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Müller, Karl Otfried: Handbuch der Archäologie der Kunst. Breslau, 1830.

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Systematischer Theil.
de R. R. iii, 17. Das Einbrennen ist aber die Hauptsache, wie
schon der Ausdruck: Nikias enekae, beweist.

4. Schiffsmahlerei. §. 73. Inceramenta navium Liv. xxviii,
45. Keros unter den Mitteln zum Schiffbau, Xenoph. RP.
Athen.
2, 11. Von dem Pech Pl. xvi, 23. Kerogra-
phia an dem Seeschiff Ptolemäos des IV., Ath. v. p. 204. Na-
vis extrinsecus eleganter depicta,
Apulej. Flor. p. 149.
Wachsmahlerei wurde zeitig zum Schmuck der Architektur gebraucht;
die Triglyphen wurden nach Vitruv iv, 2. cera caerulea ge-
mahlt; auf dieselbe Weise wohl die Lacunarien, deren Figuren
kouras, egkouras hießen (Hesych.), schon vor Pausias. §. 140.

5. Caylus Mem. de l'Ac. des Inscr. xxviii. p. 179.
Walter Die wiederhergestellte Mahlerkunst der Alten. Die Far-
ben. Ein Versuch über Technik alter u. neuer Mahlerei, von
Roux. 1824. 8.


4. Vasenmahlerei.

1321. Bei der Vasenmahlerei, diesem im Alterthum
so wenig beachteten, und doch für uns so wichtigen Kunst-
zweige -- weil keiner so wie dieser den lebendigen Künst-
lergeist veranschaulicht, der auch in den entlegnern Wohn-
sitzen des Griechischen Volks das handwerksmäßige Trei-
2ben durchdrang und beseelte -- verfuhr man, wenn man
forgfältiger verfuhr, so, daß man die schon einmal ge-
brannten Gefäße mit der gewöhnlich angewandten schwarz-
braunen Farbe überfuhr, und dann noch einmal in eine
3gelinde Hitze brachte. Diese schwarzbraune, spiegelnde
Hauptfarbe scheint Asphalt in Naphtha aufgelöst gewe-
sen zu sein; eine dünnere Auflösung desselben Stoffs er-
gab wahrscheinlich den mattglänzenden, hellbräunlichen
Firniß, der an den nicht bemahlten Stellen allein die
Farbe des Thons überzieht. Bunte Farben, an gegit-
terten Gewändern, Blumenarabesken u. dgl., sind erst
ganz nach Vollendung des Brennens als Deckfarben auf-
4gesetzt worden. Doch muß bei den sehr verschiednen Ar-
ten der sogenannten Etruskischen Vasen auch die techni-

Syſtematiſcher Theil.
de R. R. iii, 17. Das Einbrennen iſt aber die Hauptſache, wie
ſchon der Ausdruck: Νικίας ἐνέκαε, beweiſt.

4. Schiffsmahlerei. §. 73. Inceramenta navium Liv. xxviii,
45. Κηρὸς unter den Mitteln zum Schiffbau, Xenoph. RP.
Athen.
2, 11. Von dem Pech Pl. xvi, 23. Κηρογρα-
φία an dem Seeſchiff Ptolemäos des IV., Ath. v. p. 204. Na-
vis extrinsecus eleganter depicta,
Apulej. Flor. p. 149.
Wachsmahlerei wurde zeitig zum Schmuck der Architektur gebraucht;
die Triglyphen wurden nach Vitruv iv, 2. cera caerulea ge-
mahlt; auf dieſelbe Weiſe wohl die Lacunarien, deren Figuren
κουρὰς, ἐγκουρὰς hießen (Heſych.), ſchon vor Pauſias. §. 140.

5. Caylus Mém. de l’Ac. des Inscr. xxviii. p. 179.
Walter Die wiederhergeſtellte Mahlerkunſt der Alten. Die Far-
ben. Ein Verſuch über Technik alter u. neuer Mahlerei, von
Roux. 1824. 8.


