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Heine, Heinrich: Buch der Lieder. Hamburg, 1827.

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XLVII.
Es leuchtet meine Liebe,
In ihrer dunkeln Pracht,
Wie'n Mährchen traurig und trübe,
Erzählt in der Sommernacht.
Im Zaubergarten wallen
Zwei Buhlen, stumm und allein;
Es singen die Nachtigallen,
Es flimmert der Mondenschein.
Die Jungfrau steht still wie ein Bildniß,
Der Ritter vor ihr kniet.
Da kommt der Riese der Wildniß,
Die bange Jungfrau flieht.
Der Ritter sinkt blutend zur Erde,
Es stolpert der Riese nach Haus;
Wenn ich begraben werde,
Dann ist das Mährchen aus.

XLVII.
Es leuchtet meine Liebe,
In ihrer dunkeln Pracht,
Wie'n Mährchen traurig und trübe,
Erzählt in der Sommernacht.
Im Zaubergarten wallen
Zwei Buhlen, ſtumm und allein;
Es ſingen die Nachtigallen,
Es flimmert der Mondenſchein.
Die Jungfrau ſteht ſtill wie ein Bildniß,
Der Ritter vor ihr kniet.
Da kommt der Rieſe der Wildniß,
Die bange Jungfrau flieht.
Der Ritter ſinkt blutend zur Erde,
Es ſtolpert der Rieſe nach Haus;
Wenn ich begraben werde,
Dann iſt das Mährchen aus.

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[151/0159] XLVII. Es leuchtet meine Liebe, In ihrer dunkeln Pracht, Wie'n Mährchen traurig und trübe, Erzählt in der Sommernacht. Im Zaubergarten wallen Zwei Buhlen, ſtumm und allein; Es ſingen die Nachtigallen, Es flimmert der Mondenſchein. Die Jungfrau ſteht ſtill wie ein Bildniß, Der Ritter vor ihr kniet. Da kommt der Rieſe der Wildniß, Die bange Jungfrau flieht. Der Ritter ſinkt blutend zur Erde, Es ſtolpert der Rieſe nach Haus; Wenn ich begraben werde, Dann iſt das Mährchen aus.

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Zitationshilfe: Heine, Heinrich: Buch der Lieder. Hamburg, 1827, S. 151. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/heine_lieder_1827/159>, abgerufen am 14.12.2018.