Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Lambert, Johann Heinrich: Neues Organon. Bd. 1. Leipzig, 1764.

Bild:
<< vorherige Seite
II. Hauptst. von den Grundsätzen u. Forder.
§. 113.

Wir gebrauchen ferner die Jdentität auch bey
Vergleichungen, und dabey den Grundsatz: Daß
zwo Sachen in so fern einerley sind, sofern
jede in einerley Stücken mit einer dritten Sa-
che einerley ist.
Und dieser Grundsatz reicht um
desto weiter, weil wir nicht immer zwo Sachen un-
mittelbar unter sich vergleichen können, und weil es
nicht selten vorkömmt, daß man mehr in den Wor-
ten als in der Sache selbst von einander abgeht.
Denn in dem letzten Fall muß man die Worte so zu
reden auf einen gleichen Maaßstab bringen, um zu
sehen, ob sie von einander in der Bedeutung und ih-
rem Umfange verschieden sind.

§. 114.

Die Jdentität des Orts und der Zeit schließen
einander in so fern aus, daß beydes nicht zugleich
bey Dingen seyn kann, deren jedes einen besondern
Raum erfordert, oder das andre ausschleußt. Denn
sind diese Dinge zugleich, so sind sie nicht an
einerley Ort; Sind sie aber an einerley Ort, so
sind sie es nicht zugleich.
Diese beyden Sätze
haben auch im gemeinen Leben einen häufigen Ge-
brauch.

§. 115.

Die Jdentität der Größe heißt insbesondre die
Gleichheit, und Dinge sind gleich, aequales, so-
fern sie einerley Größe haben. Die vorhin ange-
brachten Sätze von der Jdentität werden daher leicht
auf die Gleichheit angewandt. Nämlich: Wenn
zwo Größen einer dritten gleich sind, so sind
sie unter sich gleich. Wenn gleiche Größen
auf einerley Art verändert, oder um gleich viel

ver-
II. Hauptſt. von den Grundſaͤtzen u. Forder.
§. 113.

Wir gebrauchen ferner die Jdentitaͤt auch bey
Vergleichungen, und dabey den Grundſatz: Daß
zwo Sachen in ſo fern einerley ſind, ſofern
jede in einerley Stuͤcken mit einer dritten Sa-
che einerley iſt.
Und dieſer Grundſatz reicht um
deſto weiter, weil wir nicht immer zwo Sachen un-
mittelbar unter ſich vergleichen koͤnnen, und weil es
nicht ſelten vorkoͤmmt, daß man mehr in den Wor-
ten als in der Sache ſelbſt von einander abgeht.
Denn in dem letzten Fall muß man die Worte ſo zu
reden auf einen gleichen Maaßſtab bringen, um zu
ſehen, ob ſie von einander in der Bedeutung und ih-
rem Umfange verſchieden ſind.

§. 114.

Die Jdentitaͤt des Orts und der Zeit ſchließen
einander in ſo fern aus, daß beydes nicht zugleich
bey Dingen ſeyn kann, deren jedes einen beſondern
Raum erfordert, oder das andre ausſchleußt. Denn
ſind dieſe Dinge zugleich, ſo ſind ſie nicht an
einerley Ort; Sind ſie aber an einerley Ort, ſo
ſind ſie es nicht zugleich.
Dieſe beyden Saͤtze
haben auch im gemeinen Leben einen haͤufigen Ge-
brauch.

§. 115.

Die Jdentitaͤt der Groͤße heißt insbeſondre die
Gleichheit, und Dinge ſind gleich, aequales, ſo-
fern ſie einerley Groͤße haben. Die vorhin ange-
brachten Saͤtze von der Jdentitaͤt werden daher leicht
auf die Gleichheit angewandt. Naͤmlich: Wenn
zwo Groͤßen einer dritten gleich ſind, ſo ſind
ſie unter ſich gleich. Wenn gleiche Groͤßen
auf einerley Art veraͤndert, oder um gleich viel

