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Hohberg, Wolf Helmhard von: Georgica Curiosa. Bd. 2. Nürnberg, 1682.

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Des Adelichen Land- und Feld-Lebens
Cap. LVI.
Nachtfischen und andere verbottene Fischereyen.
[Spaltenumbruch]

DEr Author des verbesserten und Anno 1680 zu
Nürnberg edirten Joh. Baptistae Portae p. 2. fol.
606. &c.
beschreibet eine Laterne zum Nachtfi-
schen mit folgenden Worten: Wir haben lassen eine
Laterne machen von Kupfer oder von Bley/ drey oder vier
Schuhe weit/ die mitten spitzig zugieng/ damit sie desto
besser in das Tieffe konte gesencket werden/ die war über-
all mit eisernen Ringen beschlagen/ damit sie/ wann sie
hinab gesuncken/ unter dem Wasser konte fortgezogen
werden; oben war eine Röhren daran/ 15 oder 20
Schuhe lang/ und einen weit; die Laterne hatte in ihrer
Weite unterschiedliche/ nemlich 5 oder 6 Fenster/ und
unterschiedliche helle gläserne Spiegel darinnen/ alle
Fugen waren mit Pech und Laimen wol verschmieret/
daß kein Wasser hinein konte; diese Laterne liessen wir/
mit Anhängung eines Gewichtes/ an den verlangten Ort
ins Wasser/ daß die Röhren nur zwey Schuhe aus dem
Wasser heraus reichete. Hernach liessen wir mit einem
Bindfaden eine brennende Lampe in die Latern hinab/
die also zugerichtet war/ daß das Liecht allzeit gerad auf-
stund/ man möchte sie bewegen/ wie man wolte; Da
scheinet nun das Liecht durch die Fenster im Wasser/ und
weil die Strahlen durch die Spiegel wieder zurücke
prallen/ giebt es unter die Wasser ein grosses Liecht/ daß
man sehr weit sehen kan/ auf welchen Schein eine grosse
Menge Fische zuschwimmet/ die man alsdann mit Ne-
tzen fangen kan; Jch halte dafür/ zu diesem Fang wer-
den die dreyfachen mit beederseits äussern Spiegeln/
und inwendig mit dem Jnngarn die täuglichsten seyn.

Sonsten ist das Nachtfischen/ da sie bey der Nacht
an den Flüssen auf Zillen fahren/ oder bey den Bächen
an dem Gestad mit Strohfackeln und angezündeten
Spänen gehen/ und sowol die des Liechtes Schein zu-
eilende Fische/ mit alten Plezern und Degen/ die stumpf
sind/ auf die Köpfe schlagen und wegfangen; als auch
die Krebse/ die gleichergestalt aus ihren Löchern dem
Liecht zueilen/ und also gefangen werden/ billich in allen
Fisch-Ordnungen verbotten/ weil die Wasser sehr dar-
durch ausgeödet sind; es wäre dann/ daß eine Herr-
schafft selbst zuzeiten des Nachts ein solches Lustfischen
anstellen wolte/ welches aber in keine Nachfolge zu zie-
hen; und billich an denen Fischern und Bestand-Jnn-
habern der Fisch-Wasser/ die bloß den Gewinn/ auch
mit anderer Schaden suchen/ gestraffet wird.

Noch ärger und straffmässiger aber sind diese/ wel-
che mit verbottenen Stucken nicht allein die Fische aus-
öden; sondern auch die Wasser selbst mit einem giffti-
gen Geschmack verwüsten und inficiren/ also wann sie
die Fische aus einem Dümpfel übersich zu schwimmen
betäuben wollen/ nehmen sie ungelöschten Kalch/ grana
Coeuli,
Pilsensaamen/ Kräenäuglein und dergleichen/
[Spaltenumbruch] machen Kügelein mit gewissen Sachen/ und werffen sol-
ches in das Wasser. D. Conradus Heresbachius
schreibt in seiner Therevtice folgende Wort: Traditur
Cyclaminis Pharmaci subacti odore, Pisces veluti
ebrios & infirmos reddi, adeo ut manu capiantur,
atque ideo Ichtyotheron dici;
davon nicht allein die
Fische/ so davon essen/ daumisch werden/ ja gar auch das
Wasser/ sonderlich wann es stehend ist/ im Grunde ver-
derbt wird.

