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[Lettus, Henricus]: Der Liefländischen Chronik Erster Theil. Halle, 1747.

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von 1215 bis 1216.
liegen. Die Strandwyck heist von dem Ort noch heutiges Tages auf Esthnisch1215
Löne-ma,
das ist das Land Lone.
b) Siehe beym Jahr 1214 n. 9.
§. 3.

Nachdem wurden die Russen von Plescekowe auf die Ungannier unge-
halten, daß diese die Taufe der Lateiner angenommen, und ihre, das ist die
Griechische, verachtet hatten, deswegen droheten sie ihnen mit Krieg und for-
derten ihnen Schoß und Tribut ab. Die Ungannier aber befragten sich deswe-
gen bey dem Bischof von Liefland und bey den Ordensbrüdern, begehrten auch
hierinne Hülfe. Diese schlugen ihnen selbiges nicht ab und versprachen mit ihnen
zu leben und zu sterben, sagten ihnen auch zu, sie wären frey von den Russen,
so wie ehemals vor ihrer Taufe also auch nun. Nach dem Tode des Groskönigs,
Woldemars von Plosceke c) aber, ward ein neuer Feind gegen die Lieflän-
dische
Kirche erwecket, nemlich Woldemar von Plescekowe d), der kam nach
Ungannien, setzte sich auf dem Berge Odempe, und sandte seine Armee auf
allen Dörfern und Provinzen umher, die das ganze Land verheerten und in die
Asche legten, viele Mannsleute todt schlugen, Weiber und Kinder aber gefangen
führten. Es war auch daselbst ein Deutscher Kaufmann Sigfrid, der um
alles das Seinige gekommen, welcher nach Riga geflüchtet, und es da gemeldet
hat.

c) Siehe beym Jahr 1214. n. 10.
d) Von Pleskow, der also ein anderer ist, als der, so in Polocz schon gestorben.
§. 4.

Hierauf kamen die Rigischen Volksältesten mit den Bischöfen, Albert
und Dietrich, und den Ordensbrüdern, zusammen. Jn Erwegung, daß sie
sich eines Krieges von den Russen zu versehen hätten, machten sie eine Einthei-
lung über alle Provinzen Esthlands, so durch die Liefländische Kirche unters
Joch gebracht und getauft waren, und bestimten der Liefländischen Kirche und
dem Bischof über Riga den dritten Theil aller Einkünfte und Abgaben, die von
Estland fielen, damit er, wie an ihren Arbeiten und Kriegen, also auch an ihren
Tröstungen Antheil hätte; den andern Theil sprachen sie dem Bischof von Esth-
land;
das übrige Drittel aber den Ordensbrüdern für ihre Mühe und Unko-
sten zu.

§. 5.

Es kamen aber die Ungannier zum andernmale zu den Bischöfen, um Hülfe
gegen die Russen zu ersuchen, worauf die Bischöfe ihre Leute mit den Ordensbrü-
dern nach Ungannien schickten. Diese brachten die Esthen aus allen Provin-
zen zusammen, und baueten mit ihnen den Berg Odempe, wohnten daselbst, be-
vestigten das Schloß ungemein stark, theils gegen die Russen, theils gegen ande-
re Völker, welche sich noch nicht hatten taufen lassen. Die Russen kamen auch,
ihrer Gewohnheit nach, ins Land der Letten von Tholowa, um ihren Tribut
zu heben. Nachdem sie selbigen empfangen, legten sie das Schloß Beverin in
die Asche. Es sahe aber der Ordensmeister, Bertold von Wenden, daß sie
auf Krieg ausgingen, weil sie die Schlösser der Letten in Brand gesteckt, schickte
derhalben Leute hin, ließ sie beym Kopf nehmen und ins Gefängniß werfen; doch
ließ er sie bey Ankunft der Gesandten des Königs von Nogarden los, und sand-
te sie mit allen Ehren wieder nach Rußland. Die Ungannier aber wolten sich
an den Russen rächen, und stunden auf mit den Männern des Bischofs und zu-
gleich mit den Brüdern der Ritterschaft, und zogen nach Rußland auf Nogar-
den
los. Sie funden da ein Land vor sich, so von ihrem Anzuge nicht das ge-
ringste vorher vernommen, weil sie sich eben am Fest der Erscheinung Christi mit

Gastiren
H h 2
von 1215 bis 1216.
liegen. Die Strandwyck heiſt von dem Ort noch heutiges Tages auf Eſthniſch1215
Loͤne-ma,
das iſt das Land Lone.
b) Siehe beym Jahr 1214 n. 9.
§. 3.

