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Jacobi, Johann Friedrich: Betrachtungen über die Weisen Absichten Gottes, bey denen Dingen, die wir in der menschlichen Gesellschaft und der Offenbahrung antreffen. Bd. 2. Göttingen, 1745.

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§. 3.
Diese Ver-
hältniß ist
von dem
Schöpfer
also be-
stimmt.

Wir dürfen nicht dencken, daß dieses
entweder absolut nothwendig, oder von
ohngefehr so in der Welt sey; sondern
man muß hierinne allerdings eine göttliche
Einrichtung und weise Vorsehung erken-
nen. Es ist nicht absolut nothwendig, daß
die Manns-Personen eine solche Verhält-
niß gegen die Frauens-Personen haben
müssen als sie würcklich haben. Denn
alle Personen, so wohl von männlichen als
weiblichen Geschlecht, sind zufällige Wesen.
Folglich ist auch die Anzahl derselben in
jedem Geschlecht zufällig, und derowegen
hätte die Allmacht des Schöpfers diesen
Zusammenhang auch so einrichten können,
daß die Anzahl der Personen in dem einen
Geschlecht die Anzahl in dem andern bey
weitem übertroffen. Es findet hier kein

blosser
den Töchtern in den Städten wird es bis
hieher noch zu einiger Schande gerechnet,
wenn sie als Jungfern viel Brandtewein
trincken. Diese Umstände scheinen mir de-
rowegen in etwas begreiflich zu machen,
warum in den Städten mehr Knaben ster-
ben als Mädgen, und denn auch mehr als
Knaben auf dem Lande. Vielleicht entde-
cken andere noch mehrere und wichtigere
Ursachen hievon.


§. 3.
Dieſe Ver-
haͤltniß iſt
von dem
Schoͤpfer
alſo be-
ſtimmt.

Wir duͤrfen nicht dencken, daß dieſes
entweder abſolut nothwendig, oder von
ohngefehr ſo in der Welt ſey; ſondern
man muß hierinne allerdings eine goͤttliche
Einrichtung und weiſe Vorſehung erken-
nen. Es iſt nicht abſolut nothwendig, daß
die Manns-Perſonen eine ſolche Verhaͤlt-
niß gegen die Frauens-Perſonen haben
muͤſſen als ſie wuͤrcklich haben. Denn
alle Perſonen, ſo wohl von maͤnnlichen als
weiblichen Geſchlecht, ſind zufaͤllige Weſen.
Folglich iſt auch die Anzahl derſelben in
jedem Geſchlecht zufaͤllig, und derowegen
haͤtte die Allmacht des Schoͤpfers dieſen
Zuſammenhang auch ſo einrichten koͤnnen,
daß die Anzahl der Perſonen in dem einen
Geſchlecht die Anzahl in dem andern bey
weitem uͤbertroffen. Es findet hier kein

bloſſer
den Toͤchtern in den Staͤdten wird es bis
hieher noch zu einiger Schande gerechnet,
wenn ſie als Jungfern viel Brandtewein
trincken. Dieſe Umſtaͤnde ſcheinen mir de-
rowegen in etwas begreiflich zu machen,
warum in den Staͤdten mehr Knaben ſter-
ben als Maͤdgen, und denn auch mehr als
Knaben auf dem Lande. Vielleicht entde-
cken andere noch mehrere und wichtigere
Urſachen hievon.
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[158/0176] (***) §. 3. Wir duͤrfen nicht dencken, daß dieſes entweder abſolut nothwendig, oder von ohngefehr ſo in der Welt ſey; ſondern man muß hierinne allerdings eine goͤttliche Einrichtung und weiſe Vorſehung erken- nen. Es iſt nicht abſolut nothwendig, daß die Manns-Perſonen eine ſolche Verhaͤlt- niß gegen die Frauens-Perſonen haben muͤſſen als ſie wuͤrcklich haben. Denn alle Perſonen, ſo wohl von maͤnnlichen als weiblichen Geſchlecht, ſind zufaͤllige Weſen. Folglich iſt auch die Anzahl derſelben in jedem Geſchlecht zufaͤllig, und derowegen haͤtte die Allmacht des Schoͤpfers dieſen Zuſammenhang auch ſo einrichten koͤnnen, daß die Anzahl der Perſonen in dem einen Geſchlecht die Anzahl in dem andern bey weitem uͤbertroffen. Es findet hier kein bloſſer (***) den Toͤchtern in den Staͤdten wird es bis hieher noch zu einiger Schande gerechnet, wenn ſie als Jungfern viel Brandtewein trincken. Dieſe Umſtaͤnde ſcheinen mir de- rowegen in etwas begreiflich zu machen, warum in den Staͤdten mehr Knaben ſter- ben als Maͤdgen, und denn auch mehr als Knaben auf dem Lande. Vielleicht entde- cken andere noch mehrere und wichtigere Urſachen hievon.

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Zitationshilfe: Jacobi, Johann Friedrich: Betrachtungen über die Weisen Absichten Gottes, bey denen Dingen, die wir in der menschlichen Gesellschaft und der Offenbahrung antreffen. Bd. 2. Göttingen, 1745, S. 158. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/jacobi_betrachtungen02_1745/176>, abgerufen am 27.09.2020.