Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

[Lettus, Henricus]: Der Liefländischen Chronik Erster Theil. Halle, 1747.

Bild:
<< vorherige Seite
Geschichte des dritten Bischof Alberts, achtes Jahr,
1205gesandt, dasselbe unters Joch zu bringen, und zu zwingen den christlichen Glauben
mit Ernst anzunehmen. Daß er mit ganz andern Waffen versehen gewesen und gebrau-
chet, als er dahin gekommen, zeiget das folgende an.
p) Dieser Nicolaus ward dem Waldemar, einem Fürsten königl. Hoheit, Bischofen
von Schleswig, der, weil er nach der Krone getrachtet, ins Gefängniß gelegt wor-
den, zum Nachfolger verordnet und Anno 1202 von dem Erzbischof von Lunden, An-
dreas
mit dem Schleswigischen Bischofshute beehret. Chron. Slesvic. bey Herrn
Menkens script. tom. 3. p. 588 und 589. Cypräus annal. Slesvic. libr. 2. c. 3. hat
uns verschiedene Pastoral- und Religionsfragen gesamlet, so dieser Nicolaus an den
römischen Pabst gelangen lassen, zugleich mit den Entscheidungen Pabstes Jnno-
centius
III, von denen libr. 16. ep. 26. handelt. Pontanus rer. Dan. libr. 6.
p.
301. 302 zeiget, daß er uns die Schleswickischen Reliquien zusammen gelesen.
q) Des Bischof Alberts Bruder, wie wir gesehen haben.
r) Saxo redet in der Zueignungsschrift seiner Historie den Erzbischof also an: Du hast
nach langwierigen Reisen das ansehnlichste Regiment einer auswärtigen Schule über dich
genommen, und bist eine so starke Stütze derselben geworden, daß es scheinet, du ha-
best dem Magisteramte mehr Zierrath gegeben als von ihm empfangen. Stephanus
meinet, diese Worte wären von derselben akademischen obrigkeitlichen Würde zu ver-
stehen, die manchmal auch Ausländern pflegt ertheilt zu werden, fürnemlich die durch
ihren Stand, Wissenschaften und Geschicklichkeit sich hervorthun. Vellejus aber er-
kläret es von einer öffentlichen Professur. Mir, der ich Arnolden von Lübek lib. 3.
c. 5. n.
2. zu meinem Beystande nehme, scheinet Saxo anzudeuten, Andreas habe bey
den Ausländern, wenn mir recht ist, zu Paris, in der Gottesgelehrsamkeit oder Rechts-
wissenschaft die Magisterwürde erhalten, und öffentlich Collegia gelesen, daß er nicht so
wol Magister hieß, als wirklich war. Welche Gewohnheit er diesen Winter, weil es
die Gelegenheit so gab, zu Riga fortsetzte, in zahlreicher Versamlung allerhand und
unterschiedener Nationen, von geistlichen Priestern und Predigern, die sich häufig dahin
begeben hatten, die Liven zum Christlichen Glauben zu bringen, und hier aus dem
Unterricht dieses nicht nur gelehrten und frommen, sondern auch sehr gesetzten und er-
fahrnen Mannes manches zu besserer Amtsführung erlernen konten. Wenn man der
Geschichte Jnnocentius III. §. 127 folget, so war Andreas als gevolmächtigter Ge-
sandte des apostolischen Stuhls zu Riga, und erzählte bey seiner Zurückkunft dem Pabste,
daß ganz Liefland das Sacrament der heilgen Taufe angenommen; wie denn auch
die benachbarten Völker dazu grösten Theils bereit wären. Raynald berichtet dieses
beym Jahre 1207. n. 4. Dis kan sonst nicht an dem seyn, wenn mans nicht von Riga
nimt. Denn ganz Liefland ist später getauft worden.
§. 14.

