Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Lambert, Johann Heinrich: Anlage zur Architectonic. Bd. 2. Riga, 1771.

Bild:
<< vorherige Seite

XV. Hauptstück.
sondern als eine Summe von Theilen angesehen wer-
den muß, die wegen des durchgängigen und gemein-
samen Zusammenhanges nicht getrennet werden kön-
nen, ohne daß sie theils selbst, theils in ihren Ver-
hältnissen Veränderungen litten. So weit demnach
der Zusammenhang geht, muß man sie zusammen-
nehmen, und folglich als ein Ganzes ansehen, wel-
ches, so fern es nicht noch mit anderm in Zusammen-
hange ist, so ferne als für sich bestehend angesehen
werden kann.

§. 466.

Wir können nun auch umgekehrt sagen, daß in
jedem realen Ganzen,
so fern wir diese nämlich
von einer bloß arithmetischen Summe von Theilen
oder Einheiten unterscheiden, ein solcher durch-
gängiger Zusammenhang sey.
Denn eben da-
durch wird ein Ganzes von Stückwerken und von
einem Cahos unterschieden. Was dabey der durch-
gängige Zusammenhang und das gemeinsame Band
sagen will, wie fern dieses einiger Veränderungen
ungeachtet bleibe, wie es durch größere Kräfte ge-
trennet werde, und dadurch das Ganze aufhöre, ein
Ganzes zu seyn etc. haben wir oben (§. 220. 221.) be-
trachtet, und auf brauchbare Sätze gebracht.

§. 467.

Eben so können wir aus dem §. 350. anmerken,
daß jedes Ding, so fern es soll können existiren,
und folglich fortdauern, und im Beharrungs-
stande bleiben, eine Anordnung der Theile, ein
gemeinsames Band und Zusammenhang erfor-
dere, und daß dabey ein
Maximum vorkommen
müsse.
Da auf diesen Bedingungen die meta-

physische

XV. Hauptſtuͤck.
ſondern als eine Summe von Theilen angeſehen wer-
den muß, die wegen des durchgaͤngigen und gemein-
ſamen Zuſammenhanges nicht getrennet werden koͤn-
nen, ohne daß ſie theils ſelbſt, theils in ihren Ver-
haͤltniſſen Veraͤnderungen litten. So weit demnach
der Zuſammenhang geht, muß man ſie zuſammen-
nehmen, und folglich als ein Ganzes anſehen, wel-
ches, ſo fern es nicht noch mit anderm in Zuſammen-
hange iſt, ſo ferne als fuͤr ſich beſtehend angeſehen
werden kann.

§. 466.

Wir koͤnnen nun auch umgekehrt ſagen, daß in
jedem realen Ganzen,
ſo fern wir dieſe naͤmlich
von einer bloß arithmetiſchen Summe von Theilen
oder Einheiten unterſcheiden, ein ſolcher durch-
gaͤngiger Zuſammenhang ſey.
Denn eben da-
durch wird ein Ganzes von Stuͤckwerken und von
einem Cahos unterſchieden. Was dabey der durch-
gaͤngige Zuſammenhang und das gemeinſame Band
ſagen will, wie fern dieſes einiger Veraͤnderungen
ungeachtet bleibe, wie es durch groͤßere Kraͤfte ge-
trennet werde, und dadurch das Ganze aufhoͤre, ein
Ganzes zu ſeyn ꝛc. haben wir oben (§. 220. 221.) be-
trachtet, und auf brauchbare Saͤtze gebracht.

§. 467.

Eben ſo koͤnnen wir aus dem §. 350. anmerken,
daß jedes Ding, ſo fern es ſoll koͤnnen exiſtiren,
und folglich fortdauern, und im Beharrungs-
ſtande bleiben, eine Anordnung der Theile, ein
gemeinſames Band und Zuſammenhang erfor-
dere, und daß dabey ein
Maximum vorkommen
muͤſſe.
Da auf dieſen Bedingungen die meta-