Und ist denckwürdig/ was P. Gaspar Schottus in
Physica curiosa lib. 3. cap.
28. erzehlt/ daß in Sicilien
in einer Stadt drey Männer mit ihrem Diener in einen
Fluß fischen gangen/ und sehr viel Laub von Eibenbäu-
men hinein geworffen/ sind durch ihre Unvorsichtigkeit
die Fisch damit vergifftet worden/ als sie nun deren viel
gefangen/ auf allerley Weise gekocht und zugerichtet/
viel gessen haben/ sind sie/ sobald sie nach Hause kom-
men/ alle miteinander von einem hitzigen bösen Fieber
angegriffen worden/ daß sie alle drey/ ausser des Knech-
tes/ innerhalb drey Tagen gestorben sind; der Knecht/
der gleichesfalls von den Fischen gessen/ nachdem er ge-
hört das Ende der drey Herren/ und die drey Täge ü-
ber einen unsäglichen Durst erlitten/ auch sich nichts
anders/ als des Todes versehen können/ damit er nur
den Durst löschen möchte/ ist des Nachts heimlich auf-
gestanden/ und als er eine Legel mit starckem gutem
Wein erwischt/ hat er solchen rein ausgetruncken/ wie-
der zu Bette gangen/ starck geschwitzt/ und hat mit dem
Schweiß das Gifft und die Kranckheit von sich ge-
bracht.

Es wundert mich auch/ warum doch die grana
Coculi
und dergleichen allen Materialisten und Apothe-
kern offentlich zu führen/ und Männiglich zu verkauffen/
erlaubt ist/ da doch solches eine Lands-Fürstliche Obrig-
keit/ wo nicht gar verbieten/ aufs wenigst also limitiren
könte/ solche nicht Jederman so gar ungescheuhet zu ver-
kauffen/ daraus nichts als Unheil und Schaden in
den Fischwassern (welche doch für ein communc Bo-
num
zu halten) nothwendig erfolgen muß.

Noch mehr wundert mich/ daß in den meisten
Wirthschaffts-Büchern die Weise/ solche lose Stücke
zu verfertigen und zu brauchen/ so eigentlich gelehret und
unterwiesen wird/ da man doch mit Warheit sagen
möchte: Wer Böses lehret/ ist gleich so arg/ als wer
Böses thut; was verbotten ist/ soll man auch nicht un-
terweisen/ und weiß ich nicht/ was solche Leute/ die der-
gleichen Mirabilia offenbaren/ für eine Entschuldigung
für der erbaren Welt/ zugeschweigen für GOTT/
fürbringen wollen; wir geben es einem Jeden auf sein
Gewissen heim/ und fahren fort/ die übrigen Fische-
reyen zu beschreiben.

Cap
Des Adelichen Land- und Feld-Lebens
Cap. LVI.
Nachtfiſchen und andere verbottene Fiſchereyen.
[Spaltenumbruch]

DEr Author des verbeſſerten und Anno 1680 zu
Nuͤrnberg edirten Joh. Baptiſtæ Portæ p. 2. fol.
606. &c.
beſchreibet eine Laterne zum Nachtfi-
ſchen mit folgenden Worten: Wir haben laſſen eine
Laterne machen von Kupfer oder von Bley/ drey oder vier
Schuhe weit/ die mitten ſpitzig zugieng/ damit ſie deſto
beſſer in das Tieffe konte geſencket werden/ die war uͤber-
all mit eiſernen Ringen beſchlagen/ damit ſie/ wann ſie
hinab geſuncken/ unter dem Waſſer konte fortgezogen
werden; oben war eine Roͤhren daran/ 15 oder 20
Schuhe lang/ und einen weit; die Laterne hatte in ihrer
Weite unterſchiedliche/ nemlich 5 oder 6 Fenſter/ und
unterſchiedliche helle glaͤſerne Spiegel darinnen/ alle
Fugen waren mit Pech und Laimen wol verſchmieret/
daß kein Waſſer hinein konte; dieſe Laterne lieſſen wir/
mit Anhaͤngung eines Gewichtes/ an den verlangten Ort
ins Waſſer/ daß die Roͤhren nur zwey Schuhe aus dem
Waſſer heraus reichete. Hernach lieſſen wir mit einem
Bindfaden eine brennende Lampe in die Latern hinab/
die alſo zugerichtet war/ daß das Liecht allzeit gerad auf-
ſtund/ man moͤchte ſie bewegen/ wie man wolte; Da
ſcheinet nun das Liecht durch die Fenſter im Waſſer/ und
weil die Strahlen durch die Spiegel wieder zuruͤcke
prallen/ giebt es unter die Waſſer ein groſſes Liecht/ daß
man ſehr weit ſehen kan/ auf welchen Schein eine groſſe
Menge Fiſche zuſchwimmet/ die man alsdann mit Ne-
tzen fangen kan; Jch halte dafuͤr/ zu dieſem Fang wer-
den die dreyfachen mit beederſeits aͤuſſern Spiegeln/
und inwendig mit dem Jnngarn die taͤuglichſten ſeyn.