Der Präpositus von Riga ließ sich also auf des Erzbischofs Befehl die
Kinder der Vornehmsten aus ganz Liefland zu Geisseln geben, und schickte alsdenn
Priester hin, ihnen zu predigen. Der erste davon Alobrand zog nach Thoreida,
theilte das Wort der Predigt und das Sacrament der Taufe aus, machte die Ein-
theilung der Kirchspiele und bauete in Cubbesele eine Kirche. Der Priester
Alexander ward nach Metsepole abgefertiget, der diese ganze Provinz taufte,
zugleich unter ihnen wohnte, den Samen des Evangelii ausstreuete, und eine
Kirche zu bauen anfing. Der Priester Daniel, der bey Belagerung des Schlo[ß]es
Holme manche Prüfungen überstanden, ward an die von Lenewarde geschickt;
die ihn geneigt aufnahmen und sich von ihm taufen liessen. Und da er nach dem
Dorfe kam, so Sydegunde hieß, berief er gleich die Leute zusammen GOttes
Wort zu hören. Es kam aber ein Live des Nachts aus dem dicken Busche und
erzählte eine Erscheinung die ihm widerfahren, also: Jch sahe, sprach er, den GOtt
der Liven, der uns künftige Dinge prophezeyet. Es war nemlich ein Bild, so
von der Brust bis oben an aus einem Baume s) gewachsen, das sagte zu mir, der
Litthauer Armee werde Morgen anrücken, und wir getrauen uns aus Furcht vor
dieser Armee, nicht zusammen zu kommen. Doch der Priester merkte wohl, daß es
ein Teufelsspiel sey, weil zur Herbstzeit dahin kein Weg gehet, den die Litthauer
kommen könten, daher blieb er in seinem Gebete und empfahl sich GOtt. Wie es
Tag ward, und sie nichts dergleichen hörten und vernahmen, was das Gespenste

dem
Geſchichte des dritten Biſchof Alberts, achtes Jahr,
1205geſandt, daſſelbe unters Joch zu bringen, und zu zwingen den chriſtlichen Glauben
mit Ernſt anzunehmen. Daß er mit ganz andern Waffen verſehen geweſen und gebrau-
chet, als er dahin gekommen, zeiget das folgende an.
p) Dieſer Nicolaus ward dem Waldemar, einem Fuͤrſten koͤnigl. Hoheit, Biſchofen
von Schleswig, der, weil er nach der Krone getrachtet, ins Gefaͤngniß gelegt wor-
den, zum Nachfolger verordnet und Anno 1202 von dem Erzbiſchof von Lunden, An-
dreas
mit dem Schleswigiſchen Biſchofshute beehret. Chron. Sleſvic. bey Herrn
Menkens ſcript. tom. 3. p. 588 und 589. Cypraͤus annal. Sleſvic. libr. 2. c. 3. hat
uns verſchiedene Paſtoral- und Religionsfragen geſamlet, ſo dieſer Nicolaus an den
roͤmiſchen Pabſt gelangen laſſen, zugleich mit den Entſcheidungen Pabſtes Jnno-
centius
III, von denen libr. 16. ep. 26. handelt. Pontanus rer. Dan. libr. 6.
p.
301. 302 zeiget, daß er uns die Schleswickiſchen Reliquien zuſammen geleſen.
q) Des Biſchof Alberts Bruder, wie wir geſehen haben.
r) Saxo redet in der Zueignungsſchrift ſeiner Hiſtorie den Erzbiſchof alſo an: Du haſt
nach langwierigen Reiſen das anſehnlichſte Regiment einer auswaͤrtigen Schule uͤber dich
genommen, und biſt eine ſo ſtarke Stuͤtze derſelben geworden, daß es ſcheinet, du ha-
beſt dem Magiſteramte mehr Zierrath gegeben als von ihm empfangen. Stephanus
meinet, dieſe Worte waͤren von derſelben akademiſchen obrigkeitlichen Wuͤrde zu ver-
ſtehen, die manchmal auch Auslaͤndern pflegt ertheilt zu werden, fuͤrnemlich die durch
ihren Stand, Wiſſenſchaften und Geſchicklichkeit ſich hervorthun. Vellejus aber er-
klaͤret es von einer oͤffentlichen Profeſſur. Mir, der ich Arnolden von Luͤbek lib. 3.
c. 5. n.
