Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Niebuhr, Barthold Georg: Römische Geschichte. T. 1. Berlin, 1811.

Bild:
<< vorherige Seite

Etruriens ein idealisches Ganzes gebildet zu haben: Po-
lybius nennt die Sarsinaten sogar als ein eignes Volk ne-
ben den Umbrern 9).

Auf einem Theil der Iguvinischen Tafeln redet ihre
Sprache; uns unverständlich: aber mit einer Zahl latei-
nischer oder dem Latein verwandt scheinender Worte
welche der Meinung Gewicht geben die ein umbrisches
Volk zu den Urvätern der Latiner macht: doch, um mit ih-
nen zu unterhandeln, gebrauchten die Römer im fünften
Jahrhundert einen der Tuskischen Sprache kundigen Ge-
sandten 10). Auf den Tafeln ist die Schrift lateinisch:
auf den Münzen etruskisch.

Japygien.

Japygien begriff das südöstliche Italien, von Meta-
pontum, nach den Aelteren, oder mit Einschluß dieser
Stadt, von der Siris 11), bis an den Garganus, oder,
wie die Griechen diesen Berg nennen, den Drion; wo
dann in ihrer Geographie wahrscheinlich Ombrika unmit-
telbar begann. Die Diomedeischen Inseln liegen schon
westlich von diesem Vorgebürge; und den Ombrikern
schreibt Skylax die Verehrung des Tydiden zu, welche
andre Griechen bey den Dauniern zu finden glaubten.
Hier bestimmt ihn Erinnerung aus einem Dichter, ob-
gleich er den Samnitern, nach der wahren Geographie
seiner Zeit, die Küste zwischen ihnen und Japygien
anweißt.


9) Polybius II. c. 24.
10) Livius IX. c. 36.
11) Skylax, p. 5.
G 2

Etruriens ein idealiſches Ganzes gebildet zu haben: Po-
lybius nennt die Sarſinaten ſogar als ein eignes Volk ne-
ben den Umbrern 9).

Auf einem Theil der Iguviniſchen Tafeln redet ihre
Sprache; uns unverſtaͤndlich: aber mit einer Zahl latei-
niſcher oder dem Latein verwandt ſcheinender Worte
welche der Meinung Gewicht geben die ein umbriſches
Volk zu den Urvaͤtern der Latiner macht: doch, um mit ih-
nen zu unterhandeln, gebrauchten die Roͤmer im fuͤnften
Jahrhundert einen der Tuskiſchen Sprache kundigen Ge-
ſandten 10). Auf den Tafeln iſt die Schrift lateiniſch:
auf den Muͤnzen etruskiſch.

Japygien.

Japygien begriff das ſuͤdoͤſtliche Italien, von Meta-
pontum, nach den Aelteren, oder mit Einſchluß dieſer
Stadt, von der Siris 11), bis an den Garganus, oder,
wie die Griechen dieſen Berg nennen, den Drion; wo
dann in ihrer Geographie wahrſcheinlich Ombrika unmit-
telbar begann. Die Diomedeiſchen Inſeln liegen ſchon
weſtlich von dieſem Vorgebuͤrge; und den Ombrikern
ſchreibt Skylax die Verehrung des Tydiden zu, welche
andre Griechen bey den Dauniern zu finden glaubten.
Hier beſtimmt ihn Erinnerung aus einem Dichter, ob-
gleich er den Samnitern, nach der wahren Geographie
ſeiner Zeit, die Kuͤſte zwiſchen ihnen und Japygien
anweißt.


