Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Lambert, Johann Heinrich: Cosmologische Briefe über die Einrichtung des Weltbaues. Augsburg, 1761.

Bild:
<< vorherige Seite
über die Einrichtung des Weltbaues.
Sechzehnter Brief.

Es war mir ein ausnehmendes Vergnügen, aus
Ihrem geschätztesten Schreiben zu sehen, wie
Sie, mein Herr, alles anwenden, um neuen

Stoff zu unsern astronomischen Betrachtungen zu
sammeln, und dieselben nicht nur in allen Absichten
gewisser, sondern auch in jeden einzeln Theilen be-
stimmter zu machen. Ich gestehe Ihnen gerne, daß
ich mich am Ende meiner Einfälle zu seyn glaubte,
und es bald auf künftige Umstände verschoben hätte,
weiter zu gehen. So wenig können wir unsern Gedanken
gebieten, wenn wir Glieder zu einer langen und zusam-
menhängenden Reihe von Schlüssen finden sollen.
Bald verlieren wir die zu neuen Sätzen fruchtbare
Seite der Sache aus dem Gesichte, bald bemerken
wir nicht gleich, was uns daran dienlich seyn kann,
und bald fehlen uns die Vordersätze, die wir damit
verbinden sollten, um neue Schlüsse heraus zu brin-
[g]en. Das meiste hierinn hängt von Zeit und Umstän-
den ab, und läßt uns warten, bis sich die Auflösung
der Fragen etwan von selbsten darbeut. So gelegent-
lich geht es mit unsern Untersuchungen, und so aufge-
legt müssen wir seyn, die dienlichen Gelegenheiten und
Anlässe gleich zu erkennen, und anzuwenden.

Wie sehr wünschte ich, die Nachricht über die
nun ausser Zweifel gesetzte Verrückung der Fixsterne
so glücklich gebrauchen zu können, die Sie mir mitge-

theilt
O 3
uͤber die Einrichtung des Weltbaues.
Sechzehnter Brief.

Es war mir ein ausnehmendes Vergnuͤgen, aus
Ihrem geſchaͤtzteſten Schreiben zu ſehen, wie
Sie, mein Herr, alles anwenden, um neuen

Stoff zu unſern aſtronomiſchen Betrachtungen zu
ſammeln, und dieſelben nicht nur in allen Abſichten
gewiſſer, ſondern auch in jeden einzeln Theilen be-
ſtimmter zu machen. Ich geſtehe Ihnen gerne, daß
ich mich am Ende meiner Einfaͤlle zu ſeyn glaubte,
und es bald auf kuͤnftige Umſtaͤnde verſchoben haͤtte,
weiter zu gehen. So wenig koͤnnen wir unſern Gedanken
gebieten, wenn wir Glieder zu einer langen und zuſam-
menhaͤngenden Reihe von Schluͤſſen finden ſollen.
Bald verlieren wir die zu neuen Saͤtzen fruchtbare
Seite der Sache aus dem Geſichte, bald bemerken
wir nicht gleich, was uns daran dienlich ſeyn kann,
und bald fehlen uns die Vorderſaͤtze, die wir damit
verbinden ſollten, um neue Schluͤſſe heraus zu brin-
[g]en. Das meiſte hierinn haͤngt von Zeit und Umſtaͤn-
den ab, und laͤßt uns warten, bis ſich die Aufloͤſung
der Fragen etwan von ſelbſten darbeut. So gelegent-
lich geht es mit unſern Unterſuchungen, und ſo aufge-
legt muͤſſen wir ſeyn, die dienlichen Gelegenheiten und
Anlaͤſſe gleich zu erkennen, und anzuwenden.

Wie ſehr wuͤnſchte ich, die Nachricht uͤber die
nun auſſer Zweifel geſetzte Verruͤckung der Fixſterne
ſo gluͤcklich gebrauchen zu koͤnnen, die Sie mir mitge-

