wille uns ziehet. Dann unser freyer Wille hat keine
"Kraft, als nur zu sündigen, so lange als das Gute uns
"nicht gefället, und wir beginnen nicht eher Gefal-
"len an dem Guten zu kriegen, als wann die Gna-
"de oder Liebe in unsere Hertzen ausgegossen ist.
"Glaubende an JEsum Christum unsern Seelig-
"macher, erkenne ich, daß keine Seeligkeit sey ohne
"den Glauben an seinen Namen, und daß dieser

[Spaltenumbruch] hat zwey Zuſaͤlle gehabt, wodurch ſie ſich an der rech-
ten Seite gelaͤhmet, ſonſten aber bey vollem Ver-
ſtande befindet.


Wir haben dieſer Tagen unterſchiedliche Kauff-
fahrdey-Schiffe erhalten, mit deren einigen man ver-
nommen, daß ſich in Morea alles bey guter Ge-
ſundheit befuͤnde, und daß Se. Excellentz der Gene-
ral-Provediteur von Dalmatien, ſich zu Zara, der
General-Provediteur des Meers aber, mit denen
Schiffen und Galleen zu Corfu aufhalte. Der Graf
Carl Colloredo, des hieſigen Kaͤyſerl. Ambaſſadeurs
Sohn, iſt, nebſt ſeiner Gemahlin, in Geſellſchafft
des Grafen von Taxis, Kaͤyſerl. General-Poſtmei-
ſters in Flandern, von hier nach Wien abgereiſet.
Jn dem verfloſſenen Jahre 1724. ſeynd in dieſer
Haupt-Stadt 4590 Perſohnen mit Tode abgegan-
gen; hingegen 5046 gebohren worden; ſo daß die
Natur ihren eigenen Verluſt mit 456 mehrern,
ſo ſie zur Welt gebracht, erſetzet hat.


Geſtern geſchahe in unſerer Citadelle die Aufrich-
tung derer beyden, den Kaͤyſer und die Kaͤyſerin
vorſtellende Marmornen Statuen, nach vorhero ge-
ſungener ſolennen Meſſe, deren der Herr Graf Gou-
verneur mit ſeiner Gemahlin, der Generalitaͤt und
andern Miniſtris und Dames, aßiſtirte, worauf
folglich das Te Deum, unter Abfeurung des groben
und kleinen Geſchuͤtzes von beſagter Citadelle, ab-
geſungen wurde; Nach geendigter dieſer Function
tractirte der Commendant und Feld-Marſchall, Graf
von Walderis, den Herrn Gouverneur und die uͤbri-
gen Eingeladenen, uͤber 60 an der Zahl, zu Mit-
tage, und des Abends ward alles mit einer drey-
ſachen Salve aus der Artillerie und dem kleinen Ge-
wehr, auch vielen Freuden-Feuren beſchloſſen. Am
erſten Oſter-Tage ward das Portrait unſers Herrn
Gouverneurs, des Grafen Colloredo, mit einer ſehr
ſchoͤnen Unterſchrifft, ſo die hieſige Kauffmannſchafft
demſelben zu Ehren verfertigen laſſen, unter dem
Gewoͤlbe des Marckt-Platzes aufgerichtet.


Von hieſigem Tuhm-Capittel ſind wuͤrcklich die
Deputirten ernandt worden, welche Se. Chur-Fuͤrſtl.
Durchl. zu Coͤlln, bey Dero Ankunft von Muͤnchen
zu Bonn, Nahmens deſſelben empfangen und com-
plimentiren ſollen; es duͤrfte aber der Tag, wann
Se. Chur-Fuͤrſtl. Durchl. Dero oͤffentlichen Einzug
zu erwehntem Bonn halten werden, nicht eher zu
vernehmen ſeyn, bis Dieſelbe zu Coblentz angelanget
[Spaltenumbruch] ſeyn werden. Briefe aus dem Haag bringen mit,
daß die Spaniſ. Bevollmaͤchtigte zu Cam̃erich von dor-
ten dahin uͤberkom̃en wuͤrden; Es haͤtten aber die Eng-
liſchen von ihrem Hofe einen Expreſſen, und mit
demſelben die Ordres erhalten, um alle ihre Efforts
dahin anzuwenden, damit jene ſich nicht von erwehn-
tem Cammerich retiren moͤchten, ehe ſie einen neuen
Courier empfangen haͤtten, indeme Se. Groß-Brit-
tanniſche Majeſt. welche ſehr auf die Unterhaltung
der Ruhe von Europa attentive waͤren, neue praͤ-
ciſe Jnſtructiones an Dero Miniſter zu Madrit,
Obriſten Stanhoppe, geſandt haͤtten, um Seine
Majeſtaͤt den Koͤnig in Spanien uͤber Dero finale
Jntention, wegen dermahligen Zuſtand der Affai-
res, zu ſondiren. Franckreich thaͤte wuͤrcklich ſeine
Praͤtenſiones gegen Spanien erneuren, und doͤrffte,
der Apparence nach, dieſe Cron dahin anhalten, die
Arrerages, ſo ſolche zeithero dem letztern Succes-
ſions-Krieg ſchuldig, abzutragen, desgleichen auch
die Unkoſten von dem letzten Kriege, als man Fon-
tarabien und St. Sebaſtian hinweggenommen.