9) Polybius II. c. 24.
10) Livius IX. c. 36.
11) Skylax, p. 5.
G 2
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0121" n="99"/>
Etruriens ein ideali&#x017F;ches Ganzes gebildet zu haben: Po-<lb/>
lybius nennt die Sar&#x017F;inaten &#x017F;ogar als ein eignes Volk ne-<lb/>
ben den Umbrern <note place="foot" n="9)">Polybius <hi rendition="#aq">II. c.</hi> 24.</note>.</p><lb/>
          <p>Auf einem Theil der Iguvini&#x017F;chen Tafeln redet ihre<lb/>
Sprache; uns unver&#x017F;ta&#x0364;ndlich: aber mit einer Zahl latei-<lb/>
ni&#x017F;cher oder dem Latein verwandt &#x017F;cheinender Worte<lb/>
welche der Meinung Gewicht geben die ein umbri&#x017F;ches<lb/>
Volk zu den Urva&#x0364;tern der Latiner macht: doch, um mit ih-<lb/>
nen zu unterhandeln, gebrauchten die Ro&#x0364;mer im fu&#x0364;nften<lb/>
Jahrhundert einen der Tuski&#x017F;chen Sprache kundigen Ge-<lb/>
&#x017F;andten <note place="foot" n="10)">Livius <hi rendition="#aq">IX. c.</hi> 36.</note>. Auf den Tafeln i&#x017F;t die Schrift lateini&#x017F;ch:<lb/>
auf den Mu&#x0364;nzen etruski&#x017F;ch.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b"><hi rendition="#g">Japygien</hi>.</hi> </head><lb/>
          <p>Japygien begriff das &#x017F;u&#x0364;do&#x0364;&#x017F;tliche Italien, von Meta-<lb/>
pontum, nach den Aelteren, oder mit Ein&#x017F;chluß die&#x017F;er<lb/>
Stadt, von der Siris <note place="foot" n="11)">Skylax, <hi rendition="#aq">p.</hi> 5.</note>, bis an den Garganus, oder,<lb/>
wie die Griechen die&#x017F;en Berg nennen, den Drion; wo<lb/>
dann in ihrer Geographie wahr&#x017F;cheinlich Ombrika unmit-<lb/>
telbar begann. Die Diomedei&#x017F;chen In&#x017F;eln liegen &#x017F;chon<lb/>
we&#x017F;tlich von die&#x017F;em Vorgebu&#x0364;rge; und den Ombrikern<lb/>
&#x017F;chreibt Skylax die Verehrung des Tydiden zu, welche<lb/>
andre Griechen bey den Dauniern zu finden glaubten.<lb/>
Hier be&#x017F;timmt ihn Erinnerung aus einem Dichter, ob-<lb/>
gleich er den Samnitern, nach der wahren Geographie<lb/>
&#x017F;einer Zeit, die Ku&#x0364;&#x017F;te zwi&#x017F;chen ihnen und Japygien<lb/>
anweißt.</p><lb/>
          <fw place="bottom" type="sig">G 2</fw><lb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[99/0121] Etruriens ein idealiſches Ganzes gebildet zu haben: Po- lybius nennt die Sarſinaten ſogar als ein eignes Volk ne- ben den Umbrern 9). Auf einem Theil der Iguviniſchen Tafeln redet ihre Sprache; uns unverſtaͤndlich: aber mit einer Zahl latei- niſcher oder dem Latein verwandt ſcheinender Worte welche der Meinung Gewicht geben die ein umbriſches Volk zu den Urvaͤtern der Latiner macht: doch, um mit ih- nen zu unterhandeln, gebrauchten die Roͤmer im fuͤnften Jahrhundert einen der Tuskiſchen Sprache kundigen Ge- ſandten 10). Auf den Tafeln iſt die Schrift lateiniſch: auf den Muͤnzen etruskiſch. Japygien. Japygien begriff das ſuͤdoͤſtliche Italien, von Meta- pontum, nach den Aelteren, oder mit Einſchluß dieſer Stadt, von der Siris 11), bis an den Garganus, oder, wie die Griechen dieſen Berg nennen, den Drion; wo dann in ihrer Geographie wahrſcheinlich Ombrika unmit- telbar begann. Die Diomedeiſchen Inſeln liegen ſchon weſtlich von dieſem Vorgebuͤrge; und den Ombrikern ſchreibt Skylax die Verehrung des Tydiden zu, welche andre Griechen bey den Dauniern zu finden glaubten. Hier beſtimmt ihn Erinnerung aus einem Dichter, ob- gleich er den Samnitern, nach der wahren Geographie ſeiner Zeit, die Kuͤſte zwiſchen ihnen und Japygien anweißt. 9) Polybius II. c. 24. 10) Livius IX. c. 36. 11) Skylax, p. 5. G 2

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/niebuhr_roemische01_1811
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/niebuhr_roemische01_1811/121
Zitationshilfe: Niebuhr, Barthold Georg: Römische Geschichte. T. 1. Berlin, 1811, S. 99. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/niebuhr_roemische01_1811/121>, abgerufen am 22.03.2019.