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Hohberg, Wolf Helmhard von: Georgica Curiosa. Bd. 1. Nürnberg, 1682.

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Sechstes Buch/ Blumen-Garten.
[Spaltenumbruch] beliebig wehlen; oder daraus selbst nach seinem Gut-
duncken einen aufzeichnen kan. Wer selbst die Weise/
einen Garten auszutheilen/ haben will/ der besehe M. Joh.
Peschelii
Garten-Ordnung in folio Anno 1597 zu
Eißleben gedruckt/ da wird er alles zu genügen/ mit samt
vielen Abrissen und Zeichnungen eigentlich finden. Zu
Ende dieses Capitels müssen die gestochenen Gar-
ten-Modell nacheinander einverleibt werden. Num.
1. 2. 3. 4. und 5. wie sie mit den Numeris verzeichnet
sind/ biß auf Num. 10.

P. Ferrarius rathet/ man solle alle Bettlein des
Garten-Abrisses mit ihren eignen Numeris unterschei-
den/ und in seinem Schreib-Tisch/ oder in andere be-
liebige Einfassung einleimen/ und beynebens (wie schon
[Spaltenumbruch] vor erwehnet) ein Memorial-Büchlein mit eben diesen
Numeris machen/ was in jedem Numero für Wurtzen/
Gewächse/ und Blumen zu bringen/ einzeichnen; oder
wann der Garten so groß und weitläufftig/ könne man
wol jedwedern Theil in einen sonderlichen Riß und
Verzeichnis bringen/ davon wir aber mehr in den fol-
genden Capiteln handeln wollen. Sonst stehet es schön
und prächtig/ wann in dem Centro oder Ecken des aus-
getheilten Quadrats, allerhand saubere Statuen/ oder
schöne gerade Bäumlein/ wann sie den Winter lei-
den/ ins Land/ als den Baum des Lebens/ gerade Kran-
weth-Bäumlein/ oder wann sie den Frost nicht tragen
können/ sie nur in ihren Geschirren lassen/ und also dahin
setzen.

Cap. VII.
Von den Garten-Bettlein.
[Spaltenumbruch]

VOr diesem haben unsere Alten die Blumen-
Bettlein/ gleich denen andern in dem Kuchen-
garten/ etwas erhebt/ und die Gänge darzwischen
nidriger gelassen. Man hat aber befunden/ daß der
Jtaliänische Gebrauch/ Bette und Gänge in einer Höhe
zu lassen/ vorträglicher ist/ weil der Buchsbaum/ oder
das Kräutelwerck/ damit die Bettlein eingefangen/ aus-
serhalb gegen den Gängen etwas entblöst/ durch den
heissen Sommer leichtlich ausdorren und gar verder-
ben; da hingegen/ wann die Bette und Gänge von ei-
nerley Höhe sind/ die Wurtzen von allen Seiten gleich
bedeckt/ länger und dauerhafftiger währen/ auch die Ge-
wächse selbsten von der Sonnenhitz weniger beschädi-
get/ die vom Regen und Thau einfeihende Feuchtigkeit
desto beharrlicher erhalten; es wäre dann ein Grund
also naßländig/ so müsten von Nothwegen die Bettlein
eine bessere Beschüttung und Erhöhung haben/ damit
die überflüssige Nässen desto bälder aussincken könnte.
Wann man denn nun/ wie vorhin schon gedacht/ einen
Grund-Riß aller Bettlein mit seinen Numeris, neben
beygesetzter Verzeichnis/ hat angestellt/ kan man wol den
Catalogum rariorum stirpium mit einbringen/ daß
man wisse/ was und wie viel in einem jeden sey/ und sie
also untermengen/ daß in jedem Bette eine frühe mittel-
mässige und spate Blume sey; so soll man auch diese
Kiel und Wurtzen untereinander mengen/ die man
leicht voneinander kennt/ und acht haben/ daß die Schat-
tirungen der Farben fein aus einander kommen.

P. Timothaeus von Roll/ Capuziner Ordens/ hält
es in seinem neuen Blumen-Büchlein für gut und
bequem/ daß man ausserhalb der Haubtstrassen/ um
den Blumen-Garten herum/ der gantzen Länge nach/
ein Bett anderthalb oder zween Schuhe breit mache/
[Spaltenumbruch] darein man allerley Gewächse thun könne/ die man nicht
gern in den abgetheilten Bettlein hat/ als Sonnen-
Blumen/ Herbst-Rosen/ gelbe/ grosse und kleine Sam-
met-Röslein/ Magsaamen/ Klapper-Rosen/ Agley/
Fingerhüte/ Löwenmäuler/ gefüllte weisse Camillen/
Ringelblumen und dergleichen/ was viel Platz muß ha-
ben/ und diß gebe auch/ wann sie ordentlich durcheinan-
der gesetzt werden/ dem Garten eine Zierde. Erstbe-
nannter Pater aber widerräthet/ einigerley Bäume in
die Blumen-Gärten zu bringen/ weil sie nicht allein von
oben her den Sonnenschein und die Lufft aufhalten/
sondern auch untersich die Krafft und säfftige Nahrung
schmälern und entziehen.