2. zu meinem Beyſtande nehme, ſcheinet Saxo anzudeuten, Andreas habe bey
den Auslaͤndern, wenn mir recht iſt, zu Paris, in der Gottesgelehrſamkeit oder Rechts-
wiſſenſchaft die Magiſterwuͤrde erhalten, und oͤffentlich Collegia geleſen, daß er nicht ſo
wol Magiſter hieß, als wirklich war. Welche Gewohnheit er dieſen Winter, weil es
die Gelegenheit ſo gab, zu Riga fortſetzte, in zahlreicher Verſamlung allerhand und
unterſchiedener Nationen, von geiſtlichen Prieſtern und Predigern, die ſich haͤufig dahin
begeben hatten, die Liven zum Chriſtlichen Glauben zu bringen, und hier aus dem
Unterricht dieſes nicht nur gelehrten und frommen, ſondern auch ſehr geſetzten und er-
fahrnen Mannes manches zu beſſerer Amtsfuͤhrung erlernen konten. Wenn man der
Geſchichte Jnnocentius III. §. 127 folget, ſo war Andreas als gevolmaͤchtigter Ge-
ſandte des apoſtoliſchen Stuhls zu Riga, und erzaͤhlte bey ſeiner Zuruͤckkunft dem Pabſte,
daß ganz Liefland das Sacrament der heilgen Taufe angenommen; wie denn auch
die benachbarten Voͤlker dazu groͤſten Theils bereit waͤren. Raynald berichtet dieſes
beym Jahre 1207. n. 4. Dis kan ſonſt nicht an dem ſeyn, wenn mans nicht von Riga
nimt. Denn ganz Liefland iſt ſpaͤter getauft worden.
§. 14.

Der Praͤpoſitus von Riga ließ ſich alſo auf des Erzbiſchofs Befehl die
Kinder der Vornehmſten aus ganz Liefland zu Geiſſeln geben, und ſchickte alsdenn
Prieſter hin, ihnen zu predigen. Der erſte davon Alobrand zog nach Thoreida,
theilte das Wort der Predigt und das Sacrament der Taufe aus, machte die Ein-
theilung der Kirchſpiele und bauete in Cubbeſele eine Kirche. Der Prieſter
Alexander ward nach Metſepole abgefertiget, der dieſe ganze Provinz taufte,
zugleich unter ihnen wohnte, den Samen des Evangelii ausſtreuete, und eine
Kirche zu bauen anfing. Der Prieſter Daniel, der bey Belagerung des Schlo[ß]es
Holme manche Pruͤfungen uͤberſtanden, ward an die von Lenewarde geſchickt;
die ihn geneigt aufnahmen und ſich von ihm taufen lieſſen. Und da er nach dem
Dorfe kam, ſo Sydegunde hieß, berief er gleich die Leute zuſammen GOttes
Wort zu hoͤren. Es kam aber ein Live des Nachts aus dem dicken Buſche und
erzaͤhlte eine Erſcheinung die ihm widerfahren, alſo: Jch ſahe, ſprach er, den GOtt
der Liven, der uns kuͤnftige Dinge prophezeyet. Es war nemlich ein Bild, ſo
von der Bruſt bis oben an aus einem Baume s) gewachſen, das ſagte zu mir, der
Litthauer Armee werde Morgen anruͤcken, und wir getrauen uns aus Furcht vor
dieſer Armee, nicht zuſammen zu kommen. Doch der Prieſter merkte wohl, daß es
ein Teufelsſpiel ſey, weil zur Herbſtzeit dahin kein Weg gehet, den die Litthauer
kommen koͤnten, daher blieb er in ſeinem Gebete und empfahl ſich GOtt. Wie es
Tag ward, und ſie nichts dergleichen hoͤrten und vernahmen, was das Geſpenſte

dem
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <note place="end" n="o)"><pb facs="#f0086" n="54"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Ge&#x017F;chichte des dritten Bi&#x017F;chof Alberts, achtes Jahr,</hi></fw><lb/><note place="left">1205</note>ge&#x017F;andt, da&#x017F;&#x017F;elbe unters Joch zu bringen, und zu zwingen den chri&#x017F;tlichen Glauben<lb/>