4. Vaſenmahlerei.

1321. Bei der Vaſenmahlerei, dieſem im Alterthum
ſo wenig beachteten, und doch fuͤr uns ſo wichtigen Kunſt-
zweige — weil keiner ſo wie dieſer den lebendigen Kuͤnſt-
lergeiſt veranſchaulicht, der auch in den entlegnern Wohn-
ſitzen des Griechiſchen Volks das handwerksmaͤßige Trei-
2ben durchdrang und beſeelte — verfuhr man, wenn man
forgfaͤltiger verfuhr, ſo, daß man die ſchon einmal ge-
brannten Gefaͤße mit der gewoͤhnlich angewandten ſchwarz-
braunen Farbe uͤberfuhr, und dann noch einmal in eine
3gelinde Hitze brachte. Dieſe ſchwarzbraune, ſpiegelnde
Hauptfarbe ſcheint Asphalt in Naphtha aufgeloͤſt gewe-
ſen zu ſein; eine duͤnnere Aufloͤſung deſſelben Stoffs er-
gab wahrſcheinlich den mattglaͤnzenden, hellbraͤunlichen
Firniß, der an den nicht bemahlten Stellen allein die
Farbe des Thons uͤberzieht. Bunte Farben, an gegit-
terten Gewaͤndern, Blumenarabesken u. dgl., ſind erſt
ganz nach Vollendung des Brennens als Deckfarben auf-
4geſetzt worden. Doch muß bei den ſehr verſchiednen Ar-
ten der ſogenannten Etruskiſchen Vaſen auch die techni-

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[392/0414] Syſtematiſcher Theil. de R. R. iii, 17. Das Einbrennen iſt aber die Hauptſache, wie ſchon der Ausdruck: Νικίας ἐνέκαε, beweiſt. 4. Schiffsmahlerei. §. 73. Inceramenta navium Liv. xxviii, 45. Κηρὸς unter den Mitteln zum Schiffbau, Xenoph. RP. Athen. 2, 11. Von dem Pech Pl. xvi, 23. Κηρογρα- φία an dem Seeſchiff Ptolemäos des IV., Ath. v. p. 204. Na- vis extrinsecus eleganter depicta, Apulej. Flor. p. 149. Wachsmahlerei wurde zeitig zum Schmuck der Architektur gebraucht; die Triglyphen wurden nach Vitruv iv, 2. cera caerulea ge- mahlt; auf dieſelbe Weiſe wohl die Lacunarien, deren Figuren κουρὰς, ἐγκουρὰς hießen (Heſych.), ſchon vor Pauſias. §. 140. 5. Caylus Mém. de l’Ac. des Inscr. xxviii. p. 179. Walter Die wiederhergeſtellte Mahlerkunſt der Alten. Die Far- ben. Ein Verſuch über Technik alter u. neuer Mahlerei, von Roux. 1824. 8. 4. Vaſenmahlerei. 321. Bei der Vaſenmahlerei, dieſem im Alterthum ſo wenig beachteten, und doch fuͤr uns ſo wichtigen Kunſt- zweige — weil keiner ſo wie dieſer den lebendigen Kuͤnſt- lergeiſt veranſchaulicht, der auch in den entlegnern Wohn- ſitzen des Griechiſchen Volks das handwerksmaͤßige Trei- ben durchdrang und beſeelte — verfuhr man, wenn man forgfaͤltiger verfuhr, ſo, daß man die ſchon einmal ge- brannten Gefaͤße mit der gewoͤhnlich angewandten ſchwarz- braunen Farbe uͤberfuhr, und dann noch einmal in eine gelinde Hitze brachte. Dieſe ſchwarzbraune, ſpiegelnde Hauptfarbe ſcheint Asphalt in Naphtha aufgeloͤſt gewe- ſen zu ſein; eine duͤnnere Aufloͤſung deſſelben Stoffs er- gab wahrſcheinlich den mattglaͤnzenden, hellbraͤunlichen Firniß, der an den nicht bemahlten Stellen allein die Farbe des Thons uͤberzieht. Bunte Farben, an gegit- terten Gewaͤndern, Blumenarabesken u. dgl., ſind erſt ganz nach Vollendung des Brennens als Deckfarben auf- geſetzt worden. Doch muß bei den ſehr verſchiednen Ar- ten der ſogenannten Etruskiſchen Vaſen auch die techni- 1 2 3 4

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Zitationshilfe: Müller, Karl Otfried: Handbuch der Archäologie der Kunst. Breslau, 1830, S. 392. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/mueller_kunst_1830/414>, abgerufen am 29.05.2020.