Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Lambert, Johann Heinrich: Anlage zur Architectonic. Bd. 2. Riga, 1771.

Bild:
<< vorherige Seite

XXI. Hauptstück.
sie vorkömmt, dieselbe erkennen, oder für das anse-
hen könne, was sie ist. Die Zeichen aber sind mei-
stens außer der Sache, die sie anzeigen oder bedeu-
ten, oder in anderen Sachen, die mit derselben in
Verbindung sind.

§. 653.

Wenn wir nun zu den zween ersten in dem §. 647.
betrachteten Fällen zurücke kehren, und diese Verbin-
dung näher betrachten, so findet in Absicht auf die
Zeichen mehrentheils der zweyte statt, indem wir
nämlich aus der Erfahrung lernen, daß eine Sache
als ein Zeichen einer andern angesehen werden könne.
Denn in Ansehung des ersten Falles, wo wir näm-
lich die Verbindung genau kennen, da gebrauchen
wir gewöhnlich den eigenen Namen derselben, und
solcher Namen giebt es nothwendig desto mehrere,
je umständlicher uns jede Arten von Verbindungen,
Verhältnissen, Zusammenhang etc. bekannt sind, und
je wissenschaftlicher unsere Erkenntniß davon ist. Da
die menschliche Erkenntniß überhaupt, und so auch
die von jedem Menschen besonders, bey den Sinnen
und der Erfahrung anfängt; so ist es auch aus die-
sem Grunde sehr natürlich, daß wir auch von Zei-
chen
und Bedeutungen reden, und dabey anfangen,
ehe uns die Begriffe von den besondern Arten der
Verbindungen, Verhältnisse etc. bekannt werden.
Denn diese Begriffe sind in Ländern und Zeiten, wo
keine wissenschaftliche Erkenntniß ist, und auch da,
wo sie ist, dennoch dem größten Haufen unbekannt,
und man hat sich nicht zu verwundern, wenn in Er-
mangelung derselben auch die Kennzeichen fehlen,
woran ächte natürliche Zeichen von solchen, die nichts
bedeuten, unterschieden werden müssen, und wenn

bey

XXI. Hauptſtuͤck.
ſie vorkoͤmmt, dieſelbe erkennen, oder fuͤr das anſe-
hen koͤnne, was ſie iſt. Die Zeichen aber ſind mei-
ſtens außer der Sache, die ſie anzeigen oder bedeu-
ten, oder in anderen Sachen, die mit derſelben in
Verbindung ſind.

§. 653.

Wenn wir nun zu den zween erſten in dem §. 647.
betrachteten Faͤllen zuruͤcke kehren, und dieſe Verbin-
dung naͤher betrachten, ſo findet in Abſicht auf die
Zeichen mehrentheils der zweyte ſtatt, indem wir
naͤmlich aus der Erfahrung lernen, daß eine Sache
als ein Zeichen einer andern angeſehen werden koͤnne.
Denn in Anſehung des erſten Falles, wo wir naͤm-
lich die Verbindung genau kennen, da gebrauchen
wir gewoͤhnlich den eigenen Namen derſelben, und
ſolcher Namen giebt es nothwendig deſto mehrere,
je umſtaͤndlicher uns jede Arten von Verbindungen,
Verhaͤltniſſen, Zuſammenhang ꝛc. bekannt ſind, und
je wiſſenſchaftlicher unſere Erkenntniß davon iſt. Da
die menſchliche Erkenntniß uͤberhaupt, und ſo auch
die von jedem Menſchen beſonders, bey den Sinnen
und der Erfahrung anfaͤngt; ſo iſt es auch aus die-
ſem Grunde ſehr natuͤrlich, daß wir auch von Zei-
chen
und Bedeutungen reden, und dabey anfangen,
ehe uns die Begriffe von den beſondern Arten der
Verbindungen, Verhaͤltniſſe ꝛc. bekannt werden.
Denn dieſe Begriffe ſind in Laͤndern und Zeiten, wo
keine wiſſenſchaftliche Erkenntniß iſt, und auch da,
wo ſie iſt, dennoch dem groͤßten Haufen unbekannt,
und man hat ſich nicht zu verwundern, wenn in Er-
mangelung derſelben auch die Kennzeichen fehlen,
woran aͤchte natuͤrliche Zeichen von ſolchen, die nichts
bedeuten, unterſchieden werden muͤſſen, und wenn

