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Müller, Karl Otfried: Die Dorier. Vier Bücher. Bd. 2. Breslau, 1824.

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Kunstdarstellungen erhalten, die zwar das Bühuenco-
stüm und Lokal nicht so treu wiedergeben wie die eben
erwähnte, aber doch selbst die Entlehnung aus einer
Komödie bezeugen. Auf einer Coghillschen Vase 1
sieht man einen Zug, dessen Personen alle durch Ueber-
schriften kenntlich sind: voraus Marsyas als Flöten-
spieler, dann die Komodia in schwärmender Bewegung,
darauf Dionysos im alten Feiercostüm, endlich ihm fol-
gend den Hephästos, der auf andern Darstellungen
desselben Sujets einen muntern Esel reitend erscheint.

3.

Aus dem Gegebnen die Composition des Epi-
charmischen Drama's herauszunehmen, kann billig ei-
nes Jeden Urtheil und Geschmack überlassen werden;
wir erlauben uns noch einen Augenblick bei der Be-
merkung zu verweilen, daß die unteritalischen Vasen-
gemälde noch manchen Beitrag zur anschaulicheren
Kenntniß der dort einheimischen Dramatik verheißen.
Eine Farce, wo Herakles dem Eurystheus oder einem
andern Könige die Kerkopen bringt, habe ich oben
schon aus dieser Quelle nachgewiesen 2; vielleicht
stammt auch der Herakles als Pygmäe mit Kranichen
kämpfend aus derlei Darstellungen 3. Am bekannte-
sten ist die komische Darstellung des Zeus und Hermes,
des letztern mit der Laterne, des erstern mit einer Lei-
ter, beide in höchst burleskem Skurrencostüm, wie sie
zu einer Schönen hinauf zu steigen bereit sind, die sie
schon vom Fenster aus erwartet 4. Denkt man sich

1 Millingen Vases de Coghill pl. 6. und bei Millin T. 1.
pl.
9. Die Scene bei Millin T. 2. pl. 66. Tischbein 3, 9. 4,
38. ist offenbar dieselbe, und Millingens Meinung p. 10. scheint
mir unhaltbar.
2 Bd. 2. S. 457.
3 Millin 1. pl.
63. 72. vgl. Tischbein 2, 7. 18.
4 Winckelm. Monum. in-
ed. n. 190. p.
284. Hancarville T. 4. pl. 160.

Kunſtdarſtellungen erhalten, die zwar das Buͤhuenco-
ſtuͤm und Lokal nicht ſo treu wiedergeben wie die eben
erwaͤhnte, aber doch ſelbſt die Entlehnung aus einer
Komoͤdie bezeugen. Auf einer Coghillſchen Vaſe 1
ſieht man einen Zug, deſſen Perſonen alle durch Ueber-
ſchriften kenntlich ſind: voraus Marſyas als Floͤten-
ſpieler, dann die Komodia in ſchwaͤrmender Bewegung,
darauf Dionyſos im alten Feiercoſtuͤm, endlich ihm fol-
gend den Hephaͤſtos, der auf andern Darſtellungen
deſſelben Sujets einen muntern Eſel reitend erſcheint.

3.

Aus dem Gegebnen die Compoſition des Epi-
charmiſchen Drama’s herauszunehmen, kann billig ei-
nes Jeden Urtheil und Geſchmack uͤberlaſſen werden;
wir erlauben uns noch einen Augenblick bei der Be-
merkung zu verweilen, daß die unteritaliſchen Vaſen-
gemaͤlde noch manchen Beitrag zur anſchaulicheren
Kenntniß der dort einheimiſchen Dramatik verheißen.
Eine Farce, wo Herakles dem Euryſtheus oder einem
andern Koͤnige die Kerkopen bringt, habe ich oben
ſchon aus dieſer Quelle nachgewieſen 2; vielleicht
ſtammt auch der Herakles als Pygmaͤe mit Kranichen
kaͤmpfend aus derlei Darſtellungen 3. Am bekannte-
ſten iſt die komiſche Darſtellung des Zeus und Hermes,
des letztern mit der Laterne, des erſtern mit einer Lei-
ter, beide in hoͤchſt burleſkem Skurrencoſtuͤm, wie ſie
zu einer Schoͤnen hinauf zu ſteigen bereit ſind, die ſie
ſchon vom Fenſter aus erwartet 4. Denkt man ſich

1 Millingen Vases de Coghill pl. 6. und bei Millin T. 1.
pl.
9. Die Scene bei Millin T. 2. pl. 66. Tiſchbein 3, 9. 4,
38. iſt offenbar dieſelbe, und Millingens Meinung p. 10. ſcheint
mir unhaltbar.
2 Bd. 2. S. 457.
3 Millin 1. pl.
63. 72. vgl. Tiſchbein 2, 7. 18.
4 Winckelm. Monum. in-
ed. n. 190. p.
284. Hancarville T. 4. pl. 160.
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[356/0362] Kunſtdarſtellungen erhalten, die zwar das Buͤhuenco- ſtuͤm und Lokal nicht ſo treu wiedergeben wie die eben erwaͤhnte, aber doch ſelbſt die Entlehnung aus einer Komoͤdie bezeugen. Auf einer Coghillſchen Vaſe 1 ſieht man einen Zug, deſſen Perſonen alle durch Ueber- ſchriften kenntlich ſind: voraus Marſyas als Floͤten- ſpieler, dann die Komodia in ſchwaͤrmender Bewegung, darauf Dionyſos im alten Feiercoſtuͤm, endlich ihm fol- gend den Hephaͤſtos, der auf andern Darſtellungen deſſelben Sujets einen muntern Eſel reitend erſcheint. 3. Aus dem Gegebnen die Compoſition des Epi- charmiſchen Drama’s herauszunehmen, kann billig ei- nes Jeden Urtheil und Geſchmack uͤberlaſſen werden; wir erlauben uns noch einen Augenblick bei der Be- merkung zu verweilen, daß die unteritaliſchen Vaſen- gemaͤlde noch manchen Beitrag zur anſchaulicheren Kenntniß der dort einheimiſchen Dramatik verheißen. Eine Farce, wo Herakles dem Euryſtheus oder einem andern Koͤnige die Kerkopen bringt, habe ich oben ſchon aus dieſer Quelle nachgewieſen 2; vielleicht ſtammt auch der Herakles als Pygmaͤe mit Kranichen kaͤmpfend aus derlei Darſtellungen 3. Am bekannte- ſten iſt die komiſche Darſtellung des Zeus und Hermes, des letztern mit der Laterne, des erſtern mit einer Lei- ter, beide in hoͤchſt burleſkem Skurrencoſtuͤm, wie ſie zu einer Schoͤnen hinauf zu ſteigen bereit ſind, die ſie ſchon vom Fenſter aus erwartet 4. Denkt man ſich 1 Millingen Vases de Coghill pl. 6. und bei Millin T. 1. pl. 9. Die Scene bei Millin T. 2. pl. 66. Tiſchbein 3, 9. 4, 38. iſt offenbar dieſelbe, und Millingens Meinung p. 10. ſcheint mir unhaltbar. 2 Bd. 2. S. 457. 3 Millin 1. pl. 63. 72. vgl. Tiſchbein 2, 7. 18. 4 Winckelm. Monum. in- ed. n. 190. p. 284. Hancarville T. 4. pl. 160.

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Zitationshilfe: Müller, Karl Otfried: Die Dorier. Vier Bücher. Bd. 2. Breslau, 1824, S. 356. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/mueller_hellenische03_1824/362>, abgerufen am 19.02.2019.