mit Ern&#x017F;t anzunehmen. Daß er mit ganz andern Waffen ver&#x017F;ehen gewe&#x017F;en und gebrau-<lb/>
chet, als er dahin gekommen, zeiget das folgende an.</note><lb/>
              <note place="end" n="p)">Die&#x017F;er <hi rendition="#fr">Nicolaus</hi> ward dem <hi rendition="#fr">Waldemar,</hi> einem Fu&#x0364;r&#x017F;ten ko&#x0364;nigl. Hoheit, Bi&#x017F;chofen<lb/>
von <hi rendition="#fr">Schleswig,</hi> der, weil er nach der Krone getrachtet, ins Gefa&#x0364;ngniß gelegt wor-<lb/>
den, zum Nachfolger verordnet und Anno 1202 von dem Erzbi&#x017F;chof von <hi rendition="#fr">Lunden, An-<lb/>
dreas</hi> mit dem <hi rendition="#fr">Schleswigi&#x017F;chen</hi> Bi&#x017F;chofshute beehret. <hi rendition="#aq">Chron. Sle&#x017F;vic.</hi> bey Herrn<lb/><hi rendition="#fr">Menkens</hi> <hi rendition="#aq">&#x017F;cript. tom. 3. p.</hi> 588 und 589. <hi rendition="#fr">Cypra&#x0364;us</hi> <hi rendition="#aq">annal. Sle&#x017F;vic. libr. 2. c.</hi> 3. hat<lb/>
uns ver&#x017F;chiedene Pa&#x017F;toral- und Religionsfragen ge&#x017F;amlet, &#x017F;o die&#x017F;er <hi rendition="#fr">Nicolaus</hi> an den<lb/><hi rendition="#fr">ro&#x0364;mi&#x017F;chen</hi> Pab&#x017F;t gelangen la&#x017F;&#x017F;en, zugleich mit den Ent&#x017F;cheidungen Pab&#x017F;tes <hi rendition="#fr">Jnno-<lb/>
centius</hi> <hi rendition="#aq">III,</hi> von denen <hi rendition="#aq">libr. 16. ep.</hi> 26. handelt. <hi rendition="#fr">Pontanus</hi> <hi rendition="#aq">rer. Dan. libr. 6.<lb/>
p.</hi> 301. 302 zeiget, daß er uns die <hi rendition="#fr">Schleswicki&#x017F;chen</hi> Reliquien zu&#x017F;ammen gele&#x017F;en.</note><lb/>
              <note place="end" n="q)">Des Bi&#x017F;chof <hi rendition="#fr">Alberts</hi> Bruder, wie wir ge&#x017F;ehen haben.</note><lb/>
              <note place="end" n="r)"><hi rendition="#fr">Saxo</hi> redet in der Zueignungs&#x017F;chrift &#x017F;einer Hi&#x017F;torie den Erzbi&#x017F;chof al&#x017F;o an: Du ha&#x017F;t<lb/>
nach langwierigen Rei&#x017F;en das an&#x017F;ehnlich&#x017F;te Regiment einer auswa&#x0364;rtigen Schule u&#x0364;ber dich<lb/>
genommen, und bi&#x017F;t eine &#x017F;o &#x017F;tarke Stu&#x0364;tze der&#x017F;elben geworden, daß es &#x017F;cheinet, du ha-<lb/>
be&#x017F;t dem Magi&#x017F;teramte mehr Zierrath gegeben als von ihm empfangen. <hi rendition="#fr">Stephanus</hi><lb/>
meinet, die&#x017F;e Worte wa&#x0364;ren von der&#x017F;elben akademi&#x017F;chen obrigkeitlichen Wu&#x0364;rde zu ver-<lb/>
&#x017F;tehen, die manchmal auch Ausla&#x0364;ndern pflegt ertheilt zu werden, fu&#x0364;rnemlich die durch<lb/>
ihren Stand, Wi&#x017F;&#x017F;en&#x017F;chaften und Ge&#x017F;chicklichkeit &#x017F;ich hervorthun. <hi rendition="#fr">Vellejus</hi> aber er-<lb/>
kla&#x0364;ret es von einer o&#x0364;ffentlichen Profe&#x017F;&#x017F;ur. Mir, der ich <hi rendition="#fr">Arnolden</hi> von <hi rendition="#fr">Lu&#x0364;bek</hi> <hi rendition="#aq">lib. 3.<lb/>
c. 5. n.</hi> 2. zu meinem Bey&#x017F;tande nehme, &#x017F;cheinet <hi rendition="#fr">Saxo</hi> anzudeuten, <hi rendition="#fr">Andreas</hi> habe bey<lb/>
