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Keller, Gottfried: Romeo und Julia auf dem Dorfe. In: Deutscher Novellenschatz. Hrsg. von Paul Heyse und Hermann Kurz. Bd. 3. 2. Aufl. Berlin, [1910], S. 233–348. In: Weitin, Thomas (Hrsg.): Volldigitalisiertes Korpus. Der Deutsche Novellenschatz. Darmstadt/Konstanz, 2016.

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gen. Die Beamten und die Gaffer verloren sich vom Felde, die beiden Bauern, welche sich auf ihren Aeckern noch zu schaffen gemacht, trafen beim Weggehen wieder zusammen und Marti sagte: Du wirst nun dein Land, das alte und das neue, wohl zusammenschlagen und in zwei gleiche Stücke theilen? Ich hätte es wenigstens so gemacht, wenn ich das Ding bekommen hätte. -- Ich werde es allerdings auch thun, antwortete Manz, denn als Ein Acker würde mir das Stück zu groß sein. Doch was ich sagen wollte: Ich habe bemerkt, daß du neulich noch am untern Ende dieses Ackers, der jetzt mir gehört, schräg hineingefahren bist und ein gutes Dreieck abgeschnitten hast. Du hast es vielleicht gethan in der Meinung, du werdest das ganze Stück an dich bringen, und es sei dann so wie so dein. Da es nun aber mir gehört, so wirst du wohl einsehen, daß ich eine solche ungehörige Einkrümmung nicht brauchen noch dulden kann, und wirst nichts dagegen haben, wenn ich den Strich wieder grad mache! Streit wird das nicht abgeben sollen!

Marti erwiderte eben so kaltblütig, als ihn Manz angeredet hatte: Ich sehe auch nicht, wo Streit herkommen soll! Ich denke, du hast den Acker gekauft, wie er da ist, wir haben ihn alle gemeinschaftlich besehen, und er hat sich seit einer Stunde nicht um ein Haar verändert!

Larifari! sagte Manz, was früher geschehen, wollen wir nicht aufrühren! Was aber zu viel ist, ist zu

gen. Die Beamten und die Gaffer verloren sich vom Felde, die beiden Bauern, welche sich auf ihren Aeckern noch zu schaffen gemacht, trafen beim Weggehen wieder zusammen und Marti sagte: Du wirst nun dein Land, das alte und das neue, wohl zusammenschlagen und in zwei gleiche Stücke theilen? Ich hätte es wenigstens so gemacht, wenn ich das Ding bekommen hätte. — Ich werde es allerdings auch thun, antwortete Manz, denn als Ein Acker würde mir das Stück zu groß sein. Doch was ich sagen wollte: Ich habe bemerkt, daß du neulich noch am untern Ende dieses Ackers, der jetzt mir gehört, schräg hineingefahren bist und ein gutes Dreieck abgeschnitten hast. Du hast es vielleicht gethan in der Meinung, du werdest das ganze Stück an dich bringen, und es sei dann so wie so dein. Da es nun aber mir gehört, so wirst du wohl einsehen, daß ich eine solche ungehörige Einkrümmung nicht brauchen noch dulden kann, und wirst nichts dagegen haben, wenn ich den Strich wieder grad mache! Streit wird das nicht abgeben sollen!

Marti erwiderte eben so kaltblütig, als ihn Manz angeredet hatte: Ich sehe auch nicht, wo Streit herkommen soll! Ich denke, du hast den Acker gekauft, wie er da ist, wir haben ihn alle gemeinschaftlich besehen, und er hat sich seit einer Stunde nicht um ein Haar verändert!

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[0023] gen. Die Beamten und die Gaffer verloren sich vom Felde, die beiden Bauern, welche sich auf ihren Aeckern noch zu schaffen gemacht, trafen beim Weggehen wieder zusammen und Marti sagte: Du wirst nun dein Land, das alte und das neue, wohl zusammenschlagen und in zwei gleiche Stücke theilen? Ich hätte es wenigstens so gemacht, wenn ich das Ding bekommen hätte. — Ich werde es allerdings auch thun, antwortete Manz, denn als Ein Acker würde mir das Stück zu groß sein. Doch was ich sagen wollte: Ich habe bemerkt, daß du neulich noch am untern Ende dieses Ackers, der jetzt mir gehört, schräg hineingefahren bist und ein gutes Dreieck abgeschnitten hast. Du hast es vielleicht gethan in der Meinung, du werdest das ganze Stück an dich bringen, und es sei dann so wie so dein. Da es nun aber mir gehört, so wirst du wohl einsehen, daß ich eine solche ungehörige Einkrümmung nicht brauchen noch dulden kann, und wirst nichts dagegen haben, wenn ich den Strich wieder grad mache! Streit wird das nicht abgeben sollen! Marti erwiderte eben so kaltblütig, als ihn Manz angeredet hatte: Ich sehe auch nicht, wo Streit herkommen soll! Ich denke, du hast den Acker gekauft, wie er da ist, wir haben ihn alle gemeinschaftlich besehen, und er hat sich seit einer Stunde nicht um ein Haar verändert! Larifari! sagte Manz, was früher geschehen, wollen wir nicht aufrühren! Was aber zu viel ist, ist zu

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Thomas Weitin: Herausgeber
Digital Humanities Cooperation Konstanz/Darmstadt: Bereitstellung der Texttranskription. (2017-03-15T12:34:29Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Jan Merkt, Thomas Gilli, Jasmin Bieber, Katharina Herget, Anni Peter, Christian Thomas, Benjamin Fiechter: Bearbeitung der digitalen Edition. (2017-03-15T12:34:29Z)

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Zitationshilfe: Keller, Gottfried: Romeo und Julia auf dem Dorfe. In: Deutscher Novellenschatz. Hrsg. von Paul Heyse und Hermann Kurz. Bd. 3. 2. Aufl. Berlin, [1910], S. 233–348. In: Weitin, Thomas (Hrsg.): Volldigitalisiertes Korpus. Der Deutsche Novellenschatz. Darmstadt/Konstanz, 2016, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/keller_dorfe_1910/23>, abgerufen am 23.09.2020.