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Krafft, Guido: Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Bd. 2. Berlin, 1876.

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Die Farbepflanzen.
fältig getrockneten Blüthen dienen zum Rothfärben, vornehmlich der Seide, und als
Schminke. Die Saflorblüthen enthalten zwei Farbstoffe: das unhaltbare, nicht be-
nutzte Saflorgelb und das im Wasser unlösliche Saflorroth (Carthamin). Die
Samen geben ein brauchbares Brenn- und Speiseöl.

Der Saflor kommt überall dort fort, wo die Sonnenblume gedeiht. Er liebt
etwas kalkhaltigen, warmen, in gutem Culturzustande befindlichen Boden. Die
elfenbeinweißen, den Sonnenblumenkernen ähnlichen Früchte werden im April in 40
bis 50 Ctm. entfernten Reihen auf je 15 Ctm. in den Boden gesteckt. Im übrigen
wird die Pflanze als Hackfrucht cultivirt.

Zur Zeit der Blüthe wird das Feld nach je 2--3 Tagen durchgegangen und
werden alle dunkelroth und welk gewordenen Blüthen abgenommen. Dieselben werden auf
einem luftigen Boden, geschützt vor dem Sonnenscheine, zum Trocknen ausgebreitet.
Die Früchte können später für sich geerntet werden. Das Stroh hat wegen seiner
starren, stacheligen Blätter wenig Futterwerth. Der Ertrag per Hektar kann 85 bis
200 Kilogramm trockener Blüthen, im Werthe bis zu 4 Mark (2 fl.) per Kilo-
gramm, erreichen.

3. Der Wau.

Der Wau, das Gelbkraut
oder Färberkraut (Reseda lu-
teola L.)
Fig. 74, ist eine ein-
heimische, ein- und zweijährige
Pflanze, welche wegen ihres vor-
zugsweise in den Blättern, aber
auch in den Stengeln enthaltenen
gelben Farbestoffes (Luteolin) hie
und da im Größeren gebaut
wird. Von den beiden Varie-
täten des Wau's, dem französischen
und deutschen, wird erstere, farbe-
stoffreichere, zeitlich im Frühjahre
angebaut und wenn die etwas
kleiner bleibenden Pflanzen in die
Blüthe (Fig. 75) treten, im August
geerntet. Der deutsche Wau
erreicht eine größere Höhe, er
wird im August gesäet und im

[Abbildung] Fig. 74.

Wau (Reseda luteola L.)
Sun und .

[Abbildung] Fig. 75.

Aehrenförmiger
Blüthenstand des Wau's.

Juli des nächsten Jahres in der vollsten Blüthe geerntet.

Sandige und kalkige Bodenarten in gutem Düngungszustande, ebenso Neuland,
sagen ihm am besten zu. Auf armem Boden bleibt er niedrig und bildet nur wenig
Seitentriebe und Blüthenähren.

Die gewöhnlichsten Vorfrüchte für den Wau sind Raps, gedüngte Hackfrüchte,
zuweilen auch gedüngte Halmfrüchte.


Die Farbepflanzen.
fältig getrockneten Blüthen dienen zum Rothfärben, vornehmlich der Seide, und als
Schminke. Die Saflorblüthen enthalten zwei Farbſtoffe: das unhaltbare, nicht be-
nutzte Saflorgelb und das im Waſſer unlösliche Saflorroth (Carthamin). Die
Samen geben ein brauchbares Brenn- und Speiſeöl.

Der Saflor kommt überall dort fort, wo die Sonnenblume gedeiht. Er liebt
etwas kalkhaltigen, warmen, in gutem Culturzuſtande befindlichen Boden. Die
elfenbeinweißen, den Sonnenblumenkernen ähnlichen Früchte werden im April in 40
bis 50 Ctm. entfernten Reihen auf je 15 Ctm. in den Boden geſteckt. Im übrigen
wird die Pflanze als Hackfrucht cultivirt.

Zur Zeit der Blüthe wird das Feld nach je 2—3 Tagen durchgegangen und
werden alle dunkelroth und welk gewordenen Blüthen abgenommen. Dieſelben werden auf
einem luftigen Boden, geſchützt vor dem Sonnenſcheine, zum Trocknen ausgebreitet.
Die Früchte können ſpäter für ſich geerntet werden. Das Stroh hat wegen ſeiner
ſtarren, ſtacheligen Blätter wenig Futterwerth. Der Ertrag per Hektar kann 85 bis
200 Kilogramm trockener Blüthen, im Werthe bis zu 4 Mark (2 fl.) per Kilo-
gramm, erreichen.

