Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Männling, Johann Christoph: Der Europæische Helicon, Oder Musen-Berg. Alten Stettin, 1704.

Bild:
<< vorherige Seite

Dreyeinigen GOTT numehr thun. Wie Pruden-
tius, Marc. Hieron. Vida, Scaliger, Georg Fabricius,
Eobanus Hess. Montanus, Muretus, Vitalis Syne-
sius
solche auffgesetzet. Die anjetzo nichts anders sind/
als die geistlichen Oden. Davon eben die XIX. Art.

Die Drey und dreyssigste Art.
Comoedien und Tragoedien.

Reg. 1.

EIne Comedie ist ein Dramatisches Gedicht und
Freuden-Spiel/ darinn der Inhalt und Ende
frölich ist/ und zu einer Nach-Folge wegen eines tu-
gendhafften Lebens und Thuns vorgestellet wird. Sie
besteht aber in schlechten Wesen und Personen/ handelt
von Lust und Freude/ Buhlschafften/ Panqueten/
Freundschafften/ etc. Es wil aber Opitz, man solle ho-
he Potentaten nicht in Comoedien einführen/ son-
dern allein privat Personen. V. Scaliger und Ripa de
Comoediis.
Harsdörffer Poet-Trichter P. 2. pag. 78. 80.
92. Buchler. l. c.

Reg. 2. Eine Tragoedia, ist ein Trauer-Spiel/ ab-
handelnd grosser Herren/ Fürsten und Potentaten oder
Helden-Geschichte/ und Lebens-Lauff/ darin das Ende
mit dem grösten Jammer/ Klagen und Tode sich zeiget.

Reg. 3. Comoedien und Tragoedien sind in der Ein-
theilung gleiche/ denn beyde erfodern 5. Stücke. 1. Pro-
logum
oder Vorredner/ welcher den gantzen Inhalt
kürtzlich erzehlt/ und umb Gedult zum Sehen und Hö-
ren bittet. 2. Die Actus oder Aufzüge. 3. Darauf kom-
men allemahl 5. Scenen oder Abhandlungen/ zuweilen

auch

Dreyeinigen GOTT numehr thun. Wie Pruden-
tius, Marc. Hieron. Vida, Scaliger, Georg Fabricius,
Eobanus Hesſ. Montanus, Muretus, Vitalis Syne-
ſius
ſolche auffgeſetzet. Die anjetzo nichts anders ſind/
als die geiſtlichen Oden. Davon eben die XIX. Art.

Die Drey und dreyſſigſte Art.
Comœdien und Tragœdien.

Reg. 1.

EIne Comedie iſt ein Dramatiſches Gedicht und
Freuden-Spiel/ darinn der Inhalt und Ende
froͤlich iſt/ und zu einer Nach-Folge wegen eines tu-
gendhafften Lebens und Thuns vorgeſtellet wird. Sie
beſteht aber in ſchlechten Weſen und Perſonen/ handelt
von Luſt und Freude/ Buhlſchafften/ Panqueten/
Freundſchafften/ ꝛc. Es wil aber Opitz, man ſolle ho-
he Potentaten nicht in Comœdien einfuͤhren/ ſon-
dern allein privat Perſonen. V. Scaliger und Ripa de
Comœdiis.
Harsdoͤrffer Poet-Trichter P. 2. pag. 78. 80.
92. Buchler. l. c.

Reg. 2. Eine Tragœdia, iſt ein Trauer-Spiel/ ab-
handelnd groſſer Herren/ Fuͤrſten und Potentaten oder
Helden-Geſchichte/ und Lebens-Lauff/ darin das Ende
mit dem groͤſten Jam̃er/ Klagen und Tode ſich zeiget.

Reg. 3. Comœdien und Tragœdien ſind in der Ein-
theilung gleiche/ deñ beyde erfodern 5. Stuͤcke. 1. Pro-
logum
oder Vorredner/ welcher den gantzen Inhalt
kuͤrtzlich erzehlt/ und umb Gedult zum Sehen und Hoͤ-
ren bittet. 2. Die Actus oder Aufzuͤge. 3. Darauf kom-
men allemahl 5. Scenen oder Abhandlungen/ zuweilen