Verfolg des Schreibens der Aebtißin von Chelles,
wegen der Conſtitution:

„Jch glaube an einen einigen GOtt, den allmaͤch-
„tigen Vater, Schoͤpffer Himmels und der Erden.
„Jch glaube an JEſum ſeinen Sohn und unſern
„Seligmacher. Jch glaube an den Heiligen Geiſt,
„die Liebe des Vaters und des Sohnes, den Ur-
„ſprung des Lichts und aller vollkommenen Gaben.
„Jndem ich an GOTT dem Allmaͤchtigen Vater
„glaube, ſo ſtelle ich ſeine Macht keine Graͤntzen,
„verziehe auch nicht um zu glauben, daß wir, durch
„ihn erſchaffen ſeyende, in allen von ihme abhan-
„gen; daß er eine oberſte Macht uͤber uns habe,
„und daß kein Wille geſchaffen, der die Auswir-
„ckung ſeines goͤttlichen Willens hindern koͤnne. Daß
„er uns inzwiſchen nicht noͤhtige, ſondern daß dies
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„Gute uͤber das Boͤſe ſchaͤtzen laͤſt, wohin unſer freyer
„Wille uns ziehet. Dann unſer freyer Wille hat keine
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„nicht gefaͤllet, und wir beginnen nicht eher Gefal-
„len an dem Guten zu kriegen, als wann die Gna-
„de oder Liebe in unſere Hertzen ausgegoſſen iſt.
„Glaubende an JEſum Chriſtum unſern Seelig-
„macher, erkenne ich, daß keine Seeligkeit ſey ohne
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[[3]/0003] hat zwey Zuſaͤlle gehabt, wodurch ſie ſich an der rech- ten Seite gelaͤhmet, ſonſten aber bey vollem Ver- ſtande befindet. Venedig, den 14. April. Wir haben dieſer Tagen unterſchiedliche Kauff- fahrdey-Schiffe erhalten, mit deren einigen man ver- nommen, daß ſich in Morea alles bey guter Ge- ſundheit befuͤnde, und daß Se. Excellentz der Gene- ral-Provediteur von Dalmatien, ſich zu Zara, der General-Provediteur des Meers aber, mit denen Schiffen und Galleen zu Corfu aufhalte. Der Graf Carl Colloredo, des hieſigen Kaͤyſerl. Ambaſſadeurs Sohn, iſt, nebſt ſeiner Gemahlin, in Geſellſchafft des Grafen von Taxis, Kaͤyſerl. General-Poſtmei- ſters in Flandern, von hier nach Wien abgereiſet. Jn dem verfloſſenen Jahre 1724. ſeynd in dieſer Haupt-Stadt 4590 Perſohnen mit Tode abgegan- gen; hingegen 5046 gebohren worden; ſo daß die Natur ihren eigenen Verluſt mit 456 mehrern, ſo ſie zur Welt gebracht, erſetzet hat. Maͤyland, den 4. April. Geſtern geſchahe in unſerer Citadelle die Aufrich- tung derer beyden, den Kaͤyſer und die Kaͤyſerin vorſtellende Marmornen Statuen, nach vorhero ge- ſungener ſolennen Meſſe, deren der Herr Graf Gou- verneur mit ſeiner Gemahlin, der Generalitaͤt und andern Miniſtris und Dames, aßiſtirte, worauf folglich das Te Deum, unter Abfeurung des groben und kleinen Geſchuͤtzes von beſagter Citadelle, ab- geſungen wurde; Nach geendigter dieſer Function tractirte der Commendant und Feld-Marſchall, Graf von Walderis, den Herrn Gouverneur und die uͤbri- gen Eingeladenen, uͤber 60 an der Zahl, zu Mit- tage, und des Abends ward alles mit einer drey- ſachen Salve aus der Artillerie und dem kleinen Ge- wehr, auch vielen Freuden-Feuren beſchloſſen. Am erſten Oſter-Tage ward das Portrait unſers Herrn Gouverneurs, des Grafen Colloredo, mit einer ſehr ſchoͤnen Unterſchrifft, ſo die hieſige Kauffmannſchafft demſelben zu Ehren verfertigen laſſen, unter