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Müller, Karl Otfried: Handbuch der Archäologie der Kunst. Breslau, 1830.

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II. Bildende Kunst. Formen.

2. Die halbeiförmige Schiffermütze tragen die Dioskuren als
Schiffsgötter und Kabiren, Odysseus, auch Aeneas. Odysseus erhielt sie
aber erst durch Nikomachos (§. 139) um Ol. 110. Plin. xxxv,
36, 22. Sie gehört zum nauclericus ornatus, Sophokl. Phi-
lokt. 128. Plaut. Mil. iv, 4, 41., der dazu eine dunkelbraune
Causia (im weitern Sinne) und Exomis rechnet. Ueber die
Phrygische in Zusammenhang mit dem Persischen Penom Böttiger
Vasengemählde iii, 8. Amalthea i. S. 169. Kunstmythol. S. 47.

3. Die Griechische Barfüßigkeit (Voß Mythol. Br. i, 21) bil-
det in der Kunst einen scharfen Gegensatz gegen den Etruskischen
Reichthum an zierlichem Schuhwerk. S. sonst Winck. v. S. 41.

4. Tropos tes stoles Dorios (vgl. §. 337, 4.)
wird mit aukhmos te kome, langherabhängendem struppigen
Haar (Spartiokhaitai, Dorier ii. S. 270.) verbun-
den genannt, Philostrat Imagg. ii, 24. Zum skhema
attikizon wird ebd. i, 16. (bei Dädalos) ein phaios tri-
bon und die anupodesia gerechnet, vgl. ii, 31. Von der
Makedonischen und Thessalischen Tracht §. 337, 6.
338, 1. Zur Aetolischen gehören nach den Münzen (s.
z. B. Combe Num. Brit. t. 5, 23 -- 25) hohe Schuhe, den
Kretikois pedilois ähnlich, die Kausia, eine hochgeschürzte Exo-
mis, und eine um den linken Arm gewickelte Chlamys. Nach der
Vase, Millingen Div. coll. 33, scheinen enge Chitonen aus Fel-
len hier gewöhnlich gewesen zu sein.


3. Frauengewänder.

339. Unter den Chitonen der Frauen unterscheidet1
man bestimmt den Dorischen und Jonischen. Der
erstre, der alt Hellenische, besteht aus einem nicht sehr
großen Stück Wollentuch, welches ohne Aermel durch
Spangen auf den Schultern festgehalten wird, und an
der linken Seite gewöhnlich in der Mitte zusammenge-
näht, nach unten aber nach ächt Dorischem Brauche (als
skhistos khiton) offen gelassen ist, so daß die beiden
Zipfel (pteruges) entweder, durch Nadeln zusammenge-
halten, ineinanderliegen, oder auch, zu freier Bewegung
aufgehackt, auseinanderschlagen. Der andre dagegen,2

II. Bildende Kunſt. Formen.

2. Die halbeiförmige Schiffermütze tragen die Dioskuren als
Schiffsgötter und Kabiren, Odyſſeus, auch Aeneas. Odyſſeus erhielt ſie
aber erſt durch Nikomachos (§. 139) um Ol. 110. Plin. xxxv,
36, 22. Sie gehört zum nauclericus ornatus, Sophokl. Phi-
lokt. 128. Plaut. Mil. iv, 4, 41., der dazu eine dunkelbraune
Cauſia (im weitern Sinne) und Exomis rechnet. Ueber die
Phrygiſche in Zuſammenhang mit dem Perſiſchen Penom Böttiger
Vaſengemählde iii, 8. Amalthea i. S. 169. Kunſtmythol. S. 47.

3. Die Griechiſche Barfüßigkeit (Voß Mythol. Br. i, 21) bil-
det in der Kunſt einen ſcharfen Gegenſatz gegen den Etruskiſchen
Reichthum an zierlichem Schuhwerk. S. ſonſt Winck. v. S. 41.

4. Τρόπος τῆς στολῆς Δώριος (vgl. §. 337, 4.)
wird mit αὐχμὸς τῇ κόμῃ, langherabhängendem ſtruppigen
Haar (Σπαρτιοχαῖται, Dorier ii. S. 270.) verbun-
den genannt, Philoſtrat Imagg. ii, 24. Zum σχῆμα
ἀττικῖζον wird ebd. i, 16. (bei Dädalos) ein φαιὸς τρί-
βων und die ἀνυποδησία gerechnet, vgl. ii, 31. Von der
Makedoniſchen und Theſſaliſchen Tracht §. 337, 6.
338, 1. Zur Aetoliſchen gehören nach den Münzen (ſ.
z. B. Combe Num. Brit. t. 5, 23 — 25) hohe Schuhe, den
Κρητικοῖς πεδίλοις ähnlich, die Kauſia, eine hochgeſchürzte Exo-
mis, und eine um den linken Arm gewickelte Chlamys. Nach der
Vaſe, Millingen Div. coll. 33, ſcheinen enge Chitonen aus Fel-
len hier gewöhnlich geweſen zu ſein.


