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Müller, Karl Otfried: Handbuch der Archäologie der Kunst. Breslau, 1830.

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II. Bildende Kunst. Gegenstände.
Mit Lykurgos, Borghesisches Relief, Welcker zu Zoega's Abh. 1.
Corsinischer Krater, Zannoni Illustr. di un ant. vaso in marmo,
Fir.
1826. berichtigt durch Welcker in Schorns Kunstbl. 1829.
R. 15. Vases de Canosa 13. Millingen Div. 1. Maisso-
neuve 53. Neapels Ant. S. 347. Mosaik, Neapels Ant. S. 143.
Mit Perseus (Deriades) Hirt S. 83. Mit den Tyrrhenern
§. 128, 6. Philostr. i, 19. -- Siegespompa, Thriambos, des
D. über den Orient, Zoega 7. 8. 76. PCl. iv, 23. Cap.
iv, 63. Bouill.
38, 1. Zur Erklärung besonders Lukians
Dionys. 1--4. vgl. §. 147, 4. D. gepanzert (?) Winck. M. I. 6.


2. Satyrn.

385. Das Naturleben, dessen reinste Blüthe wir in1
Dionysos gewahren, erscheint nun in niedern Kreisen be-
sonders in dem Geschlechte der "nichtsnutzigen und leichtfer-
tigen Satyrn" (Saturoi, Tituroi), wie sie Hesiod
nannte. Kräftige aber durch keine Gymnastik veredelte2
Gliederformen, bald schwammiger, bald derber; stumpf-
nasige und sonst unedel gebildete Gesichter, mit gespitzten
ziegenartigen Ohren; mitunter auch Knollen (pherea) am
Halse und bei älteren Figuren ein kahles Vorhaupt; das
Haar borstiger Art und häufig emporgesträubt; dazu
Schwänzchen, und bisweilen thierisch geformte Abzei-
chen des Geschlechts, bezeichnen, aber in sehr mannigfa-
chen Stufenfolgen, die Figuren, welche die ächte Sprache
der Griechischen Poesie und Kunst, von der erst Römi-
sche Dichter sich Ausnahmen erlaubten, Satyrn nannte.
Bisweilen erheben sich indessen die Satyrn zu sehr ed-3
len schlanken Gestalten, welche etwa nur die gespitzten
Ohren als solche verrathen; man kann hier den Namen
Ampelos, Dionysos Mundschenk, passend finden. Die4
entschiedneren Satyrgestalten kann man etwa so classifi-
ciren: a. Die anmuthig hingelehnten Flötenspieler, Indo-
lenz, einen leisen Zug von Muthwillen, aber ohne Ro-
heit, in den Mienen. b. Die derbe und lustige Figur
des Kymbalisten. c. Wild enthusiastische Bakchos-Be-
geisterte. d. Schlank und kräftig gebaute Jäger.

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II. Bildende Kunſt. Gegenſtaͤnde.
Mit Lykurgos, Borgheſiſches Relief, Welcker zu Zoëga’s Abh. 1.
Corſiniſcher Krater, Zannoni Illustr. di un ant. vaso in marmo,
Fir.
1826. berichtigt durch Welcker in Schorns Kunſtbl. 1829.
R. 15. Vases de Canosa 13. Millingen Div. 1. Maiſſo-
neuve 53. Neapels Ant. S. 347. Moſaik, Neapels Ant. S. 143.
Mit Perſeus (Deriades) Hirt S. 83. Mit den Tyrrhenern
§. 128, 6. Philoſtr. i, 19. — Siegespompa, Thriambos, des
D. über den Orient, Zoëga 7. 8. 76. PCl. iv, 23. Cap.
iv, 63. Bouill.
38, 1. Zur Erklärung beſonders Lukians
Dionyſ. 1—4. vgl. §. 147, 4. D. gepanzert (?) Winck. M. I. 6.