auch
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="3">
          <p><pb facs="#f0193" n="175"/>
Dreyeinigen GOTT numehr thun. Wie <hi rendition="#aq">Pruden-<lb/>
tius, Marc. Hieron. Vida, Scaliger, Georg Fabricius,<lb/>
Eobanus Hes&#x017F;. Montanus, Muretus, Vitalis Syne-<lb/>
&#x017F;ius</hi> &#x017F;olche auffge&#x017F;etzet. Die anjetzo nichts anders &#x017F;ind/<lb/>
als die gei&#x017F;tlichen Oden. Davon eben die <hi rendition="#aq">XIX.</hi> Art.</p>
        </div><lb/>
        <div n="3">
          <head> <hi rendition="#b">Die Drey und drey&#x017F;&#x017F;ig&#x017F;te Art.</hi><lb/> <hi rendition="#aq">Com&#x0153;di</hi> <hi rendition="#b">en und</hi> <hi rendition="#aq">Trag&#x0153;di</hi> <hi rendition="#b">en.</hi> </head><lb/>
          <p> <hi rendition="#c"><hi rendition="#aq">Reg.</hi> 1.</hi> </p><lb/>
          <p><hi rendition="#in">E</hi>Ine <hi rendition="#aq">Comedie</hi> i&#x017F;t ein <hi rendition="#aq">Dramati</hi>&#x017F;ches Gedicht und<lb/>
Freuden-Spiel/ darinn der Inhalt und Ende<lb/>
fro&#x0364;lich i&#x017F;t/ und zu einer Nach-Folge wegen eines tu-<lb/>
gendhafften Lebens und Thuns vorge&#x017F;tellet wird. Sie<lb/>
be&#x017F;teht aber in &#x017F;chlechten We&#x017F;en und Per&#x017F;onen/ handelt<lb/>
von Lu&#x017F;t und Freude/ Buhl&#x017F;chafften/ <hi rendition="#aq">Panque</hi>ten/<lb/>
Freund&#x017F;chafften/ &#xA75B;c. Es wil aber <hi rendition="#aq">Opitz,</hi> man &#x017F;olle ho-<lb/>
he <hi rendition="#aq">Potenta</hi>ten nicht in <hi rendition="#aq">Com&#x0153;di</hi>en einfu&#x0364;hren/ &#x017F;on-<lb/>
dern allein <hi rendition="#aq">privat</hi> Per&#x017F;onen. <hi rendition="#aq">V. Scaliger</hi> und <hi rendition="#aq">Ripa de<lb/>
Com&#x0153;diis.</hi> Harsdo&#x0364;rffer Poet-Trichter <hi rendition="#aq">P. 2. pag. 78. 80.<lb/>
92. Buchler. l. c.</hi></p><lb/>
          <p><hi rendition="#aq">Reg.</hi> 2. Eine <hi rendition="#aq">Trag&#x0153;dia,</hi> i&#x017F;t ein Trauer-Spiel/ ab-<lb/>
handelnd gro&#x017F;&#x017F;er Herren/ Fu&#x0364;r&#x017F;ten und <hi rendition="#aq">Potenta</hi>ten oder<lb/>
Helden-Ge&#x017F;chichte/ und Lebens-Lauff/ darin das Ende<lb/>
mit dem gro&#x0364;&#x017F;ten Jam&#x0303;er/ Klagen und Tode &#x017F;ich zeiget.</p><lb/>
          <p><hi rendition="#aq">Reg. 3. <hi rendition="#i">C</hi>om&#x0153;di</hi>en und <hi rendition="#aq">Trag&#x0153;di</hi>en &#x017F;ind in der Ein-<lb/>
theilung gleiche/ den&#x0303; beyde erfodern 5. Stu&#x0364;cke. 1. <hi rendition="#aq">Pro-<lb/>
logum</hi> oder Vorredner/ welcher den gantzen Inhalt<lb/>
ku&#x0364;rtzlich erzehlt/ und umb Gedult zum Sehen und Ho&#x0364;-<lb/>
ren bittet. 2. Die <hi rendition="#aq">Actus</hi> oder Aufzu&#x0364;ge. 3. Darauf kom-<lb/>
men allemahl 5. <hi rendition="#aq">Scenen</hi> oder Abhandlungen/ zuweilen<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">auch</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[175/0193] Dreyeinigen GOTT numehr thun. Wie Pruden- tius, Marc. Hieron. Vida, Scaliger, Georg Fabricius, Eobanus Hesſ. Montanus, Muretus, Vitalis Syne- ſius ſolche auffgeſetzet. Die anjetzo nichts anders ſind/ als die geiſtlichen Oden. Davon eben die XIX. Art. Die Drey und dreyſſigſte Art. Comœdien und Tragœdien. Reg. 1. EIne Comedie iſt ein Dramatiſches Gedicht und Freuden-Spiel/ darinn der Inhalt und Ende froͤlich iſt/ und zu einer Nach-Folge wegen eines tu- gendhafften Lebens und Thuns vorgeſtellet wird. Sie beſteht aber in ſchlechten Weſen und Perſonen/ handelt von Luſt und Freude/ Buhlſchafften/ Panqueten/ Freundſchafften/ ꝛc. Es wil aber Opitz, man ſolle ho- he Potentaten nicht in Comœdien einfuͤhren/ ſon- dern allein privat Perſonen. V. Scaliger und Ripa de Comœdiis. Harsdoͤrffer Poet-Trichter P. 2. pag. 78. 80. 92. Buchler. l. c. Reg. 2. Eine Tragœdia, iſt ein Trauer-Spiel/ ab- handelnd groſſer Herren/ Fuͤrſten und Potentaten oder Helden-Geſchichte/ und Lebens-Lauff/ darin das Ende mit dem groͤſten Jam̃er/ Klagen und Tode ſich zeiget. Reg. 3. Comœdien und Tragœdien ſind in der Ein- theilung gleiche/ deñ beyde erfodern 5. Stuͤcke. 1. Pro- logum oder Vorredner/ welcher den gantzen Inhalt kuͤrtzlich erzehlt/ und umb Gedult zum Sehen und Hoͤ- ren bittet. 2. Die Actus oder Aufzuͤge. 3. Darauf kom- men allemahl 5. Scenen oder Abhandlungen/ zuweilen auch

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Bei der Ausgabe von 1704 handelt es sich, um die … [mehr]

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/maennling_helicon_1704
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/maennling_helicon_1704/193
Zitationshilfe: Männling, Johann Christoph: Der Europæische Helicon, Oder Musen-Berg. Alten Stettin, 1704. , S. 175. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/maennling_helicon_1704/193>, abgerufen am 19.04.2019.