Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Littrow, Joseph Johann von: Die Wunder des Himmels, oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems. Bd. 2. Stuttgart, 1835.

Bild:
<< vorherige Seite

Kapitel XIII.
Doppelsterne.


§. 203. (Sternreiche Gegenden des Himmels.) Schon dem
bloßen Auge begegnen auf den ersten Blick mehrere Stellen des
Himmels, die viel dichter mit Sternen besät sind, als andere. So
zeigt sich der größte Theil des schönen Sternbildes Orion, die
Leier, die Gegend zwischen b und z im Stier u. f. sehr sternreich,
während wieder andere, wie das Sternbild des Luchses, des Ca-
melopards u. s. w. nur sehr wenige und kleine Sterne enthalten.
Zu den letzten gehören auch die ganz dunklen Stellen des Him-
mels nahe am Scorpion, am Fuchse, mitten in dem großen Licht-
nebel Orions, und endlich die sogenannten Kap'schen Wolken oder
die Kohlensäcke beim südlichen Kreuze in der andern Hemisphäre.

Auch sieht man häufig einzelne Sterngruppen oder Stellen,
wo mehrere größere Sterne in einem kleinen Raume zusammen
gedrängt erscheinen. Die Plejaden, am Halse des Stiers, die
unter dem Namen der Gluckhenne bekannt sind, enthalten auf dem
Raume eines Kreises, dessen Halbmesser kaum einen Grad beträgt,
einen Stern vierter, sechs fünfter, fünf sechster und zwei und
dreißig siebenter Größe, nebst vielen andern noch kleineren, also
44 mit freien Augen noch erkennbare Sterne. Die bekannte
Krippe im Sternbilde des Krebses (AR = 8h 29', Poldist. =
69° 30') enthält auf der Fläche eines halben Quadratgrades über


Kapitel XIII.
Doppelſterne.


§. 203. (Sternreiche Gegenden des Himmels.) Schon dem
bloßen Auge begegnen auf den erſten Blick mehrere Stellen des
Himmels, die viel dichter mit Sternen beſät ſind, als andere. So
zeigt ſich der größte Theil des ſchönen Sternbildes Orion, die
Leier, die Gegend zwiſchen β und ζ im Stier u. f. ſehr ſternreich,
während wieder andere, wie das Sternbild des Luchſes, des Ca-
melopards u. ſ. w. nur ſehr wenige und kleine Sterne enthalten.
Zu den letzten gehören auch die ganz dunklen Stellen des Him-
mels nahe am Scorpion, am Fuchſe, mitten in dem großen Licht-
nebel Orions, und endlich die ſogenannten Kap’ſchen Wolken oder
die Kohlenſäcke beim ſüdlichen Kreuze in der andern Hemiſphäre.

Auch ſieht man häufig einzelne Sterngruppen oder Stellen,
wo mehrere größere Sterne in einem kleinen Raume zuſammen
gedrängt erſcheinen. Die Plejaden, am Halſe des Stiers, die
unter dem Namen der Gluckhenne bekannt ſind, enthalten auf dem
Raume eines Kreiſes, deſſen Halbmeſſer kaum einen Grad beträgt,
einen Stern vierter, ſechs fünfter, fünf ſechster und zwei und
dreißig ſiebenter Größe, nebſt vielen andern noch kleineren, alſo
44 mit freien Augen noch erkennbare Sterne. Die bekannte
Krippe im Sternbilde des Krebſes (AR = 8h 29′, Poldist. =
69° 30′) enthält auf der Fläche eines halben Quadratgrades über

