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Kölliker, Albert von: Entwicklungsgeschichte des Menschen und der höheren Thiere. Leipzig, 1861.

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Neununddreissigste Vorlesung.

Meine Herren! Der weibliche Geschlechtsapparat charakterisirtBildung der
Ausführungs-
gänge beim
weiblichen
Geschlechte.

sich gegenüber dem männlichen bei der Bildung der Ausführungs-
gänge dadurch, dass bei ihm die Urniere keine weitere Bedeutung
erlangt, sondern mit Ausnahme eines kleinen Restes schwindet, der
als Rosenmüller'sches Organ schon lange beim Neugebornen bekannt
ist und von Kobelt auch beim erwachsenen Weibe als beständig und
als Analogon des Nebenhodens nachgewiesen und mit dem Namen
des Nebeneierstockes bezeichnet wurde. Sehr selten erhaltenNebeneierstock.
sich beim Menschen Spuren der Urnierengänge, von denen ich übri-
gens noch bei reifen Embryonen deutliche Reste im Lig. latum fand,
wogegen dieselben bei gewissen weiblichen Säugethieren (Schwei-
nen, Wiederkäuern) vorgefunden werden und die Gartner'schenGartner'sche
Gänge.

Gänge heissen, deren Bedeutung zuerst von Jacobson (Die Oken'schen
Körper oder die Primordialnieren. Kopenhagen 1830) und später auch
von Kobelt nachgewiesen wurde. Geht so der Urniere beim weib-
lichen Geschlechte jede Beziehung zur Geschlechtssphäre ab, so tre-
ten dagegen die Müller'schen Gänge in ihr Recht ein und entwickeln
sich zur Scheide, dem Uterus und den Eileitern. Tuba wird derEileiter.
Theil dieser Gänge, der am Wolff'schen Körper seine Lage hat bis
zu dem Puncte, wo das Ligamentum uteri rotundum an den ursprüng-
lichen Urnierengang sich ansetzt, und sind die Veränderungen, die
dieser Abschnitt, abgesehen von der Grössenzunahme und den noch
zu besprechenden Lageveränderungen, erfährt, einfach die, dass nahe
am obersten Ende ein Längsschlitz sich bildet, aus welchem dann
allmälig das Ostium abdominale der Tuba hervorgeht, während das
allerletzte Ende des Müller'schen Ganges, wie Kobelt wohl mit Grund
annimmt, zur gestielten Cyste am Ende der Tuba sich gestaltet.


Neununddreissigste Vorlesung.

Meine Herren! Der weibliche Geschlechtsapparat charakterisirtBildung der
Ausführungs-
gänge beim
weiblichen
Geschlechte.

sich gegenüber dem männlichen bei der Bildung der Ausführungs-
gänge dadurch, dass bei ihm die Urniere keine weitere Bedeutung
erlangt, sondern mit Ausnahme eines kleinen Restes schwindet, der
als Rosenmüller’sches Organ schon lange beim Neugebornen bekannt
ist und von Kobelt auch beim erwachsenen Weibe als beständig und
als Analogon des Nebenhodens nachgewiesen und mit dem Namen
des Nebeneierstockes bezeichnet wurde. Sehr selten erhaltenNebeneierstock.
sich beim Menschen Spuren der Urnierengänge, von denen ich übri-
gens noch bei reifen Embryonen deutliche Reste im Lig. latum fand,
wogegen dieselben bei gewissen weiblichen Säugethieren (Schwei-
nen, Wiederkäuern) vorgefunden werden und die Gartner’schenGartner’sche
Gänge.

Gänge heissen, deren Bedeutung zuerst von Jacobson (Die Oken’schen
Körper oder die Primordialnieren. Kopenhagen 1830) und später auch
von Kobelt nachgewiesen wurde. Geht so der Urniere beim weib-
lichen Geschlechte jede Beziehung zur Geschlechtssphäre ab, so tre-
ten dagegen die Müller’schen Gänge in ihr Recht ein und entwickeln
sich zur Scheide, dem Uterus und den Eileitern. Tuba wird derEileiter.
Theil dieser Gänge, der am Wolff’schen Körper seine Lage hat bis
zu dem Puncte, wo das Ligamentum uteri rotundum an den ursprüng-
lichen Urnierengang sich ansetzt, und sind die Veränderungen, die
dieser Abschnitt, abgesehen von der Grössenzunahme und den noch
zu besprechenden Lageveränderungen, erfährt, einfach die, dass nahe
am obersten Ende ein Längsschlitz sich bildet, aus welchem dann
allmälig das Ostium abdominale der Tuba hervorgeht, während das
allerletzte Ende des Müller’schen Ganges, wie Kobelt wohl mit Grund
annimmt, zur gestielten Cyste am Ende der Tuba sich gestaltet.


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[[447]/0463] Neununddreissigste Vorlesung. Meine Herren! Der weibliche Geschlechtsapparat charakterisirt sich gegenüber dem männlichen bei der Bildung der Ausführungs- gänge dadurch, dass bei ihm die Urniere keine weitere Bedeutung erlangt, sondern mit Ausnahme eines kleinen Restes schwindet, der als Rosenmüller’sches Organ schon lange beim Neugebornen bekannt ist und von Kobelt auch beim erwachsenen Weibe als beständig und als Analogon des Nebenhodens nachgewiesen und mit dem Namen des Nebeneierstockes bezeichnet wurde. Sehr selten erhalten sich beim Menschen Spuren der Urnierengänge, von denen ich übri- gens noch bei reifen Embryonen deutliche Reste im Lig. latum fand, wogegen dieselben bei gewissen weiblichen Säugethieren (Schwei- nen, Wiederkäuern) vorgefunden werden und die Gartner’schen Gänge heissen, deren Bedeutung zuerst von Jacobson (Die Oken’schen Körper oder die Primordialnieren. Kopenhagen 1830) und später auch von Kobelt nachgewiesen wurde. Geht so der Urniere beim weib- lichen Geschlechte jede Beziehung zur Geschlechtssphäre ab, so tre- ten dagegen die Müller’schen Gänge in ihr Recht ein und entwickeln sich zur Scheide, dem Uterus und den Eileitern. Tuba wird der Theil dieser Gänge, der am Wolff’schen Körper seine Lage hat bis zu dem Puncte, wo das Ligamentum uteri rotundum an den ursprüng- lichen Urnierengang sich ansetzt, und sind die Veränderungen, die dieser Abschnitt, abgesehen von der Grössenzunahme und den noch zu besprechenden Lageveränderungen, erfährt, einfach die, dass nahe am obersten Ende ein Längsschlitz sich bildet, aus welchem dann allmälig das Ostium abdominale der Tuba hervorgeht, während das allerletzte Ende des Müller’schen Ganges, wie Kobelt wohl mit Grund annimmt, zur gestielten Cyste am Ende der Tuba sich gestaltet. Bildung der Ausführungs- gänge beim weiblichen Geschlechte. Nebeneierstock. Gartner’sche Gänge. Eileiter.

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Zitationshilfe: Kölliker, Albert von: Entwicklungsgeschichte des Menschen und der höheren Thiere. Leipzig, 1861, S. [447]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/koelliker_entwicklungs_1861/463>, abgerufen am 19.03.2019.