Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Lambert, Johann Heinrich: Anlage zur Architectonic. Bd. 2. Riga, 1771.

Bild:
<< vorherige Seite

Zusatz zum neunzehnten Hauptstücke.
einzeln betrachtet mehr empfinden, als mit Wor-
ten ausdrücken, hingegen läßt sich von der Form ein-
facher Begriffe überhaupt betrachtet mehr sagen.
Bey zusammengesetzten Begriffen sind die einfachen
ihre Bestandtheilchen, und diese werden dabey als
Materie betrachtet, aus deren Anordnung, Zusam-
mensetzung und Verbindung die Form des zusammen-
gesetzten Begriffes bestimmet wird. Hiezu kömmt
noch die Benennung, und die Vergleichung des Be-
griffes mit der Sache selbst, die er uns vorstellet.
Der Unterschied, ob der Begriff die Sache an sich
oder nur unter einem Bilde vorstelle, und ob im letz-
ten Falle das Bild vom Worte hergenommen ist,
oder durch eine Metapher vorgestellet wird, ist hiebey
ebenfalls von Erheblichkeit, weil die Sprache und
der Schein, unter dem sich die Dinge uns vorstel-
len, unserer Erkenntniß eine besondere Gestalt giebt.
Eine Theorie der Formalursachen der menschli-
chen Erkenntniß,
schien mir immer von äußerster
Wichtigkeit zu seyn, und war ein Hauptgrund mit,
warum ich mich um den ächten Begriff der Form
umzusehen bemüht war.

XVI.

Die von dem Willen abhängende Dinge und Hand-
lungen bieten uns in der Jntellectualwelt noch eine
Menge von Anlässen dar, wo die Theorie der Form
von Wichtigkeit wird. Hier gränzt die Form mit
der Absicht am unmittelbarsten und kenntlichsten an
einander. Die Form der Gesellschaften und ganzer
Staaten betrifft, wie man leicht sieht, die ihrer Ab-
sicht
gemäße Einrichtung, Anordnung, Zusammen-
setzung und Verbindung derselben, so fern hierinn
etwas Fortdauerndes ist. Hiezu kömmt noch die

Regie-

Zuſatz zum neunzehnten Hauptſtuͤcke.
einzeln betrachtet mehr empfinden, als mit Wor-
ten ausdruͤcken, hingegen laͤßt ſich von der Form ein-
facher Begriffe uͤberhaupt betrachtet mehr ſagen.
Bey zuſammengeſetzten Begriffen ſind die einfachen
ihre Beſtandtheilchen, und dieſe werden dabey als
Materie betrachtet, aus deren Anordnung, Zuſam-
menſetzung und Verbindung die Form des zuſammen-
geſetzten Begriffes beſtimmet wird. Hiezu koͤmmt
noch die Benennung, und die Vergleichung des Be-
griffes mit der Sache ſelbſt, die er uns vorſtellet.
Der Unterſchied, ob der Begriff die Sache an ſich
oder nur unter einem Bilde vorſtelle, und ob im letz-
ten Falle das Bild vom Worte hergenommen iſt,
oder durch eine Metapher vorgeſtellet wird, iſt hiebey
ebenfalls von Erheblichkeit, weil die Sprache und
der Schein, unter dem ſich die Dinge uns vorſtel-
len, unſerer Erkenntniß eine beſondere Geſtalt giebt.
Eine Theorie der Formalurſachen der menſchli-
chen Erkenntniß,
ſchien mir immer von aͤußerſter
Wichtigkeit zu ſeyn, und war ein Hauptgrund mit,
warum ich mich um den aͤchten Begriff der Form
umzuſehen bemuͤht war.

XVI.

Die von dem Willen abhaͤngende Dinge und Hand-
lungen bieten uns in der Jntellectualwelt noch eine
Menge von Anlaͤſſen dar, wo die Theorie der Form
von Wichtigkeit wird. Hier graͤnzt die Form mit
der Abſicht am unmittelbarſten und kenntlichſten an
einander. Die Form der Geſellſchaften und ganzer
Staaten betrifft, wie man leicht ſieht, die ihrer Ab-
ſicht
gemaͤße Einrichtung, Anordnung, Zuſammen-
ſetzung und Verbindung derſelben, ſo fern hierinn
etwas Fortdauerndes iſt. Hiezu koͤmmt noch die

