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Männling, Johann Christoph: Der Europæische Helicon, Oder Musen-Berg. Alten Stettin, 1704.

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Nichts als ein Heichel-Schaum/ ein Wind und blosser
Dunst/
Ein angestrichner Glantz von Xeixis falscher Kunst/
Ein recht Sirenen-Bild/ woran die Todes-Gunst/
Die armen Menschen zeucht vergebens und umbsunst/
Biß sich der Lebens-Glantz verzehret gar umbsunst/
Und letztlich kaum erlangt die Aschen statt der Gunst/
So wird aus Liebe dann der Falschheit letzte Kunst/
Die den Betrug umbfast mit seinem Nebel-Dunst/
Und wie die Motte sich verzehrt bey Feuers-Brunst.
Die Eilffte Art.
Form-Reime oder
Acrosticha,
Chronosticha.

Reg. 1.

EIn Form-Reim ist/ in welchem die ersten Buch-
staben der Versse/ wenn sie zusammen gesetzt
werden/ ein sonderlich Wort oder Nahmen mahlen.
Diese Form-Reime werden auff dreyerley Arten ge-
macht (a) Wenn der erste Buchstabe einer jeden Zei-
le von Oben biß Unten wieder zusammen gesetzt wird.
e. g. der H. Nahme JESUS.

In mein Hertze soll kein GOtt/ als mein süsser JE-
SUS kommen/
Er hat mich zu seinem Kind in dem Tauff-Stein
angenommen/
Seine Liebe heist mein Liecht/ die mich leitet allezeit/
Und wird einsten meine Seel in das Schloß des Him-
mels führen/
So vor diese längst bestellt/ die den Glauben lassen
spühren.
No-
Nichts als ein Heichel-Schaum/ ein Wind und bloſſer
Dunſt/
Ein angeſtrichner Glantz von Xeixis falſcher Kunſt/
Ein recht Sirenen-Bild/ woran die Todes-Gunſt/
Die armen Menſchen zeucht vergebens und umbſunſt/
Biß ſich der Lebens-Glantz verzehret gar umbſunſt/
Und letztlich kaum erlangt die Aſchen ſtatt der Gunſt/
So wird aus Liebe dann der Falſchheit letzte Kunſt/
Die den Betrug umbfaſt mit ſeinem Nebel-Dunſt/
Und wie die Motte ſich verzehrt bey Feuers-Brunſt.
Die Eilffte Art.
Form-Reime oder
Acroſticha,
Chronoſticha.

Reg. 1.

EIn Form-Reim iſt/ in welchem die erſten Buch-
ſtaben der Verſſe/ wenn ſie zuſammen geſetzt
werden/ ein ſonderlich Wort oder Nahmen mahlen.
Dieſe Form-Reime werden auff dreyerley Arten ge-
macht (α) Wenn der erſte Buchſtabe einer jeden Zei-
le von Oben biß Unten wieder zuſammen geſetzt wird.
e. g. der H. Nahme JESUS.

In mein Hertze ſoll kein GOtt/ als mein ſuͤſſer JE-
SUS kommen/
Er hat mich zu ſeinem Kind in dem Tauff-Stein
angenommen/
Seine Liebe heiſt mein Liecht/ die mich leitet allezeit/
Und wird einſten meine Seel in das Schloß des Him-
mels fuͤhren/
So vor dieſe laͤngſt beſtellt/ die den Glauben laſſen
ſpuͤhren.
No-
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[126/0138] Nichts als ein Heichel-Schaum/ ein Wind und bloſſer Dunſt/ Ein angeſtrichner Glantz von Xeixis falſcher Kunſt/ Ein recht Sirenen-Bild/ woran die Todes-Gunſt/ Die armen Menſchen zeucht vergebens und umbſunſt/ Biß ſich der Lebens-Glantz verzehret gar umbſunſt/ Und letztlich kaum erlangt die Aſchen ſtatt der Gunſt/ So wird aus Liebe dann der Falſchheit letzte Kunſt/ Die den Betrug umbfaſt mit ſeinem Nebel-Dunſt/ Und wie die Motte ſich verzehrt bey Feuers-Brunſt. Die Eilffte Art. Form-Reime oder Acroſticha, Chronoſticha. Reg. 1. EIn Form-Reim iſt/ in welchem die erſten Buch- ſtaben der Verſſe/ wenn ſie zuſammen geſetzt werden/ ein ſonderlich Wort oder Nahmen mahlen. Dieſe Form-Reime werden auff dreyerley Arten ge- macht (α) Wenn der erſte Buchſtabe einer jeden Zei- le von Oben biß Unten wieder zuſammen geſetzt wird. e. g. der H. Nahme JESUS. In mein Hertze ſoll kein GOtt/ als mein ſuͤſſer JE- SUS kommen/ Er hat mich zu ſeinem Kind in dem Tauff-Stein angenommen/ Seine Liebe heiſt mein Liecht/ die mich leitet allezeit/ Und wird einſten meine Seel in das Schloß des Him- mels fuͤhren/ So vor dieſe laͤngſt beſtellt/ die den Glauben laſſen ſpuͤhren. No-

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Zitationshilfe: Männling, Johann Christoph: Der Europæische Helicon, Oder Musen-Berg. Alten Stettin, 1704. , S. 126. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/maennling_helicon_1704/138>, abgerufen am 23.04.2019.