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Meyer, Conrad Ferdinand: Gedichte. Leipzig, 1882.

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Frau Agnes und ihre Nonnen.
Ein Klosterhof, ein Lenzestag!
Ein schwarzer Lindenschatten,
Wo der gekrönte Habsburg lag
Erstochen auf den Matten.
Frau Agnes, die gestrenge Frau,
Des Vaters Blut zu rächen,
Rief mordend aus: "Ich bad' in Thau!"
Und schritt in rothen Bächen.
Sie freute sich in warmes Blut
Die Knöchel einzutauchen,
Sie warf in stille Dörfer Glut,
Sie ließ die Burgen rauchen.
Nachdem Gericht gehalten war,
Vollbracht die Todtenfeier,
Verbarg sie das Medusenhaar
Mit einem Nonnenschleier.
Sie schuf ein Kloster, wo hervor
Aus Grüften Geister schweben,
Sie füllt' mit Blumen an den Chor,
Mit lauter jungem Leben:
Frau Agnes und ihre Nonnen.
Ein Kloſterhof, ein Lenzestag!
Ein ſchwarzer Lindenſchatten,
Wo der gekrönte Habsburg lag
Erſtochen auf den Matten.
Frau Agnes, die geſtrenge Frau,
Des Vaters Blut zu rächen,
Rief mordend aus: „Ich bad' in Thau!“
Und ſchritt in rothen Bächen.
Sie freute ſich in warmes Blut
Die Knöchel einzutauchen,
Sie warf in ſtille Dörfer Glut,
Sie ließ die Burgen rauchen.
Nachdem Gericht gehalten war,
Vollbracht die Todtenfeier,
Verbarg ſie das Meduſenhaar
Mit einem Nonnenſchleier.
Sie ſchuf ein Kloſter, wo hervor
Aus Grüften Geiſter ſchweben,
Sie füllt' mit Blumen an den Chor,
Mit lauter jungem Leben:
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[263/0277] Frau Agnes und ihre Nonnen. Ein Kloſterhof, ein Lenzestag! Ein ſchwarzer Lindenſchatten, Wo der gekrönte Habsburg lag Erſtochen auf den Matten. Frau Agnes, die geſtrenge Frau, Des Vaters Blut zu rächen, Rief mordend aus: „Ich bad' in Thau!“ Und ſchritt in rothen Bächen. Sie freute ſich in warmes Blut Die Knöchel einzutauchen, Sie warf in ſtille Dörfer Glut, Sie ließ die Burgen rauchen. Nachdem Gericht gehalten war, Vollbracht die Todtenfeier, Verbarg ſie das Meduſenhaar Mit einem Nonnenſchleier. Sie ſchuf ein Kloſter, wo hervor Aus Grüften Geiſter ſchweben, Sie füllt' mit Blumen an den Chor, Mit lauter jungem Leben:

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Zitationshilfe: Meyer, Conrad Ferdinand: Gedichte. Leipzig, 1882, S. 263. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/meyer_gedichte_1882/277>, abgerufen am 20.03.2019.