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Krafft, Guido: Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Bd. 2. Berlin, 1876.

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man nur wenig und läßt, sobald Nachtfröste zu befürchten sind, das Wasser über
Nacht auf der Wiese stehen, um die junge Vegetation vor der nachtheiligen Frost-
einwirkung zu schützen. Bei Sonnenschein vermeide man zu wässern, weil sich sonst
leicht ein grüner Schleim (Conferven) einstellt, welcher die Grasvegetation unterdrückt.
Sobald das Gras emporgewachsen, wässert man, besonders in trockenen Gegenden, nicht
mehr als zur Feuchthaltung der Wiese erforderlich ist. Oft genügt es zu diesem
Zwecke, die Gräben mit Wasser voll zu halten. Reicht das Anfüllen der Gräben
nicht aus, so wässert man noch über Nacht, damit die Wärme des Tages von den
Pflanzen zum Wachsthume verwendet werden kann. Eine Woche vor der Mahd ist
die Bewässerung ganz abzustellen, damit der Boden fest wird. Kurz vor der Mahd
läßt man noch einmal Wasser auf die Wiese, um das Mähen zu erleichtern. Nach
der Mahd läßt man die Wiese 6--8 Tage trocken stehen, um die Bestockung der
Gräser zu befördern. Wässern unmittelbar nach der Ernte würde ein Verfaulen der
noch nicht vernarbten Grasstöcke herbeiführen. Nach dieser Zeit beginnt man wieder
mit dem Bewässern nach Bedarf und setzt damit bis zum zweiten Schnitte fort. Wie
oft während des Sommers zu wässern ist, richtet sich nach der Witterung und der
Bodenbeschaffenheit. Nach dem Grummetschnitte beginnt wieder die Herbstbewässerung.

7. Die Ernte.

In Betreff des Zeitpunktes, zu welchem das Mähen der Wiesen vorzunehmen
ist, des Verfahrens bei der Dürrheubereitung und bei der Braun- und Brennheu-
bereitung, sowie des Vorganges bei der Aufbewahrung des Heues verweisen wir auf
Band I. S. 253: "Die Ernte grüner Pflanzen".

[Abbildung] 163.

Heupresse von Clayton & Shuttleworth -- Wien. --
Preis 320 Mark (160 fl.).

Der Ertrag an Heu
und die Anzahl der Schnitte
richten sich nach Lage, Be-
schaffenheit und dem Cultur-
zustande der Wiese, und der
Beschaffenheit der Witterung.
Wiesen, deren jährlicher Heu-
ertrag unter eine Tonne per
Hektar herabgeht, eignen sich
nicht mehr zur Wiesencultur.
Sie lohnen nicht mehr die
Kosten der Heuwerbung. Die-
selben sollten als Weide-,
Acker- oder Waldland benutzt
werden. Ausgezeichnete, zwei-
bis dreischürige Bewässerungs-
wiesen liefern 7--8.5 Tonnen
Heu per Hektar. Im Durch-
schnitte gewähren zweischürige
Wiesen 3.5--4 Tonnen, ein-

Anhang.
man nur wenig und läßt, ſobald Nachtfröſte zu befürchten ſind, das Waſſer über
Nacht auf der Wieſe ſtehen, um die junge Vegetation vor der nachtheiligen Froſt-
einwirkung zu ſchützen. Bei Sonnenſchein vermeide man zu wäſſern, weil ſich ſonſt
leicht ein grüner Schleim (Conferven) einſtellt, welcher die Grasvegetation unterdrückt.
Sobald das Gras emporgewachſen, wäſſert man, beſonders in trockenen Gegenden, nicht
mehr als zur Feuchthaltung der Wieſe erforderlich iſt. Oft genügt es zu dieſem
Zwecke, die Gräben mit Waſſer voll zu halten. Reicht das Anfüllen der Gräben
nicht aus, ſo wäſſert man noch über Nacht, damit die Wärme des Tages von den
Pflanzen zum Wachsthume verwendet werden kann. Eine Woche vor der Mahd iſt
die Bewäſſerung ganz abzuſtellen, damit der Boden feſt wird. Kurz vor der Mahd
läßt man noch einmal Waſſer auf die Wieſe, um das Mähen zu erleichtern. Nach
der Mahd läßt man die Wieſe 6—8 Tage trocken ſtehen, um die Beſtockung der
Gräſer zu befördern. Wäſſern unmittelbar nach der Ernte würde ein Verfaulen der
noch nicht vernarbten Grasſtöcke herbeiführen. Nach dieſer Zeit beginnt man wieder
mit dem Bewäſſern nach Bedarf und ſetzt damit bis zum zweiten Schnitte fort. Wie
oft während des Sommers zu wäſſern iſt, richtet ſich nach der Witterung und der
Bodenbeſchaffenheit. Nach dem Grummetſchnitte beginnt wieder die Herbſtbewäſſerung.