den Ausla&#x0364;ndern, wenn mir recht i&#x017F;t, zu <hi rendition="#fr">Paris,</hi> in der Gottesgelehr&#x017F;amkeit oder Rechts-<lb/>
wi&#x017F;&#x017F;en&#x017F;chaft die Magi&#x017F;terwu&#x0364;rde erhalten, und o&#x0364;ffentlich Collegia gele&#x017F;en, daß er nicht &#x017F;o<lb/>
wol Magi&#x017F;ter hieß, als wirklich war. Welche Gewohnheit er die&#x017F;en Winter, weil es<lb/>
die Gelegenheit &#x017F;o gab, zu <hi rendition="#fr">Riga</hi> fort&#x017F;etzte, in zahlreicher Ver&#x017F;amlung allerhand und<lb/>
unter&#x017F;chiedener Nationen, von gei&#x017F;tlichen Prie&#x017F;tern und Predigern, die &#x017F;ich ha&#x0364;ufig dahin<lb/>
begeben hatten, die <hi rendition="#fr">Liven</hi> zum <hi rendition="#fr">Chri&#x017F;tlichen</hi> Glauben zu bringen, und hier aus dem<lb/>
Unterricht die&#x017F;es nicht nur gelehrten und frommen, &#x017F;ondern auch &#x017F;ehr ge&#x017F;etzten und er-<lb/>
fahrnen Mannes manches zu be&#x017F;&#x017F;erer Amtsfu&#x0364;hrung erlernen konten. Wenn man der<lb/>
Ge&#x017F;chichte <hi rendition="#fr">Jnnocentius</hi> <hi rendition="#aq">III.</hi> §. 127 folget, &#x017F;o war <hi rendition="#fr">Andreas</hi> als gevolma&#x0364;chtigter Ge-<lb/>
&#x017F;andte des apo&#x017F;toli&#x017F;chen Stuhls zu <hi rendition="#fr">Riga,</hi> und erza&#x0364;hlte bey &#x017F;einer Zuru&#x0364;ckkunft dem Pab&#x017F;te,<lb/>
daß ganz <hi rendition="#fr">Liefland</hi> das Sacrament der heilgen Taufe angenommen; wie denn auch<lb/>
die benachbarten Vo&#x0364;lker dazu gro&#x0364;&#x017F;ten Theils bereit wa&#x0364;ren. <hi rendition="#fr">Raynald</hi> berichtet die&#x017F;es<lb/>
beym Jahre 1207. <hi rendition="#aq">n.</hi> 4. Dis kan &#x017F;on&#x017F;t nicht an dem &#x017F;eyn, wenn mans nicht von <hi rendition="#fr">Riga</hi><lb/>
nimt. Denn ganz <hi rendition="#fr">Liefland</hi> i&#x017F;t &#x017F;pa&#x0364;ter getauft worden.</note>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head>§. 14.</head><lb/>
              <p>Der <hi rendition="#fr">Pra&#x0364;po&#x017F;itus</hi> von <hi rendition="#fr">Riga</hi> ließ &#x017F;ich al&#x017F;o auf des Erzbi&#x017F;chofs Befehl die<lb/>
Kinder der Vornehm&#x017F;ten aus ganz <hi rendition="#fr">Liefland</hi> zu Gei&#x017F;&#x017F;eln geben, und &#x017F;chickte alsdenn<lb/>
Prie&#x017F;ter hin, ihnen zu predigen. Der er&#x017F;te davon <hi rendition="#fr">Alobrand</hi> zog nach <hi rendition="#fr">Thoreida,</hi><lb/>
theilte das Wort der Predigt und das Sacrament der Taufe aus, machte die Ein-<lb/>
theilung der Kirch&#x017F;piele und bauete in <hi rendition="#fr">Cubbe&#x017F;ele</hi> eine Kirche. Der Prie&#x017F;ter<lb/><hi rendition="#fr">Alexander</hi> ward nach <hi rendition="#fr">Met&#x017F;epole</hi> abgefertiget, der die&#x017F;e ganze Provinz taufte,<lb/>
zugleich unter ihnen wohnte, den Samen des Evangelii aus&#x017F;treuete, und eine<lb/>
Kirche zu bauen anfing. Der Prie&#x017F;ter <hi rendition="#fr">Daniel,</hi> der bey Belagerung des Schlo<supplied>ß</supplied>es<lb/><hi rendition="#fr">Holme</hi> manche Pru&#x0364;fungen u&#x0364;ber&#x017F;tanden, ward an die von <hi rendition="#fr">Lenewarde</hi> ge&#x017F;chickt;<lb/>
