Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Hippel, Theodor Gottlieb von: Über die bürgerliche Verbesserung der Weiber. Berlin, 1792.

Bild:
<< vorherige Seite

lichkeiten über die möglichen Folgen, mit
Missbräuchen und was dergleichen Popanze
mehr sind, wodurch man Kinder schreckt,
beruhigen und diese Angelegenheit der Mensch-
heit auf die lange, ja lange Bank schieben
können --? Dann ist freilich der schöne Mor-
gen der Erlösung noch nicht nahe. -- Wer-
den wir uns aber hierbei entbrechen können,
uns selbst noch Gothen und Vandalen zu
heissen, was weiland unsere Väter waren, wenn
wir nicht dieses Unrecht je eher je lieber zu
vergüten suchen? Missbrauch des Rechtes
verwirkt nicht das Recht. Menschenrechte
können niemals, Bürgerrechte nur durch Fe-
lonie verloren werden; und was ist Felonie?
Dies aus dem Lehnsrecht entlehnte Wort
(keine sonderliche Abkunft!) bezeichnet Alles,
was man der Lehnsverbindlichkeit zuwider
thut oder unterlässt, und wird aus dem Lehns-
Contrakte beurtheilt. Da es sowohl für den
Lehnsherrn als für den Vasallen Rechte und
Pflichten giebt, die sie einander schuldig sind;
so kann nicht nur der Vasall, sondern auch
der Lehnsherr der Felonie schuldig werden.

lichkeiten über die möglichen Folgen, mit
Miſsbräuchen und was dergleichen Popanze
mehr sind, wodurch man Kinder schreckt,
beruhigen und diese Angelegenheit der Mensch-
heit auf die lange, ja lange Bank schieben
können —? Dann ist freilich der schöne Mor-
gen der Erlösung noch nicht nahe. — Wer-
den wir uns aber hierbei entbrechen können,
uns selbst noch Gothen und Vandalen zu
heiſsen, was weiland unsere Väter waren, wenn
wir nicht dieses Unrecht je eher je lieber zu
vergüten suchen? Miſsbrauch des Rechtes
verwirkt nicht das Recht. Menschenrechte
können niemals, Bürgerrechte nur durch Fe-
lonie verloren werden; und was ist Felonie?
Dies aus dem Lehnsrecht entlehnte Wort
(keine sonderliche Abkunft!) bezeichnet Alles,
was man der Lehnsverbindlichkeit zuwider
thut oder unterläſst, und wird aus dem Lehns-
Contrakte beurtheilt. Da es sowohl für den
Lehnsherrn als für den Vasallen Rechte und
Pflichten giebt, die sie einander schuldig sind;
so kann nicht nur der Vasall, sondern auch
der Lehnsherr der Felonie schuldig werden.

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0192" n="184"/>
lichkeiten über die möglichen Folgen, mit<lb/>
Mi&#x017F;sbräuchen und was dergleichen Popanze<lb/>
mehr sind, wodurch man Kinder schreckt,<lb/>
beruhigen und diese Angelegenheit der Mensch-<lb/>
heit auf die lange, ja lange Bank schieben<lb/>
können &#x2014;? Dann ist freilich der schöne Mor-<lb/>
gen der Erlösung noch nicht nahe. &#x2014; Wer-<lb/>
den wir uns aber hierbei entbrechen können,<lb/>
uns selbst noch <hi rendition="#i">Gothen</hi> und <hi rendition="#i">Vandalen</hi> zu<lb/>
hei&#x017F;sen, was weiland unsere Väter waren, wenn<lb/>
wir nicht dieses Unrecht je eher je lieber zu<lb/>
vergüten suchen? Mi&#x017F;sbrauch des Rechtes<lb/>
verwirkt nicht das Recht. Menschenrechte<lb/>
können niemals, Bürgerrechte nur durch Fe-<lb/>
lonie verloren werden; und was ist Felonie?<lb/>
Dies aus dem Lehnsrecht entlehnte Wort<lb/>
(keine sonderliche Abkunft!) bezeichnet Alles,<lb/>
was man der Lehnsverbindlichkeit zuwider<lb/>
thut oder unterlä&#x017F;st, und wird aus dem Lehns-<lb/>
Contrakte beurtheilt. Da es sowohl für den<lb/>
Lehnsherrn als für den Vasallen Rechte und<lb/>
Pflichten giebt, die sie einander schuldig sind;<lb/>
so kann nicht nur der Vasall, sondern auch<lb/>
der Lehnsherr der Felonie schuldig werden.<lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[184/0192] lichkeiten über die möglichen Folgen, mit Miſsbräuchen und was dergleichen Popanze mehr sind, wodurch man Kinder schreckt, beruhigen und diese Angelegenheit der Mensch- heit auf die lange, ja lange Bank schieben können —? Dann ist freilich der schöne Mor- gen der Erlösung noch nicht nahe. — Wer- den wir uns aber hierbei entbrechen können, uns selbst noch Gothen und Vandalen zu heiſsen, was weiland unsere Väter waren, wenn wir nicht dieses Unrecht je eher je lieber zu vergüten suchen? Miſsbrauch des Rechtes verwirkt nicht das Recht. Menschenrechte können niemals, Bürgerrechte nur durch Fe- lonie verloren werden; und was ist Felonie? Dies aus dem Lehnsrecht entlehnte Wort (keine sonderliche Abkunft!) bezeichnet Alles, was man der Lehnsverbindlichkeit zuwider thut oder unterläſst, und wird aus dem Lehns- Contrakte beurtheilt. Da es sowohl für den Lehnsherrn als für den Vasallen Rechte und Pflichten giebt, die sie einander schuldig sind; so kann nicht nur der Vasall, sondern auch der Lehnsherr der Felonie schuldig werden.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/hippel_weiber_1792
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/hippel_weiber_1792/192
Zitationshilfe: Hippel, Theodor Gottlieb von: Über die bürgerliche Verbesserung der Weiber. Berlin, 1792, S. 184. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/hippel_weiber_1792/192>, abgerufen am 31.05.2020.