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Krafft, Guido: Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Bd. 2. Berlin, 1876.

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Die Gespinnstpflanzen.
genug gestellt werden können, am sichersten ist es noch, das Feld kreuz und quer
zu drillen.

Die Unterbringung des kleinsamigen Leines darf nicht tief erfolgen, indem der-
selbe, sobald die Erdbedeckung im Thonboden über 8 Ctm., im Sandboden über 10 Ctm.
beträgt, nicht mehr hervorkommt. Gewöhnlich wird er eingeeggt und nachher abgewalzt,
oder bei sorgfältiger Cultur mit dem Handrechen eingeharkt.

4. Die Pflege.

Der Leinsamen bleibt mindestens acht Tage bis zum Hervortreten der beiden
Keimblättchen im Boden liegen. Während dieser Zeit ist durch Uebereggen eine
Verkrustung des Bodens hintanzuhalten. Bald nach dem Aufgehen erliegt er leicht,
besonders bei trockener Witterung, den Angriffen der Erdflöhe, gegen welche das
Ueberstreuen mit Asche einigermaßen schützt. Späterhin leidet er sowohl durch trockene
Frühjahr- und Sommerwitterung, als auch durch anhaltende, übermäßige Regengüsse;
letztere befördern das Lagern des Leines. Gegen dasselbe schützt das sogenannte
Gabeln oder Ländern, welches darin besteht, daß man aus Reisig und Stangen
leichte Gerüste aufschlägt, welche die Leinstengel aufrecht erhalten.

Hat man zur Saat kein reines Feld und keinen reinen Samen gewählt, so
muß man bald nach dem Aufgehen des Leines an das Jäten schreiten, welches später-
hin nach Bedarf zu wiederholen ist. Dem Jäten muß um so mehr Aufmerksamkeit
zugewendet werden, als von der Reinheit, der Preis der rohen Stengel abhängt. Am
nachtheiligsten sind rankende Unkräuter, wie das Klebkraut (Galium aparine L.) Sun, Fig. 13,
S. 21, der Ackerwindling (Convolvulus arvensis L.) Sun, Fig. 80, oder solche, welche wie

[Abbildung] Fig. 80.

Ackerwinde (Convolvulus arvensis L.) Sun
nach Nobbe. -- a Frucht, b Same, c Same mehr-
mals vergrößert.

[Abbildung] Fig. 81.

Floh-Knöterich (Polygonum
lapathifolium L.
) Sun nach Nobbe. --
a Frucht in nat. Gr.; b desgl. von
der Seite; c Querschnitt; d vergr.

der Leindotter (Camelina sativa Crtz.), Fig. 65, S. 88, der Leinlolch (Lolium
linicola Sond.
) Sun, schwer von dem Flachse zu unterscheiden sind. Gegen die auf dem
Leine schmarotzende Flachsseide (Cusuta epilinum Weihe) Sun hilft am besten das
Aussieben der Samen. Außer den genannten Unkräutern finden sich häufig auf den
Flachsfeldern: der Ackersenf (Sinapis arvensis L.) Sun, das Leinkraut (Silene linicola
Gm.
) Sun, der Ackerspörgel (Spergula arvensis L.) Sun, Fig. 141, der Flohknöterich
(Polygonum lapathifolium L.)Sun, Fig. 81, Wolfsmilcharten (Euphorbia) Fig. 133, etc.

Von Pflanzenkrankheiten hat der Lein nur wenig zu leiden. In den Flachs-
culturen Belgiens hat der Rost, unter dem Namen "le feu" oder "la braulure du
lin"
bekannt, bedenkliche Ausdehnung gewonnen. Derselbe wird durch einen Pilz,

Die Geſpinnſtpflanzen.
genug geſtellt werden können, am ſicherſten iſt es noch, das Feld kreuz und quer
zu drillen.

Die Unterbringung des kleinſamigen Leines darf nicht tief erfolgen, indem der-
ſelbe, ſobald die Erdbedeckung im Thonboden über 8 Ctm., im Sandboden über 10 Ctm.
beträgt, nicht mehr hervorkommt. Gewöhnlich wird er eingeeggt und nachher abgewalzt,
oder bei ſorgfältiger Cultur mit dem Handrechen eingeharkt.

4. Die Pflege.

Der Leinſamen bleibt mindeſtens acht Tage bis zum Hervortreten der beiden
Keimblättchen im Boden liegen. Während dieſer Zeit iſt durch Uebereggen eine
Verkruſtung des Bodens hintanzuhalten. Bald nach dem Aufgehen erliegt er leicht,
beſonders bei trockener Witterung, den Angriffen der Erdflöhe, gegen welche das
Ueberſtreuen mit Aſche einigermaßen ſchützt. Späterhin leidet er ſowohl durch trockene
Frühjahr- und Sommerwitterung, als auch durch anhaltende, übermäßige Regengüſſe;
letztere befördern das Lagern des Leines. Gegen daſſelbe ſchützt das ſogenannte
Gabeln oder Ländern, welches darin beſteht, daß man aus Reiſig und Stangen
leichte Gerüſte aufſchlägt, welche die Leinſtengel aufrecht erhalten.

Hat man zur Saat kein reines Feld und keinen reinen Samen gewählt, ſo
muß man bald nach dem Aufgehen des Leines an das Jäten ſchreiten, welches ſpäter-
hin nach Bedarf zu wiederholen iſt. Dem Jäten muß um ſo mehr Aufmerkſamkeit
zugewendet werden, als von der Reinheit, der Preis der rohen Stengel abhängt. Am
nachtheiligſten ſind rankende Unkräuter, wie das Klebkraut (Galium aparine L.) ☉, Fig. 13,
S. 21, der Ackerwindling (Convolvulus arvensis L.) ☉, Fig. 80, oder ſolche, welche wie

[Abbildung] Fig. 80.

