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Krafft, Guido: Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Bd. 1. Berlin, 1875.

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Allgemeine Ackerbaulehre.
Schollen aufgebrochen, deren Verkleinerung oft bedeutende Schwierigkeiten und Kosten
verursacht. Trockener, sandiger Boden wird dagegen durch unzeitgemäßes Pflügen
um so mehr austrocknen. Gegenüber diesem Nachtheile, verschwindet der Vortheil des
leichteren Ausziehens von Wurzelunkraut aus dem trockenen Sandboden.

Das Stürzen von Stoppeln, vernarbtem Grasland etc. wird leichter aus-
zuführen sein, wenn vorher ein, wenn auch nur leichter Regen die oberste verhärtete
Bodenschichte durchfeuchtet hat. Ebenso werden schollige Felder nach einem Regen
leichter zu bearbeiten sein, indem die Schollen durch den Regen aufgeweicht und zer-
bröckelt werden.

2. Die Tiefe und Breite des Pflügens.

Von der Tiefe der Bearbeitung hängt die Größe des Vorrathes an auf-
nahmsfähigen Nährstoffen ab, welcher den Pflanzen zu ihrer Ernährung zur Verfügung
gestellt werden kann. Durch die Vertiefung der Ackerkrume werden Bodenschichten,
welche bisher gegen die Atmosphäre abgeschlossen waren, dieser ausgesetzt und zur
Vermehrung des Vorrathes an aufnehmbarer Pflanzennahrung herangezogen. Soll
diese Vermehrung des Nährstoffvorrathes dauernd erhalten bleiben, so muß natur-
gemäß mit der Vertiefung der Ackerkrume eine Verstärkung der Düngung Hand in
Hand gehen.

Mit der Tiefe der Bodenbearbeitung vergrößert sich auch das Bodenvolumen,
welches den Pflanzenwurzeln zugänglich wird. Nach Hellriegel genügt zwar unter
Voraussetzung einer ausreichenden Bodenlockerung und eines reichlichen Nährstoff-
vorrathes ein sehr geringes Bodenvolumen zur Bildung einer großen Wurzelmasse.
Es liegt jedoch nahe daß am Felde durch die Vermehrung des Bodenvolumens
gleichzeitig eine Vergrößerung des Nährstoffvorrathes eintritt, welcher die Wurzel-
entwickelung und entsprechend dieser die Ausbildung der oberirdischen Pflanzentheile
wesentlich begünstigt.

Acht Gerstenpflanzen producirten nach Hellriegel 1) an Trockensubstanz (Gramme) in
Töpfen, welche

I. 56--58 Cm. hoch, 12.5 Kilogr. Erde enthielten 20.25 Körner, 21.59 Stroh, 41.81 Summa,
II. 28--29 " " 5.0 " " " 12.77 " 9.75 " 22.52 "
III. 13--14 " " 1.67 " " " 5.31 " 4.71 " 10.02 "

Per Kilogr. Boden (I. 3.34, II. 4.50, III. 6.01) ist der Ertrag um so geringer je
größer das Bodenvolumen.

Bei jedesmaliger Anwendung des Pfluges wird es jedoch nicht zweckmäßig sein,
immer bis auf die äußerste, zulässige Tiefe den Boden zu bearbeiten, sondern es
wird je nach dem beabsichtigten Zwecke und der Bodenbeschaffenheit eine verschieden tiefe
Bearbeitung vorgenommen werden. Man unterscheidet daher je nach der Tiefe, in
welcher der Boden unter gleichzeitigem Umwenden des abgeschnittenen Erdstreifens
gelockert wird, ein

1) Landw. Centralbl. f. D. 1868. I. 2.

Allgemeine Ackerbaulehre.
Schollen aufgebrochen, deren Verkleinerung oft bedeutende Schwierigkeiten und Koſten
verurſacht. Trockener, ſandiger Boden wird dagegen durch unzeitgemäßes Pflügen
um ſo mehr austrocknen. Gegenüber dieſem Nachtheile, verſchwindet der Vortheil des
leichteren Ausziehens von Wurzelunkraut aus dem trockenen Sandboden.

Das Stürzen von Stoppeln, vernarbtem Grasland ꝛc. wird leichter aus-
zuführen ſein, wenn vorher ein, wenn auch nur leichter Regen die oberſte verhärtete
Bodenſchichte durchfeuchtet hat. Ebenſo werden ſchollige Felder nach einem Regen
leichter zu bearbeiten ſein, indem die Schollen durch den Regen aufgeweicht und zer-
bröckelt werden.

2. Die Tiefe und Breite des Pflügens.

Von der Tiefe der Bearbeitung hängt die Größe des Vorrathes an auf-
nahmsfähigen Nährſtoffen ab, welcher den Pflanzen zu ihrer Ernährung zur Verfügung
geſtellt werden kann. Durch die Vertiefung der Ackerkrume werden Bodenſchichten,
welche bisher gegen die Atmoſphäre abgeſchloſſen waren, dieſer ausgeſetzt und zur
Vermehrung des Vorrathes an aufnehmbarer Pflanzennahrung herangezogen. Soll
dieſe Vermehrung des Nährſtoffvorrathes dauernd erhalten bleiben, ſo muß natur-
gemäß mit der Vertiefung der Ackerkrume eine Verſtärkung der Düngung Hand in
Hand gehen.

