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Marx, Karl: Das Kapital. Buch III: Der Gesammtprocess der kapitalistischen Produktion. Kapitel I bis XXVIII. Hamburg, 1894.

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verglichen mit den übrigen in diesem Abschnitt behandelten wich-
tigen Punkten. Es ist aber die einzige hier einschlägige Frage,
die Ricardo, und selbst noch einseitig und mangelhaft, wie man
sehn wird, behandelt.



Zwölftes Kapitel.
Nachträge.
I. Ursachen, welche eine Aenderung im Produktionspreis
bedingen
.

Der Produktionspreis einer Waare kann nur variiren aus zwei
Ursachen:

Erstens. Die allgemeine Profitrate ändert sich. Dies ist nur
dadurch möglich, dass sich die Durchschnittsrate des Mehrwerths
selbst ändert, oder, bei gleichbleibender durchschnittlicher Mehr-
werthsrate, das Verhältniss der Summe der angeeigneten Mehr-
werthe zur Summe des vorgeschossnen gesellschaftlichen Gesammt-
kapitals.

Soweit die Aenderung der Rate des Mehrwerths nicht auf Her-
unterdrücken des Arbeitslohns unter, oder dessen Steigen über,
seinen normalen Stand beruht -- und derartige Bewegungen sind
nur als oscillatorische zu betrachten -- kann sie nur stattfinden
entweder dadurch, dass der Werth der Arbeitskraft sank oder stieg;
das eine so unmöglich wie das andre ohne Veränderung in der
Produktivität der Arbeit, die Lebensmittel producirt, also ohne
Wechsel im Werth der Waaren, die in den Konsum des Arbeiters
eingehn.

Oder das Verhältniss der Summe des angeeigneten Mehrwerths
zum vorgeschossnen Gesammtkapital der Gesellschaft ändert sich.
Da der Wechsel hier nicht von der Rate des Mehrwerths ausgeht,
so muss er ausgehn vom Gesammtkapital, und zwar von seinem
konstanten Theil. Dessen Masse, technisch betrachtet, vermehrt
oder vermindert sich im Verhältniss zu der vom variablen Kapital
gekauften Arbeitskraft, und die Masse seines Werths wächst oder
fällt so mit dem Wachsthum oder der Abnahme seiner Masse
selbst; sie wächst oder fällt also ebenfalls im Verhältniss zur
Werthmasse des variablen Kapitals. Setzt dieselbe Arbeit mehr
konstantes Kapital in Bewegung, so ist die Arbeit produktiver
geworden. Wenn umgekehrt, umgekehrt. Also hat Wechsel in

verglichen mit den übrigen in diesem Abschnitt behandelten wich-
tigen Punkten. Es ist aber die einzige hier einschlägige Frage,
die Ricardo, und selbst noch einseitig und mangelhaft, wie man
sehn wird, behandelt.



Zwölftes Kapitel.
Nachträge.
I. Ursachen, welche eine Aenderung im Produktionspreis
bedingen
.

Der Produktionspreis einer Waare kann nur variiren aus zwei
Ursachen:

Erstens. Die allgemeine Profitrate ändert sich. Dies ist nur
dadurch möglich, dass sich die Durchschnittsrate des Mehrwerths
selbst ändert, oder, bei gleichbleibender durchschnittlicher Mehr-
werthsrate, das Verhältniss der Summe der angeeigneten Mehr-
werthe zur Summe des vorgeschossnen gesellschaftlichen Gesammt-
kapitals.

Soweit die Aenderung der Rate des Mehrwerths nicht auf Her-
unterdrücken des Arbeitslohns unter, oder dessen Steigen über,
seinen normalen Stand beruht — und derartige Bewegungen sind
nur als oscillatorische zu betrachten — kann sie nur stattfinden
entweder dadurch, dass der Werth der Arbeitskraft sank oder stieg;
das eine so unmöglich wie das andre ohne Veränderung in der
Produktivität der Arbeit, die Lebensmittel producirt, also ohne
Wechsel im Werth der Waaren, die in den Konsum des Arbeiters
eingehn.

Oder das Verhältniss der Summe des angeeigneten Mehrwerths
zum vorgeschossnen Gesammtkapital der Gesellschaft ändert sich.
Da der Wechsel hier nicht von der Rate des Mehrwerths ausgeht,
so muss er ausgehn vom Gesammtkapital, und zwar von seinem
konstanten Theil. Dessen Masse, technisch betrachtet, vermehrt
oder vermindert sich im Verhältniss zu der vom variablen Kapital
gekauften Arbeitskraft, und die Masse seines Werths wächst oder
fällt so mit dem Wachsthum oder der Abnahme seiner Masse
selbst; sie wächst oder fällt also ebenfalls im Verhältniss zur
Werthmasse des variablen Kapitals. Setzt dieselbe Arbeit mehr
konstantes Kapital in Bewegung, so ist die Arbeit produktiver
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[184/0218] verglichen mit den übrigen in diesem Abschnitt behandelten wich- tigen Punkten. Es ist aber die einzige hier einschlägige Frage, die Ricardo, und selbst noch einseitig und mangelhaft, wie man sehn wird, behandelt. Zwölftes Kapitel. Nachträge. I. Ursachen, welche eine Aenderung im Produktionspreis bedingen. Der Produktionspreis einer Waare kann nur variiren aus zwei Ursachen: Erstens. Die allgemeine Profitrate ändert sich. Dies ist nur dadurch möglich, dass sich die Durchschnittsrate des Mehrwerths selbst ändert, oder, bei gleichbleibender durchschnittlicher Mehr- werthsrate, das Verhältniss der Summe der angeeigneten Mehr- werthe zur Summe des vorgeschossnen gesellschaftlichen Gesammt- kapitals. Soweit die Aenderung der Rate des Mehrwerths nicht auf Her- unterdrücken des Arbeitslohns unter, oder dessen Steigen über, seinen normalen Stand beruht — und derartige Bewegungen sind nur als oscillatorische zu betrachten — kann sie nur stattfinden entweder dadurch, dass der Werth der Arbeitskraft sank oder stieg; das eine so unmöglich wie das andre ohne Veränderung in der Produktivität der Arbeit, die Lebensmittel producirt, also ohne Wechsel im Werth der Waaren, die in den Konsum des Arbeiters eingehn. Oder das Verhältniss der Summe des angeeigneten Mehrwerths zum vorgeschossnen Gesammtkapital der Gesellschaft ändert sich. Da der Wechsel hier nicht von der Rate des Mehrwerths ausgeht, so muss er ausgehn vom Gesammtkapital, und zwar von seinem konstanten Theil. Dessen Masse, technisch betrachtet, vermehrt oder vermindert sich im Verhältniss zu der vom variablen Kapital gekauften Arbeitskraft, und die Masse seines Werths wächst oder fällt so mit dem Wachsthum oder der Abnahme seiner Masse selbst; sie wächst oder fällt also ebenfalls im Verhältniss zur Werthmasse des variablen Kapitals. Setzt dieselbe Arbeit mehr konstantes Kapital in Bewegung, so ist die Arbeit produktiver geworden. Wenn umgekehrt, umgekehrt. Also hat Wechsel in

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Zitationshilfe: Marx, Karl: Das Kapital. Buch III: Der Gesammtprocess der kapitalistischen Produktion. Kapitel I bis XXVIII. Hamburg, 1894, S. 184. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/marx_kapital0301_1894/218>, abgerufen am 22.04.2019.