3. Der Wau.

Der Wau, das Gelbkraut
oder Färberkraut (Reseda lu-
teola L.)
Fig. 74, iſt eine ein-
heimiſche, ein- und zweijährige
Pflanze, welche wegen ihres vor-
zugsweiſe in den Blättern, aber
auch in den Stengeln enthaltenen
gelben Farbeſtoffes (Luteolin) hie
und da im Größeren gebaut
wird. Von den beiden Varie-
täten des Wau’s, dem franzöſiſchen
und deutſchen, wird erſtere, farbe-
ſtoffreichere, zeitlich im Frühjahre
angebaut und wenn die etwas
kleiner bleibenden Pflanzen in die
Blüthe (Fig. 75) treten, im Auguſt
geerntet. Der deutſche Wau
erreicht eine größere Höhe, er
wird im Auguſt geſäet und im

[Abbildung] Fig. 74.

Wau (Reseda luteola L.)
☉ und ⚇.

[Abbildung] Fig. 75.

Aehrenförmiger
Blüthenſtand des Wau’s.

Juli des nächſten Jahres in der vollſten Blüthe geerntet.

Sandige und kalkige Bodenarten in gutem Düngungszuſtande, ebenſo Neuland,
ſagen ihm am beſten zu. Auf armem Boden bleibt er niedrig und bildet nur wenig
Seitentriebe und Blüthenähren.

Die gewöhnlichſten Vorfrüchte für den Wau ſind Raps, gedüngte Hackfrüchte,
zuweilen auch gedüngte Halmfrüchte.


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[107/0121] Die Farbepflanzen. fältig getrockneten Blüthen dienen zum Rothfärben, vornehmlich der Seide, und als Schminke. Die Saflorblüthen enthalten zwei Farbſtoffe: das unhaltbare, nicht be- nutzte Saflorgelb und das im Waſſer unlösliche Saflorroth (Carthamin). Die Samen geben ein brauchbares Brenn- und Speiſeöl. Der Saflor kommt überall dort fort, wo die Sonnenblume gedeiht. Er liebt etwas kalkhaltigen, warmen, in gutem Culturzuſtande befindlichen Boden. Die elfenbeinweißen, den Sonnenblumenkernen ähnlichen Früchte werden im April in 40 bis 50 Ctm. entfernten Reihen auf je 15 Ctm. in den Boden geſteckt. Im übrigen wird die Pflanze als Hackfrucht cultivirt. Zur Zeit der Blüthe wird das Feld nach je 2—3 Tagen durchgegangen und werden alle dunkelroth und welk gewordenen Blüthen abgenommen. Dieſelben werden auf einem luftigen Boden, geſchützt vor dem Sonnenſcheine, zum Trocknen ausgebreitet. Die Früchte können ſpäter für ſich geerntet werden. Das Stroh hat wegen ſeiner ſtarren, ſtacheligen Blätter wenig Futterwerth. Der Ertrag per Hektar kann 85 bis 200 Kilogramm trockener Blüthen, im Werthe bis zu 4 Mark (2 fl.) per Kilo- gramm, erreichen. 3. Der Wau. Der Wau, das Gelbkraut oder Färberkraut (Reseda lu- teola L.) Fig. 74, iſt eine ein- heimiſche, ein- und zweijährige Pflanze, welche wegen ihres vor- zugsweiſe in den Blättern, aber auch in den Stengeln enthaltenen gelben Farbeſtoffes (Luteolin) hie und da im Größeren gebaut wird. Von den beiden Varie- täten des Wau’s, dem franzöſiſchen und deutſchen, wird erſtere, farbe- ſtoffreichere, zeitlich im Frühjahre angebaut und wenn die etwas kleiner bleibenden Pflanzen in die Blüthe (Fig. 75) treten, im Auguſt geerntet. Der deutſche Wau erreicht eine größere Höhe, er wird im Auguſt geſäet und im [Abbildung Fig. 74. Wau (Reseda luteola L.) ☉ und ⚇.] [Abbildung Fig. 75. Aehrenförmiger Blüthenſtand des Wau’s.] Juli des nächſten Jahres in der vollſten Blüthe geerntet. Sandige und kalkige Bodenarten in gutem Düngungszuſtande, ebenſo Neuland, ſagen ihm am beſten zu. Auf armem Boden bleibt er niedrig und bildet nur wenig Seitentriebe und Blüthenähren. Die gewöhnlichſten Vorfrüchte für den Wau ſind Raps, gedüngte Hackfrüchte, zuweilen auch gedüngte Halmfrüchte.

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Zitationshilfe: Krafft, Guido: Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Bd. 2. Berlin, 1876, S. 107. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/krafft_landwirthschaft02_1876/121>, abgerufen am 23.03.2019.