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Herders Conversations-Lexikon. Bd. 5. Freiburg im Breisgau, 1857.

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Christenthum gebrochen habe; sein Musenalmanach (1796-1801) enthält Gedichte. in denen er gleichsam über sich selber und über seine Zeit hinaus ins Reich der Ewigkeit flog. Als Gipfelpunkt der Gedankenpoesie gilt das Lied von der Glocke (1797-99); als diejenigen Gedichte. die ihn zum Walter von der Vogelweide und Wolfram von Eschenbach unserer Zeit machen, seine weltbekannten Romanzen und Balladen. Auch als Uebersetzer war S. groß u. bliebe es, wenn auch nur die Stanzenübersetzung aus der Aeneide (1792) von ihm vorhanden wäre; er übersetzte Iphigenia in Aulis. aus dem Französischen den Parasit u. Neffen als Onkel, aus dem Italienischen die Turandot, bearbeitete Shakesspeares Makbeth. Ein Vater der modernen Aesthetik ist er zunächst durch seine Werke überhaupt. dann besonders durch die Abhandlungen über die tragische Kunst. Anmuth und Würde (1793), ästhetische Erziehung des Menschengeschlechtes (1795), über naive u. sentimentale Dichtkunst (1795). In seinen historischen Leistungen, von denen nur die Geschichte des 30jährigen Krieges (1791-93) vollendet wurde, bestach er durch Anwendung seiner dichterischen Gaben und fand u. findet deßhalb noch den vollen Beifall jugendlicher Leser und solcher, denen nicht die nüchterne Wahrheit sondern das Parteiinteresse und vor allem die Verkennung der kathol. Kirche Herzensangelegenheit ist. Ueberhaupt gestaltete sich das Verhältniß S.s zum positiven Christenthum noch unfreundlicher als bei Göthe; die prot. Geburt. die theologischen Zustände und die rationalistische Geschichtschreibung seiner Zeit. Herders Theorie von der unendlichen Vervollkommnungsfähigkeit des Menschengeschlechtes, Kants Religion innerhalb der Gränzen der Vernunft, kurz das ganze äußere Leben und der idealistische Drang des Dichters halfen bei, daß sein ursprünglich tiefreligiöses Gemüth gegen positive Religion überhaupt erkaltete und der Ingrimm gegen das Bestehende sich besonders zur Feindseligkeit gegen alles Priester- u. Kirchenthum verirrte. In dieser Hinsicht allerdings sollte S. der Jugend erklärt werden, ehe oder während er gelesen wird. Nicht zu vergessen ist übrigens, daß S. auch im Zorn und Haß niemals frivol geschweige gemein wurde, und daß in seinen Werken Elemente in Hülle und Fülle liegen, welche dazu beitrugen, aus der in Dummheit, Selbstsucht u. Lasterhaftigkeit wurzelnden religiös-sittlichen Verkommenheit des 18. Jahrh. zu bessern Zuständen zu gelangen. Die 1. Gesammtausgabe seiner Werke erschien Stuttgart und Tübingen 1818-20 in 18 Bdn., seitdem folgt eine Gesammtausgabe, Prachtausgabe u. s. f. der andern, dazu kamen Nachträge von Döring, Boas, besonders von K. Hoffmeister (Stuttg. 1840, 4 Bde.), der mit "S.s Leben. Geistesentwicklung und Werke" (Stuttg. 1837-42) ein treffliches Werk lieferte. Unter den veröffentlichten Correspondenzen S.s sind die mit Göthe (Stuttg. 1828, 6 Bde.) und Wilh. von Humboldt (Stuttg. 1830) die wichtigsten.


Schilling (solidus), ursprünglich der 24. Theil eines Pfundes Silber, nach Karl d. Gr. der 20. Theil. später Münze von sehr verschiedenem Werthe. Der engl. S. ist = 10 Sgr. = 30 kr. C.-M.; der dän. S. = 1/96 Rigsbankdaler zu 22 Sgr. 8 Pfg. (= 1 fl. 55/6 kr. C.-M.) oder = 1/192 Speciesthaler zu 1 Thlr. 15 Sgr. 4 Pfg. = 2 fl. 381/2 kr. C.-M.; der schwed. S. als Rechnungsmünze = 1 Sgr. 91/2 Pfg. = 5 kr. C.-M.; in Mecklenburg, Hamburg, Lübeck = 7,75 Pfg.


Schilling, Friedrich Gustav, geb. 1766 zu Dresden, war sächs. Artilleriehauptmann, nahm 1809 den Abschied, st. 1839 zu Dresden. sehr fruchtbarer Romanschreiber, einförmig in Erfindung und Charakterzeichnung, in der Erzählung angenehm. (Sämmtliche Schriften. 80 Bdch., Dresden 1828-39.)