theilt
O 3
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0246" n="213"/>
        <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b">u&#x0364;ber die Einrichtung des Weltbaues.</hi> </fw><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Sechzehnter Brief.</hi> </head><lb/>
          <p><hi rendition="#in">E</hi>s war mir ein ausnehmendes Vergnu&#x0364;gen, aus<lb/><hi rendition="#et">Ihrem ge&#x017F;cha&#x0364;tzte&#x017F;ten Schreiben zu &#x017F;ehen, wie<lb/>
Sie, mein Herr, alles anwenden, um neuen</hi><lb/>
Stoff zu un&#x017F;ern a&#x017F;tronomi&#x017F;chen Betrachtungen zu<lb/>
&#x017F;ammeln, und die&#x017F;elben nicht nur in allen Ab&#x017F;ichten<lb/>
gewi&#x017F;&#x017F;er, &#x017F;ondern auch in jeden einzeln Theilen be-<lb/>
&#x017F;timmter zu machen. Ich ge&#x017F;tehe Ihnen gerne, daß<lb/>
ich mich am Ende meiner Einfa&#x0364;lle zu &#x017F;eyn glaubte,<lb/>
und es bald auf ku&#x0364;nftige Um&#x017F;ta&#x0364;nde ver&#x017F;choben ha&#x0364;tte,<lb/>
weiter zu gehen. So wenig ko&#x0364;nnen wir un&#x017F;ern Gedanken<lb/>
gebieten, wenn wir Glieder zu einer langen und zu&#x017F;am-<lb/>
menha&#x0364;ngenden Reihe von Schlu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en finden &#x017F;ollen.<lb/>
Bald verlieren wir die zu neuen Sa&#x0364;tzen fruchtbare<lb/>
Seite der Sache aus dem Ge&#x017F;ichte, bald bemerken<lb/>
wir nicht gleich, was uns daran dienlich &#x017F;eyn kann,<lb/>
und bald fehlen uns die Vorder&#x017F;a&#x0364;tze, die wir damit<lb/>
verbinden &#x017F;ollten, um neue Schlu&#x0364;&#x017F;&#x017F;e heraus zu brin-<lb/><supplied>g</supplied>en. Das mei&#x017F;te hierinn ha&#x0364;ngt von Zeit und Um&#x017F;ta&#x0364;n-<lb/>
den ab, und la&#x0364;ßt uns warten, bis &#x017F;ich die Auflo&#x0364;&#x017F;ung<lb/>
der Fragen etwan von &#x017F;elb&#x017F;ten darbeut. So gelegent-<lb/>
lich geht es mit un&#x017F;ern Unter&#x017F;uchungen, und &#x017F;o aufge-<lb/>
legt mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en wir &#x017F;eyn, die dienlichen Gelegenheiten und<lb/>
Anla&#x0364;&#x017F;&#x017F;e gleich zu erkennen, und anzuwenden.</p><lb/>
          <p>Wie &#x017F;ehr wu&#x0364;n&#x017F;chte ich, die Nachricht u&#x0364;ber die<lb/>
nun au&#x017F;&#x017F;er Zweifel ge&#x017F;etzte Verru&#x0364;ckung der Fix&#x017F;terne<lb/>
&#x017F;o glu&#x0364;cklich gebrauchen zu ko&#x0364;nnen, die Sie mir mitge-<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">O 3</fw><fw place="bottom" type="catch">theilt</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[213/0246] uͤber die Einrichtung des Weltbaues. Sechzehnter Brief. Es war mir ein ausnehmendes Vergnuͤgen, aus Ihrem geſchaͤtzteſten Schreiben zu ſehen, wie Sie, mein Herr, alles anwenden, um neuen Stoff zu unſern aſtronomiſchen Betrachtungen zu ſammeln, und dieſelben nicht nur in allen Abſichten gewiſſer, ſondern auch in jeden einzeln Theilen be- ſtimmter zu machen. Ich geſtehe Ihnen gerne, daß ich mich am Ende meiner Einfaͤlle zu ſeyn glaubte, und es bald auf kuͤnftige Umſtaͤnde verſchoben haͤtte, weiter zu gehen. So wenig koͤnnen wir unſern Gedanken gebieten, wenn wir Glieder zu einer langen und zuſam- menhaͤngenden Reihe von Schluͤſſen finden ſollen. Bald verlieren wir die zu neuen Saͤtzen fruchtbare Seite der Sache aus dem Geſichte, bald bemerken wir nicht gleich, was uns daran dienlich ſeyn kann, und bald fehlen uns die Vorderſaͤtze, die wir damit verbinden ſollten, um neue Schluͤſſe heraus zu brin- gen. Das meiſte hierinn haͤngt von Zeit und Umſtaͤn- den ab, und laͤßt uns warten, bis ſich die Aufloͤſung der Fragen etwan von ſelbſten darbeut. So gelegent- lich geht es mit unſern Unterſuchungen, und ſo aufge- legt muͤſſen wir ſeyn, die dienlichen Gelegenheiten und Anlaͤſſe gleich zu erkennen, und anzuwenden. Wie ſehr wuͤnſchte ich, die Nachricht uͤber die nun auſſer Zweifel geſetzte Verruͤckung der Fixſterne ſo gluͤcklich gebrauchen zu koͤnnen, die Sie mir mitge- theilt O 3

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_einrichtung_1761
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_einrichtung_1761/246
Zitationshilfe: Lambert, Johann Heinrich: Cosmologische Briefe über die Einrichtung des Weltbaues. Augsburg, 1761, S. 213. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_einrichtung_1761/246>, abgerufen am 16.10.2019.