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Immermann, Karl: Münchhausen. Bd. 2. Düsseldorf, 1839.

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Aber welcher von Beiden ist's? -- Ist's der
Freiherr, oder bist du es, Karl? Hier prüfe, hier
sei bedachtsam, hier zeige deinen ganzen Scharfsinn,
Herz! --



Ach, das Herz ist stumm. Münchhausen und
Karl sind mir beide gleichgültig. Das ist nun
herrlich für die ferneren Beschlüsse des Geschicks,
da ich dem Fürsten nur Freundin im reinsten Sinne
des Worts seyn will, aber übel für den Augenblick.



Denn ich erkenne den Plan des Prätendenten
von Hechelkram. Unter der Verkleidung will er
seine Emerentia erforschen, und wie herrlich würde
sie ihre Aufgabe lösen, wenn sie plötzlich vor den
Wahren träte und spräche: Fürst, sie sind erkannt;
Liebe sieht mit Adlersblicken, Treue hält, was sie
gefaßt, theuren Hauptes leisestes Nicken kündet
den ersehnten Gast!



Daß mir Beide so gleichgültig sind! -- Eigen-
artige Qual, seltsame Verwirrung, festgeschürzter
Knoten!



Aber welcher von Beiden iſt’s? — Iſt’s der
Freiherr, oder biſt du es, Karl? Hier prüfe, hier
ſei bedachtſam, hier zeige deinen ganzen Scharfſinn,
Herz! —



Ach, das Herz iſt ſtumm. Münchhauſen und
Karl ſind mir beide gleichgültig. Das iſt nun
herrlich für die ferneren Beſchlüſſe des Geſchicks,
da ich dem Fürſten nur Freundin im reinſten Sinne
des Worts ſeyn will, aber übel für den Augenblick.



Denn ich erkenne den Plan des Prätendenten
von Hechelkram. Unter der Verkleidung will er
ſeine Emerentia erforſchen, und wie herrlich würde
ſie ihre Aufgabe löſen, wenn ſie plötzlich vor den
Wahren träte und ſpräche: Fürſt, ſie ſind erkannt;
Liebe ſieht mit Adlersblicken, Treue hält, was ſie
gefaßt, theuren Hauptes leiſeſtes Nicken kündet
den erſehnten Gaſt!



Daß mir Beide ſo gleichgültig ſind! — Eigen-
artige Qual, ſeltſame Verwirrung, feſtgeſchürzter
Knoten!



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[20/0038] Aber welcher von Beiden iſt’s? — Iſt’s der Freiherr, oder biſt du es, Karl? Hier prüfe, hier ſei bedachtſam, hier zeige deinen ganzen Scharfſinn, Herz! — Ach, das Herz iſt ſtumm. Münchhauſen und Karl ſind mir beide gleichgültig. Das iſt nun herrlich für die ferneren Beſchlüſſe des Geſchicks, da ich dem Fürſten nur Freundin im reinſten Sinne des Worts ſeyn will, aber übel für den Augenblick. Denn ich erkenne den Plan des Prätendenten von Hechelkram. Unter der Verkleidung will er ſeine Emerentia erforſchen, und wie herrlich würde ſie ihre Aufgabe löſen, wenn ſie plötzlich vor den Wahren träte und ſpräche: Fürſt, ſie ſind erkannt; Liebe ſieht mit Adlersblicken, Treue hält, was ſie gefaßt, theuren Hauptes leiſeſtes Nicken kündet den erſehnten Gaſt! Daß mir Beide ſo gleichgültig ſind! — Eigen- artige Qual, ſeltſame Verwirrung, feſtgeſchürzter Knoten!

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Zitationshilfe: Immermann, Karl: Münchhausen. Bd. 2. Düsseldorf, 1839, S. 20. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/immermann_muenchhausen02_1839/38>, abgerufen am 24.03.2019.