die ihn geneigt aufnahmen und &#x017F;ich von ihm taufen lie&#x017F;&#x017F;en. Und da er nach dem<lb/>
Dorfe kam, &#x017F;o <hi rendition="#fr">Sydegunde</hi> hieß, berief er gleich die Leute zu&#x017F;ammen GOttes<lb/>
Wort zu ho&#x0364;ren. Es kam aber ein <hi rendition="#fr">Live</hi> des Nachts aus dem dicken Bu&#x017F;che und<lb/>
erza&#x0364;hlte eine Er&#x017F;cheinung die ihm widerfahren, al&#x017F;o: Jch &#x017F;ahe, &#x017F;prach er, den GOtt<lb/>
der <hi rendition="#fr">Liven,</hi> der uns ku&#x0364;nftige Dinge prophezeyet. Es war nemlich ein Bild, &#x017F;o<lb/>
von der Bru&#x017F;t bis oben an aus einem Baume <note place="end" n="s)"/> gewach&#x017F;en, das &#x017F;agte zu mir, der<lb/><hi rendition="#fr">Litthauer</hi> Armee werde Morgen anru&#x0364;cken, und wir getrauen uns aus Furcht vor<lb/>
die&#x017F;er Armee, nicht zu&#x017F;ammen zu kommen. Doch der Prie&#x017F;ter merkte wohl, daß es<lb/>
ein Teufels&#x017F;piel &#x017F;ey, weil zur Herb&#x017F;tzeit dahin kein Weg gehet, den die <hi rendition="#fr">Litthauer</hi><lb/>
kommen ko&#x0364;nten, daher blieb er in &#x017F;einem Gebete und empfahl &#x017F;ich GOtt. Wie es<lb/>
Tag ward, und &#x017F;ie nichts dergleichen ho&#x0364;rten und vernahmen, was das Ge&#x017F;pen&#x017F;te<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">dem</fw><lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[54/0086] Geſchichte des dritten Biſchof Alberts, achtes Jahr, o⁾ geſandt, daſſelbe unters Joch zu bringen, und zu zwingen den chriſtlichen Glauben mit Ernſt anzunehmen. Daß er mit ganz andern Waffen verſehen geweſen und gebrau- chet, als er dahin gekommen, zeiget das folgende an. p⁾ Dieſer Nicolaus ward dem Waldemar, einem Fuͤrſten koͤnigl. Hoheit, Biſchofen von Schleswig, der, weil er nach der Krone getrachtet, ins Gefaͤngniß gelegt wor- den, zum Nachfolger verordnet und Anno 1202 von dem Erzbiſchof von Lunden, An- dreas mit dem Schleswigiſchen Biſchofshute beehret. Chron. Sleſvic. bey Herrn Menkens ſcript. tom. 3. p. 588 und 589. Cypraͤus annal. Sleſvic. libr. 2. c. 3. hat uns verſchiedene Paſtoral- und Religionsfragen geſamlet, ſo dieſer Nicolaus an den roͤmiſchen Pabſt gelangen laſſen, zugleich mit den Entſcheidungen Pabſtes Jnno- centius III, von denen libr. 16. ep. 26. handelt. Pontanus rer. Dan. libr. 6. p. 301. 302 zeiget, daß er uns die Schleswickiſchen Reliquien zuſammen geleſen. q⁾ Des Biſchof Alberts Bruder, wie wir geſehen haben. r⁾ Saxo redet in der Zueignungsſchrift ſeiner Hiſtorie den Erzbiſchof alſo an: Du haſt nach langwierigen Reiſen das anſehnlichſte Regiment einer auswaͤrtigen Schule uͤber dich genommen, und biſt eine ſo ſtarke Stuͤtze derſelben geworden, daß es ſcheinet, du ha- beſt dem Magiſteramte mehr Zierrath gegeben als von ihm empfangen. Stephanus meinet, dieſe Worte waͤren von derſelben akademiſchen obrigkeitlichen Wuͤrde zu ver- ſtehen, die manchmal auch Auslaͤndern pflegt ertheilt zu werden, fuͤrnemlich die durch ihren Stand, Wiſſenſchaften und Geſchicklichkeit ſich hervorthun. Vellejus aber er- klaͤret es von einer oͤffentlichen Profeſſur. Mir, der ich Arnolden von Luͤbek lib. 3. c. 