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Kempelen, Wolfgang von: Mechanismus der menschlichen Sprache. Wien, 1791.

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Von den Werkzeugen der Sprache.
§. 43.

Jst diese Oeffnung nicht so groß, daß durch
dieselbe die von der Lunge herangedrückte Luft ganz
freyen Ausgang findet, sondern sich mit einiger Ge-
walt durchdrängen muß, so reibt sie sich an den
beyden Rändern der Membranen, und bringt sie
zum Zittern. Dieses Zittern geschieht mit so ausser-
ordentlicher Geschwindigkeit, daß die Stöße, die
die Luft durch das Hin-und Herschnellen der
Häutchen bekömmt, fast in Eines zusammenfließen,
und durch unser Ohr nicht mehr voneinander un-
terschieden werden können, so wie dem Auge die
Speichen eines schnell umlaufenden Rades in eine
Scheibe zusammen zu rinnen scheinen. Auf diese Art
werden dem Ohre die wiederholten Luftstöße zu
einem Tone, und dieser heißt Stimme.

§. 44.

Die oben beschriebene Oeffnung werden wir
in diesem Werke immer die Stimmritze nennen.
Sie hat ihre Gränzen. Wenn sie in der Mitte,
dem kleinen Durchmesser nach, den zwölften oder

höchstens
F
Von den Werkzeugen der Sprache.
§. 43.

Jſt dieſe Oeffnung nicht ſo groß, daß durch
dieſelbe die von der Lunge herangedruͤckte Luft ganz
freyen Ausgang findet, ſondern ſich mit einiger Ge-
walt durchdraͤngen muß, ſo reibt ſie ſich an den
beyden Raͤndern der Membranen, und bringt ſie
zum Zittern. Dieſes Zittern geſchieht mit ſo auſſer-
ordentlicher Geſchwindigkeit, daß die Stoͤße, die
die Luft durch das Hin-und Herſchnellen der
Haͤutchen bekoͤmmt, faſt in Eines zuſammenfließen,
und durch unſer Ohr nicht mehr voneinander un-
terſchieden werden koͤnnen, ſo wie dem Auge die
Speichen eines ſchnell umlaufenden Rades in eine
Scheibe zuſammen zu rinnen ſcheinen. Auf dieſe Art
werden dem Ohre die wiederholten Luftſtoͤße zu
einem Tone, und dieſer heißt Stimme.

§. 44.

Die oben beſchriebene Oeffnung werden wir
in dieſem Werke immer die Stimmritze nennen.
Sie hat ihre Graͤnzen. Wenn ſie in der Mitte,
dem kleinen Durchmeſſer nach, den zwoͤlften oder

hoͤchſtens
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[81/0113] Von den Werkzeugen der Sprache. §. 43. Jſt dieſe Oeffnung nicht ſo groß, daß durch dieſelbe die von der Lunge herangedruͤckte Luft ganz freyen Ausgang findet, ſondern ſich mit einiger Ge- walt durchdraͤngen muß, ſo reibt ſie ſich an den beyden Raͤndern der Membranen, und bringt ſie zum Zittern. Dieſes Zittern geſchieht mit ſo auſſer- ordentlicher Geſchwindigkeit, daß die Stoͤße, die die Luft durch das Hin-und Herſchnellen der Haͤutchen bekoͤmmt, faſt in Eines zuſammenfließen, und durch unſer Ohr nicht mehr voneinander un- terſchieden werden koͤnnen, ſo wie dem Auge die Speichen eines ſchnell umlaufenden Rades in eine Scheibe zuſammen zu rinnen ſcheinen. Auf dieſe Art werden dem Ohre die wiederholten Luftſtoͤße zu einem Tone, und dieſer heißt Stimme. §. 44. Die oben beſchriebene Oeffnung werden wir in dieſem Werke immer die Stimmritze nennen. Sie hat ihre Graͤnzen. Wenn ſie in der Mitte, dem kleinen Durchmeſſer nach, den zwoͤlften oder hoͤchſtens F

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Zitationshilfe: Kempelen, Wolfgang von: Mechanismus der menschlichen Sprache. Wien, 1791, S. 81. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/kempelen_maschine_1791/113>, abgerufen am 23.10.2019.