Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Männling, Johann Christoph: Der Europæische Helicon, Oder Musen-Berg. Alten Stettin, 1704.

Bild:
<< vorherige Seite

Reg. 6. Es giebt über diese Arten/ noch eine
von 10. Verssen die Prusilische genannt/ alwo sich
der 1. 4. 5. 8. und 9. auf der andern Seiten der 2.
3. 6. 7. und 10. Verß reimen. Diese werden von
einigen unter die kurtze Sonnetten gezehlet. Ein Exem-
pel
mag uns geben das Symbolum: Deus Juvabit.

So war/ o Seeliger/ dein stetes Angedencken/
Wenn du im Leben dich offt müd und matt geschwitzt/
Wenn dich des Creutzes Dorn fast mehr als wund geritzt/
Und dich ein Unfals-Kelch mit Wermuth wolte träncken/
So sprachstu doch: getrost/ GOtt wird zum besten lencken/
Du hast dir propheceit; dein Wunsch hat dir genützt/
Und dich dahin versetzt/ wo keine Noth mehr blitzt/
Wo du verlachen kanst/ Creutz/ Unfall/ Tod und Kräncken/
Der GOTT/ in welchen du dich gäntzlich magst versencken/
Hat nun dein Wort erfüllt und sterbend dich gestützt/

Reg. 7. Es verschrencken einige die 10. Zeili-
ge auf folgende Art/ daß der erste und 4/ ferner der 2.
und 3/ folgends der 5. und 6. wie in den 6lingen und
dann der 7bende und 10/ letzlich der 8te. und 9te sich
reimen/ item der 1. und 6. Weiblich/ der 3. und 4.
Männlich/ der 2. und 5. Weiblich/ der 7. und 10.
Männlich der 8. und 9. Weiblich kommen.

Reg. 8. Noch eine Art ist übrig von 12. Vers-
sen/ so man auch Sechstinnen nennet/ da ist der 1.
mit dem 12. Weibl. der 2. mit dem 11. Männl. der
3. mit dem 10. Weibl. der 4. mit dem 9. Männl. der
5. mit. dem 8. Weibl. und der 6. und 7. Männl.

Die Fünffte Art.
Kling-Gedichte oder Sonnetten.

Reg. 1. Kling-Gedichte/ welches die Niederländer

Klinck-

Reg. 6. Es giebt uͤber dieſe Arten/ noch eine
von 10. Verſſen die Pruſiliſche genannt/ alwo ſich
der 1. 4. 5. 8. und 9. auf der andern Seiten der 2.
3. 6. 7. und 10. Verß reimen. Dieſe werden von
einigen unter die kurtze Soñetten gezehlet. Ein Exem-
pel
mag uns geben das Symbolum: Deus Juvabit.

So war/ o Seeliger/ dein ſtetes Angedencken/
Wenn du im Leben dich offt muͤd und matt geſchwitzt/
Wenn dich des Creutzes Dorn faſt mehr als wund geritzt/
Und dich ein Unfals-Kelch mit Wermuth wolte traͤncken/
So ſprachſtu doch: getroſt/ GOtt wird zum beſten lencken/
Du haſt dir propheceit; dein Wunſch hat dir genuͤtzt/
Und dich dahin verſetzt/ wo keine Noth mehr blitzt/
Wo du verlachen kanſt/ Creutz/ Unfall/ Tod und Kraͤncken/
Der GOTT/ in welchen du dich gaͤntzlich magſt verſencken/
Hat nun dein Wort erfuͤllt und ſterbend dich geſtuͤtzt/

Reg. 7. Es verſchrencken einige die 10. Zeili-
ge auf folgende Art/ daß der erſte und 4/ ferner der 2.
und 3/ folgends der 5. und 6. wie in den 6lingen und
dann der 7bende und 10/ letzlich der 8te. und 9te ſich
reimen/ item der 1. und 6. Weiblich/ der 3. und 4.
Maͤnnlich/ der 2. und 5. Weiblich/ der 7. und 10.
Maͤnnlich der 8. und 9. Weiblich kommen.

Reg. 8. Noch eine Art iſt uͤbrig von 12. Verſ-
ſen/ ſo man auch Sechſtinnen nennet/ da iſt der 1.
mit dem 12. Weibl. der 2. mit dem 11. Maͤnnl. der
3. mit dem 10. Weibl. der 4. mit dem 9. Maͤnnl. der
5. mit. dem 8. Weibl. und der 6. und 7. Maͤnnl.

Die Fuͤnffte Art.
Kling-Gedichte oder Sonnetten.