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0329" n="[319]"/>
          <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
          <div n="3">
            <head><hi rendition="#g">Kapitel</hi><hi rendition="#aq">XIII.</hi><lb/><hi rendition="#g">Doppel&#x017F;terne</hi>.</head><lb/>
            <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
            <p>§. 203. (Sternreiche Gegenden des Himmels.) Schon dem<lb/>
bloßen Auge begegnen auf den er&#x017F;ten Blick mehrere Stellen des<lb/>
Himmels, die viel dichter mit Sternen be&#x017F;ät &#x017F;ind, als andere. So<lb/>
zeigt &#x017F;ich der größte Theil des &#x017F;chönen Sternbildes Orion, die<lb/>
Leier, die Gegend zwi&#x017F;chen &#x03B2; und &#x03B6; im Stier u. f. &#x017F;ehr &#x017F;ternreich,<lb/>
während wieder andere, wie das Sternbild des Luch&#x017F;es, des Ca-<lb/>
melopards u. &#x017F;. w. nur &#x017F;ehr wenige und kleine Sterne enthalten.<lb/>
Zu den letzten gehören auch die ganz dunklen Stellen des Him-<lb/>
mels nahe am Scorpion, am Fuch&#x017F;e, mitten in dem großen Licht-<lb/>
nebel Orions, und endlich die &#x017F;ogenannten Kap&#x2019;&#x017F;chen Wolken oder<lb/>
die Kohlen&#x017F;äcke beim &#x017F;üdlichen Kreuze in der andern Hemi&#x017F;phäre.</p><lb/>
            <p>Auch &#x017F;ieht man häufig einzelne Sterngruppen oder Stellen,<lb/>
wo mehrere <hi rendition="#g">größere</hi> Sterne in einem kleinen Raume zu&#x017F;ammen<lb/>
gedrängt er&#x017F;cheinen. Die <hi rendition="#g">Plejaden</hi>, am Hal&#x017F;e des Stiers, die<lb/>
unter dem Namen der Gluckhenne bekannt &#x017F;ind, enthalten auf dem<lb/>
Raume eines Krei&#x017F;es, de&#x017F;&#x017F;en Halbme&#x017F;&#x017F;er kaum einen Grad beträgt,<lb/>
einen Stern vierter, &#x017F;echs fünfter, fünf &#x017F;echster und zwei und<lb/>
dreißig &#x017F;iebenter Größe, neb&#x017F;t vielen andern noch kleineren, al&#x017F;o<lb/>
44 mit freien Augen noch erkennbare Sterne. Die bekannte<lb/><hi rendition="#g">Krippe</hi> im Sternbilde des Kreb&#x017F;es (<hi rendition="#aq">AR = 8h</hi> 29&#x2032;, <hi rendition="#aq">Poldist.</hi> =<lb/>
69° 30&#x2032;) enthält auf der Fläche eines halben Quadratgrades über<lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[319]/0329] Kapitel XIII. Doppelſterne. §. 203. (Sternreiche Gegenden des Himmels.) Schon dem bloßen Auge begegnen auf den erſten Blick mehrere Stellen des Himmels, die viel dichter mit Sternen beſät ſind, als andere. So zeigt ſich der größte Theil des ſchönen Sternbildes Orion, die Leier, die Gegend zwiſchen β und ζ im Stier u. f. ſehr ſternreich, während wieder andere, wie das Sternbild des Luchſes, des Ca- melopards u. ſ. w. nur ſehr wenige und kleine Sterne enthalten. Zu den letzten gehören auch die ganz dunklen Stellen des Him- mels nahe am Scorpion, am Fuchſe, mitten in dem großen Licht- nebel Orions, und endlich die ſogenannten Kap’ſchen Wolken oder die Kohlenſäcke beim ſüdlichen Kreuze in der andern Hemiſphäre. Auch ſieht man häufig einzelne Sterngruppen oder Stellen, wo mehrere größere Sterne in einem kleinen Raume zuſammen gedrängt erſcheinen. Die Plejaden, am Halſe des Stiers, die unter dem Namen der Gluckhenne bekannt ſind, enthalten auf dem Raume eines Kreiſes, deſſen Halbmeſſer kaum einen Grad beträgt, einen Stern vierter, ſechs fünfter, fünf ſechster und zwei und dreißig ſiebenter Größe, nebſt vielen andern noch kleineren, alſo 44 mit freien Augen noch erkennbare Sterne. Die bekannte Krippe im Sternbilde des Krebſes (AR = 8h 29′, Poldist. = 69° 30′) enthält auf der Fläche eines halben Quadratgrades über

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/littrow_weltsystem02_1835
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/littrow_weltsystem02_1835/329
Zitationshilfe: Littrow, Joseph Johann von: Die Wunder des Himmels, oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems. Bd. 2. Stuttgart, 1835, S. [319]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/littrow_weltsystem02_1835/329>, abgerufen am 20.04.2019.