Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Heckert, Adolph (Hrsg.): Handbuch der Schulgesetzgebung Preußens. Berlin, 1847.

Bild:
<< vorherige Seite

in solchen Ortschaften, welche bloß aus den in herrschaftlichen Häusern
wohnenden Einliegern bestehen, die Dominien zur subsidiarischen Unter-
stützung der zu errichtenden unerläßlichen Schulanstalten anhalten
könne. Den Dominien kann dagegen, ohne daß dadurch die administra-
tiven Verfügungen aufgehalten werden, der Rechtsweg freigestellt
bleiben.

23.

Regulativ v. 9. März, und Cab.-O. v. 6. April 1839. (G.-S.
S. 156.) über die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter
in den Fabriken
.

§. 1. Vor zurückgelegtem neunten Lebensjahre darf niemand in
einer Fabrik oder bei Berg-, Hütten- oder Pochwerken zu einer regel-
mäßigen Beschäftigung angenommen werden.

§. 2. Wer noch nicht einen dreijährigen regelmäßigen Schul-
unterricht genossen hat, oder durch ein Zeugniß des Schulvorstandes
nachweiset, daß er seine Muttersprache geläufig lesen kann, und einen
Anfang im Schreiben gemacht hat, darf vor zurückgelegtem 16. Lebens-
jahre zu einer solchen Beschäftigung in den genannten Anstalten nicht
angenommen werden.

Eine Ausnahme hiervon ist nur da gestattet, wo die Fabrikherren
durch Errichtung und Unterhaltung von Fabrikschulen den Unterricht
der jungen Arbeiter sichern. Die Beurtheilung, ob eine solche Schule
genüge, gebührt den Regierungen, welche in diesem Falle auch das
Verhältniß zwischen Lern- und Arbeitszeit zu bestimmen haben.

§. 3. Junge Leute, welche das sechszehnte Lebensjahr noch nicht
zurückgelegt haben, dürfen in diesen Anstalten nicht über zehn Stunden
täglich beschäftigt werden.

Die Orts-Polizeibehörde ist befugt, eine vorübergehende Verlänge-
rung dieser Arbeitszeit zu gestatten, wenn durch Naturereignisse oder
Unglücksfälle der regelmäßige Geschäftsbetrieb in den genannten An-
stalten unterbrochen und ein vermehrtes Arbeitsbedürfniß dadurch her-
beigeführt worden ist.

Die Verlängerung darf täglich nur eine Stunde betragen, und
darf höchstens für die Dauer von vier Wochen gestattet werden.

§. 4. Zwischen den im vorigen Paragraphen bestimmten Arbeits-
stunden ist den genannten Arbeitern Vor- und Nachmittags eine Muße

in ſolchen Ortſchaften, welche bloß aus den in herrſchaftlichen Häuſern
wohnenden Einliegern beſtehen, die Dominien zur ſubſidiariſchen Unter-
ſtützung der zu errichtenden unerläßlichen Schulanſtalten anhalten
könne. Den Dominien kann dagegen, ohne daß dadurch die adminiſtra-
tiven Verfügungen aufgehalten werden, der Rechtsweg freigeſtellt
bleiben.

23.

Regulativ v. 9. März, und Cab.-O. v. 6. April 1839. (G.-S.
S. 156.) über die Beſchäftigung jugendlicher Arbeiter
in den Fabriken
.

§. 1. Vor zurückgelegtem neunten Lebensjahre darf niemand in
einer Fabrik oder bei Berg-, Hütten- oder Pochwerken zu einer regel-
mäßigen Beſchäftigung angenommen werden.

§. 2. Wer noch nicht einen dreijährigen regelmäßigen Schul-
unterricht genoſſen hat, oder durch ein Zeugniß des Schulvorſtandes
nachweiſet, daß er ſeine Mutterſprache geläufig leſen kann, und einen
Anfang im Schreiben gemacht hat, darf vor zurückgelegtem 16. Lebens-
jahre zu einer ſolchen Beſchäftigung in den genannten Anſtalten nicht
angenommen werden.