Sonſten iſt das Nachtfiſchen/ da ſie bey der Nacht
an den Fluͤſſen auf Zillen fahren/ oder bey den Baͤchen
an dem Geſtad mit Strohfackeln und angezuͤndeten
Spaͤnen gehen/ und ſowol die des Liechtes Schein zu-
eilende Fiſche/ mit alten Plezern und Degen/ die ſtumpf
ſind/ auf die Koͤpfe ſchlagen und wegfangen; als auch
die Krebſe/ die gleichergeſtalt aus ihren Loͤchern dem
Liecht zueilen/ und alſo gefangen werden/ billich in allen
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durch ausgeoͤdet ſind; es waͤre dann/ daß eine Herꝛ-
ſchafft ſelbſt zuzeiten des Nachts ein ſolches Luſtfiſchen
anſtellen wolte/ welches aber in keine Nachfolge zu zie-
hen; und billich an denen Fiſchern und Beſtand-Jnn-
habern der Fiſch-Waſſer/ die bloß den Gewinn/ auch
mit anderer Schaden ſuchen/ geſtraffet wird.

Noch aͤrger und ſtraffmaͤſſiger aber ſind dieſe/ wel-
che mit verbottenen Stucken nicht allein die Fiſche aus-
oͤden; ſondern auch die Waſſer ſelbſt mit einem giffti-
gen Geſchmack verwuͤſten und inficiren/ alſo wann ſie
die Fiſche aus einem Duͤmpfel uͤberſich zu ſchwimmen
betaͤuben wollen/ nehmen ſie ungeloͤſchten Kalch/ grana
Coeuli,
Pilſenſaamen/ Kraͤenaͤuglein und dergleichen/
[Spaltenumbruch] machen Kuͤgelein mit gewiſſen Sachen/ und werffen ſol-
ches in das Waſſer. D. Conradus Heresbachius
ſchreibt in ſeiner Therevtice folgende Wort: Traditur
Cyclaminis Pharmaci ſubacti odore, Piſces veluti
ebrios & infirmos reddi, adeò ut manu capiantur,
atquè ideò Ichtyotheron dici;
davon nicht allein die
Fiſche/ ſo davon eſſen/ daumiſch werden/ ja gar auch das
Waſſer/ ſonderlich wann es ſtehend iſt/ im Grunde ver-
derbt wird.

Und iſt denckwuͤrdig/ was P. Gaſpar Schottus in
Phyſicâ curioſâ lib. 3. cap.
28. erzehlt/ daß in Sicilien
in einer Stadt drey Maͤnner mit ihrem Diener in einen
Fluß fiſchen gangen/ und ſehr viel Laub von Eibenbaͤu-
men hinein geworffen/ ſind durch ihre Unvorſichtigkeit
die Fiſch damit vergifftet worden/ als ſie nun deren viel
gefangen/ auf allerley Weiſe gekocht und zugerichtet/
viel geſſen haben/ ſind ſie/ ſobald ſie nach Hauſe kom-
men/ alle miteinander von einem hitzigen boͤſen Fieber
angegriffen worden/ daß ſie alle drey/ auſſer des Knech-
tes/ innerhalb drey Tagen geſtorben ſind; der Knecht/
der gleichesfalls von den Fiſchen geſſen/ nachdem er ge-
hoͤrt das Ende der drey Herren/ und die drey Taͤge uͤ-
ber einen unſaͤglichen Durſt erlitten/ auch ſich nichts
anders/ als des Todes verſehen koͤnnen/ damit er nur
den Durſt loͤſchen moͤchte/ iſt des Nachts heimlich auf-
geſtanden/ und als er eine Legel mit ſtarckem gutem
Wein erwiſcht/ hat er ſolchen rein ausgetruncken/ wie-
der zu Bette gangen/ ſtarck geſchwitzt/ und hat mit dem
Schweiß das Gifft und die Kranckheit von ſich ge-
bracht.

Es wundert mich auch/ warum doch die grana
Coculi
und dergleichen allen Materialiſten und Apothe-
kern offentlich zu fuͤhren/ und Maͤnniglich zu verkauffen/
erlaubt iſt/ da doch ſolches eine Lands-Fuͤrſtliche Obrig-
keit/ wo nicht gar verbieten/ aufs wenigſt alſo limitiren
koͤnte/ ſolche nicht Jederman ſo gar ungeſcheuhet zu ver-
kauffen/ daraus nichts als Unheil und Schaden in
den Fiſchwaſſern (welche doch fuͤr ein communc Bo-
num
zu halten) nothwendig erfolgen muß.

