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Hering, Ewald: Zur Lehre vom Lichtsinne. Zweiter, unveränderter Abdruck. Wien, 1878.

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D-Erregbarkeit als in den übrigen Theilen statt, weil die Assimi-
lirung nur von der einen Seite, nicht von allen Seiten her unter-
stützt wurde. Das Licht, welches dann plötzlich auf den vorher
dunklen Theil des Sehorganes fällt, findet also hier eine ge-
steigerte D-Erregbarkeit vor, bewirkt daher eine relativ starke
Dissimilirung, welche ihrerseits wieder begünstigend auf die
Assimilirung der Nachbarschaft wirkt. Theils wegen dieser stär-
keren Assimilirung, theils wegen der schwächeren Dissimilirung
erscheinen nun diese Nachbartheile dunkler als die übrige weiße
Fläche.

In diesen vier Versuchen sind die wesentlichsten und be-
kanntesten Erscheinungen der negativen Nachbilder des offenen
Auges oder des successiven Contrastes enthalten; das fernere
Detail möge später ausführlich erörtert werden. Man sieht aber
schon aus der hier gegebenen Skizze, wie ausgiebig sich aus
meiner Theorie alle diese Erscheinungen erklären lassen, und zu-
gleich, wie ungenügend die bisherigen Erklärungen waren.

§. 35.
Über die Ermüdung des Sehorganes.

Wenn durch Einwirkung eines Lichtreizes die Dissimilirung
der erregbaren Substanz unmittelbar gesteigert wird und dadurch
wieder mittelbar, obwohl in schwächerem Maße, auch die Assi-
milirung der beleuchteten Theile, so muß nicht nur die Menge
der erregbaren Substanz in diesen Theilen abnehmen, sondern
es kann auch der Vorrath an Assimilirungsmaterial dann sich
mindern, wenn der Verbrauch desselben unter dem indirecten
Einflusse des Reizes rascher stattfindet, als der gleichzeitige
Ersatz aus dem Blute erfolgen kann. Hört dann die Reizung
plötzlich wieder auf, so sinkt nicht nur die Dissimilirung auf ein
Maß zurück, wie es der geminderten erregbaren Substanz und
den fortwirkenden inneren Reizen entspricht, sondern es sinkt
auch die Assimilirung, weil sie nicht mehr durch die indirecte
Wirkung des Reizes unterstützt wird. Wenn nun aber die Größe
der Assimilirung mit abhängig ist von der Menge des zur Assi-
milirung bereitstehenden Materiales, und dieses durch die vor-
angegangene Reizung erheblich gemindert ist, so kann in Folge
dessen die Assimilirung nach Schluß der Reizung noch schwächer

7 *

D-Erregbarkeit als in den übrigen Theilen statt, weil die Assimi-
lirung nur von der einen Seite, nicht von allen Seiten her unter-
stützt wurde. Das Licht, welches dann plötzlich auf den vorher
dunklen Theil des Sehorganes fällt, findet also hier eine ge-
steigerte D-Erregbarkeit vor, bewirkt daher eine relativ starke
Dissimilirung, welche ihrerseits wieder begünstigend auf die
Assimilirung der Nachbarschaft wirkt. Theils wegen dieser stär-
keren Assimilirung, theils wegen der schwächeren Dissimilirung
erscheinen nun diese Nachbartheile dunkler als die übrige weiße
Fläche.

In diesen vier Versuchen sind die wesentlichsten und be-
kanntesten Erscheinungen der negativen Nachbilder des offenen
Auges oder des successiven Contrastes enthalten; das fernere
Detail möge später ausführlich erörtert werden. Man sieht aber
schon aus der hier gegebenen Skizze, wie ausgiebig sich aus
meiner Theorie alle diese Erscheinungen erklären lassen, und zu-
gleich, wie ungenügend die bisherigen Erklärungen waren.

§. 35.
Über die Ermüdung des Sehorganes.

