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Heine, Heinrich: Buch der Lieder. Hamburg, 1827.

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VIII.
Ich kam von meiner Herrin Haus,
Und wandelt' in Wahnsinn und Mitternachtgraus.
Und wie ich am Kirchhof vorüber gehn will,
Da winken die Gräber ernst und still.
Da winkt's von des Spielmanns Leichenstein;
Das war der flimmernde Mondesschein.
Da lispelt's: Lieb Bruder, ich komme gleich!
Da steigt's aus dem Grabe nebelbleich.
Der Spielmann war's, der entstiegen jetzt,
Und hoch auf den Leichenstein sich setzt.
In die Saiten der Zither greift er schnell,
Und singt dabei recht hohl und grell:
Ei! kennt Ihr noch das alte Lied,
Das einst so wild die Brust durchglüht,
Ihr Saiten dumpf und trübe?
Die Engel, die nennen es Himmelsfreud,
2 *
VIII.
Ich kam von meiner Herrin Haus,
Und wandelt' in Wahnſinn und Mitternachtgraus.
Und wie ich am Kirchhof vorüber gehn will,
Da winken die Gräber ernſt und ſtill.
Da winkt's von des Spielmanns Leichenſtein;
Das war der flimmernde Mondesſchein.
Da lispelt's: Lieb Bruder, ich komme gleich!
Da ſteigt's aus dem Grabe nebelbleich.
Der Spielmann war's, der entſtiegen jetzt,
Und hoch auf den Leichenſtein ſich ſetzt.
In die Saiten der Zither greift er ſchnell,
Und ſingt dabei recht hohl und grell:
Ei! kennt Ihr noch das alte Lied,
Das einſt ſo wild die Bruſt durchglüht,
Ihr Saiten dumpf und trübe?
Die Engel, die nennen es Himmelsfreud,
2 *
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[25/0033] VIII. Ich kam von meiner Herrin Haus, Und wandelt' in Wahnſinn und Mitternachtgraus. Und wie ich am Kirchhof vorüber gehn will, Da winken die Gräber ernſt und ſtill. Da winkt's von des Spielmanns Leichenſtein; Das war der flimmernde Mondesſchein. Da lispelt's: Lieb Bruder, ich komme gleich! Da ſteigt's aus dem Grabe nebelbleich. Der Spielmann war's, der entſtiegen jetzt, Und hoch auf den Leichenſtein ſich ſetzt. In die Saiten der Zither greift er ſchnell, Und ſingt dabei recht hohl und grell: Ei! kennt Ihr noch das alte Lied, Das einſt ſo wild die Bruſt durchglüht, Ihr Saiten dumpf und trübe? Die Engel, die nennen es Himmelsfreud, 2 *

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Zitationshilfe: Heine, Heinrich: Buch der Lieder. Hamburg, 1827, S. 25. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/heine_lieder_1827/33>, abgerufen am 24.05.2019.