Noch mehr wundert mich/ daß in den meiſten
Wirthſchaffts-Buͤchern die Weiſe/ ſolche loſe Stuͤcke
zu verfertigen und zu brauchen/ ſo eigentlich gelehret und
unterwieſen wird/ da man doch mit Warheit ſagen
moͤchte: Wer Boͤſes lehret/ iſt gleich ſo arg/ als wer
Boͤſes thut; was verbotten iſt/ ſoll man auch nicht un-
terweiſen/ und weiß ich nicht/ was ſolche Leute/ die der-
gleichen Mirabilia offenbaren/ fuͤr eine Entſchuldigung
fuͤr der erbaren Welt/ zugeſchweigen fuͤr GOTT/
fuͤrbringen wollen; wir geben es einem Jeden auf ſein
Gewiſſen heim/ und fahren fort/ die uͤbrigen Fiſche-
reyen zu beſchreiben.

Cap
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[498/0516] Des Adelichen Land- und Feld-Lebens Cap. LVI. Nachtfiſchen und andere verbottene Fiſchereyen. DEr Author des verbeſſerten und Anno 1680 zu Nuͤrnberg edirten Joh. Baptiſtæ Portæ p. 2. fol. 606. &c. beſchreibet eine Laterne zum Nachtfi- ſchen mit folgenden Worten: Wir haben laſſen eine Laterne machen von Kupfer oder von Bley/ drey oder vier Schuhe weit/ die mitten ſpitzig zugieng/ damit ſie deſto beſſer in das Tieffe konte geſencket werden/ die war uͤber- all mit eiſernen Ringen beſchlagen/ damit ſie/ wann ſie hinab geſuncken/ unter dem Waſſer konte fortgezogen werden; oben war eine Roͤhren daran/ 15 oder 20 Schuhe lang/ und einen weit; die Laterne hatte in ihrer Weite unterſchiedliche/ nemlich 5 oder 6 Fenſter/ und unterſchiedliche helle glaͤſerne Spiegel darinnen/ alle Fugen waren mit Pech und Laimen wol verſchmieret/ daß kein Waſſer hinein konte; dieſe Laterne lieſſen wir/ mit Anhaͤngung eines Gewichtes/ an den verlangten Ort ins Waſſer/ daß die Roͤhren nur zwey Schuhe aus dem Waſſer heraus reichete. Hernach lieſſen wir mit einem Bindfaden eine brennende Lampe in die Latern hinab/ die alſo zugerichtet war/ daß das Liecht allzeit gerad auf- ſtund/ man moͤchte ſie bewegen/ wie man wolte; Da ſcheinet nun das Liecht durch die Fenſter im Waſſer/ und weil die Strahlen durch die Spiegel wieder zuruͤcke prallen/ giebt es unter die Waſſer ein groſſes Liecht/ daß man ſehr weit ſehen kan/ auf welchen Schein eine groſſe Menge Fiſche zuſchwimmet/ die man alsdann mit Ne- tzen fangen kan; Jch halte dafuͤr/ zu dieſem Fang wer- den die dreyfachen mit beederſeits aͤuſſern Spiegeln/ und inwendig mit dem Jnngarn die taͤuglichſten ſeyn. Sonſten iſt das Nachtfiſchen/ da ſie bey der Nacht an den Fluͤſſen auf Zillen fahren/ oder bey den Baͤchen an dem Geſtad mit Strohfackeln und angezuͤndeten Spaͤnen gehen/ und ſowol die des Liechtes Schein zu- eilende Fiſche/ mit alten Plezern und Degen/ die ſtumpf ſind/ auf die Koͤpfe ſchlagen und wegfangen; als auch die Krebſe/ die gleichergeſtalt aus ihren Loͤchern dem Liecht zueilen/ und alſo gefangen werden/ billich in allen Fiſch-Ordnungen verbotten/ weil die Waſſer ſehr dar- durch ausgeoͤdet ſind; es waͤre dann/ daß eine Herꝛ- ſchafft ſelbſt zuzeiten des Nachts ein ſolches Luſtfiſchen anſtellen wolte/ welches aber in keine Nachfolge zu zie- hen; und billich an denen Fiſchern und Beſtand-Jnn- habern der Fiſch-Waſſer/ die bloß den Gewinn/ auch mit anderer Schaden ſuchen/ geſtraffet wird. Noch aͤrger und ſtraffmaͤſſiger aber ſind dieſe/ wel- che mit