Ackerwinde (Convolvulus arvensis L.) ☉
nach Nobbe. — a Frucht, b Same, c Same mehr-
mals vergrößert.

[Abbildung] Fig. 81.

Floh-Knöterich (Polygonum
lapathifolium L.
) ☉ nach Nobbe. —
a Frucht in nat. Gr.; b desgl. von
der Seite; c Querſchnitt; d vergr.

der Leindotter (Camelina sativa Crtz.), Fig. 65, S. 88, der Leinlolch (Lolium
linicola Sond.
) ☉, ſchwer von dem Flachſe zu unterſcheiden ſind. Gegen die auf dem
Leine ſchmarotzende Flachsſeide (Cusuta epilinum Weihe) ☉ hilft am beſten das
Ausſieben der Samen. Außer den genannten Unkräutern finden ſich häufig auf den
Flachsfeldern: der Ackerſenf (Sinapis arvensis L.) ☉, das Leinkraut (Silene linicola
Gm.
) ☉, der Ackerſpörgel (Spergula arvensis L.) ☉, Fig. 141, der Flohknöterich
(Polygonum lapathifolium L.)☉, Fig. 81, Wolfsmilcharten (Euphorbia) Fig. 133, ꝛc.

Von Pflanzenkrankheiten hat der Lein nur wenig zu leiden. In den Flachs-
culturen Belgiens hat der Roſt, unter dem Namen „le feu“ oder „la brûlure du
lin“
bekannt, bedenkliche Ausdehnung gewonnen. Derſelbe wird durch einen Pilz,

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[123/0137] Die Geſpinnſtpflanzen. genug geſtellt werden können, am ſicherſten iſt es noch, das Feld kreuz und quer zu drillen. Die Unterbringung des kleinſamigen Leines darf nicht tief erfolgen, indem der- ſelbe, ſobald die Erdbedeckung im Thonboden über 8 Ctm., im Sandboden über 10 Ctm. beträgt, nicht mehr hervorkommt. Gewöhnlich wird er eingeeggt und nachher abgewalzt, oder bei ſorgfältiger Cultur mit dem Handrechen eingeharkt. 4. Die Pflege. Der Leinſamen bleibt mindeſtens acht Tage bis zum Hervortreten der beiden Keimblättchen im Boden liegen. Während dieſer Zeit iſt durch Uebereggen eine Verkruſtung des Bodens hintanzuhalten. Bald nach dem Aufgehen erliegt er leicht, beſonders bei trockener Witterung, den Angriffen der Erdflöhe, gegen welche das Ueberſtreuen mit Aſche einigermaßen ſchützt. Späterhin leidet er ſowohl durch trockene Frühjahr- und Sommerwitterung, als auch durch anhaltende, übermäßige Regengüſſe; letztere befördern das Lagern des Leines. Gegen daſſelbe ſchützt das ſogenannte Gabeln oder Ländern, welches darin beſteht, daß man aus Reiſig und Stangen leichte Gerüſte aufſchlägt, welche die Leinſtengel aufrecht erhalten. Hat man zur Saat kein reines Feld und keinen reinen Samen gewählt, ſo muß man bald nach dem Aufgehen des Leines an das Jäten ſchreiten, welches ſpäter- hin nach Bedarf zu wiederholen iſt. Dem Jäten muß um ſo mehr Aufmerkſamkeit zugewendet werden, als von der Reinheit, der Preis der rohen Stengel abhängt. Am nachtheiligſten ſind rankende Unkräuter, wie das Klebkraut (Galium aparine L.) ☉, Fig. 13, S. 21, der Ackerwindling (Convolvulus arvensis L.) ☉, Fig. 80, oder ſolche, welche wie [Abbildung Fig. 80. Ackerwinde (Convolvulus arvensis L.) ☉ nach Nobbe. — a Frucht, b Same, c Same mehr- mals vergrößert.] [Abbildung Fig. 81. Floh-Knöterich (Polygonum lapathifolium L.) ☉ nach Nobbe. — a Frucht in nat. Gr.; b desgl. von der Seite; c Querſchnitt; d vergr.] der Leindotter (Camelina sativa Crtz.), Fig. 65, S. 88, der Leinlolch (Lolium linicola Sond.) ☉, ſchwer von dem Flachſe zu unterſcheiden ſind. Gegen die auf dem Leine ſchmarotzende Flachsſeide (Cusuta epilinum Weihe) ☉ hilft am beſten das Ausſieben der Samen. Außer den genannten Unkräutern finden ſich häufig auf den Flachsfeldern: der Ackerſenf (Sinapis arvensis L.) ☉, das Leinkraut (Silene linicola Gm.) ☉, der Ackerſpörgel (Spergula arvensis L.) ☉, Fig. 141, der Flohknöterich (Polygonum lapathifolium L.)☉, Fig. 81, Wolfsmilcharten (Euphorbia) Fig. 133, ꝛc. Von Pflanzenkrankheiten hat der Lein nur wenig zu leiden. In den Flachs- culturen Belgiens hat der Roſt, unter dem Namen „le feu“ oder „la brûlure du lin“ bekannt, bedenkliche Ausdehnung gewonnen. Derſelbe wird durch einen Pilz,

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Zitationshilfe: Krafft, Guido: Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Bd. 2. Berlin, 1876, S. 123. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/krafft_landwirthschaft02_1876/137>, abgerufen am 20.03.2019.