Eine Ausnahme hiervon iſt nur da geſtattet, wo die Fabrikherren
durch Errichtung und Unterhaltung von Fabrikſchulen den Unterricht
der jungen Arbeiter ſichern. Die Beurtheilung, ob eine ſolche Schule
genüge, gebührt den Regierungen, welche in dieſem Falle auch das
Verhältniß zwiſchen Lern- und Arbeitszeit zu beſtimmen haben.

§. 3. Junge Leute, welche das ſechszehnte Lebensjahr noch nicht
zurückgelegt haben, dürfen in dieſen Anſtalten nicht über zehn Stunden
täglich beſchäftigt werden.

Die Orts-Polizeibehörde iſt befugt, eine vorübergehende Verlänge-
rung dieſer Arbeitszeit zu geſtatten, wenn durch Naturereigniſſe oder
Unglücksfälle der regelmäßige Geſchäftsbetrieb in den genannten An-
ſtalten unterbrochen und ein vermehrtes Arbeitsbedürfniß dadurch her-
beigeführt worden iſt.

Die Verlängerung darf täglich nur eine Stunde betragen, und
darf höchſtens für die Dauer von vier Wochen geſtattet werden.

§. 4. Zwiſchen den im vorigen Paragraphen beſtimmten Arbeits-
ſtunden iſt den genannten Arbeitern Vor- und Nachmittags eine Muße

