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Lambert, Johann Heinrich: Neues Organon. Bd. 1. Leipzig, 1764.

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VII. Hauptstück,
womit sich alles multipliciren läßt, (§. 500.) oder,
wenn man m nur von dem Subject wegnimmt, so
würde der Satz:

Alle A sind m

nur alsdenn wahr seyn, wenn der Begriff mA die
Bestimmung m doppelt hätte, und z. E. ein
viereckichtes Viereck vorstellte. (§. 502.)

§. 504.

Endlich wenn der gemeinsame Begriff im Subject
und im Prädicat der Hauptbegriff ist, z. E.

Alle mA sind nA;

so kann man zwar folgern:

Alle mA sind n.

Aber hier bleibt unentschieden, ob n dem m, oder dem
A, oder dem specialern Begriffe mA zukomme. Man
gebraucht daher auch immer nur den letztern Satz,
weil es für sich klar ist, daß alle mA, A sind. Z. E.
Anstatt zu sagen: Alle gleichseitige Triangel sind
gleichwinklichte Triangel,
sagt man nur: alle
gleichseitige Triangel sind gleichwinklicht,

weil das Prädicat Triangel für sich klar ist; und
weil der Begriff Triangel hier nicht als eine Bestim-
mung vorkömmt, und aus dem Subject ebenfalls
nicht wegbleiben kann, es sey denn, daß man die Be-
stimmung gleich auch weglasse; denn so wird man
den Satz bekommen: was Seiten hat, hat Winkel,
welcher in der Geometrie allerdings angeht.

§. 505.

Wir haben es denmach theils den Anomalien, im
gemeinen Gebrauche zu reden, theils auch in der That
dem Mangel der bestimmtern Ausdrücke und Erkennt-
niß zuzuschreiben, wenn wir die Bestimmungen nicht

immer

VII. Hauptſtuͤck,
womit ſich alles multipliciren laͤßt, (§. 500.) oder,
wenn man m nur von dem Subject wegnimmt, ſo
wuͤrde der Satz:

Alle A ſind m

nur alsdenn wahr ſeyn, wenn der Begriff mA die
Beſtimmung m doppelt haͤtte, und z. E. ein
viereckichtes Viereck vorſtellte. (§. 502.)

§. 504.

Endlich wenn der gemeinſame Begriff im Subject
und im Praͤdicat der Hauptbegriff iſt, z. E.

Alle mA ſind nA;

ſo kann man zwar folgern:

Alle mA ſind n.

Aber hier bleibt unentſchieden, ob n dem m, oder dem
A, oder dem ſpecialern Begriffe mA zukomme. Man
gebraucht daher auch immer nur den letztern Satz,
weil es fuͤr ſich klar iſt, daß alle mA, A ſind. Z. E.
Anſtatt zu ſagen: Alle gleichſeitige Triangel ſind
gleichwinklichte Triangel,
ſagt man nur: alle
gleichſeitige Triangel ſind gleichwinklicht,

weil das Praͤdicat Triangel fuͤr ſich klar iſt; und
weil der Begriff Triangel hier nicht als eine Beſtim-
mung vorkoͤmmt, und aus dem Subject ebenfalls
nicht wegbleiben kann, es ſey denn, daß man die Be-
ſtimmung gleich auch weglaſſe; denn ſo wird man
den Satz bekommen: was Seiten hat, hat Winkel,
welcher in der Geometrie allerdings angeht.

§. 505.

Wir haben es denmach theils den Anomalien, im
gemeinen Gebrauche zu reden, theils auch in der That
dem Mangel der beſtimmtern Ausdruͤcke und Erkennt-
niß zuzuſchreiben, wenn wir die Beſtimmungen nicht

immer
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[320/0342] VII. Hauptſtuͤck, womit ſich alles multipliciren laͤßt, (§. 500.) oder, wenn man m nur von dem Subject wegnimmt, ſo wuͤrde der Satz: Alle A ſind m nur alsdenn wahr ſeyn, wenn der Begriff mA die Beſtimmung m doppelt haͤtte, und z. E. ein viereckichtes Viereck vorſtellte. (§. 502.) §. 504. Endlich wenn der gemeinſame Begriff im Subject und im Praͤdicat der Hauptbegriff iſt, z. E. Alle mA ſind nA; ſo kann man zwar folgern: Alle mA ſind n. Aber hier bleibt unentſchieden, ob n dem m, oder dem A, oder dem ſpecialern Begriffe mA zukomme. Man gebraucht daher auch immer nur den letztern Satz, weil es fuͤr ſich klar iſt, daß alle mA, A ſind. Z. E. Anſtatt zu ſagen: Alle gleichſeitige Triangel ſind gleichwinklichte Triangel, ſagt man nur: alle gleichſeitige Triangel ſind gleichwinklicht, weil das Praͤdicat Triangel fuͤr ſich klar iſt; und weil der Begriff Triangel hier nicht als eine Beſtim- mung vorkoͤmmt, und aus dem Subject ebenfalls nicht wegbleiben kann, es ſey denn, daß man die Be- ſtimmung gleich auch weglaſſe; denn ſo wird man den Satz bekommen: was Seiten hat, hat Winkel, welcher in der Geometrie allerdings angeht. §. 505. Wir haben es denmach theils den Anomalien, im gemeinen Gebrauche zu reden, theils auch in der That dem Mangel der beſtimmtern Ausdruͤcke und Erkennt- niß zuzuſchreiben, wenn wir die Beſtimmungen nicht immer

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Zitationshilfe: Lambert, Johann Heinrich: Neues Organon. Bd. 1. Leipzig, 1764, S. 320. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_organon01_1764/342>, abgerufen am 22.01.2020.