phyſiſche
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0094" n="86"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b"><hi rendition="#aq">XV.</hi> Haupt&#x017F;tu&#x0364;ck.</hi></fw><lb/>
&#x017F;ondern als eine Summe von Theilen ange&#x017F;ehen wer-<lb/>
den muß, die wegen des durchga&#x0364;ngigen und gemein-<lb/>
&#x017F;amen Zu&#x017F;ammenhanges nicht getrennet werden ko&#x0364;n-<lb/>
nen, ohne daß &#x017F;ie theils &#x017F;elb&#x017F;t, theils in ihren Ver-<lb/>
ha&#x0364;ltni&#x017F;&#x017F;en Vera&#x0364;nderungen litten. So weit demnach<lb/>
der Zu&#x017F;ammenhang geht, muß man &#x017F;ie zu&#x017F;ammen-<lb/>
nehmen, und folglich als ein Ganzes an&#x017F;ehen, wel-<lb/>
ches, &#x017F;o fern es nicht noch mit anderm in Zu&#x017F;ammen-<lb/>
hange i&#x017F;t, &#x017F;o ferne als fu&#x0364;r &#x017F;ich be&#x017F;tehend ange&#x017F;ehen<lb/>
werden kann.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 466.</head><lb/>
            <p>Wir ko&#x0364;nnen nun auch umgekehrt &#x017F;agen, <hi rendition="#fr">daß in<lb/>
jedem realen Ganzen,</hi> &#x017F;o fern wir die&#x017F;e na&#x0364;mlich<lb/>
von einer bloß arithmeti&#x017F;chen Summe von Theilen<lb/>
oder Einheiten unter&#x017F;cheiden, <hi rendition="#fr">ein &#x017F;olcher durch-<lb/>
ga&#x0364;ngiger Zu&#x017F;ammenhang &#x017F;ey.</hi> Denn eben da-<lb/>
durch wird ein Ganzes von Stu&#x0364;ckwerken und von<lb/>
einem Cahos unter&#x017F;chieden. Was dabey der durch-<lb/>
ga&#x0364;ngige Zu&#x017F;ammenhang und das gemein&#x017F;ame Band<lb/>
&#x017F;agen will, wie fern die&#x017F;es einiger Vera&#x0364;nderungen<lb/>
ungeachtet bleibe, wie es durch gro&#x0364;ßere Kra&#x0364;fte ge-<lb/>
trennet werde, und dadurch das Ganze aufho&#x0364;re, ein<lb/>
Ganzes zu &#x017F;eyn &#xA75B;c. haben wir oben (§. 220. 221.) be-<lb/>
trachtet, und auf brauchbare Sa&#x0364;tze gebracht.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 467.</head><lb/>
            <p>Eben &#x017F;o ko&#x0364;nnen wir aus dem §. 350. anmerken,<lb/><hi rendition="#fr">daß jedes Ding, &#x017F;o fern es &#x017F;oll ko&#x0364;nnen exi&#x017F;tiren,<lb/>
und folglich fortdauern, und im Beharrungs-<lb/>
&#x017F;tande bleiben, eine Anordnung der Theile, ein<lb/>
gemein&#x017F;ames Band und Zu&#x017F;ammenhang erfor-<lb/>
dere, und daß dabey ein</hi> <hi rendition="#aq"><hi rendition="#i">Maximum</hi></hi> <hi rendition="#fr">vorkommen<lb/>
mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;e.</hi> Da auf die&#x017F;en Bedingungen die <hi rendition="#fr">meta-</hi><lb/>
<fw place="bottom" type="catch"><hi rendition="#fr">phy&#x017F;i&#x017F;che</hi></fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[86/0094] XV. Hauptſtuͤck. ſondern als eine Summe von Theilen angeſehen wer- den muß, die wegen des durchgaͤngigen und gemein- ſamen Zuſammenhanges nicht getrennet werden koͤn- nen, ohne daß ſie theils ſelbſt, theils in ihren Ver- haͤltniſſen Veraͤnderungen litten. So weit demnach der Zuſammenhang geht, muß man ſie zuſammen- nehmen, und folglich als ein Ganzes anſehen, wel- ches, ſo fern es nicht noch mit anderm in Zuſammen- hange iſt, ſo ferne als fuͤr ſich beſtehend angeſehen werden kann. §. 466. Wir koͤnnen nun auch umgekehrt ſagen, daß in jedem realen Ganzen, ſo fern wir dieſe naͤmlich von einer bloß arithmetiſchen Summe von Theilen oder Einheiten unterſcheiden, ein ſolcher durch- gaͤngiger Zuſammenhang ſey. Denn eben da- durch wird ein Ganzes von Stuͤckwerken und von einem Cahos unterſchieden. Was dabey der durch- gaͤngige Zuſammenhang und das gemeinſame Band ſagen will, wie fern dieſes einiger Veraͤnderungen ungeachtet bleibe, wie es durch groͤßere Kraͤfte ge- trennet werde, und dadurch das Ganze aufhoͤre, ein Ganzes zu ſeyn ꝛc. haben wir oben (§. 220. 221.) be- trachtet, und auf brauchbare Saͤtze gebracht. §. 467. Eben ſo koͤnnen wir aus dem §. 350. anmerken, daß jedes Ding, ſo fern es ſoll koͤnnen exiſtiren, und folglich fortdauern, und im Beharrungs- ſtande bleiben, eine Anordnung der Theile, ein gemeinſames Band und Zuſammenhang erfor- dere, und daß dabey ein Maximum vorkommen muͤſſe. Da auf dieſen Bedingungen die meta- phyſiſche

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_architectonic02_1771
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_architectonic02_1771/94
Zitationshilfe: Lambert, Johann Heinrich: Anlage zur Architectonic. Bd. 2. Riga, 1771, S. 86. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_architectonic02_1771/94>, abgerufen am 21.08.2019.