bey
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0288" n="280"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b"><hi rendition="#aq">XXI.</hi> Haupt&#x017F;tu&#x0364;ck.</hi></fw><lb/>
&#x017F;ie vorko&#x0364;mmt, die&#x017F;elbe erkennen, oder fu&#x0364;r das an&#x017F;e-<lb/>
hen ko&#x0364;nne, was &#x017F;ie i&#x017F;t. Die <hi rendition="#fr">Zeichen</hi> aber &#x017F;ind mei-<lb/>
&#x017F;tens außer der Sache, die &#x017F;ie anzeigen oder bedeu-<lb/>
ten, oder in anderen Sachen, die mit der&#x017F;elben in<lb/>
Verbindung &#x017F;ind.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 653.</head><lb/>
            <p>Wenn wir nun zu den zween er&#x017F;ten in dem §. 647.<lb/>
betrachteten Fa&#x0364;llen zuru&#x0364;cke kehren, und die&#x017F;e Verbin-<lb/>
dung na&#x0364;her betrachten, &#x017F;o findet in Ab&#x017F;icht auf die<lb/>
Zeichen mehrentheils der zweyte &#x017F;tatt, indem wir<lb/>
na&#x0364;mlich aus der Erfahrung lernen, daß eine Sache<lb/>
als ein Zeichen einer andern ange&#x017F;ehen werden ko&#x0364;nne.<lb/>
Denn in An&#x017F;ehung des er&#x017F;ten Falles, wo wir na&#x0364;m-<lb/>
lich die Verbindung genau kennen, da gebrauchen<lb/>
wir gewo&#x0364;hnlich den eigenen Namen der&#x017F;elben, und<lb/>
&#x017F;olcher Namen giebt es nothwendig de&#x017F;to mehrere,<lb/>
je um&#x017F;ta&#x0364;ndlicher uns jede Arten von Verbindungen,<lb/>
Verha&#x0364;ltni&#x017F;&#x017F;en, Zu&#x017F;ammenhang &#xA75B;c. bekannt &#x017F;ind, und<lb/>
je wi&#x017F;&#x017F;en&#x017F;chaftlicher un&#x017F;ere Erkenntniß davon i&#x017F;t. Da<lb/>
die men&#x017F;chliche Erkenntniß u&#x0364;berhaupt, und &#x017F;o auch<lb/>
die von jedem Men&#x017F;chen be&#x017F;onders, bey den Sinnen<lb/>
und der Erfahrung anfa&#x0364;ngt; &#x017F;o i&#x017F;t es auch aus die-<lb/>
&#x017F;em Grunde &#x017F;ehr natu&#x0364;rlich, daß wir auch von <hi rendition="#fr">Zei-<lb/>
chen</hi> und <hi rendition="#fr">Bedeutungen</hi> reden, und dabey anfangen,<lb/>
ehe uns die Begriffe von den be&#x017F;ondern Arten der<lb/>
Verbindungen, Verha&#x0364;ltni&#x017F;&#x017F;e &#xA75B;c. bekannt werden.<lb/>
Denn die&#x017F;e Begriffe &#x017F;ind in La&#x0364;ndern und Zeiten, wo<lb/>
keine wi&#x017F;&#x017F;en&#x017F;chaftliche Erkenntniß i&#x017F;t, und auch da,<lb/>
wo &#x017F;ie i&#x017F;t, dennoch dem gro&#x0364;ßten Haufen unbekannt,<lb/>
und man hat &#x017F;ich nicht zu verwundern, wenn in Er-<lb/>
mangelung der&#x017F;elben auch die Kennzeichen fehlen,<lb/>
woran a&#x0364;chte natu&#x0364;rliche Zeichen von &#x017F;olchen, die nichts<lb/>
bedeuten, unter&#x017F;chieden werden mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en, und wenn<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">bey</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[280/0288] XXI. Hauptſtuͤck. ſie vorkoͤmmt, dieſelbe erkennen, oder fuͤr das anſe- hen koͤnne, was ſie iſt. Die Zeichen aber ſind mei- ſtens außer der Sache, die ſie anzeigen oder bedeu- ten, oder in anderen Sachen, die mit derſelben in Verbindung ſind. §. 653. Wenn wir nun zu den zween erſten in dem §. 647. betrachteten Faͤllen zuruͤcke kehren, und dieſe Verbin- dung naͤher betrachten, ſo findet in Abſicht auf die Zeichen mehrentheils der zweyte ſtatt, indem wir naͤmlich aus der Erfahrung lernen, daß eine Sache als ein Zeichen einer andern angeſehen werden koͤnne. Denn in Anſehung des erſten Falles, wo wir naͤm- lich die Verbindung genau kennen, da gebrauchen wir gewoͤhnlich den eigenen Namen derſelben, und ſolcher Namen giebt es nothwendig deſto mehrere, je umſtaͤndlicher uns jede Arten von Verbindungen, Verhaͤltniſſen, Zuſammenhang ꝛc. bekannt ſind, und je wiſſenſchaftlicher unſere Erkenntniß davon iſt. Da die menſchliche Erkenntniß uͤberhaupt, und ſo auch die von jedem Menſchen beſonders, bey den Sinnen und der Erfahrung anfaͤngt; ſo iſt es auch aus die- ſem Grunde ſehr natuͤrlich, daß wir auch von Zei- chen und Bedeutungen reden, und dabey anfangen, ehe uns die Begriffe von den beſondern Arten der Verbindungen, Verhaͤltniſſe ꝛc. bekannt werden. Denn dieſe Begriffe ſind in Laͤndern und Zeiten, wo keine wiſſenſchaftliche Erkenntniß iſt, und auch da, wo ſie iſt, dennoch dem groͤßten Haufen unbekannt, und man hat ſich nicht zu verwundern, wenn in Er- mangelung derſelben auch die Kennzeichen fehlen, woran aͤchte natuͤrliche Zeichen von ſolchen, die nichts bedeuten, unterſchieden werden muͤſſen, und wenn bey

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_architectonic02_1771
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_architectonic02_1771/288
Zitationshilfe: Lambert, Johann Heinrich: Anlage zur Architectonic. Bd. 2. Riga, 1771, S. 280. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_architectonic02_1771/288>, abgerufen am 20.10.2019.