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Lambert, Johann Heinrich: Neues Organon. Bd. 1. Leipzig, 1764.

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von den Begriffen und Erklärungen.
Sachen. Erstere heißen innere Merkmaale, letztere
aber äußere, oder Verhältnisse. Ein Verhält-
nißbegriff
ist demnach ein solcher, wodurch ein Begriff
mittelst eines andern, oder eine Sache durch eine an-
dre kenntlich gemacht oder bestimmt wird. Solche
Verhältnißbegriffe sind die Titel, weil man dadurch
die Verhältniß eines Menschen vorstellet, indem man
ihn durch das was er zu thun hat, oder auch das, was er
gethan hat, caracterisiret. So ist z. E. Erfinder ein
Verhältnißbegriff, und wenn man sagt, der Erfinder
der Luftpumpe, so weis man, daß es Otto Guericke
ist, weil dieser die Luftpumpe erfunden hat.

§. 13.

Jede Sache würde sich leicht von andern unter-
scheiden lassen, wenn sie nichts mit denselben gemein
hätte, und davon durchaus verschieden wäre. So
bequem geht es aber damit nicht zu, und wir finden
bey Vergleichung zwoer Sachen immer mehr oder
minder Aehnlichkeit und Merkmaale, die beyden ge-
meinsam sind. Jndessen da jede Sache auch etwas
hat, wodurch sie sich von allen übrigen unterscheidet,
so hat man sich dieses Umstandes bedient, den Be-
griffen noch andre Eintheilungen zu geben.

§. 14.

Man nimmt nämlich die Merkmaale, so der Sa-
che allein zukommen, desgleichen auch die, so sie mit an-
dern gemein hat, besonders zusammen, und theilt daher
den Begriff in seine eigene und in die gemeinsa-
men
Merkmaale ein. Dadurch wird er in zween
besondere Begriffe zergliedert, wovon der eine die ge-
meinsamen Merkmaale enthält, und den Namen von
Art oder Gattung bekömmt. Der andre enthält die ei-
genen Merkmaale, und wird der Unterschied der Art
genennt. Beyde zusammen genommen erschöpfen

den
A 5

von den Begriffen und Erklaͤrungen.
Sachen. Erſtere heißen innere Merkmaale, letztere
aber aͤußere, oder Verhaͤltniſſe. Ein Verhaͤlt-
nißbegriff
iſt demnach ein ſolcher, wodurch ein Begriff
mittelſt eines andern, oder eine Sache durch eine an-
dre kenntlich gemacht oder beſtimmt wird. Solche
Verhaͤltnißbegriffe ſind die Titel, weil man dadurch
die Verhaͤltniß eines Menſchen vorſtellet, indem man
ihn durch das was er zu thun hat, oder auch das, was er
gethan hat, caracteriſiret. So iſt z. E. Erfinder ein
Verhaͤltnißbegriff, und wenn man ſagt, der Erfinder
der Luftpumpe, ſo weis man, daß es Otto Guericke
iſt, weil dieſer die Luftpumpe erfunden hat.

§. 13.

Jede Sache wuͤrde ſich leicht von andern unter-
ſcheiden laſſen, wenn ſie nichts mit denſelben gemein
haͤtte, und davon durchaus verſchieden waͤre. So
bequem geht es aber damit nicht zu, und wir finden
bey Vergleichung zwoer Sachen immer mehr oder
minder Aehnlichkeit und Merkmaale, die beyden ge-
meinſam ſind. Jndeſſen da jede Sache auch etwas
hat, wodurch ſie ſich von allen uͤbrigen unterſcheidet,
ſo hat man ſich dieſes Umſtandes bedient, den Be-
griffen noch andre Eintheilungen zu geben.

§. 14.

Man nimmt naͤmlich die Merkmaale, ſo der Sa-
che allein zukommen, desgleichen auch die, ſo ſie mit an-
dern gemein hat, beſonders zuſammen, und theilt daher
den Begriff in ſeine eigene und in die gemeinſa-
men
Merkmaale ein. Dadurch wird er in zween
beſondere Begriffe zergliedert, wovon der eine die ge-
meinſamen Merkmaale enthaͤlt, und den Namen von
Art oder Gattung bekoͤmmt. Der andre enthaͤlt die ei-
genen Merkmaale, und wird der Unterſchied der Art
genennt. Beyde zuſammen genommen erſchoͤpfen

den
A 5
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[9/0031] von den Begriffen und Erklaͤrungen. Sachen. Erſtere heißen innere Merkmaale, letztere aber aͤußere, oder Verhaͤltniſſe. Ein Verhaͤlt- nißbegriff iſt demnach ein ſolcher, wodurch ein Begriff mittelſt eines andern, oder eine Sache durch eine an- dre kenntlich gemacht oder beſtimmt wird. Solche Verhaͤltnißbegriffe ſind die Titel, weil man dadurch die Verhaͤltniß eines Menſchen vorſtellet, indem man ihn durch das was er zu thun hat, oder auch das, was er gethan hat, caracteriſiret. So iſt z. E. Erfinder ein Verhaͤltnißbegriff, und wenn man ſagt, der Erfinder der Luftpumpe, ſo weis man, daß es Otto Guericke iſt, weil dieſer die Luftpumpe erfunden hat. §. 13. Jede Sache wuͤrde ſich leicht von andern unter- ſcheiden laſſen, wenn ſie nichts mit denſelben gemein haͤtte, und davon durchaus verſchieden waͤre. So bequem geht es aber damit nicht zu, und wir finden bey Vergleichung zwoer Sachen immer mehr oder minder Aehnlichkeit und Merkmaale, die beyden ge- meinſam ſind. Jndeſſen da jede Sache auch etwas hat, wodurch ſie ſich von allen uͤbrigen unterſcheidet, ſo hat man ſich dieſes Umſtandes bedient, den Be- griffen noch andre Eintheilungen zu geben. §. 14. Man nimmt naͤmlich die Merkmaale, ſo der Sa- che allein zukommen, desgleichen auch die, ſo ſie mit an- dern gemein hat, beſonders zuſammen, und theilt daher den Begriff in ſeine eigene und in die gemeinſa- men Merkmaale ein. Dadurch wird er in zween beſondere Begriffe zergliedert, wovon der eine die ge- meinſamen Merkmaale enthaͤlt, und den Namen von Art oder Gattung bekoͤmmt. Der andre enthaͤlt die ei- genen Merkmaale, und wird der Unterſchied der Art genennt. Beyde zuſammen genommen erſchoͤpfen den A 5

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Zitationshilfe: Lambert, Johann Heinrich: Neues Organon. Bd. 1. Leipzig, 1764, S. 9. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_organon01_1764/31>, abgerufen am 20.10.2019.