Nachdem wurden die Ruſſen von Pleſcekowe auf die Ungannier unge-
halten, daß dieſe die Taufe der Lateiner angenommen, und ihre, das iſt die
Griechiſche, verachtet hatten, deswegen droheten ſie ihnen mit Krieg und for-
derten ihnen Schoß und Tribut ab. Die Ungannier aber befragten ſich deswe-
gen bey dem Biſchof von Liefland und bey den Ordensbruͤdern, begehrten auch
hierinne Huͤlfe. Dieſe ſchlugen ihnen ſelbiges nicht ab und verſprachen mit ihnen
zu leben und zu ſterben, ſagten ihnen auch zu, ſie waͤren frey von den Ruſſen,
ſo wie ehemals vor ihrer Taufe alſo auch nun. Nach dem Tode des Groskoͤnigs,
Woldemars von Ploſceke c) aber, ward ein neuer Feind gegen die Lieflaͤn-
diſche
Kirche erwecket, nemlich Woldemar von Pleſcekowe d), der kam nach
Ungannien, ſetzte ſich auf dem Berge Odempe, und ſandte ſeine Armee auf
allen Doͤrfern und Provinzen umher, die das ganze Land verheerten und in die
Aſche legten, viele Mannsleute todt ſchlugen, Weiber und Kinder aber gefangen
fuͤhrten. Es war auch daſelbſt ein Deutſcher Kaufmann Sigfrid, der um
alles das Seinige gekommen, welcher nach Riga gefluͤchtet, und es da gemeldet
hat.

c) Siehe beym Jahr 1214. n. 10.
d) Von Pleskow, der alſo ein anderer iſt, als der, ſo in Polocz ſchon geſtorben.
§. 4.

Hierauf kamen die Rigiſchen Volksaͤlteſten mit den Biſchoͤfen, Albert
und Dietrich, und den Ordensbruͤdern, zuſammen. Jn Erwegung, daß ſie
ſich eines Krieges von den Ruſſen zu verſehen haͤtten, machten ſie eine Einthei-
lung uͤber alle Provinzen Eſthlands, ſo durch die Lieflaͤndiſche Kirche unters
Joch gebracht und getauft waren, und beſtimten der Lieflaͤndiſchen Kirche und
dem Biſchof uͤber Riga den dritten Theil aller Einkuͤnfte und Abgaben, die von
Eſtland fielen, damit er, wie an ihren Arbeiten und Kriegen, alſo auch an ihren
Troͤſtungen Antheil haͤtte; den andern Theil ſprachen ſie dem Biſchof von Eſth-
land;
das uͤbrige Drittel aber den Ordensbruͤdern fuͤr ihre Muͤhe und Unko-
ſten zu.

§. 5.