Reg. 1. Kling-Gedichte/ welches die Niederlaͤnder

Klinck-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <pb facs="#f0124" n="112"/>
              <p><hi rendition="#aq">Reg.</hi> 6. Es giebt u&#x0364;ber die&#x017F;e Arten/ noch eine<lb/>
von 10. Ver&#x017F;&#x017F;en die <hi rendition="#aq">Pru&#x017F;ili</hi>&#x017F;che genannt/ alwo &#x017F;ich<lb/>
der 1. 4. 5. 8. und 9. auf der andern Seiten der 2.<lb/>
3. 6. 7. und 10. Verß reimen. Die&#x017F;e werden von<lb/>
einigen unter die kurtze Son&#x0303;etten gezehlet. Ein <hi rendition="#aq">Exem-<lb/>
pel</hi> mag uns geben das <hi rendition="#aq">Symbolum: Deus Juvabit.</hi></p><lb/>
              <lg type="poem">
                <l>So war/ o Seeliger/ dein &#x017F;tetes Angedencken/</l><lb/>
                <l>Wenn du im Leben dich offt mu&#x0364;d und matt ge&#x017F;chwitzt/</l><lb/>
                <l>Wenn dich des Creutzes Dorn fa&#x017F;t mehr als wund geritzt/</l><lb/>
                <l>Und dich ein Unfals-Kelch mit Wermuth wolte tra&#x0364;ncken/</l><lb/>
                <l>So &#x017F;prach&#x017F;tu doch: getro&#x017F;t/ GOtt wird zum be&#x017F;ten lencken/</l><lb/>
                <l>Du ha&#x017F;t dir <hi rendition="#aq">propheceit;</hi> dein Wun&#x017F;ch hat dir genu&#x0364;tzt/</l><lb/>
                <l>Und dich dahin ver&#x017F;etzt/ wo keine Noth mehr blitzt/</l><lb/>
                <l>Wo du verlachen kan&#x017F;t/ Creutz/ Unfall/ Tod und Kra&#x0364;ncken/</l><lb/>
                <l>Der GOTT/ in welchen du dich ga&#x0364;ntzlich mag&#x017F;t ver&#x017F;encken/</l><lb/>
                <l>Hat nun dein Wort erfu&#x0364;llt und &#x017F;terbend dich ge&#x017F;tu&#x0364;tzt/</l>
              </lg><lb/>
              <p><hi rendition="#aq">Reg.</hi> 7. Es ver&#x017F;chrencken einige die 10. Zeili-<lb/>
ge auf folgende Art/ daß der er&#x017F;te und 4/ ferner der 2.<lb/>
und 3/ folgends der 5. und 6. wie in den 6lingen und<lb/>
dann der 7bende und 10/ letzlich der 8te. und 9te &#x017F;ich<lb/>
reimen/ item der 1. und 6. Weiblich/ der 3. und 4.<lb/>
Ma&#x0364;nnlich/ der 2. und 5. Weiblich/ der 7. und 10.<lb/>
Ma&#x0364;nnlich der 8. und 9. Weiblich kommen.</p><lb/>
              <p><hi rendition="#aq">Reg.</hi> 8. Noch eine Art i&#x017F;t u&#x0364;brig von 12. Ver&#x017F;-<lb/>
&#x017F;en/ &#x017F;o man auch Sech&#x017F;tinnen nennet/ da i&#x017F;t der 1.<lb/>
mit dem 12. Weibl. der 2. mit dem 11. Ma&#x0364;nnl. der<lb/>
3. mit dem 10. Weibl. der 4. mit dem 9. Ma&#x0364;nnl. der<lb/>
5. mit. dem 8. Weibl. und der 6. und 7. Ma&#x0364;nnl.</p>
            </div>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#b">Die Fu&#x0364;nffte Art.<lb/>
Kling-Gedichte oder Sonnetten.</hi> </head><lb/>
            <p><hi rendition="#aq">Reg.</hi> 1. <hi rendition="#in">K</hi>ling-Gedichte/ welches die Niederla&#x0364;nder<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">Klinck-</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[112/0124] Reg. 6. Es giebt uͤber dieſe Arten/ noch eine von 10. Verſſen die Pruſiliſche genannt/ alwo ſich der 1. 4. 5. 8. und 9. auf der andern Seiten der 2. 3. 6. 7. und 10. Verß reimen. Dieſe werden von einigen unter die kurtze Soñetten gezehlet. Ein Exem- pel mag uns geben das Symbolum: Deus Juvabit. So war/ o Seeliger/ dein ſtetes Angedencken/ Wenn du im Leben dich offt muͤd und matt geſchwitzt/ Wenn dich des Creutzes Dorn faſt mehr als wund geritzt/ Und dich ein Unfals-Kelch mit Wermuth wolte traͤncken/ So ſprachſtu doch: getroſt/ GOtt wird zum beſten lencken/ Du haſt dir propheceit; dein Wunſch hat dir genuͤtzt/ Und dich dahin verſetzt/ wo keine Noth mehr blitzt/ Wo du verlachen kanſt/ Creutz/ Unfall/ Tod und Kraͤncken/ Der GOTT/ in welchen du dich gaͤntzlich magſt verſencken/ Hat nun dein Wort erfuͤllt und ſterbend dich geſtuͤtzt/ Reg. 7. Es verſchrencken einige die 10. Zeili- ge auf folgende Art/ daß der erſte und 4/ ferner der 2. und 3/ folgends der 5. und 6. wie in den 6lingen und dann der 7bende und 10/ letzlich der 8te. und 9te ſich reimen/ item der 1. und 6. Weiblich/ der 3. und 4. Maͤnnlich/ der 2. und 5. Weiblich/ der 7. und 10. Maͤnnlich der 8. und 9. Weiblich kommen. Reg. 8. Noch eine Art iſt uͤbrig von 12. Verſ- ſen/ ſo man auch Sechſtinnen nennet/ da iſt der 1. mit dem 12. Weibl. der 2. mit dem 11. Maͤnnl. der 3. mit dem 10. Weibl. der 4. mit dem 9. Maͤnnl. der 5. mit. dem 8. Weibl. und der 6. und 7. Maͤnnl. Die Fuͤnffte Art. Kling-Gedichte oder Sonnetten. Reg. 1. Kling-Gedichte/ welches die Niederlaͤnder Klinck-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Bei der Ausgabe von 1704 handelt es sich, um die … [mehr]

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/maennling_helicon_1704
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/maennling_helicon_1704/124
Zitationshilfe: Männling, Johann Christoph: Der Europæische Helicon, Oder Musen-Berg. Alten Stettin, 1704. , S. 112. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/maennling_helicon_1704/124>, abgerufen am 22.04.2019.