dem Gewoͤlbe des Marckt-Platzes aufgerichtet. Coͤlln, den 23. April. Von hieſigem Tuhm-Capittel ſind wuͤrcklich die Deputirten ernandt worden, welche Se. Chur-Fuͤrſtl. Durchl. zu Coͤlln, bey Dero Ankunft von Muͤnchen zu Bonn, Nahmens deſſelben empfangen und com- plimentiren ſollen; es duͤrfte aber der Tag, wann Se. Chur-Fuͤrſtl. Durchl. Dero oͤffentlichen Einzug zu erwehntem Bonn halten werden, nicht eher zu vernehmen ſeyn, bis Dieſelbe zu Coblentz angelanget ſeyn werden. Briefe aus dem Haag bringen mit, daß die Spaniſ. Bevollmaͤchtigte zu Cam̃erich von dor- ten dahin uͤberkom̃en wuͤrden; Es haͤtten aber die Eng- liſchen von ihrem Hofe einen Expreſſen, und mit demſelben die Ordres erhalten, um alle ihre Efforts dahin anzuwenden, damit jene ſich nicht von erwehn- tem Cammerich retiren moͤchten, ehe ſie einen neuen Courier empfangen haͤtten, indeme Se. Groß-Brit- tanniſche Majeſt. welche ſehr auf die Unterhaltung der Ruhe von Europa attentive waͤren, neue praͤ- ciſe Jnſtructiones an Dero Miniſter zu Madrit, Obriſten Stanhoppe, geſandt haͤtten, um Seine Majeſtaͤt den Koͤnig in Spanien uͤber Dero finale Jntention, wegen dermahligen Zuſtand der Affai- res, zu ſondiren. Franckreich thaͤte wuͤrcklich ſeine Praͤtenſiones gegen Spanien erneuren, und doͤrffte, der Apparence nach, dieſe Cron dahin anhalten, die Arrerages, ſo ſolche zeithero dem letztern Succes- ſions-Krieg ſchuldig, abzutragen, desgleichen auch die Unkoſten von dem letzten Kriege, als man Fon- tarabien und St. Sebaſtian hinweggenommen. Verfolg des Schreibens der Aebtißin von Chelles, wegen der Conſtitution: „Jch glaube an einen einigen GOtt, den allmaͤch- „tigen Vater, Schoͤpffer Himmels und der Erden. „Jch glaube an JEſum ſeinen Sohn und unſern „Seligmacher. Jch glaube an den Heiligen Geiſt, „die Liebe des Vaters und des Sohnes, den Ur- „ſprung des Lichts und aller vollkommenen Gaben. „Jndem ich an GOTT dem Allmaͤchtigen Vater „glaube, ſo ſtelle ich ſeine Macht keine Graͤntzen, „verziehe auch nicht um zu glauben, daß wir, durch „ihn erſchaffen ſeyende, in allen von ihme abhan- „gen; daß er eine oberſte Macht uͤber uns habe, „und daß kein Wille geſchaffen, der die Auswir- „ckung ſeines goͤttlichen Willens hindern koͤnne. Daß „er uns inzwiſchen nicht noͤhtige, ſondern daß dies „oberſte Vermoͤgen, oder die Gnade, (dann das iſt „eins), wodurch er auf uns wirckt, beſtehe in einer „ſieghafften Vergnuͤgung, die uns ungezwungen das „Gute uͤber das Boͤſe ſchaͤtzen laͤſt, wohin unſer freyer „Wille uns ziehet. Dann unſer freyer Wille hat keine „Kraft, als nur zu ſuͤndigen, ſo lange als das Gute uns „nicht gefaͤllet, und wir beginnen nicht eher Gefal- „len an dem Guten zu kriegen, als wann die Gna- „de oder Liebe in unſere Hertzen ausgegoſſen iſt. „Glaubende an JEſum Chriſtum unſern Seelig- „macher, erkenne ich, daß keine Seeligkeit ſey ohne „den Glauben an ſeinen Namen, und daß dieſer

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Zitationshilfe: Stats- u. Gelehrte Zeitung des Hollsteinischen Correspondenten. Nr. 68, Hamburg, 28. April 1725, S. [3]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/hc_682804_1725/3>, abgerufen am 05.04.2020.