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Lambert, Johann Heinrich: Neues Organon. Bd. 1. Leipzig, 1764.

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IV. Hauptstück,
§. 255.

Die bloße Versetzung der drey Sätze eines Schlus-
ses macht denselben noch nicht so versteckt, daß man
Mühe haben sollte, ihn gleich wiederum in seine ein-
fache Form zu bringen, oder seinen Zusammenhang
einzusehen, so wie er vorgetragen wird. Die Ma-
thematiker fangen gemeiniglich bey dem Untersatze an,
und folgern den Schlußsatz, so oft der Obersatz ent-
weder für sich klar ist, oder durch Citiren angezeigt
werden kann. Zuweilen werden beyde Vordersätze
noch erst durch Schlüsse aus dem vorhergehenden her-
geleitet, und sodann der Schlußsatz gezogen. Man
hat hierinn ohne Nachtheil der Richtigkeit des Zu-
sammenhanges mehr als eine Auswahl, und die vor-
hin (§. 250.) angezeigten abgekürzten Arten des Vor-
trags eines Satzes benehmen dieser Richtigkeit eben-
falls nichts, so oft sie im förmlichen Schlusse selbst
da ist.

§. 256.

Wir haben noch die sogenannten unmittelbaren
Folgen
zu betrachten. Jm eigentlichsten Verstande
folgt zwar kein Satz unmittelbar aus dem andern,
weil man immer, um einen Schluß zu ziehen, noch
einen Obersatz dazu nehmen muß. Jndessen aber,
wenn dieser zweyte Obersatz nichts anders enthält, als
was schlechthin nur deswegen wahr ist, weil der
Untersatz ein Satz ist;
so wird in diesem Fall die
Schlußfolge unmittelbar genennt. Demnach grün-
det sich die unmittelbare Folge schlechthin auf die Na-
tur eines Satzes überhaupt, und sie ist richtig und
wahr, weil der Satz, aus dem man sie zieht, ein
Satz, oder eine der vier Arten von Sätzen ist, und
in so fern derselbe wahr ist. Da man demnach, um
eine solche Folge zu ziehen, weiter nichts, als den

Satz
IV. Hauptſtuͤck,
§. 255.

Die bloße Verſetzung der drey Saͤtze eines Schluſ-
ſes macht denſelben noch nicht ſo verſteckt, daß man
Muͤhe haben ſollte, ihn gleich wiederum in ſeine ein-
fache Form zu bringen, oder ſeinen Zuſammenhang
einzuſehen, ſo wie er vorgetragen wird. Die Ma-
thematiker fangen gemeiniglich bey dem Unterſatze an,
und folgern den Schlußſatz, ſo oft der Oberſatz ent-
weder fuͤr ſich klar iſt, oder durch Citiren angezeigt
werden kann. Zuweilen werden beyde Vorderſaͤtze
noch erſt durch Schluͤſſe aus dem vorhergehenden her-
geleitet, und ſodann der Schlußſatz gezogen. Man
hat hierinn ohne Nachtheil der Richtigkeit des Zu-
ſammenhanges mehr als eine Auswahl, und die vor-
hin (§. 250.) angezeigten abgekuͤrzten Arten des Vor-
trags eines Satzes benehmen dieſer Richtigkeit eben-
falls nichts, ſo oft ſie im foͤrmlichen Schluſſe ſelbſt
da iſt.

§. 256.

Wir haben noch die ſogenannten unmittelbaren
Folgen
zu betrachten. Jm eigentlichſten Verſtande
folgt zwar kein Satz unmittelbar aus dem andern,
weil man immer, um einen Schluß zu ziehen, noch
einen Oberſatz dazu nehmen muß. Jndeſſen aber,
wenn dieſer zweyte Oberſatz nichts anders enthaͤlt, als
was ſchlechthin nur deswegen wahr iſt, weil der
Unterſatz ein Satz iſt;
ſo wird in dieſem Fall die
Schlußfolge unmittelbar genennt. Demnach gruͤn-
det ſich die unmittelbare Folge ſchlechthin auf die Na-
tur eines Satzes uͤberhaupt, und ſie iſt richtig und
wahr, weil der Satz, aus dem man ſie zieht, ein
Satz, oder eine der vier Arten von Saͤtzen iſt, und
in ſo fern derſelbe wahr iſt. Da man demnach, um
eine ſolche Folge zu ziehen, weiter nichts, als den

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[160/0182] IV. Hauptſtuͤck, §. 255. Die bloße Verſetzung der drey Saͤtze eines Schluſ- ſes macht denſelben noch nicht ſo verſteckt, daß man Muͤhe haben ſollte, ihn gleich wiederum in ſeine ein- fache Form zu bringen, oder ſeinen Zuſammenhang einzuſehen, ſo wie er vorgetragen wird. Die Ma- thematiker fangen gemeiniglich bey dem Unterſatze an, und folgern den Schlußſatz, ſo oft der Oberſatz ent- weder fuͤr ſich klar iſt, oder durch Citiren angezeigt werden kann. Zuweilen werden beyde Vorderſaͤtze noch erſt durch Schluͤſſe aus dem vorhergehenden her- geleitet, und ſodann der Schlußſatz gezogen. Man hat hierinn ohne Nachtheil der Richtigkeit des Zu- ſammenhanges mehr als eine Auswahl, und die vor- hin (§. 250.) angezeigten abgekuͤrzten Arten des Vor- trags eines Satzes benehmen dieſer Richtigkeit eben- falls nichts, ſo oft ſie im foͤrmlichen Schluſſe ſelbſt da iſt. §. 256. Wir haben noch die ſogenannten unmittelbaren Folgen zu betrachten. Jm eigentlichſten Verſtande folgt zwar kein Satz unmittelbar aus dem andern, weil man immer, um einen Schluß zu ziehen, noch einen Oberſatz dazu nehmen muß. Jndeſſen aber, wenn dieſer zweyte Oberſatz nichts anders enthaͤlt, als was ſchlechthin nur deswegen wahr iſt, weil der Unterſatz ein Satz iſt; ſo wird in dieſem Fall die Schlußfolge unmittelbar genennt. Demnach gruͤn- det ſich die unmittelbare Folge ſchlechthin auf die Na- tur eines Satzes uͤberhaupt, und ſie iſt richtig und wahr, weil der Satz, aus dem man ſie zieht, ein Satz, oder eine der vier Arten von Saͤtzen iſt, und in ſo fern derſelbe wahr iſt. Da man demnach, um eine ſolche Folge zu ziehen, weiter nichts, als den Satz

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Zitationshilfe: Lambert, Johann Heinrich: Neues Organon. Bd. 1. Leipzig, 1764, S. 160. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_organon01_1764/182>, abgerufen am 14.10.2019.