Wann die Bettlein/ an statt des Buchsbaums oder
anderer Kräuter/ mit gebachenen Steinen ausgestaf-
firt sind/ kan man wol nahe an die äussersten Seiten
Tulipen-Kiel/ oder Anemonen setzen/ inwendig aber
anderes späters Blumwerck bringen/ damit der Garten
nicht auf einmal voll Blumen/ das andere mal aber
gantz öde sey; Ranunculen aber soll man nie darzu
mengen/ weil sie allen andern Gewächsen schädlich und
verderblich sind. Aber von Latten gibt es auch gute Ein-
fassungen der Bettlein/ und wann sie auswendig mit ei-
ner Sägen die Helfft eingeschnitten sind/ kan man sie
auch wol in die Runde bringen/ wann sie von Eichenholtz
und mit Oelfarben angestrichen werden/ mögen sie/
nach Herrn Fischers Meynung/ ein 30 Jahr aus-
dauren.

Wann man die Bettlein mit Kräutern/ Buchs-
baum/ Salve/ Hyssop oder dergleichen/ die keine Wur-
tzen haben/ einfassen will/ muß es gar zeitlich im Februa-
rio geschehen/ indem ihnen die Kälte nicht schadet/ damit
sie eher einwurtzeln/ ehe die Hitze ankommt. Was
Wurtzen hat/ kan im Mertzen gesetzt werden.

Cap. VIII.
Von den Gängen.
[Spaltenumbruch]

DJe Haubt- und Creutzgänge/ müssen nach des
Orts Enge oder Weiten eingerichtet seyn; we-
nigst 10 und meistens 16 Schuhe haben/ so wol
zum Wolstand/ als auch zur Gemächlichkeit zu spatzie-
ren/ nachdem der Garten groß ist/ oder nachdem man
[Spaltenumbruch] Platz hat. Diese Gänge nun müssen sauber gehalten/
und von allen Gras-Wurtzen und Unkraut gereiniget
werden.

Jn den Ländern/ wo die Oliven häuffig wachsen/
und man genug Oel-Trüsen haben kan/ nimmt man

Haff-
E e e e

Sechſtes Buch/ Blumen-Garten.
[Spaltenumbruch] beliebig wehlen; oder daraus ſelbſt nach ſeinem Gut-
duncken einen aufzeichnen kan. Wer ſelbſt die Weiſe/
einen Garten auszutheilen/ haben will/ der beſehe M. Joh.
Peſchelii
Garten-Ordnung in folio Anno 1597 zu
Eißleben gedruckt/ da wird er alles zu genuͤgen/ mit ſamt
vielen Abriſſen und Zeichnungen eigentlich finden. Zu
Ende dieſes Capitels muͤſſen die geſtochenen Gar-
ten-Modell nacheinander einverleibt werden. Num.
1. 2. 3. 4. und 5. wie ſie mit den Numeris verzeichnet
ſind/ biß auf Num. 10.

P. Ferrarius rathet/ man ſolle alle Bettlein des
Garten-Abriſſes mit ihren eignen Numeris unterſchei-
den/ und in ſeinem Schreib-Tiſch/ oder in andere be-
liebige Einfaſſung einleimen/ und beynebens (wie ſchon
[Spaltenumbruch] vor erwehnet) ein Memorial-Buͤchlein mit eben dieſen
Numeris machen/ was in jedem Numero fuͤr Wurtzen/
Gewaͤchſe/ und Blumen zu bringen/ einzeichnen; oder
wann der Garten ſo groß und weitlaͤufftig/ koͤnne man
wol jedwedern Theil in einen ſonderlichen Riß und
Verzeichnis bringen/ davon wir aber mehr in den fol-
genden Capiteln handeln wollen. Sonſt ſtehet es ſchoͤn
und praͤchtig/ wann in dem Centro oder Ecken des aus-
getheilten Quadrats, allerhand ſaubere Statuen/ oder
ſchoͤne gerade Baͤumlein/ wann ſie den Winter lei-
den/ ins Land/ als den Baum des Lebens/ gerade Kran-
weth-Baͤumlein/ oder wann ſie den Froſt nicht tragen
koͤnnen/ ſie nur in ihren Geſchirren laſſen/ und alſo dahin
ſetzen.

