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Immermann, Karl: Münchhausen. Bd. 2. Düsseldorf, 1839.

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Nußknacker in Ihrer Hand, und endlich, daß Sie
von dem Kehricht wissen und von der finstern That
meiner verklärten Mutter, welche Nußknacker'n in
jenes Elend verstieß -- -- alles Das -- -- mein
Gott, läugnen Sie doch nicht weiter, häufen Sie
nicht unnütze Qual auf ein armes Mädchen, die
immer Ihrer werth geblieben ist! Sein Sie gut
und liebevoll, lassen Sie die Maske fallen und
sprechen Sie: Emerentia, ja, ich bin es.

Was soll ich denn seyn? rief er. Ich bin kein
es. Ich bin, was ich bin -- Donnerwetter!

Seine rauhe Festigkeit machte mich doch einen
Augenblick wieder zweifelhaft. Wenn Sie es nicht
sind, sagte ich entschlossen, so ist es Ihr Herr, denn
Einer von Ihnen Beiden muß es seyn.

Ich wollte gehn. Karl hielt mich aber am
Kleide zurück. Mein Mittel hatte gewirkt. Ich
sehe wohl, sagte er, daß es Ihnen ein Ernst ist,
wenn ich es bin. Also wollte ich Sie nur fragen,
was daraus wird, wenn ich es bin?

Wenn Sie es sind, versetzte ich, so bin ich Ihre
Freundin im reinsten Sinne des Worts. Mein
ganzes bisheriges Leben war eine Vorbereitung auf
diesen großen Moment. Gnädigster Herr! In den

Nußknacker in Ihrer Hand, und endlich, daß Sie
von dem Kehricht wiſſen und von der finſtern That
meiner verklärten Mutter, welche Nußknacker’n in
jenes Elend verſtieß — — alles Das — — mein
Gott, läugnen Sie doch nicht weiter, häufen Sie
nicht unnütze Qual auf ein armes Mädchen, die
immer Ihrer werth geblieben iſt! Sein Sie gut
und liebevoll, laſſen Sie die Maske fallen und
ſprechen Sie: Emerentia, ja, ich bin es.

Was ſoll ich denn ſeyn? rief er. Ich bin kein
es. Ich bin, was ich bin — Donnerwetter!

Seine rauhe Feſtigkeit machte mich doch einen
Augenblick wieder zweifelhaft. Wenn Sie es nicht
ſind, ſagte ich entſchloſſen, ſo iſt es Ihr Herr, denn
Einer von Ihnen Beiden muß es ſeyn.

Ich wollte gehn. Karl hielt mich aber am
Kleide zurück. Mein Mittel hatte gewirkt. Ich
ſehe wohl, ſagte er, daß es Ihnen ein Ernſt iſt,
wenn ich es bin. Alſo wollte ich Sie nur fragen,
was daraus wird, wenn ich es bin?

Wenn Sie es ſind, verſetzte ich, ſo bin ich Ihre
Freundin im reinſten Sinne des Worts. Mein
ganzes bisheriges Leben war eine Vorbereitung auf
dieſen großen Moment. Gnädigſter Herr! In den

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[27/0045] Nußknacker in Ihrer Hand, und endlich, daß Sie von dem Kehricht wiſſen und von der finſtern That meiner verklärten Mutter, welche Nußknacker’n in jenes Elend verſtieß — — alles Das — — mein Gott, läugnen Sie doch nicht weiter, häufen Sie nicht unnütze Qual auf ein armes Mädchen, die immer Ihrer werth geblieben iſt! Sein Sie gut und liebevoll, laſſen Sie die Maske fallen und ſprechen Sie: Emerentia, ja, ich bin es. Was ſoll ich denn ſeyn? rief er. Ich bin kein es. Ich bin, was ich bin — Donnerwetter! Seine rauhe Feſtigkeit machte mich doch einen Augenblick wieder zweifelhaft. Wenn Sie es nicht ſind, ſagte ich entſchloſſen, ſo iſt es Ihr Herr, denn Einer von Ihnen Beiden muß es ſeyn. Ich wollte gehn. Karl hielt mich aber am Kleide zurück. Mein Mittel hatte gewirkt. Ich ſehe wohl, ſagte er, daß es Ihnen ein Ernſt iſt, wenn ich es bin. Alſo wollte ich Sie nur fragen, was daraus wird, wenn ich es bin? Wenn Sie es ſind, verſetzte ich, ſo bin ich Ihre Freundin im reinſten Sinne des Worts. Mein ganzes bisheriges Leben war eine Vorbereitung auf dieſen großen Moment. Gnädigſter Herr! In den

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Zitationshilfe: Immermann, Karl: Münchhausen. Bd. 2. Düsseldorf, 1839, S. 27. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/immermann_muenchhausen02_1839/45>, abgerufen am 22.03.2019.