7. Die Ernte.

In Betreff des Zeitpunktes, zu welchem das Mähen der Wieſen vorzunehmen
iſt, des Verfahrens bei der Dürrheubereitung und bei der Braun- und Brennheu-
bereitung, ſowie des Vorganges bei der Aufbewahrung des Heues verweiſen wir auf
Band I. S. 253: „Die Ernte grüner Pflanzen“.

[Abbildung] 163.

Heupreſſe von Clayton & Shuttleworth — Wien. —
Preis 320 Mark (160 fl.).

Der Ertrag an Heu
und die Anzahl der Schnitte
richten ſich nach Lage, Be-
ſchaffenheit und dem Cultur-
zuſtande der Wieſe, und der
Beſchaffenheit der Witterung.
Wieſen, deren jährlicher Heu-
ertrag unter eine Tonne per
Hektar herabgeht, eignen ſich
nicht mehr zur Wieſencultur.
Sie lohnen nicht mehr die
Koſten der Heuwerbung. Die-
ſelben ſollten als Weide-,
Acker- oder Waldland benutzt
werden. Ausgezeichnete, zwei-
bis dreiſchürige Bewäſſerungs-
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[250/0264] Anhang. man nur wenig und läßt, ſobald Nachtfröſte zu befürchten ſind, das Waſſer über Nacht auf der Wieſe ſtehen, um die junge Vegetation vor der nachtheiligen Froſt- einwirkung zu ſchützen. Bei Sonnenſchein vermeide man zu wäſſern, weil ſich ſonſt leicht ein grüner Schleim (Conferven) einſtellt, welcher die Grasvegetation unterdrückt. Sobald das Gras emporgewachſen, wäſſert man, beſonders in trockenen Gegenden, nicht mehr als zur Feuchthaltung der Wieſe erforderlich iſt. Oft genügt es zu dieſem Zwecke, die Gräben mit Waſſer voll zu halten. Reicht das Anfüllen der Gräben nicht aus, ſo wäſſert man noch über Nacht, damit die Wärme des Tages von den Pflanzen zum Wachsthume verwendet werden kann. Eine Woche vor der Mahd iſt die Bewäſſerung ganz abzuſtellen, damit der Boden feſt wird. Kurz vor der Mahd läßt man noch einmal Waſſer auf die Wieſe, um das Mähen zu erleichtern. Nach der Mahd läßt man die Wieſe 6—8 Tage trocken ſtehen, um die Beſtockung der Gräſer zu befördern. Wäſſern unmittelbar nach der Ernte würde ein Verfaulen der noch nicht vernarbten Grasſtöcke herbeiführen. Nach dieſer Zeit beginnt man wieder mit dem Bewäſſern nach Bedarf und ſetzt damit bis zum zweiten Schnitte fort. Wie oft während des Sommers zu wäſſern iſt, richtet ſich nach der Witterung und der Bodenbeſchaffenheit. Nach dem Grummetſchnitte beginnt wieder die Herbſtbewäſſerung. 7. Die Ernte. In Betreff des Zeitpunktes, zu welchem das Mähen der Wieſen vorzunehmen iſt, des Verfahrens bei der Dürrheubereitung und bei der Braun- und Brennheu- bereitung, ſowie des Vorganges bei der Aufbewahrung des Heues verweiſen wir auf Band I. S. 253: „Die Ernte grüner Pflanzen“. [Abbildung 163. Heupreſſe von Clayton & Shuttleworth — Wien. — Preis 320 Mark (160 fl.). ] Der Ertrag an Heu und die Anzahl der Schnitte richten ſich nach Lage, Be- ſchaffenheit und dem Cultur- zuſtande der Wieſe, und der Beſchaffenheit der Witterung. Wieſen, deren jährlicher Heu- ertrag unter eine Tonne per Hektar herabgeht, eignen ſich nicht mehr zur Wieſencultur. Sie lohnen nicht mehr die Koſten der Heuwerbung. Die- ſelben ſollten als Weide-, Acker- oder Waldland benutzt werden. Ausgezeichnete, zwei- bis dreiſchürige Bewäſſerungs- wieſen liefern 7—8.5 Tonnen Heu per Hektar. Im Durch- ſchnitte gewähren zweiſchürige Wieſen 3.5—4 Tonnen, ein-

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Zitationshilfe: Krafft, Guido: Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Bd. 2. Berlin, 1876, S. 250. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/krafft_landwirthschaft02_1876/264>, abgerufen am 26.03.2019.