Cap. VII.
Von den Garten-Bettlein.
[Spaltenumbruch]

VOr dieſem haben unſere Alten die Blumen-
Bettlein/ gleich denen andern in dem Kuchen-
garten/ etwas erhebt/ und die Gaͤnge darzwiſchen
nidriger gelaſſen. Man hat aber befunden/ daß der
Jtaliaͤniſche Gebrauch/ Bette und Gaͤnge in einer Hoͤhe
zu laſſen/ vortraͤglicher iſt/ weil der Buchsbaum/ oder
das Kraͤutelwerck/ damit die Bettlein eingefangen/ auſ-
ſerhalb gegen den Gaͤngen etwas entbloͤſt/ durch den
heiſſen Sommer leichtlich ausdorren und gar verder-
ben; da hingegen/ wann die Bette und Gaͤnge von ei-
nerley Hoͤhe ſind/ die Wurtzen von allen Seiten gleich
bedeckt/ laͤnger und dauerhafftiger waͤhren/ auch die Ge-
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eine beſſere Beſchuͤttung und Erhoͤhung haben/ damit
die uͤberfluͤſſige Naͤſſen deſto baͤlder ausſincken koͤnnte.
Wann man denn nun/ wie vorhin ſchon gedacht/ einen
Grund-Riß aller Bettlein mit ſeinen Numeris, neben
beygeſetzter Verzeichnis/ hat angeſtellt/ kan man wol den
Catalogum rariorum ſtirpium mit einbringen/ daß
man wiſſe/ was und wie viel in einem jeden ſey/ und ſie
alſo untermengen/ daß in jedem Bette eine fruͤhe mittel-
maͤſſige und ſpate Blume ſey; ſo ſoll man auch dieſe
Kiel und Wurtzen untereinander mengen/ die man
leicht voneinander kennt/ und acht haben/ daß die Schat-
tirungen der Farben fein aus einander kommen.

P. Timothæus von Roll/ Capuziner Ordens/ haͤlt
es in ſeinem neuen Blumen-Buͤchlein fuͤr gut und
bequem/ daß man auſſerhalb der Haubtſtraſſen/ um
den Blumen-Garten herum/ der gantzen Laͤnge nach/
ein Bett anderthalb oder zween Schuhe breit mache/
[Spaltenumbruch] darein man allerley Gewaͤchſe thun koͤnne/ die man nicht
gern in den abgetheilten Bettlein hat/ als Sonnen-
Blumen/ Herbſt-Roſen/ gelbe/ groſſe und kleine Sam-
met-Roͤslein/ Magſaamen/ Klapper-Roſen/ Agley/
Fingerhuͤte/ Loͤwenmaͤuler/ gefuͤllte weiſſe Camillen/
Ringelblumen und dergleichen/ was viel Platz muß ha-
ben/ und diß gebe auch/ wann ſie ordentlich durcheinan-
der geſetzt werden/ dem Garten eine Zierde. Erſtbe-
nannter Pater aber widerraͤthet/ einigerley Baͤume in
die Blumen-Gaͤrten zu bringen/ weil ſie nicht allein von
oben her den Sonnenſchein und die Lufft aufhalten/
ſondern auch unterſich die Krafft und ſaͤfftige Nahrung
ſchmaͤlern und entziehen.

Wann die Bettlein/ an ſtatt des Buchsbaums oder
anderer Kraͤuter/ mit gebachenen Steinen ausgeſtaf-
firt ſind/ kan man wol nahe an die aͤuſſerſten Seiten
Tulipen-Kiel/ oder Anemonen ſetzen/ inwendig aber
anderes ſpaͤters Blumwerck bringen/ damit der Garten
nicht auf einmal voll Blumen/ das andere mal aber
gantz oͤde ſey; Ranunculen aber ſoll man nie darzu
mengen/ weil ſie allen andern Gewaͤchſen ſchaͤdlich und
verderblich ſind. Aber von Latten gibt es auch gute Ein-
faſſungen der Bettlein/ und wann ſie auswendig mit ei-
ner Saͤgen die Helfft eingeſchnitten ſind/ kan man ſie
auch wol in die Runde bringen/ wann ſie von Eichenholtz
und mit Oelfarben angeſtrichen werden/ moͤgen ſie/
nach Herrn Fiſchers Meynung/ ein 30 Jahr aus-
dauren.