verbottenen Stucken nicht allein die Fiſche aus- oͤden; ſondern auch die Waſſer ſelbſt mit einem giffti- gen Geſchmack verwuͤſten und inficiren/ alſo wann ſie die Fiſche aus einem Duͤmpfel uͤberſich zu ſchwimmen betaͤuben wollen/ nehmen ſie ungeloͤſchten Kalch/ grana Coeuli, Pilſenſaamen/ Kraͤenaͤuglein und dergleichen/ machen Kuͤgelein mit gewiſſen Sachen/ und werffen ſol- ches in das Waſſer. D. Conradus Heresbachius ſchreibt in ſeiner Therevtice folgende Wort: Traditur Cyclaminis Pharmaci ſubacti odore, Piſces veluti ebrios & infirmos reddi, adeò ut manu capiantur, atquè ideò Ichtyotheron dici; davon nicht allein die Fiſche/ ſo davon eſſen/ daumiſch werden/ ja gar auch das Waſſer/ ſonderlich wann es ſtehend iſt/ im Grunde ver- derbt wird. Und iſt denckwuͤrdig/ was P. Gaſpar Schottus in Phyſicâ curioſâ lib. 3. cap. 28. erzehlt/ daß in Sicilien in einer Stadt drey Maͤnner mit ihrem Diener in einen Fluß fiſchen gangen/ und ſehr viel Laub von Eibenbaͤu- men hinein geworffen/ ſind durch ihre Unvorſichtigkeit die Fiſch damit vergifftet worden/ als ſie nun deren viel gefangen/ auf allerley Weiſe gekocht und zugerichtet/ viel geſſen haben/ ſind ſie/ ſobald ſie nach Hauſe kom- men/ alle miteinander von einem hitzigen boͤſen Fieber angegriffen worden/ daß ſie alle drey/ auſſer des Knech- tes/ innerhalb drey Tagen geſtorben ſind; der Knecht/ der gleichesfalls von den Fiſchen geſſen/ nachdem er ge- hoͤrt das Ende der drey Herren/ und die drey Taͤge uͤ- ber einen unſaͤglichen Durſt erlitten/ auch ſich nichts anders/ als des Todes verſehen koͤnnen/ damit er nur den Durſt loͤſchen moͤchte/ iſt des Nachts heimlich auf- geſtanden/ und als er eine Legel mit ſtarckem gutem Wein erwiſcht/ hat er ſolchen rein ausgetruncken/ wie- der zu Bette gangen/ ſtarck geſchwitzt/ und hat mit dem Schweiß das Gifft und die Kranckheit von ſich ge- bracht. Es wundert mich auch/ warum doch die grana Coculi und dergleichen allen Materialiſten und Apothe- kern offentlich zu fuͤhren/ und Maͤnniglich zu verkauffen/ erlaubt iſt/ da doch ſolches eine Lands-Fuͤrſtliche Obrig- keit/ wo nicht gar verbieten/ aufs wenigſt alſo limitiren koͤnte/ ſolche nicht Jederman ſo gar ungeſcheuhet zu ver- kauffen/ daraus nichts als Unheil und Schaden in den Fiſchwaſſern (welche doch fuͤr ein communc Bo- num zu halten) nothwendig erfolgen muß. Noch mehr wundert mich/ daß in den meiſten Wirthſchaffts-Buͤchern die Weiſe/ ſolche loſe Stuͤcke zu verfertigen und zu brauchen/ ſo eigentlich gelehret und unterwieſen wird/ da man doch mit Warheit ſagen moͤchte: Wer Boͤſes lehret/ iſt gleich ſo arg/ als wer Boͤſes thut; was verbotten iſt/ ſoll man auch nicht un- terweiſen/ und weiß ich nicht/ was ſolche Leute/ die der- gleichen Mirabilia offenbaren/ fuͤr eine Entſchuldigung fuͤr der erbaren Welt/ zugeſchweigen fuͤr GOTT/ fuͤrbringen wollen; wir geben es einem Jeden auf ſein Gewiſſen heim/ und fahren fort/ die uͤbrigen Fiſche- reyen zu beſchreiben. Cap

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Zitationshilfe: Hohberg, Wolf Helmhard von: Georgica Curiosa. Bd. 2. Nürnberg, 1682, S. 498. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/hohberg_georgica02_1682/516>, abgerufen am 15.10.2019.