ver-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0536" n="514"/>
          <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b"><hi rendition="#aq">II.</hi> Haupt&#x017F;t. von den Grund&#x017F;a&#x0364;tzen u. Forder.</hi> </fw><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 113.</head><lb/>
            <p>Wir gebrauchen ferner die Jdentita&#x0364;t auch bey<lb/>
Vergleichungen, und dabey den Grund&#x017F;atz: <hi rendition="#fr">Daß<lb/>
zwo Sachen in &#x017F;o fern einerley &#x017F;ind, &#x017F;ofern<lb/>
jede in einerley Stu&#x0364;cken mit einer dritten Sa-<lb/>
che einerley i&#x017F;t.</hi> Und die&#x017F;er Grund&#x017F;atz reicht um<lb/>
de&#x017F;to weiter, weil wir nicht immer zwo Sachen un-<lb/>
mittelbar unter &#x017F;ich vergleichen ko&#x0364;nnen, und weil es<lb/>
nicht &#x017F;elten vorko&#x0364;mmt, daß man mehr in den Wor-<lb/>
ten als in der Sache &#x017F;elb&#x017F;t von einander abgeht.<lb/>
Denn in dem letzten Fall muß man die Worte &#x017F;o zu<lb/>
reden auf einen gleichen Maaß&#x017F;tab bringen, um zu<lb/>
&#x017F;ehen, ob &#x017F;ie von einander in der Bedeutung und ih-<lb/>
rem Umfange ver&#x017F;chieden &#x017F;ind.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 114.</head><lb/>
            <p>Die Jdentita&#x0364;t des Orts und der Zeit &#x017F;chließen<lb/>
einander in &#x017F;o fern aus, daß beydes nicht zugleich<lb/>
bey Dingen &#x017F;eyn kann, deren jedes einen be&#x017F;ondern<lb/>
Raum erfordert, oder das andre aus&#x017F;chleußt. Denn<lb/><hi rendition="#fr">&#x017F;ind die&#x017F;e Dinge zugleich, &#x017F;o &#x017F;ind &#x017F;ie nicht an<lb/>
einerley Ort; Sind &#x017F;ie aber an einerley Ort, &#x017F;o<lb/>
&#x017F;ind &#x017F;ie es nicht zugleich.</hi> Die&#x017F;e beyden Sa&#x0364;tze<lb/>
haben auch im gemeinen Leben einen ha&#x0364;ufigen Ge-<lb/>
brauch.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 115.</head><lb/>
            <p>Die Jdentita&#x0364;t der <hi rendition="#fr">Gro&#x0364;ße</hi> heißt insbe&#x017F;ondre die<lb/><hi rendition="#fr">Gleichheit,</hi> und Dinge &#x017F;ind gleich, <hi rendition="#aq">aequales,</hi> &#x017F;o-<lb/>
fern &#x017F;ie einerley Gro&#x0364;ße haben. Die vorhin ange-<lb/>
brachten Sa&#x0364;tze von der Jdentita&#x0364;t werden daher leicht<lb/>
auf die Gleichheit angewandt. Na&#x0364;mlich: <hi rendition="#fr">Wenn<lb/>
zwo Gro&#x0364;ßen einer dritten gleich &#x017F;ind, &#x017F;o &#x017F;ind<lb/>
&#x017F;ie unter &#x017F;ich gleich. Wenn gleiche Gro&#x0364;ßen<lb/>
auf einerley Art vera&#x0364;ndert, oder um gleich viel</hi><lb/>
<fw place="bottom" type="catch"><hi rendition="#fr">ver-</hi></fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[514/0536] II. Hauptſt. von den Grundſaͤtzen u. Forder. §. 113. Wir gebrauchen ferner die Jdentitaͤt auch bey Vergleichungen, und dabey den Grundſatz: Daß zwo Sachen in ſo fern einerley ſind, ſofern jede in einerley Stuͤcken mit einer dritten Sa- che einerley iſt. Und dieſer Grundſatz reicht um deſto weiter, weil wir nicht immer zwo Sachen un- mittelbar unter ſich vergleichen koͤnnen, und weil es nicht ſelten vorkoͤmmt, daß man mehr in den Wor- ten als in der Sache ſelbſt von einander abgeht. Denn in dem letzten Fall muß man die Worte ſo zu reden auf einen gleichen Maaßſtab bringen, um zu ſehen, ob ſie von einander in der Bedeutung und ih- rem Umfange verſchieden ſind. §. 114. Die Jdentitaͤt des Orts und der Zeit ſchließen einander in ſo fern aus, daß beydes nicht zugleich bey Dingen ſeyn kann, deren jedes einen beſondern Raum erfordert, oder das andre ausſchleußt. Denn ſind dieſe Dinge zugleich, ſo ſind ſie nicht an einerley Ort; Sind ſie aber an einerley Ort, ſo ſind ſie es nicht zugleich. Dieſe beyden Saͤtze haben auch im gemeinen Leben einen haͤufigen Ge- brauch. §. 115. Die Jdentitaͤt der Groͤße heißt insbeſondre die Gleichheit, und Dinge ſind gleich, aequales, ſo- fern ſie einerley Groͤße haben. Die vorhin ange- brachten Saͤtze von der Jdentitaͤt werden daher leicht auf die Gleichheit angewandt. Naͤmlich: Wenn zwo Groͤßen einer dritten gleich ſind, ſo ſind ſie unter ſich gleich. Wenn gleiche Groͤßen auf einerley Art veraͤndert, oder um gleich viel ver-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_organon01_1764
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_organon01_1764/536
Zitationshilfe: Lambert, Johann Heinrich: Neues Organon. Bd. 1. Leipzig, 1764, S. 514. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_organon01_1764/536>, abgerufen am 18.10.2019.