Wann man die Bettlein mit Kraͤutern/ Buchs-
baum/ Salve/ Hyſſop oder dergleichen/ die keine Wur-
tzen haben/ einfaſſen will/ muß es gar zeitlich im Februa-
rio geſchehen/ indem ihnen die Kaͤlte nicht ſchadet/ damit
ſie eher einwurtzeln/ ehe die Hitze ankommt. Was
Wurtzen hat/ kan im Mertzen geſetzt werden.

Cap. VIII.
Von den Gaͤngen.
[Spaltenumbruch]

DJe Haubt- und Creutzgaͤnge/ muͤſſen nach des
Orts Enge oder Weiten eingerichtet ſeyn; we-
nigſt 10 und meiſtens 16 Schuhe haben/ ſo wol
zum Wolſtand/ als auch zur Gemaͤchlichkeit zu ſpatzie-
ren/ nachdem der Garten groß iſt/ oder nachdem man
[Spaltenumbruch] Platz hat. Dieſe Gaͤnge nun muͤſſen ſauber gehalten/
und von allen Gras-Wurtzen und Unkraut gereiniget
werden.

Jn den Laͤndern/ wo die Oliven haͤuffig wachſen/
und man genug Oel-Truͤſen haben kan/ nimmt man

Haff-
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[587[585]/0623] Sechſtes Buch/ Blumen-Garten. beliebig wehlen; oder daraus ſelbſt nach ſeinem Gut- duncken einen aufzeichnen kan. Wer ſelbſt die Weiſe/ einen Garten auszutheilen/ haben will/ der beſehe M. Joh. Peſchelii Garten-Ordnung in folio Anno 1597 zu Eißleben gedruckt/ da wird er alles zu genuͤgen/ mit ſamt vielen Abriſſen und Zeichnungen eigentlich finden. Zu Ende dieſes Capitels muͤſſen die geſtochenen Gar- ten-Modell nacheinander einverleibt werden. Num. 1. 2. 3. 4. und 5. wie ſie mit den Numeris verzeichnet ſind/ biß auf Num. 10. P. Ferrarius rathet/ man ſolle alle Bettlein des Garten-Abriſſes mit ihren eignen Numeris unterſchei- den/ und in ſeinem Schreib-Tiſch/ oder in andere be- liebige Einfaſſung einleimen/ und beynebens (wie ſchon vor erwehnet) ein Memorial-Buͤchlein mit eben dieſen Numeris machen/ was in jedem Numero fuͤr Wurtzen/ Gewaͤchſe/ und Blumen zu bringen/ einzeichnen; oder wann der Garten ſo groß und weitlaͤufftig/ koͤnne man wol jedwedern Theil in einen ſonderlichen Riß und Verzeichnis bringen/ davon wir aber mehr in den fol- genden Capiteln handeln wollen. Sonſt ſtehet es ſchoͤn und praͤchtig/ wann in dem Centro oder Ecken des aus- getheilten Quadrats, allerhand ſaubere Statuen/ oder ſchoͤne gerade Baͤumlein/ wann ſie den Winter lei- den/ ins Land/ als den Baum des Lebens/ gerade Kran- weth-Baͤumlein/ oder wann ſie den Froſt nicht tragen koͤnnen/ ſie nur in ihren Geſchirren laſſen/ und alſo dahin ſetzen. Cap. VII. Von den Garten-Bettlein. VOr dieſem haben unſere Alten die Blumen- Bettlein/ gleich denen andern in dem Kuchen- garten/ etwas erhebt/ und die Gaͤnge darzwiſchen nidriger gelaſſen. Man hat aber befunden/ daß der Jtaliaͤniſche Gebrauch/ Bette und Gaͤnge in einer Hoͤhe zu laſſen/ vortraͤglicher iſt/ weil der Buchsbaum/ oder das Kraͤutelwerck/ damit die Bettlein eingefangen/ auſ- ſerhalb gegen den Gaͤngen etwas entbloͤſt/ durch den heiſſen Sommer leichtlich ausdorren und gar verder- ben; da hingegen/ wann die Bette und Gaͤnge von ei- nerley Hoͤhe ſind/ die Wurtzen von allen Seiten gleich bedeckt/ laͤnger und dauerhafftiger waͤhren/ auch die Ge- waͤchſe ſelbſten von der Sonnenhitz weniger beſchaͤdi- get/ die vom Regen und Thau einfeihende Feuchtigkeit deſto beharrlicher erhalten; es waͤre dann ein Grund alſo naßlaͤndig/ ſo muͤſten von Nothwegen die Bettlein eine beſſere Beſchuͤttung und Erhoͤhung haben/ damit die uͤberfluͤſſige