Mit der Tiefe der Bodenbearbeitung vergrößert ſich auch das Bodenvolumen,
welches den Pflanzenwurzeln zugänglich wird. Nach Hellriegel genügt zwar unter
Vorausſetzung einer ausreichenden Bodenlockerung und eines reichlichen Nährſtoff-
vorrathes ein ſehr geringes Bodenvolumen zur Bildung einer großen Wurzelmaſſe.
Es liegt jedoch nahe daß am Felde durch die Vermehrung des Bodenvolumens
gleichzeitig eine Vergrößerung des Nährſtoffvorrathes eintritt, welcher die Wurzel-
entwickelung und entſprechend dieſer die Ausbildung der oberirdiſchen Pflanzentheile
weſentlich begünſtigt.

Acht Gerſtenpflanzen producirten nach Hellriegel 1) an Trockenſubſtanz (Gramme) in
Töpfen, welche

I. 56—58 Cm. hoch, 12.5 Kilogr. Erde enthielten 20.25 Körner, 21.59 Stroh, 41.81 Summa,
II. 28—29 „ „ 5.0 „ „ „ 12.77 „ 9.75 „ 22.52 „
III. 13—14 „ „ 1.67 „ „ „ 5.31 „ 4.71 „ 10.02 „

Per Kilogr. Boden (I. 3.34, II. 4.50, III. 6.01) iſt der Ertrag um ſo geringer je
größer das Bodenvolumen.

Bei jedesmaliger Anwendung des Pfluges wird es jedoch nicht zweckmäßig ſein,
immer bis auf die äußerſte, zuläſſige Tiefe den Boden zu bearbeiten, ſondern es
wird je nach dem beabſichtigten Zwecke und der Bodenbeſchaffenheit eine verſchieden tiefe
Bearbeitung vorgenommen werden. Man unterſcheidet daher je nach der Tiefe, in
welcher der Boden unter gleichzeitigem Umwenden des abgeſchnittenen Erdſtreifens
gelockert wird, ein

1) Landw. Centralbl. f. D. 1868. I. 2.
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[122/0140] Allgemeine Ackerbaulehre. Schollen aufgebrochen, deren Verkleinerung oft bedeutende Schwierigkeiten und Koſten verurſacht. Trockener, ſandiger Boden wird dagegen durch unzeitgemäßes Pflügen um ſo mehr austrocknen. Gegenüber dieſem Nachtheile, verſchwindet der Vortheil des leichteren Ausziehens von Wurzelunkraut aus dem trockenen Sandboden. Das Stürzen von Stoppeln, vernarbtem Grasland ꝛc. wird leichter aus- zuführen ſein, wenn vorher ein, wenn auch nur leichter Regen die oberſte verhärtete Bodenſchichte durchfeuchtet hat. Ebenſo werden ſchollige Felder nach einem Regen leichter zu bearbeiten ſein, indem die Schollen durch den Regen aufgeweicht und zer- bröckelt werden. 2. Die Tiefe und Breite des Pflügens. Von der Tiefe der Bearbeitung hängt die Größe des Vorrathes an auf- nahmsfähigen Nährſtoffen ab, welcher den Pflanzen zu ihrer Ernährung zur Verfügung geſtellt werden kann. Durch die Vertiefung der Ackerkrume werden Bodenſchichten, welche bisher gegen die Atmoſphäre abgeſchloſſen waren, dieſer ausgeſetzt und zur Vermehrung des Vorrathes an aufnehmbarer Pflanzennahrung herangezogen. Soll dieſe Vermehrung des Nährſtoffvorrathes dauernd erhalten bleiben, ſo muß natur- gemäß mit der Vertiefung der Ackerkrume eine Verſtärkung der Düngung Hand in Hand gehen. Mit der Tiefe der Bodenbearbeitung vergrößert ſich auch das Bodenvolumen, welches den Pflanzenwurzeln zugänglich wird. Nach Hellriegel genügt zwar unter Vorausſetzung einer ausreichenden Bodenlockerung und eines reichlichen Nährſtoff- vorrathes ein ſehr geringes Bodenvolumen zur Bildung einer großen Wurzelmaſſe. Es liegt jedoch nahe daß am Felde durch die Vermehrung des Bodenvolumens gleichzeitig eine Vergrößerung des Nährſtoffvorrathes eintritt, welcher die Wurzel- entwickelung und entſprechend dieſer die Ausbildung der oberirdiſchen Pflanzentheile weſentlich begünſtigt. Acht Gerſtenpflanzen producirten nach Hellriegel 1) an Trockenſubſtanz (Gramme) in Töpfen, welche I. 56—58 Cm. hoch, 12.5 Kilogr. Erde enthielten 20.25 Körner, 21.59 Stroh, 41.81 Summa, II. 28—29 „ „ 5.0 „ „ „ 12.77 „ 9.75 „ 22.52 „ III. 13—14 „ „ 1.67 „ „ „ 5.31 „ 4.71 „ 10.02 „ Per Kilogr. Boden (I. 3.34, II. 4.50, III. 6.01) iſt der Ertrag um ſo geringer je größer das Bodenvolumen. Bei jedesmaliger Anwendung des Pfluges wird es jedoch nicht zweckmäßig ſein, immer bis auf die äußerſte, zuläſſige Tiefe den Boden zu bearbeiten, ſondern es wird je nach dem beabſichtigten Zwecke und der Bodenbeſchaffenheit eine verſchieden tiefe Bearbeitung vorgenommen werden. Man unterſcheidet daher je nach der Tiefe, in welcher der Boden unter gleichzeitigem Umwenden des abgeſchnittenen Erdſtreifens gelockert wird, ein 1) Landw. Centralbl. f. D. 1868. I. 2.

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Zitationshilfe: Krafft, Guido: Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Bd. 1. Berlin, 1875, S. 122. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/krafft_landwirthschaft01_1875/140>, abgerufen am 22.03.2019.