Schilter, Joh., Rechtsgelehrter und deutscher Alterthumsforscher, geb. 1632 zu Pegau, wandte sich später nach Straßburg, wo er 1705 als Rechtsconsulent u. Rathsherr starb. "Institutiones juris canonici", Jena 1681; "Exercitationes ad quinquaginta libros Pandectarum", 1698; "Institutiones juris publici Romano-Germanici", Straßb. 1696; "Codex juris feudalis Alemannici", 1697; "Thesaurus antiquitatum

Christenthum gebrochen habe; sein Musenalmanach (1796–1801) enthält Gedichte. in denen er gleichsam über sich selber und über seine Zeit hinaus ins Reich der Ewigkeit flog. Als Gipfelpunkt der Gedankenpoesie gilt das Lied von der Glocke (1797–99); als diejenigen Gedichte. die ihn zum Walter von der Vogelweide und Wolfram von Eschenbach unserer Zeit machen, seine weltbekannten Romanzen und Balladen. Auch als Uebersetzer war S. groß u. bliebe es, wenn auch nur die Stanzenübersetzung aus der Aeneide (1792) von ihm vorhanden wäre; er übersetzte Iphigenia in Aulis. aus dem Französischen den Parasit u. Neffen als Onkel, aus dem Italienischen die Turandot, bearbeitete Shakesspeares Makbeth. Ein Vater der modernen Aesthetik ist er zunächst durch seine Werke überhaupt. dann besonders durch die Abhandlungen über die tragische Kunst. Anmuth und Würde (1793), ästhetische Erziehung des Menschengeschlechtes (1795), über naive u. sentimentale Dichtkunst (1795). In seinen historischen Leistungen, von denen nur die Geschichte des 30jährigen Krieges (1791–93) vollendet wurde, bestach er durch Anwendung seiner dichterischen Gaben und fand u. findet deßhalb noch den vollen Beifall jugendlicher Leser und solcher, denen nicht die nüchterne Wahrheit sondern das Parteiinteresse und vor allem die Verkennung der kathol. Kirche Herzensangelegenheit ist. Ueberhaupt gestaltete sich das Verhältniß S.s zum positiven Christenthum noch unfreundlicher als bei Göthe; die prot. Geburt. die theologischen Zustände und die rationalistische Geschichtschreibung seiner Zeit. Herders Theorie von der unendlichen Vervollkommnungsfähigkeit des Menschengeschlechtes, Kants Religion innerhalb der Gränzen der Vernunft, kurz das ganze äußere Leben und der idealistische Drang des Dichters halfen bei, daß sein ursprünglich tiefreligiöses Gemüth gegen positive Religion überhaupt erkaltete und der Ingrimm gegen das Bestehende sich besonders zur Feindseligkeit gegen alles Priester- u. Kirchenthum verirrte. In dieser Hinsicht allerdings sollte S. der Jugend erklärt werden, ehe oder während er gelesen wird. Nicht zu vergessen ist übrigens, daß S. auch im Zorn und Haß niemals frivol geschweige gemein wurde, und daß in seinen Werken Elemente in Hülle und Fülle liegen, welche dazu beitrugen, aus der in Dummheit, Selbstsucht u. Lasterhaftigkeit wurzelnden religiös-sittlichen Verkommenheit des 18. Jahrh. zu bessern Zuständen zu gelangen. Die 1. Gesammtausgabe seiner Werke erschien Stuttgart und Tübingen 1818–20 in 18 Bdn., seitdem folgt eine Gesammtausgabe, Prachtausgabe u. s. f. der andern, dazu kamen Nachträge von Döring, Boas, besonders von K. Hoffmeister (Stuttg. 1840, 4 Bde.), der mit „S.s Leben. Geistesentwicklung und Werke“ (Stuttg. 1837–42) ein treffliches Werk lieferte. Unter den veröffentlichten Correspondenzen S.s sind die mit Göthe (Stuttg. 1828, 6 Bde.) und Wilh. von Humboldt (Stuttg. 1830) die wichtigsten.


Schilling (solidus), ursprünglich der 24. Theil eines Pfundes Silber, nach Karl d. Gr. der 20. Theil. später Münze von sehr verschiedenem Werthe. Der engl. S. ist = 10 Sgr. = 30 kr. C.-M.; der dän. S. = 1/96 Rigsbankdaler zu 22 Sgr. 8 Pfg. (= 1 fl. 55/6 kr. C.-M.) oder = 1/192 Speciesthaler zu 1 Thlr. 15 Sgr. 4 Pfg. = 2 fl. 381/2 kr. C.-M.; der schwed. S. als Rechnungsmünze = 1 Sgr. 91/2 Pfg. = 5 kr. C.-M.; in Mecklenburg, Hamburg, Lübeck = 7,75 Pfg.