Naͤſſen deſto baͤlder ausſincken koͤnnte. Wann man denn nun/ wie vorhin ſchon gedacht/ einen Grund-Riß aller Bettlein mit ſeinen Numeris, neben beygeſetzter Verzeichnis/ hat angeſtellt/ kan man wol den Catalogum rariorum ſtirpium mit einbringen/ daß man wiſſe/ was und wie viel in einem jeden ſey/ und ſie alſo untermengen/ daß in jedem Bette eine fruͤhe mittel- maͤſſige und ſpate Blume ſey; ſo ſoll man auch dieſe Kiel und Wurtzen untereinander mengen/ die man leicht voneinander kennt/ und acht haben/ daß die Schat- tirungen der Farben fein aus einander kommen. P. Timothæus von Roll/ Capuziner Ordens/ haͤlt es in ſeinem neuen Blumen-Buͤchlein fuͤr gut und bequem/ daß man auſſerhalb der Haubtſtraſſen/ um den Blumen-Garten herum/ der gantzen Laͤnge nach/ ein Bett anderthalb oder zween Schuhe breit mache/ darein man allerley Gewaͤchſe thun koͤnne/ die man nicht gern in den abgetheilten Bettlein hat/ als Sonnen- Blumen/ Herbſt-Roſen/ gelbe/ groſſe und kleine Sam- met-Roͤslein/ Magſaamen/ Klapper-Roſen/ Agley/ Fingerhuͤte/ Loͤwenmaͤuler/ gefuͤllte weiſſe Camillen/ Ringelblumen und dergleichen/ was viel Platz muß ha- ben/ und diß gebe auch/ wann ſie ordentlich durcheinan- der geſetzt werden/ dem Garten eine Zierde. Erſtbe- nannter Pater aber widerraͤthet/ einigerley Baͤume in die Blumen-Gaͤrten zu bringen/ weil ſie nicht allein von oben her den Sonnenſchein und die Lufft aufhalten/ ſondern auch unterſich die Krafft und ſaͤfftige Nahrung ſchmaͤlern und entziehen. Wann die Bettlein/ an ſtatt des Buchsbaums oder anderer Kraͤuter/ mit gebachenen Steinen ausgeſtaf- firt ſind/ kan man wol nahe an die aͤuſſerſten Seiten Tulipen-Kiel/ oder Anemonen ſetzen/ inwendig aber anderes ſpaͤters Blumwerck bringen/ damit der Garten nicht auf einmal voll Blumen/ das andere mal aber gantz oͤde ſey; Ranunculen aber ſoll man nie darzu mengen/ weil ſie allen andern Gewaͤchſen ſchaͤdlich und verderblich ſind. Aber von Latten gibt es auch gute Ein- faſſungen der Bettlein/ und wann ſie auswendig mit ei- ner Saͤgen die Helfft eingeſchnitten ſind/ kan man ſie auch wol in die Runde bringen/ wann ſie von Eichenholtz und mit Oelfarben angeſtrichen werden/ moͤgen ſie/ nach Herrn Fiſchers Meynung/ ein 30 Jahr aus- dauren. Wann man die Bettlein mit Kraͤutern/ Buchs- baum/ Salve/ Hyſſop oder dergleichen/ die keine Wur- tzen haben/ einfaſſen will/ muß es gar zeitlich im Februa- rio geſchehen/ indem ihnen die Kaͤlte nicht ſchadet/ damit ſie eher einwurtzeln/ ehe die Hitze ankommt. Was Wurtzen hat/ kan im Mertzen geſetzt werden. Cap. VIII. Von den Gaͤngen. DJe Haubt- und Creutzgaͤnge/ muͤſſen nach des Orts Enge oder Weiten eingerichtet ſeyn; we- nigſt 10 und meiſtens 16 Schuhe haben/ ſo wol zum Wolſtand/ als auch zur Gemaͤchlichkeit zu ſpatzie- ren/ nachdem der Garten groß iſt/ oder nachdem man Platz hat. Dieſe Gaͤnge nun muͤſſen ſauber gehalten/ und von allen Gras-Wurtzen und Unkraut gereiniget werden. Jn den Laͤndern/ wo die Oliven haͤuffig wachſen/ und man genug Oel-Truͤſen haben kan/ nimmt man Haff- E e e e

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Zitationshilfe: Hohberg, Wolf Helmhard von: Georgica Curiosa. Bd. 1. Nürnberg, 1682, S. 587[585]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/hohberg_georgica01_1682/623>, abgerufen am 21.10.2019.