Am Dienstag, dem 19. November 2019, finden von 9 bis 14 Uhr Wartungsarbeiten an unseren Servern statt. Bitte beachten Sie, dass die DTA-Seiten in dieser Zeit nicht erreichbar sein werden.
Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Klopstock, Friedrich Gottlieb: Deutsche Gelehrtenrepublik. Hamburg, 1774.

Bild:
<< vorherige Seite

samlung auf drey Tage verbieten. Sie thun
das lezte sehr selten, weil es die Zünfte nur
gegen sie aufbringt.

Von den Knechten, Freyen,
und Edlen.

Wer nur Andrer Meinung oder Geschmak
hat, oder wer nur nachahmt, ist ein
Knecht.

Wer selbst denkt, und selten nachahmt, ist
ein Freyer.

Wer als Entdecker oder Erfinder eine ge-
wisse Höhe erreicht hat, ist ein Edler. Da-
mit man dieß Wort ja im rechten Verstande
nehme, so müssen wir anmerken, daß es gar
keine Beziehung auf diejenigen Edlen habe,
welche Verdienste erben. Unsre Edlen haben
selbst Verdienste, und grössere, als gewönlich
selbst die Erblasser hatten.

Diese Unterschiede haben darauf, ob unsre
Mitbürger dem Volke oder den Zünften oder
auch den Aldermännern angehören, folgende
Beziehung:

Die meisten Knechte sind unter dem Volke.
Kein Knecht kann Aldermann werden. Die

Zünfte

ſamlung auf drey Tage verbieten. Sie thun
das lezte ſehr ſelten, weil es die Zuͤnfte nur
gegen ſie aufbringt.

Von den Knechten, Freyen,
und Edlen.

Wer nur Andrer Meinung oder Geſchmak
hat, oder wer nur nachahmt, iſt ein
Knecht.

Wer ſelbſt denkt, und ſelten nachahmt, iſt
ein Freyer.

Wer als Entdecker oder Erfinder eine ge-
wiſſe Hoͤhe erreicht hat, iſt ein Edler. Da-
mit man dieß Wort ja im rechten Verſtande
nehme, ſo muͤſſen wir anmerken, daß es gar
keine Beziehung auf diejenigen Edlen habe,
welche Verdienſte erben. Unſre Edlen haben
ſelbſt Verdienſte, und groͤſſere, als gewoͤnlich
ſelbſt die Erblaſſer hatten.

Dieſe Unterſchiede haben darauf, ob unſre
Mitbuͤrger dem Volke oder den Zuͤnften oder
auch den Aldermaͤnnern angehoͤren, folgende
Beziehung:

Die meiſten Knechte ſind unter dem Volke.
Kein Knecht kann Aldermann werden. Die

Zuͤnfte
<TEI xml:id="dtabf">
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0096" n="20"/>
&#x017F;amlung auf drey Tage verbieten. Sie thun<lb/>
das lezte &#x017F;ehr &#x017F;elten, weil es die Zu&#x0364;nfte nur<lb/>
gegen &#x017F;ie aufbringt.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Von den Knechten, Freyen,<lb/>
und Edlen.</hi> </head><lb/>
          <p><hi rendition="#in">W</hi>er nur Andrer Meinung oder Ge&#x017F;chmak<lb/>
hat, oder wer nur nachahmt, i&#x017F;t ein<lb/>
Knecht.</p><lb/>
          <p>Wer &#x017F;elb&#x017F;t denkt, und &#x017F;elten nachahmt, i&#x017F;t<lb/>
ein Freyer.</p><lb/>
          <p>Wer als Entdecker oder Erfinder eine ge-<lb/>
wi&#x017F;&#x017F;e Ho&#x0364;he erreicht hat, i&#x017F;t ein <hi rendition="#fr">Edler.</hi> Da-<lb/>
mit man dieß Wort ja im rechten Ver&#x017F;tande<lb/>
nehme, &#x017F;o mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en wir anmerken, daß es gar<lb/>
keine Beziehung auf diejenigen Edlen habe,<lb/>
welche Verdien&#x017F;te erben. Un&#x017F;re Edlen haben<lb/>
&#x017F;elb&#x017F;t Verdien&#x017F;te, und gro&#x0364;&#x017F;&#x017F;ere, als gewo&#x0364;nlich<lb/>
&#x017F;elb&#x017F;t die Erbla&#x017F;&#x017F;er hatten.</p><lb/>
          <p>Die&#x017F;e Unter&#x017F;chiede haben darauf, ob un&#x017F;re<lb/>
Mitbu&#x0364;rger dem Volke oder den Zu&#x0364;nften oder<lb/>
auch den Alderma&#x0364;nnern angeho&#x0364;ren, folgende<lb/>
Beziehung:</p><lb/>
          <p>Die mei&#x017F;ten Knechte &#x017F;ind unter dem Volke.<lb/>
Kein Knecht kann Aldermann werden. Die<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">Zu&#x0364;nfte</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[20/0096] ſamlung auf drey Tage verbieten. Sie thun das lezte ſehr ſelten, weil es die Zuͤnfte nur gegen ſie aufbringt. Von den Knechten, Freyen, und Edlen. Wer nur Andrer Meinung oder Geſchmak hat, oder wer nur nachahmt, iſt ein Knecht. Wer ſelbſt denkt, und ſelten nachahmt, iſt ein Freyer. Wer als Entdecker oder Erfinder eine ge- wiſſe Hoͤhe erreicht hat, iſt ein Edler. Da- mit man dieß Wort ja im rechten Verſtande nehme, ſo muͤſſen wir anmerken, daß es gar keine Beziehung auf diejenigen Edlen habe, welche Verdienſte erben. Unſre Edlen haben ſelbſt Verdienſte, und groͤſſere, als gewoͤnlich ſelbſt die Erblaſſer hatten. Dieſe Unterſchiede haben darauf, ob unſre Mitbuͤrger dem Volke oder den Zuͤnften oder auch den Aldermaͤnnern angehoͤren, folgende Beziehung: Die meiſten Knechte ſind unter dem Volke. Kein Knecht kann Aldermann werden. Die Zuͤnfte

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/klopstock_gelehrtenrepublik_1774
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/klopstock_gelehrtenrepublik_1774/96
Zitationshilfe: Klopstock, Friedrich Gottlieb: Deutsche Gelehrtenrepublik. Hamburg, 1774, S. 20. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/klopstock_gelehrtenrepublik_1774/96>, abgerufen am 15.11.2019.