Regie-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0250" n="242"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Zu&#x017F;atz zum neunzehnten Haupt&#x017F;tu&#x0364;cke.</hi></fw><lb/><hi rendition="#fr">einzeln betrachtet</hi> mehr empfinden, als mit Wor-<lb/>
ten ausdru&#x0364;cken, hingegen la&#x0364;ßt &#x017F;ich von der <hi rendition="#fr">Form</hi> ein-<lb/>
facher Begriffe <hi rendition="#fr">u&#x0364;berhaupt betrachtet</hi> mehr &#x017F;agen.<lb/>
Bey zu&#x017F;ammenge&#x017F;etzten Begriffen &#x017F;ind die einfachen<lb/>
ihre Be&#x017F;tandtheilchen, und die&#x017F;e werden dabey als<lb/>
Materie betrachtet, aus deren Anordnung, Zu&#x017F;am-<lb/>
men&#x017F;etzung und Verbindung die Form des zu&#x017F;ammen-<lb/>
ge&#x017F;etzten Begriffes be&#x017F;timmet wird. Hiezu ko&#x0364;mmt<lb/>
noch die Benennung, und die Vergleichung des Be-<lb/>
griffes mit der Sache &#x017F;elb&#x017F;t, die er uns vor&#x017F;tellet.<lb/>
Der Unter&#x017F;chied, ob der Begriff die Sache an &#x017F;ich<lb/>
oder nur unter einem Bilde vor&#x017F;telle, und ob im letz-<lb/>
ten Falle das Bild vom Worte hergenommen i&#x017F;t,<lb/>
oder durch eine Metapher vorge&#x017F;tellet wird, i&#x017F;t hiebey<lb/>
ebenfalls von Erheblichkeit, weil die <hi rendition="#fr">Sprache</hi> und<lb/>
der <hi rendition="#fr">Schein,</hi> unter dem &#x017F;ich die Dinge uns vor&#x017F;tel-<lb/>
len, un&#x017F;erer Erkenntniß eine be&#x017F;ondere <hi rendition="#fr">Ge&#x017F;talt</hi> giebt.<lb/>
Eine <hi rendition="#fr">Theorie der Formalur&#x017F;achen der men&#x017F;chli-<lb/>
chen Erkenntniß,</hi> &#x017F;chien mir immer von a&#x0364;ußer&#x017F;ter<lb/>
Wichtigkeit zu &#x017F;eyn, und war ein Hauptgrund mit,<lb/>
warum ich mich um den a&#x0364;chten Begriff der <hi rendition="#fr">Form</hi><lb/>
umzu&#x017F;ehen bemu&#x0364;ht war.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#aq">XVI.</hi> </head><lb/>
            <p>Die von dem Willen abha&#x0364;ngende Dinge und Hand-<lb/>
lungen bieten uns in der Jntellectualwelt noch eine<lb/>
Menge von Anla&#x0364;&#x017F;&#x017F;en dar, wo die Theorie der <hi rendition="#fr">Form</hi><lb/>
von Wichtigkeit wird. Hier gra&#x0364;nzt die <hi rendition="#fr">Form</hi> mit<lb/>
der <hi rendition="#fr">Ab&#x017F;icht</hi> am unmittelbar&#x017F;ten und kenntlich&#x017F;ten an<lb/>
einander. Die <hi rendition="#fr">Form</hi> der Ge&#x017F;ell&#x017F;chaften und ganzer<lb/>
Staaten betrifft, wie man leicht &#x017F;ieht, die ihrer <hi rendition="#fr">Ab-<lb/>
&#x017F;icht</hi> gema&#x0364;ße Einrichtung, Anordnung, Zu&#x017F;ammen-<lb/>
&#x017F;etzung und Verbindung der&#x017F;elben, &#x017F;o fern hierinn<lb/>
etwas <hi rendition="#fr">Fortdauerndes</hi> i&#x017F;t. Hiezu ko&#x0364;mmt noch die<lb/>
<fw place="bottom" type="catch"><hi rendition="#fr">Regie-</hi></fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[242/0250] Zuſatz zum neunzehnten Hauptſtuͤcke. einzeln betrachtet mehr empfinden, als mit Wor- ten ausdruͤcken, hingegen laͤßt ſich von der Form ein- facher Begriffe uͤberhaupt betrachtet mehr ſagen. Bey zuſammengeſetzten Begriffen ſind die einfachen ihre Beſtandtheilchen, und dieſe werden dabey als Materie betrachtet, aus deren Anordnung, Zuſam- menſetzung und Verbindung die Form des zuſammen- geſetzten Begriffes beſtimmet wird. Hiezu koͤmmt noch die Benennung, und die Vergleichung des Be- griffes mit der Sache ſelbſt, die er uns vorſtellet. Der Unterſchied, ob der Begriff die Sache an ſich oder nur unter einem Bilde vorſtelle, und ob im letz- ten Falle das Bild vom Worte hergenommen iſt, oder durch eine Metapher vorgeſtellet wird, iſt hiebey ebenfalls von Erheblichkeit, weil die Sprache und der Schein, unter dem ſich die Dinge uns vorſtel- len, unſerer Erkenntniß eine beſondere Geſtalt giebt. Eine Theorie der Formalurſachen der menſchli- chen Erkenntniß, ſchien mir immer von aͤußerſter Wichtigkeit zu ſeyn, und war ein Hauptgrund mit, warum ich mich um den aͤchten Begriff der Form umzuſehen bemuͤht war. XVI. Die von dem Willen abhaͤngende Dinge und Hand- lungen bieten uns in der Jntellectualwelt noch eine Menge von Anlaͤſſen dar, wo die Theorie der Form von Wichtigkeit wird. Hier graͤnzt die Form mit der Abſicht am unmittelbarſten und kenntlichſten an einander. Die Form der Geſellſchaften und ganzer Staaten betrifft, wie man leicht ſieht, die ihrer Ab- ſicht gemaͤße Einrichtung, Anordnung, Zuſammen- ſetzung und Verbindung derſelben, ſo fern hierinn etwas Fortdauerndes iſt. Hiezu koͤmmt noch die Regie-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_architectonic02_1771
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_architectonic02_1771/250
Zitationshilfe: Lambert, Johann Heinrich: Anlage zur Architectonic. Bd. 2. Riga, 1771, S. 242. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_architectonic02_1771/250>, abgerufen am 23.11.2019.