2. Satyrn.

385. Das Naturleben, deſſen reinſte Bluͤthe wir in1
Dionyſos gewahren, erſcheint nun in niedern Kreiſen be-
ſonders in dem Geſchlechte der „nichtsnutzigen und leichtfer-
tigen Satyrn“ (Σάτυροι, Τίτυροι), wie ſie Heſiod
nannte. Kraͤftige aber durch keine Gymnaſtik veredelte2
Gliederformen, bald ſchwammiger, bald derber; ſtumpf-
naſige und ſonſt unedel gebildete Geſichter, mit geſpitzten
ziegenartigen Ohren; mitunter auch Knollen (φήρεα) am
Halſe und bei aͤlteren Figuren ein kahles Vorhaupt; das
Haar borſtiger Art und haͤufig emporgeſtraͤubt; dazu
Schwaͤnzchen, und bisweilen thieriſch geformte Abzei-
chen des Geſchlechts, bezeichnen, aber in ſehr mannigfa-
chen Stufenfolgen, die Figuren, welche die aͤchte Sprache
der Griechiſchen Poeſie und Kunſt, von der erſt Roͤmi-
ſche Dichter ſich Ausnahmen erlaubten, Satyrn nannte.
Bisweilen erheben ſich indeſſen die Satyrn zu ſehr ed-3
len ſchlanken Geſtalten, welche etwa nur die geſpitzten
Ohren als ſolche verrathen; man kann hier den Namen
Ampelos, Dionyſos Mundſchenk, paſſend finden. Die4
entſchiedneren Satyrgeſtalten kann man etwa ſo claſſifi-
ciren: a. Die anmuthig hingelehnten Floͤtenſpieler, Indo-
lenz, einen leiſen Zug von Muthwillen, aber ohne Ro-
heit, in den Mienen. b. Die derbe und luſtige Figur
des Kymbaliſten. c. Wild enthuſiaſtiſche Bakchos-Be-
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[515/0537] II. Bildende Kunſt. Gegenſtaͤnde. Mit Lykurgos, Borgheſiſches Relief, Welcker zu Zoëga’s Abh. 1. Corſiniſcher Krater, Zannoni Illustr. di un ant. vaso in marmo, Fir. 1826. berichtigt durch Welcker in Schorns Kunſtbl. 1829. R. 15. Vases de Canosa 13. Millingen Div. 1. Maiſſo- neuve 53. Neapels Ant. S. 347. Moſaik, Neapels Ant. S. 143. Mit Perſeus (Deriades) Hirt S. 83. Mit den Tyrrhenern §. 128, 6. Philoſtr. i, 19. — Siegespompa, Thriambos, des D. über den Orient, Zoëga 7. 8. 76. PCl. iv, 23. Cap. iv, 63. Bouill. 38, 1. Zur Erklärung beſonders Lukians Dionyſ. 1—4. vgl. §. 147, 4. D. gepanzert (?) Winck. M. I. 6. 2. Satyrn. 385. Das Naturleben, deſſen reinſte Bluͤthe wir in Dionyſos gewahren, erſcheint nun in niedern Kreiſen be- ſonders in dem Geſchlechte der „nichtsnutzigen und leichtfer- tigen Satyrn“ (Σάτυροι, Τίτυροι), wie ſie Heſiod nannte. Kraͤftige aber durch keine Gymnaſtik veredelte Gliederformen, bald ſchwammiger, bald derber; ſtumpf- naſige und ſonſt unedel gebildete Geſichter, mit geſpitzten ziegenartigen Ohren; mitunter auch Knollen (φήρεα) am Halſe und bei aͤlteren Figuren ein kahles Vorhaupt; das Haar borſtiger Art und haͤufig emporgeſtraͤubt; dazu Schwaͤnzchen, und bisweilen thieriſch geformte Abzei- chen des Geſchlechts, bezeichnen, aber in ſehr mannigfa- chen Stufenfolgen, die Figuren, welche die aͤchte Sprache der Griechiſchen Poeſie und Kunſt, von der erſt Roͤmi- ſche Dichter ſich Ausnahmen erlaubten, Satyrn nannte. Bisweilen erheben ſich indeſſen die Satyrn zu ſehr ed- len ſchlanken Geſtalten, welche etwa nur die geſpitzten Ohren als ſolche verrathen; man kann hier den Namen Ampelos, Dionyſos Mundſchenk, paſſend finden. Die entſchiedneren Satyrgeſtalten kann man etwa ſo claſſifi- ciren: a. Die anmuthig hingelehnten Floͤtenſpieler, Indo- lenz, einen leiſen Zug von Muthwillen, aber ohne Ro- heit, in den Mienen. b. Die derbe und luſtige Figur des Kymbaliſten. c. Wild enthuſiaſtiſche Bakchos-Be- geiſterte. d. Schlank und kraͤftig gebaute Jaͤger. 1 2 3 4 33*

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Zitationshilfe: Müller, Karl Otfried: Handbuch der Archäologie der Kunst. Breslau, 1830, S. 515. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/mueller_kunst_1830/537>, abgerufen am 18.09.2020.