Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Laukhard, Friedrich Christian: F. C. Laukhards Leben und Schicksale. Bd. 5. Leipzig, 1802.

Bild:
<< vorherige Seite

Aber das folgende Kapitel soll und wird mich gewiß
entschuldigen. Ich weiß es recht gut das goldne
Sprüchlein de mortuis et absentibus non nisi bene,
aber obgleich der Schuster Schäfer jetzt abwesend
ist, so darf ich ihn nicht allein doch beschreiben,
sondern ich glaube auch, daß es meine Pflicht ist,
einen Menschen öffentlich bekannt zu machen, der
sich an mir so wie Schäfer versündigt hat.

Vier und zwanzigstes Kapitel.

Hübsche Raritäten.



Ich habe immer von der Enthaltsamkeit und von
der Keuschheit der Frauenzimmer so meine ganz eig-
ne Gedanken gehabt, und niemals die Vorzüge
einer Frau oder eines Mädchens bloß allein in
der Jungferschaft oder in der ehelichen Treue gesucht.
Es mag übrigens eine ganz hübsche Sache seyn,
wenn man ein lediges Mädchen als Jungfer zur
Gattin erhält, oder wenn eine Ehefrau sichs nie
nach fremder Kost gelüsten läßt. Aber nur wenige
sind so glücklich, dieses Loos zu treffen, wie die
leidige Erfahrung zeigt und beweiset.


Aber das folgende Kapitel ſoll und wird mich gewiß
entſchuldigen. Ich weiß es recht gut das goldne
Spruͤchlein de mortuis et abſentibus non niſi bene,
aber obgleich der Schuſter Schaͤfer jetzt abweſend
iſt, ſo darf ich ihn nicht allein doch beſchreiben,
ſondern ich glaube auch, daß es meine Pflicht iſt,
einen Menſchen oͤffentlich bekannt zu machen, der
ſich an mir ſo wie Schaͤfer verſuͤndigt hat.

Vier und zwanzigſtes Kapitel.

Huͤbſche Raritaͤten.



Ich habe immer von der Enthaltſamkeit und von
der Keuſchheit der Frauenzimmer ſo meine ganz eig-
ne Gedanken gehabt, und niemals die Vorzuͤge
einer Frau oder eines Maͤdchens bloß allein in
der Jungferſchaft oder in der ehelichen Treue geſucht.
Es mag uͤbrigens eine ganz huͤbſche Sache ſeyn,
wenn man ein lediges Maͤdchen als Jungfer zur
Gattin erhaͤlt, oder wenn eine Ehefrau ſichs nie
nach fremder Koſt geluͤſten laͤßt. Aber nur wenige
ſind ſo gluͤcklich, dieſes Loos zu treffen, wie die
leidige Erfahrung zeigt und beweiſet.


<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0241" n="233"/>
Aber das folgende Kapitel &#x017F;oll und wird mich gewiß<lb/>
ent&#x017F;chuldigen. Ich weiß es recht gut das goldne<lb/>
Spru&#x0364;chlein <hi rendition="#aq">de mortuis et ab&#x017F;entibus non ni&#x017F;i bene,</hi><lb/>
aber obgleich der Schu&#x017F;ter Scha&#x0364;fer jetzt abwe&#x017F;end<lb/>
i&#x017F;t, &#x017F;o darf ich ihn nicht allein doch be&#x017F;chreiben,<lb/>
&#x017F;ondern ich glaube auch, daß es meine Pflicht i&#x017F;t,<lb/>
einen Men&#x017F;chen o&#x0364;ffentlich bekannt zu machen, der<lb/>
&#x017F;ich an mir &#x017F;o wie Scha&#x0364;fer ver&#x017F;u&#x0364;ndigt hat.</p>
      </div><lb/>
      <div n="1">
        <head>Vier und zwanzig&#x017F;tes Kapitel.</head><lb/>
        <p><hi rendition="#g">Hu&#x0364;b&#x017F;che Rarita&#x0364;ten</hi>.</p><lb/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
        <p><hi rendition="#in">I</hi>ch habe immer von der Enthalt&#x017F;amkeit und von<lb/>
der Keu&#x017F;chheit der Frauenzimmer &#x017F;o meine ganz eig-<lb/>
ne Gedanken gehabt, und niemals die Vorzu&#x0364;ge<lb/>
einer Frau oder eines Ma&#x0364;dchens <hi rendition="#g">bloß allein</hi> in<lb/>
der Jungfer&#x017F;chaft oder in der ehelichen Treue ge&#x017F;ucht.<lb/>
Es mag u&#x0364;brigens eine ganz hu&#x0364;b&#x017F;che Sache &#x017F;eyn,<lb/>
wenn man ein lediges Ma&#x0364;dchen als Jungfer zur<lb/>
Gattin erha&#x0364;lt, oder wenn eine Ehefrau &#x017F;ichs nie<lb/>
nach fremder Ko&#x017F;t gelu&#x0364;&#x017F;ten la&#x0364;ßt. Aber nur wenige<lb/>
&#x017F;ind &#x017F;o glu&#x0364;cklich, die&#x017F;es Loos zu treffen, wie die<lb/>
leidige Erfahrung zeigt und bewei&#x017F;et.</p><lb/>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[233/0241] Aber das folgende Kapitel ſoll und wird mich gewiß entſchuldigen. Ich weiß es recht gut das goldne Spruͤchlein de mortuis et abſentibus non niſi bene, aber obgleich der Schuſter Schaͤfer jetzt abweſend iſt, ſo darf ich ihn nicht allein doch beſchreiben, ſondern ich glaube auch, daß es meine Pflicht iſt, einen Menſchen oͤffentlich bekannt zu machen, der ſich an mir ſo wie Schaͤfer verſuͤndigt hat. Vier und zwanzigſtes Kapitel. Huͤbſche Raritaͤten. Ich habe immer von der Enthaltſamkeit und von der Keuſchheit der Frauenzimmer ſo meine ganz eig- ne Gedanken gehabt, und niemals die Vorzuͤge einer Frau oder eines Maͤdchens bloß allein in der Jungferſchaft oder in der ehelichen Treue geſucht. Es mag uͤbrigens eine ganz huͤbſche Sache ſeyn, wenn man ein lediges Maͤdchen als Jungfer zur Gattin erhaͤlt, oder wenn eine Ehefrau ſichs nie nach fremder Koſt geluͤſten laͤßt. Aber nur wenige ſind ſo gluͤcklich, dieſes Loos zu treffen, wie die leidige Erfahrung zeigt und beweiſet.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/laukhard_leben05_1802
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/laukhard_leben05_1802/241
Zitationshilfe: Laukhard, Friedrich Christian: F. C. Laukhards Leben und Schicksale. Bd. 5. Leipzig, 1802, S. 233. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/laukhard_leben05_1802/241>, abgerufen am 16.07.2018.