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Müller, Karl Otfried: Die Dorier. Vier Bücher. Bd. 2. Breslau, 1824.

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2.
1.

Es würde ohne Zweifel der Geschichte der epi-
schen Poesie bei den Griechen eben so, wie der My-
thologie zum Vortheil gereichen, wenn man diese beiden
Wissenschaften in ein engeres Verhältniß zu setzen,
und die Nachrichten über den Inhalt der Epopöen mit
wissenschaftlichen Forschungen über die frühere oder
spätere Ausbildung der Mythen zu combiniren suchte.
Ein schwacher Versuch, ein anspruchsloser Anfang zu
einem solchen Unternehmen soll hier gemacht werden,
um diejenigen zur Mittheilung aufzufordern, welchen
reichere Sammlungen zu Gebote stehn, und vielleicht
auch zur Auffindung einer Methode ein weniges bei-
zutragen, die in mythologische Forschungen mehr Si-
cherheit, in litterarische mehr Fülle des Stoffes brächte.

2.

Plutarchos hatte Bücher peri Erakleous
geschrieben, welche er selbst im Thes. 28. Frgm. p. 353
ff. citirt; welchen Gewährsmännern er darin als den
glaubwürdigsten folgte, läßt sich aus folgender Stelle
(de Herod. mal. 14. p. 294.) entnehmen: Von den
alten und sagenkundigen Männern haben weder Homer,
noch Hesiod, noch Archilochos, noch Peisandros, noch
Stesichoros, noch Alkman, noch Pindaros eines Ae-
gyptischen oder Phoenikischen Herakles gedacht, sondern
alle kennen nur diesen einen Herakles, unsern Böotier
und Argeier: bei der wir zuerst nur bemerken, daß Pei-


2.
1.

Es wuͤrde ohne Zweifel der Geſchichte der epi-
ſchen Poëſie bei den Griechen eben ſo, wie der My-
thologie zum Vortheil gereichen, wenn man dieſe beiden
Wiſſenſchaften in ein engeres Verhaͤltniß zu ſetzen,
und die Nachrichten uͤber den Inhalt der Epopoͤen mit
wiſſenſchaftlichen Forſchungen uͤber die fruͤhere oder
ſpaͤtere Ausbildung der Mythen zu combiniren ſuchte.
Ein ſchwacher Verſuch, ein anſpruchsloſer Anfang zu
einem ſolchen Unternehmen ſoll hier gemacht werden,
um diejenigen zur Mittheilung aufzufordern, welchen
reichere Sammlungen zu Gebote ſtehn, und vielleicht
auch zur Auffindung einer Methode ein weniges bei-
zutragen, die in mythologiſche Forſchungen mehr Si-
cherheit, in litterariſche mehr Fuͤlle des Stoffes braͤchte.

2.

Plutarchos hatte Buͤcher περὶ Ἡρακλέους
geſchrieben, welche er ſelbſt im Theſ. 28. Frgm. p. 353
ff. citirt; welchen Gewaͤhrsmaͤnnern er darin als den
glaubwuͤrdigſten folgte, laͤßt ſich aus folgender Stelle
(de Herod. mal. 14. p. 294.) entnehmen: Von den
alten und ſagenkundigen Maͤnnern haben weder Homer,
noch Heſiod, noch Archilochos, noch Peiſandros, noch
Steſichoros, noch Alkman, noch Pindaros eines Ae-
gyptiſchen oder Phoenikiſchen Herakles gedacht, ſondern
alle kennen nur dieſen einen Herakles, unſern Boͤotier
und Argeier: bei der wir zuerſt nur bemerken, daß Pei-

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[463/0469] 2. 1. Es wuͤrde ohne Zweifel der Geſchichte der epi- ſchen Poëſie bei den Griechen eben ſo, wie der My- thologie zum Vortheil gereichen, wenn man dieſe beiden Wiſſenſchaften in ein engeres Verhaͤltniß zu ſetzen, und die Nachrichten uͤber den Inhalt der Epopoͤen mit wiſſenſchaftlichen Forſchungen uͤber die fruͤhere oder ſpaͤtere Ausbildung der Mythen zu combiniren ſuchte. Ein ſchwacher Verſuch, ein anſpruchsloſer Anfang zu einem ſolchen Unternehmen ſoll hier gemacht werden, um diejenigen zur Mittheilung aufzufordern, welchen reichere Sammlungen zu Gebote ſtehn, und vielleicht auch zur Auffindung einer Methode ein weniges bei- zutragen, die in mythologiſche Forſchungen mehr Si- cherheit, in litterariſche mehr Fuͤlle des Stoffes braͤchte. 2. Plutarchos hatte Buͤcher περὶ Ἡρακλέους geſchrieben, welche er ſelbſt im Theſ. 28. Frgm. p. 353 ff. citirt; welchen Gewaͤhrsmaͤnnern er darin als den glaubwuͤrdigſten folgte, laͤßt ſich aus folgender Stelle (de Herod. mal. 14. p. 294.) entnehmen: Von den alten und ſagenkundigen Maͤnnern haben weder Homer, noch Heſiod, noch Archilochos, noch Peiſandros, noch Steſichoros, noch Alkman, noch Pindaros eines Ae- gyptiſchen oder Phoenikiſchen Herakles gedacht, ſondern alle kennen nur dieſen einen Herakles, unſern Boͤotier und Argeier: bei der wir zuerſt nur bemerken, daß Pei-

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Zitationshilfe: Müller, Karl Otfried: Die Dorier. Vier Bücher. Bd. 2. Breslau, 1824, S. 463. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/mueller_hellenische03_1824/469>, abgerufen am 19.02.2019.