Wenn durch Einwirkung eines Lichtreizes die Dissimilirung
der erregbaren Substanz unmittelbar gesteigert wird und dadurch
wieder mittelbar, obwohl in schwächerem Maße, auch die Assi-
milirung der beleuchteten Theile, so muß nicht nur die Menge
der erregbaren Substanz in diesen Theilen abnehmen, sondern
es kann auch der Vorrath an Assimilirungsmaterial dann sich
mindern, wenn der Verbrauch desselben unter dem indirecten
Einflusse des Reizes rascher stattfindet, als der gleichzeitige
Ersatz aus dem Blute erfolgen kann. Hört dann die Reizung
plötzlich wieder auf, so sinkt nicht nur die Dissimilirung auf ein
Maß zurück, wie es der geminderten erregbaren Substanz und
den fortwirkenden inneren Reizen entspricht, sondern es sinkt
auch die Assimilirung, weil sie nicht mehr durch die indirecte
Wirkung des Reizes unterstützt wird. Wenn nun aber die Größe
der Assimilirung mit abhängig ist von der Menge des zur Assi-
milirung bereitstehenden Materiales, und dieses durch die vor-
angegangene Reizung erheblich gemindert ist, so kann in Folge
dessen die Assimilirung nach Schluß der Reizung noch schwächer

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[99/0107] D-Erregbarkeit als in den übrigen Theilen statt, weil die Assimi- lirung nur von der einen Seite, nicht von allen Seiten her unter- stützt wurde. Das Licht, welches dann plötzlich auf den vorher dunklen Theil des Sehorganes fällt, findet also hier eine ge- steigerte D-Erregbarkeit vor, bewirkt daher eine relativ starke Dissimilirung, welche ihrerseits wieder begünstigend auf die Assimilirung der Nachbarschaft wirkt. Theils wegen dieser stär- keren Assimilirung, theils wegen der schwächeren Dissimilirung erscheinen nun diese Nachbartheile dunkler als die übrige weiße Fläche. In diesen vier Versuchen sind die wesentlichsten und be- kanntesten Erscheinungen der negativen Nachbilder des offenen Auges oder des successiven Contrastes enthalten; das fernere Detail möge später ausführlich erörtert werden. Man sieht aber schon aus der hier gegebenen Skizze, wie ausgiebig sich aus meiner Theorie alle diese Erscheinungen erklären lassen, und zu- gleich, wie ungenügend die bisherigen Erklärungen waren. §. 35. Über die Ermüdung des Sehorganes. Wenn durch Einwirkung eines Lichtreizes die Dissimilirung der erregbaren Substanz unmittelbar gesteigert wird und dadurch wieder mittelbar, obwohl in schwächerem Maße, auch die Assi- milirung der beleuchteten Theile, so muß nicht nur die Menge der erregbaren Substanz in diesen Theilen abnehmen, sondern es kann auch der Vorrath an Assimilirungsmaterial dann sich mindern, wenn der Verbrauch desselben unter dem indirecten Einflusse des Reizes rascher stattfindet, als der gleichzeitige Ersatz aus dem Blute erfolgen kann. Hört dann die Reizung plötzlich wieder auf, so sinkt nicht nur die Dissimilirung auf ein Maß zurück, wie es der geminderten erregbaren Substanz und den fortwirkenden inneren Reizen entspricht, sondern es sinkt auch die Assimilirung, weil sie nicht mehr durch die indirecte Wirkung des Reizes unterstützt wird. Wenn nun aber die Größe der Assimilirung mit abhängig ist von der Menge des zur Assi- milirung bereitstehenden Materiales, und dieses durch die vor- angegangene Reizung erheblich gemindert ist, so kann in Folge dessen die Assimilirung nach Schluß der Reizung noch schwächer 7 *

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Zitationshilfe: Hering, Ewald: Zur Lehre vom Lichtsinne. Zweiter, unveränderter Abdruck. Wien, 1878, S. 99. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/hering_lichtsinn_1878/107>, abgerufen am 17.11.2019.