Es kamen aber die Ungannier zum andernmale zu den Biſchoͤfen, um Huͤlfe
gegen die Ruſſen zu erſuchen, worauf die Biſchoͤfe ihre Leute mit den Ordensbruͤ-
dern nach Ungannien ſchickten. Dieſe brachten die Eſthen aus allen Provin-
zen zuſammen, und baueten mit ihnen den Berg Odempe, wohnten daſelbſt, be-
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re Voͤlker, welche ſich noch nicht hatten taufen laſſen. Die Ruſſen kamen auch,
ihrer Gewohnheit nach, ins Land der Letten von Tholowa, um ihren Tribut
zu heben. Nachdem ſie ſelbigen empfangen, legten ſie das Schloß Beverin in
die Aſche. Es ſahe aber der Ordensmeiſter, Bertold von Wenden, daß ſie
auf Krieg ausgingen, weil ſie die Schloͤſſer der Letten in Brand geſteckt, ſchickte
derhalben Leute hin, ließ ſie beym Kopf nehmen und ins Gefaͤngniß werfen; doch
ließ er ſie bey Ankunft der Geſandten des Koͤnigs von Nogarden los, und ſand-
te ſie mit allen Ehren wieder nach Rußland. Die Ungannier aber wolten ſich
an den Ruſſen raͤchen, und ſtunden auf mit den Maͤnnern des Biſchofs und zu-
gleich mit den Bruͤdern der Ritterſchaft, und zogen nach Rußland auf Nogar-
den
los. Sie funden da ein Land vor ſich, ſo von ihrem Anzuge nicht das ge-
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[123/0155] von 1215 bis 1216. a⁾ liegen. Die Strandwyck heiſt von dem Ort noch heutiges Tages auf Eſthniſch Loͤne-ma, das iſt das Land Lone. b⁾ Siehe beym Jahr 1214 n. 9. §. 3. Nachdem wurden die Ruſſen von Pleſcekowe auf die Ungannier unge- halten, daß dieſe die Taufe der Lateiner angenommen, und ihre, das iſt die Griechiſche, verachtet hatten, deswegen droheten ſie ihnen mit Krieg und for- derten ihnen Schoß und Tribut ab. Die Ungannier aber befragten ſich deswe- gen bey dem Biſchof von Liefland und bey den Ordensbruͤdern, begehrten auch hierinne Huͤlfe. Dieſe ſchlugen ihnen ſelbiges nicht ab und verſprachen mit ihnen zu leben und zu ſterben, ſagten ihnen auch zu, ſie waͤren frey von den Ruſſen, ſo wie ehemals vor ihrer Taufe alſo auch nun. Nach dem Tode des Groskoͤnigs, Woldemars von Ploſceke c⁾ aber, ward ein neuer Feind gegen die Lieflaͤn- diſche Kirche erwecket, nemlich Woldemar von Pleſcekowe d⁾ , der kam nach Ungannien, ſetzte ſich auf dem Berge Odempe, und ſandte ſeine Armee auf allen Doͤrfern und Provinzen umher, die das ganze Land verheerten und in die Aſche legten, viele Mannsleute todt ſchlugen, Weiber und Kinder aber gefangen fuͤhrten. Es war auch daſelbſt ein Deutſcher Kaufmann Sigfrid, der um alles das Seinige gekommen, welcher nach Riga gefluͤchtet, und es da gemeldet hat. c⁾ Siehe beym Jahr 1214. n. 10. d⁾ Von Pleskow, der alſo ein anderer iſt, als der, ſo in Polocz ſchon geſtorben. §. 4. Hierauf kamen die Rigiſchen Volksaͤlteſten mit den Biſchoͤfen, Albert und Dietrich, und den Ordensbruͤdern, zuſammen. Jn Erwegung, daß ſie ſich eines Krieges von den Ruſſen zu verſehen haͤtten, machten ſie eine Einthei- lung uͤber alle Provinzen Eſthlands, ſo durch die Lieflaͤndiſche Kirche unters Joch gebracht und getauft waren, und beſtimten der Lieflaͤndiſchen Kirche und dem Biſchof uͤber Riga den dritten Theil aller Einkuͤnfte und Abgaben, die von Eſtland fielen, damit er, wie an ihren Arbeiten und Kriegen, alſo auch an ihren Troͤſtungen Antheil haͤtte; den andern Theil ſprachen ſie dem Biſchof von Eſth- land; das uͤbrige Drittel aber den Ordensbruͤdern fuͤr ihre Muͤhe und Unko- ſten zu. §. 5. Es kamen aber die Ungannier zum andernmale zu den Biſchoͤfen, um Huͤlfe gegen die Ruſſen zu erſuchen, worauf die Biſchoͤfe ihre Leute mit den Ordensbruͤ- dern nach Ungannien ſchickten. Dieſe brachten die Eſthen aus allen Provin- zen zuſammen, und baueten mit ihnen den Berg Odempe, wohnten daſelbſt, be- veſtigten das Schloß ungemein ſtark, theils gegen die Ruſſen, theils gegen ande- re Voͤlker, welche ſich noch nicht hatten taufen laſſen. Die Ruſſen kamen auch, ihrer Gewohnheit nach, ins Land der Letten von Tholowa, um ihren Tribut zu heben. Nachdem ſie ſelbigen empfangen, legten ſie das Schloß Beverin in die Aſche. Es ſahe aber der Ordensmeiſter, Bertold von Wenden, daß ſie auf Krieg ausgingen, weil ſie die Schloͤſſer der Letten in Brand geſteckt, ſchickte derhalben Leute hin, ließ ſie beym Kopf nehmen und ins Gefaͤngniß werfen; doch ließ er ſie bey Ankunft der Geſandten des Koͤnigs von Nogarden los, und ſand- te ſie mit allen Ehren wieder nach Rußland. Die Ungannier aber wolten ſich an den Ruſſen raͤchen, und ſtunden auf mit den Maͤnnern des Biſchofs und zu- gleich mit den Bruͤdern der Ritterſchaft, und zogen nach Rußland auf Nogar- den los. Sie funden da ein Land vor ſich, ſo von ihrem Anzuge nicht das ge- ringſte vorher vernommen, weil ſie ſich eben am Feſt der Erſcheinung Chriſti mit Gaſtiren H h 2

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Zitationshilfe: [Lettus, Henricus]: Der Liefländischen Chronik Erster Theil. Halle, 1747, S. 123. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lettus_chronik01_1747/155>, abgerufen am 27.09.2020.