5. n. 2. zu meinem Beyſtande nehme, ſcheinet Saxo anzudeuten, Andreas habe bey den Auslaͤndern, wenn mir recht iſt, zu Paris, in der Gottesgelehrſamkeit oder Rechts- wiſſenſchaft die Magiſterwuͤrde erhalten, und oͤffentlich Collegia geleſen, daß er nicht ſo wol Magiſter hieß, als wirklich war. Welche Gewohnheit er dieſen Winter, weil es die Gelegenheit ſo gab, zu Riga fortſetzte, in zahlreicher Verſamlung allerhand und unterſchiedener Nationen, von geiſtlichen Prieſtern und Predigern, die ſich haͤufig dahin begeben hatten, die Liven zum Chriſtlichen Glauben zu bringen, und hier aus dem Unterricht dieſes nicht nur gelehrten und frommen, ſondern auch ſehr geſetzten und er- fahrnen Mannes manches zu beſſerer Amtsfuͤhrung erlernen konten. Wenn man der Geſchichte Jnnocentius III. §. 127 folget, ſo war Andreas als gevolmaͤchtigter Ge- ſandte des apoſtoliſchen Stuhls zu Riga, und erzaͤhlte bey ſeiner Zuruͤckkunft dem Pabſte, daß ganz Liefland das Sacrament der heilgen Taufe angenommen; wie denn auch die benachbarten Voͤlker dazu groͤſten Theils bereit waͤren. Raynald berichtet dieſes beym Jahre 1207. n. 4. Dis kan ſonſt nicht an dem ſeyn, wenn mans nicht von Riga nimt. Denn ganz Liefland iſt ſpaͤter getauft worden. §. 14. Der Praͤpoſitus von Riga ließ ſich alſo auf des Erzbiſchofs Befehl die Kinder der Vornehmſten aus ganz Liefland zu Geiſſeln geben, und ſchickte alsdenn Prieſter hin, ihnen zu predigen. Der erſte davon Alobrand zog nach Thoreida, theilte das Wort der Predigt und das Sacrament der Taufe aus, machte die Ein- theilung der Kirchſpiele und bauete in Cubbeſele eine Kirche. Der Prieſter Alexander ward nach Metſepole abgefertiget, der dieſe ganze Provinz taufte, zugleich unter ihnen wohnte, den Samen des Evangelii ausſtreuete, und eine Kirche zu bauen anfing. Der Prieſter Daniel, der bey Belagerung des Schloßes Holme manche Pruͤfungen uͤberſtanden, ward an die von Lenewarde geſchickt; die ihn geneigt aufnahmen und ſich von ihm taufen lieſſen. Und da er nach dem Dorfe kam, ſo Sydegunde hieß, berief er gleich die Leute zuſammen GOttes Wort zu hoͤren. Es kam aber ein Live des Nachts aus dem dicken Buſche und erzaͤhlte eine Erſcheinung die ihm widerfahren, alſo: Jch ſahe, ſprach er, den GOtt der Liven, der uns kuͤnftige Dinge prophezeyet. Es war nemlich ein Bild, ſo von der Bruſt bis oben an aus einem Baume s⁾ gewachſen, das ſagte zu mir, der Litthauer Armee werde Morgen anruͤcken, und wir getrauen uns aus Furcht vor dieſer Armee, nicht zuſammen zu kommen. Doch der Prieſter merkte wohl, daß es ein Teufelsſpiel ſey, weil zur Herbſtzeit dahin kein Weg gehet, den die Litthauer kommen koͤnten, daher blieb er in ſeinem Gebete und empfahl ſich GOtt. Wie es Tag ward, und ſie nichts dergleichen hoͤrten und vernahmen, was das Geſpenſte dem

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/lettus_chronik01_1747
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/lettus_chronik01_1747/86
Zitationshilfe: [Lettus, Henricus]: Der Liefländischen Chronik Erster Theil. Halle, 1747, S. 54. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lettus_chronik01_1747/86>, abgerufen am 09.08.2020.