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Mommsen, Theodor: Römische Geschichte. Bd. 1: Bis zur Schlacht von Pydna. Leipzig, 1854.

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KAPITEL IV.


Sturz der etruskischen Macht. Die Kelten.

Nachdem die Entwicklung der römischen Verfassung wäh-
rend der zwei ersten Jahrhunderte der Republik dargestellt
ist, ruft uns die äussere Geschichte Roms und Italiens wieder
zurück in den Anfang dieser Epoche. Um diese Zeit, als die
Tarquinier aus Rom vertrieben wurden, stand die etruskische
Macht auf ihrem Höhepunct. Die Herrschaft auf der tyrrhe-
nischen See besassen unbestritten die Tusker und die mit
ihnen eng verbündeten Karthager. Wenn auch Massalia unter
steten und schweren Kämpfen sich behauptete, so war dagegen
Corsica tuskisch und ebenso die Häfen Campaniens und der
volskischen Landschaft, während die Söhne des karthagischen
Feldherrn Mago durch die vollständige Eroberung Sardiniens
(um 260) die Grösse zugleich ihres Hauses und ihrer Stadt be-
gründeten und in Sicilien die Phoenikier während der inneren
Fehden der hellenischen Colonien ihren Besitzstand ohne we-
sentliche Anfechtung behaupteten. Nicht minder beherrschten
die tuskischen Schiffe das adriatische Meer und selbst in den
östlichen Gewässern waren ihre Kaper gefürchtet. -- Auch
zu Lande schien ihre Macht im Steigen. Den Besitz der la-
tinischen Landschaft zu gewinnen war für Etrurien, das von
den volskischen Städten in seiner Clientel und von seinen
campanischen Besitzungen allein durch die Latiner geschie-
den war, von der entscheidendsten Wichtigkeit. Bisher hatte
das feste Bollwerk der römischen Macht Latium ausrei-
chend beschirmt und die Tibergrenze mit Erfolg gegen Etru-

KAPITEL IV.


Sturz der etruskischen Macht. Die Kelten.

Nachdem die Entwicklung der römischen Verfassung wäh-
rend der zwei ersten Jahrhunderte der Republik dargestellt
ist, ruft uns die äuſsere Geschichte Roms und Italiens wieder
zurück in den Anfang dieser Epoche. Um diese Zeit, als die
Tarquinier aus Rom vertrieben wurden, stand die etruskische
Macht auf ihrem Höhepunct. Die Herrschaft auf der tyrrhe-
nischen See besaſsen unbestritten die Tusker und die mit
ihnen eng verbündeten Karthager. Wenn auch Massalia unter
steten und schweren Kämpfen sich behauptete, so war dagegen
Corsica tuskisch und ebenso die Häfen Campaniens und der
volskischen Landschaft, während die Söhne des karthagischen
Feldherrn Mago durch die vollständige Eroberung Sardiniens
(um 260) die Gröſse zugleich ihres Hauses und ihrer Stadt be-
gründeten und in Sicilien die Phoenikier während der inneren
Fehden der hellenischen Colonien ihren Besitzstand ohne we-
sentliche Anfechtung behaupteten. Nicht minder beherrschten
die tuskischen Schiffe das adriatische Meer und selbst in den
östlichen Gewässern waren ihre Kaper gefürchtet. — Auch
zu Lande schien ihre Macht im Steigen. Den Besitz der la-
tinischen Landschaft zu gewinnen war für Etrurien, das von
den volskischen Städten in seiner Clientel und von seinen
campanischen Besitzungen allein durch die Latiner geschie-
den war, von der entscheidendsten Wichtigkeit. Bisher hatte
das feste Bollwerk der römischen Macht Latium ausrei-
chend beschirmt und die Tibergrenze mit Erfolg gegen Etru-

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[[203]/0217] KAPITEL IV. Sturz der etruskischen Macht. Die Kelten. Nachdem die Entwicklung der römischen Verfassung wäh- rend der zwei ersten Jahrhunderte der Republik dargestellt ist, ruft uns die äuſsere Geschichte Roms und Italiens wieder zurück in den Anfang dieser Epoche. Um diese Zeit, als die Tarquinier aus Rom vertrieben wurden, stand die etruskische Macht auf ihrem Höhepunct. Die Herrschaft auf der tyrrhe- nischen See besaſsen unbestritten die Tusker und die mit ihnen eng verbündeten Karthager. Wenn auch Massalia unter steten und schweren Kämpfen sich behauptete, so war dagegen Corsica tuskisch und ebenso die Häfen Campaniens und der volskischen Landschaft, während die Söhne des karthagischen Feldherrn Mago durch die vollständige Eroberung Sardiniens (um 260) die Gröſse zugleich ihres Hauses und ihrer Stadt be- gründeten und in Sicilien die Phoenikier während der inneren Fehden der hellenischen Colonien ihren Besitzstand ohne we- sentliche Anfechtung behaupteten. Nicht minder beherrschten die tuskischen Schiffe das adriatische Meer und selbst in den östlichen Gewässern waren ihre Kaper gefürchtet. — Auch zu Lande schien ihre Macht im Steigen. Den Besitz der la- tinischen Landschaft zu gewinnen war für Etrurien, das von den volskischen Städten in seiner Clientel und von seinen campanischen Besitzungen allein durch die Latiner geschie- den war, von der entscheidendsten Wichtigkeit. Bisher hatte das feste Bollwerk der römischen Macht Latium ausrei- chend beschirmt und die Tibergrenze mit Erfolg gegen Etru-

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Zitationshilfe: Mommsen, Theodor: Römische Geschichte. Bd. 1: Bis zur Schlacht von Pydna. Leipzig, 1854, S. [203]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/mommsen_roemische01_1854/217>, abgerufen am 25.02.2020.