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Marperger, Paul Jacob: Beschreibung der Banqven. Halle (Saale) u. a., 1717.

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Das IV. Cap. von denen Wechsel-Banquen und Müntz-Wesen.
Das IV. Capitel.

Von denen Wechsel-Banquen, in welchen baare Gel-
der oder unterschiedliche Müntz-Sorten gegen einander umb-
gesetzet/ nach denen Reichs-Satzungen/ oder ihren innerlichen
Halt taxiret und wardiret werden/ wobey dann der vielfäl-
tige Nutzen/ welcher in Handel und Wandel/ wie auch im
Müntz-Wesen vermittelst einer solchen öffentlichen Wechsel-
Banck sich äussert/ gezeiget/ und auch zugleich einige
Nachricht von dem Müntz-Wesen in Teutsch-
land gegeben wird.

Daß die Wechsel-Banques, in welchen eine Müntz-Sorte gegen die
andere umbgesetzet wird/ schon vor uralten Zeiten her im Gebrauch
gewesen/ ja gleich/ nachdem der Gebrauch des Geldes erfunden wor-
den/ ihren Anfang genommen haben/ solches läst sich leichtlich aus der
Vernunfft schliessen/ wann wir gleich keine Nachricht in der H. Schrifft/
und sonderlich aus dem Evangelisten Matthaeo am 21. Cap. (da der
Heyland die Wechsler-Tische umbgestossen/ und selbige aus dem Tem-
pel getrieben) item aus denen Profan-Historien/ sonderlich der Rö-
mischen/ wie hernach mit Exemplis bewiesen werden soll/ davon hät-
ten. Dann da Anfangs die Welt nicht einerley Geld gehabt/ sondern
jedes Reich und Land seine eigne Müntz-Sorten in differenten Schrot
und Korn gepräget/ indessen aber die Handlung und Commercia sich
unter denen Nationen nach und nach vergrössert und eingefunden/ da
hat nothwendig die eine Nation/ in so weit dieselbe nicht pures Silber-
Geld gehabt/ welches der andern nach dem Gewicht hat können zuge-
wogen werden/ wie von dem Abraham im ersten Buch Mosis am 23.
Capitel zu lesen ist/ ihren Müntz-Sorten entweder einen gewissen Preiß
setzen müssen/ wie hoch sie selbige ausgebracht haben wolten/ und da sol-
ches andere Nationen wegen Mangels der innerlichen Bonität nicht an-
nehmen/ und etwan ihr von Aloy besseres Geld nicht Alpari dem Ge-
wicht oder gesetzten Preiß nach/ davor geben wollen/ ist daraus der Agio
oder Auffwechsel entstanden/ da man auf das schlechtere gegen besseres
ein gewisses von Hundert/ oder nach dem Gewicht hat zugeben müssen/

oder
H 2
Das IV. Cap. von denen Wechſel-Banquen und Muͤntz-Weſen.
Das IV. Capitel.

Von denen Wechſel-Banquen, in welchen baare Gel-
der oder unterſchiedliche Muͤntz-Sorten gegen einander umb-
geſetzet/ nach denen Reichs-Satzungen/ oder ihren innerlichen
Halt taxiret und wardiret werden/ wobey dann der vielfaͤl-
tige Nutzen/ welcher in Handel und Wandel/ wie auch im
Muͤntz-Weſen vermittelſt einer ſolchen oͤffentlichen Wechſel-
Banck ſich aͤuſſert/ gezeiget/ und auch zugleich einige
Nachricht von dem Muͤntz-Weſen in Teutſch-
land gegeben wird.