3. Frauengewaͤnder.

339. Unter den Chitonen der Frauen unterſcheidet1
man beſtimmt den Doriſchen und Joniſchen. Der
erſtre, der alt Helleniſche, beſteht aus einem nicht ſehr
großen Stuͤck Wollentuch, welches ohne Aermel durch
Spangen auf den Schultern feſtgehalten wird, und an
der linken Seite gewoͤhnlich in der Mitte zuſammenge-
naͤht, nach unten aber nach aͤcht Doriſchem Brauche (als
σχιστὸς χιτών) offen gelaſſen iſt, ſo daß die beiden
Zipfel (πτέρυγες) entweder, durch Nadeln zuſammenge-
halten, ineinanderliegen, oder auch, zu freier Bewegung
aufgehackt, auseinanderſchlagen. Der andre dagegen,2

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[425/0447] II. Bildende Kunſt. Formen. 2. Die halbeiförmige Schiffermütze tragen die Dioskuren als Schiffsgötter und Kabiren, Odyſſeus, auch Aeneas. Odyſſeus erhielt ſie aber erſt durch Nikomachos (§. 139) um Ol. 110. Plin. xxxv, 36, 22. Sie gehört zum nauclericus ornatus, Sophokl. Phi- lokt. 128. Plaut. Mil. iv, 4, 41., der dazu eine dunkelbraune Cauſia (im weitern Sinne) und Exomis rechnet. Ueber die Phrygiſche in Zuſammenhang mit dem Perſiſchen Penom Böttiger Vaſengemählde iii, 8. Amalthea i. S. 169. Kunſtmythol. S. 47. 3. Die Griechiſche Barfüßigkeit (Voß Mythol. Br. i, 21) bil- det in der Kunſt einen ſcharfen Gegenſatz gegen den Etruskiſchen Reichthum an zierlichem Schuhwerk. S. ſonſt Winck. v. S. 41. 4. Τρόπος τῆς στολῆς Δώριος (vgl. §. 337, 4.) wird mit αὐχμὸς τῇ κόμῃ, langherabhängendem ſtruppigen Haar (Σπαρτιοχαῖται, Dorier ii. S. 270.) verbun- den genannt, Philoſtrat Imagg. ii, 24. Zum σχῆμα ἀττικῖζον wird ebd. i, 16. (bei Dädalos) ein φαιὸς τρί- βων und die ἀνυποδησία gerechnet, vgl. ii, 31. Von der Makedoniſchen und Theſſaliſchen Tracht §. 337, 6. 338, 1. Zur Aetoliſchen gehören nach den Münzen (ſ. z. B. Combe Num. Brit. t. 5, 23 — 25) hohe Schuhe, den Κρητικοῖς πεδίλοις ähnlich, die Kauſia, eine hochgeſchürzte Exo- mis, und eine um den linken Arm gewickelte Chlamys. Nach der Vaſe, Millingen Div. coll. 33, ſcheinen enge Chitonen aus Fel- len hier gewöhnlich geweſen zu ſein. 3. Frauengewaͤnder. 339. Unter den Chitonen der Frauen unterſcheidet man beſtimmt den Doriſchen und Joniſchen. Der erſtre, der alt Helleniſche, beſteht aus einem nicht ſehr großen Stuͤck Wollentuch, welches ohne Aermel durch Spangen auf den Schultern feſtgehalten wird, und an der linken Seite gewoͤhnlich in der Mitte zuſammenge- naͤht, nach unten aber nach aͤcht Doriſchem Brauche (als σχιστὸς χιτών) offen gelaſſen iſt, ſo daß die beiden Zipfel (πτέρυγες) entweder, durch Nadeln zuſammenge- halten, ineinanderliegen, oder auch, zu freier Bewegung aufgehackt, auseinanderſchlagen. Der andre dagegen, 1 2

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Zitationshilfe: Müller, Karl Otfried: Handbuch der Archäologie der Kunst. Breslau, 1830, S. 425. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/mueller_kunst_1830/447>, abgerufen am 15.08.2020.