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0496" n="482"/>
in &#x017F;olchen Ort&#x017F;chaften, welche bloß aus den in herr&#x017F;chaftlichen Häu&#x017F;ern<lb/>
wohnenden Einliegern be&#x017F;tehen, die Dominien zur &#x017F;ub&#x017F;idiari&#x017F;chen Unter-<lb/>
&#x017F;tützung der zu errichtenden unerläßlichen Schulan&#x017F;talten anhalten<lb/>
könne. Den Dominien kann dagegen, ohne daß dadurch die admini&#x017F;tra-<lb/>
tiven Verfügungen aufgehalten werden, der Rechtsweg freige&#x017F;tellt<lb/>
bleiben.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b">23.</hi> </head><lb/>
          <p><hi rendition="#g">Regulativ</hi> v. 9. März, und <hi rendition="#g">Cab</hi>.-O. v. 6. April 1839. (G.-S.<lb/>
S. 156.) <hi rendition="#g">über die Be&#x017F;chäftigung jugendlicher Arbeiter<lb/>
in den Fabriken</hi>.</p><lb/>
          <p>§. 1. Vor zurückgelegtem neunten Lebensjahre darf niemand in<lb/>
einer Fabrik oder bei Berg-, Hütten- oder Pochwerken zu einer regel-<lb/>
mäßigen Be&#x017F;chäftigung angenommen werden.</p><lb/>
          <p>§. 2. Wer noch nicht einen dreijährigen regelmäßigen Schul-<lb/>
unterricht geno&#x017F;&#x017F;en hat, oder durch ein Zeugniß des Schulvor&#x017F;tandes<lb/>
nachwei&#x017F;et, daß er &#x017F;eine Mutter&#x017F;prache geläufig le&#x017F;en kann, und einen<lb/>
Anfang im Schreiben gemacht hat, darf vor zurückgelegtem 16. Lebens-<lb/>
jahre zu einer &#x017F;olchen Be&#x017F;chäftigung in den genannten An&#x017F;talten nicht<lb/>
angenommen werden.</p><lb/>
          <p>Eine Ausnahme hiervon i&#x017F;t nur da ge&#x017F;tattet, wo die Fabrikherren<lb/>
durch Errichtung und Unterhaltung von Fabrik&#x017F;chulen den Unterricht<lb/>
der jungen Arbeiter &#x017F;ichern. Die Beurtheilung, ob eine &#x017F;olche Schule<lb/>
genüge, gebührt den Regierungen, welche in die&#x017F;em Falle auch das<lb/>
Verhältniß zwi&#x017F;chen Lern- und Arbeitszeit zu be&#x017F;timmen haben.</p><lb/>
          <p>§. 3. Junge Leute, welche das &#x017F;echszehnte Lebensjahr noch nicht<lb/>
zurückgelegt haben, dürfen in die&#x017F;en An&#x017F;talten nicht über zehn Stunden<lb/>
täglich be&#x017F;chäftigt werden.</p><lb/>
          <p>Die Orts-Polizeibehörde i&#x017F;t befugt, eine vorübergehende Verlänge-<lb/>
rung die&#x017F;er Arbeitszeit zu ge&#x017F;tatten, wenn durch Naturereigni&#x017F;&#x017F;e oder<lb/>
Unglücksfälle der regelmäßige Ge&#x017F;chäftsbetrieb in den genannten An-<lb/>
&#x017F;talten unterbrochen und ein vermehrtes Arbeitsbedürfniß dadurch her-<lb/>
beigeführt worden i&#x017F;t.</p><lb/>
          <p>Die Verlängerung darf täglich nur eine Stunde betragen, und<lb/>
darf höch&#x017F;tens für die Dauer von vier Wochen ge&#x017F;tattet werden.</p><lb/>
          <p>§. 4. Zwi&#x017F;chen den im vorigen Paragraphen be&#x017F;timmten Arbeits-<lb/>
&#x017F;tunden i&#x017F;t den genannten Arbeitern Vor- und Nachmittags eine Muße<lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[482/0496] in ſolchen Ortſchaften, welche bloß aus den in herrſchaftlichen Häuſern wohnenden Einliegern beſtehen, die Dominien zur ſubſidiariſchen Unter- ſtützung der zu errichtenden unerläßlichen Schulanſtalten anhalten könne. Den Dominien kann dagegen, ohne daß dadurch die adminiſtra- tiven Verfügungen aufgehalten werden, der Rechtsweg freigeſtellt bleiben. 23. Regulativ v. 9. März, und Cab.-O. v. 6. April 1839. (G.-S. S. 156.) über die Beſchäftigung jugendlicher Arbeiter in den Fabriken. §. 1. Vor zurückgelegtem neunten Lebensjahre darf niemand in einer Fabrik oder bei Berg-, Hütten- oder Pochwerken zu einer regel- mäßigen Beſchäftigung angenommen werden. §. 2. Wer noch nicht einen dreijährigen regelmäßigen Schul- unterricht genoſſen hat, oder durch ein Zeugniß des Schulvorſtandes nachweiſet, daß er ſeine Mutterſprache geläufig leſen kann, und einen Anfang im Schreiben gemacht hat, darf vor zurückgelegtem 16. Lebens- jahre zu einer ſolchen Beſchäftigung in den genannten Anſtalten nicht angenommen werden. Eine Ausnahme hiervon iſt nur da geſtattet, wo die Fabrikherren durch Errichtung und Unterhaltung von Fabrikſchulen den Unterricht der jungen Arbeiter ſichern. Die Beurtheilung, ob eine ſolche Schule genüge, gebührt den Regierungen, welche in dieſem Falle auch das Verhältniß zwiſchen Lern- und Arbeitszeit zu beſtimmen haben. §. 3. Junge Leute, welche das ſechszehnte Lebensjahr noch nicht zurückgelegt haben, dürfen in dieſen Anſtalten nicht über zehn Stunden täglich beſchäftigt werden. Die Orts-Polizeibehörde iſt befugt, eine vorübergehende Verlänge- rung dieſer Arbeitszeit zu geſtatten, wenn durch Naturereigniſſe oder Unglücksfälle der regelmäßige Geſchäftsbetrieb in den genannten An- ſtalten unterbrochen und ein vermehrtes Arbeitsbedürfniß dadurch her- beigeführt worden iſt. Die Verlängerung darf täglich nur eine Stunde betragen, und darf höchſtens für die Dauer von vier Wochen geſtattet werden. §. 4. Zwiſchen den im vorigen Paragraphen beſtimmten Arbeits- ſtunden iſt den genannten Arbeitern Vor- und Nachmittags eine Muße

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/heckert_schulgesetzgebung_1847
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/heckert_schulgesetzgebung_1847/496
Zitationshilfe: Heckert, Adolph (Hrsg.): Handbuch der Schulgesetzgebung Preußens. Berlin, 1847, S. 482. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/heckert_schulgesetzgebung_1847/496>, abgerufen am 27.11.2020.