Daß die Wechſel-Banques, in welchen eine Muͤntz-Sorte gegen die
andere umbgeſetzet wird/ ſchon vor uralten Zeiten her im Gebrauch
geweſen/ ja gleich/ nachdem der Gebrauch des Geldes erfunden wor-
den/ ihren Anfang genommen haben/ ſolches laͤſt ſich leichtlich aus der
Vernunfft ſchlieſſen/ wann wir gleich keine Nachricht in der H. Schrifft/
und ſonderlich aus dem Evangeliſten Matthæo am 21. Cap. (da der
Heyland die Wechsler-Tiſche umbgeſtoſſen/ und ſelbige aus dem Tem-
pel getrieben) item aus denen Profan-Hiſtorien/ ſonderlich der Roͤ-
miſchen/ wie hernach mit Exemplis bewieſen werden ſoll/ davon haͤt-
ten. Dann da Anfangs die Welt nicht einerley Geld gehabt/ ſondern
jedes Reich und Land ſeine eigne Muͤntz-Sorten in differenten Schrot
und Korn gepraͤget/ indeſſen aber die Handlung und Commercia ſich
unter denen Nationen nach und nach vergroͤſſert und eingefunden/ da
hat nothwendig die eine Nation/ in ſo weit dieſelbe nicht pures Silber-
Geld gehabt/ welches der andern nach dem Gewicht hat koͤnnen zuge-
wogen werden/ wie von dem Abraham im erſten Buch Moſis am 23.
Capitel zu leſen iſt/ ihren Muͤntz-Sorten entweder einen gewiſſen Preiß
ſetzen muͤſſen/ wie hoch ſie ſelbige ausgebracht haben wolten/ und da ſol-
ches andere Nationen wegen Mangels der innerlichen Bonitaͤt nicht an-
nehmen/ und etwan ihr von Aloy beſſeres Geld nicht Alpari dem Ge-
wicht oder geſetzten Preiß nach/ davor geben wollen/ iſt daraus der Agio
oder Auffwechſel entſtanden/ da man auf das ſchlechtere gegen beſſeres
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[59/0079] Das IV. Cap. von denen Wechſel-Banquen und Muͤntz-Weſen. Das IV. Capitel. Von denen Wechſel-Banquen, in welchen baare Gel- der oder unterſchiedliche Muͤntz-Sorten gegen einander umb- geſetzet/ nach denen Reichs-Satzungen/ oder ihren innerlichen Halt taxiret und wardiret werden/ wobey dann der vielfaͤl- tige Nutzen/ welcher in Handel und Wandel/ wie auch im Muͤntz-Weſen vermittelſt einer ſolchen oͤffentlichen Wechſel- Banck ſich aͤuſſert/ gezeiget/ und auch zugleich einige Nachricht von dem Muͤntz-Weſen in Teutſch- land gegeben wird. Daß die Wechſel-Banques, in welchen eine Muͤntz-Sorte gegen die andere umbgeſetzet wird/ ſchon vor uralten Zeiten her im Gebrauch geweſen/ ja gleich/ nachdem der Gebrauch des Geldes erfunden wor- den/ ihren Anfang genommen haben/ ſolches laͤſt ſich leichtlich aus der Vernunfft ſchlieſſen/ wann wir gleich keine Nachricht in der H. Schrifft/ und ſonderlich aus dem Evangeliſten Matthæo am 21. Cap. (da der Heyland die Wechsler-Tiſche umbgeſtoſſen/ und ſelbige aus dem Tem- pel getrieben) item aus denen Profan-Hiſtorien/ ſonderlich der Roͤ- miſchen/ wie hernach mit Exemplis bewieſen werden ſoll/ davon haͤt- ten. Dann da Anfangs die Welt nicht einerley Geld gehabt/ ſondern jedes Reich und Land ſeine eigne Muͤntz-Sorten in differenten Schrot und Korn gepraͤget/ indeſſen aber die Handlung und Commercia ſich unter denen Nationen nach und nach vergroͤſſert und eingefunden/ da hat nothwendig die eine Nation/ in ſo weit dieſelbe nicht pures Silber- Geld gehabt/ welches der andern nach dem Gewicht hat koͤnnen zuge- wogen werden/ wie von dem Abraham im erſten Buch Moſis am 23. Capitel zu leſen iſt/ ihren Muͤntz-Sorten entweder einen gewiſſen Preiß ſetzen muͤſſen/ wie hoch ſie ſelbige ausgebracht haben wolten/ und da ſol- ches andere Nationen wegen Mangels der innerlichen Bonitaͤt nicht an- nehmen/ und etwan ihr von Aloy beſſeres Geld nicht Alpari dem Ge- wicht oder geſetzten Preiß nach/ davor geben wollen/ iſt daraus der Agio oder Auffwechſel entſtanden/ da man auf das ſchlechtere gegen beſſeres ein gewiſſes von Hundert/ oder nach dem Gewicht hat zugeben muͤſſen/ oder H 2

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Zitationshilfe: Marperger, Paul Jacob: Beschreibung der Banqven. Halle (Saale) u. a., 1717, S. 59. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/marperger_banqven_1717/79>, abgerufen am 12.08.2020.