Schilling, Friedrich Gustav, geb. 1766 zu Dresden, war sächs. Artilleriehauptmann, nahm 1809 den Abschied, st. 1839 zu Dresden. sehr fruchtbarer Romanschreiber, einförmig in Erfindung und Charakterzeichnung, in der Erzählung angenehm. (Sämmtliche Schriften. 80 Bdch., Dresden 1828–39.)


Schilter, Joh., Rechtsgelehrter und deutscher Alterthumsforscher, geb. 1632 zu Pegau, wandte sich später nach Straßburg, wo er 1705 als Rechtsconsulent u. Rathsherr starb. „Institutiones juris canonici“, Jena 1681; „Exercitationes ad quinquaginta libros Pandectarum“, 1698; „Institutiones juris publici Romano-Germanici“, Straßb. 1696; „Codex juris feudalis Alemannici“, 1697; „Thesaurus antiquitatum

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[83/0084] Christenthum gebrochen habe; sein Musenalmanach (1796–1801) enthält Gedichte. in denen er gleichsam über sich selber und über seine Zeit hinaus ins Reich der Ewigkeit flog. Als Gipfelpunkt der Gedankenpoesie gilt das Lied von der Glocke (1797–99); als diejenigen Gedichte. die ihn zum Walter von der Vogelweide und Wolfram von Eschenbach unserer Zeit machen, seine weltbekannten Romanzen und Balladen. Auch als Uebersetzer war S. groß u. bliebe es, wenn auch nur die Stanzenübersetzung aus der Aeneide (1792) von ihm vorhanden wäre; er übersetzte Iphigenia in Aulis. aus dem Französischen den Parasit u. Neffen als Onkel, aus dem Italienischen die Turandot, bearbeitete Shakesspeares Makbeth. Ein Vater der modernen Aesthetik ist er zunächst durch seine Werke überhaupt. dann besonders durch die Abhandlungen über die tragische Kunst. Anmuth und Würde (1793), ästhetische Erziehung des Menschengeschlechtes (1795), über naive u. sentimentale Dichtkunst (1795). In seinen historischen Leistungen, von denen nur die Geschichte des 30jährigen Krieges (1791–93) vollendet wurde, bestach er durch Anwendung seiner dichterischen Gaben und fand u. findet deßhalb noch den vollen Beifall jugendlicher Leser und solcher, denen nicht die nüchterne Wahrheit sondern das Parteiinteresse und vor allem die Verkennung der kathol. Kirche Herzensangelegenheit ist. Ueberhaupt gestaltete sich das Verhältniß S.s zum positiven Christenthum noch unfreundlicher als bei Göthe; die prot. Geburt. die theologischen Zustände und die rationalistische Geschichtschreibung seiner Zeit. Herders Theorie von der unendlichen Vervollkommnungsfähigkeit des Menschengeschlechtes, Kants Religion innerhalb der Gränzen der Vernunft, kurz das ganze äußere Leben und der idealistische Drang des Dichters halfen bei, daß sein ursprünglich tiefreligiöses Gemüth gegen positive Religion überhaupt erkaltete und der Ingrimm gegen das Bestehende sich besonders zur Feindseligkeit gegen alles Priester- u. Kirchenthum verirrte. In dieser Hinsicht allerdings sollte S. der Jugend erklärt werden, ehe oder während er gelesen wird. Nicht zu vergessen ist übrigens, daß S. auch im Zorn und Haß niemals frivol geschweige gemein wurde, und daß in seinen Werken Elemente in Hülle und Fülle liegen, welche dazu beitrugen, aus der in Dummheit, Selbstsucht u. Lasterhaftigkeit wurzelnden religiös-sittlichen Verkommenheit des 18. Jahrh. zu bessern Zuständen zu gelangen. Die 1. Gesammtausgabe seiner Werke erschien Stuttgart und Tübingen 1818–20 in 18 Bdn., seitdem folgt eine Gesammtausgabe, Prachtausgabe u. s. f. der andern, dazu kamen Nachträge von Döring, Boas, besonders von K. Hoffmeister (Stuttg. 1840, 4 Bde.), der mit „S.s Leben. Geistesentwicklung und Werke“ (Stuttg. 1837–42) ein treffliches Werk lieferte. Unter den veröffentlichten Correspondenzen S.s sind die mit Göthe (Stuttg. 1828, 6 Bde.) und Wilh. von Humboldt (Stuttg. 1830) die wichtigsten. Schilling (solidus), ursprünglich der 24. Theil eines Pfundes Silber, nach Karl d. Gr. der 20. Theil. später Münze von sehr verschiedenem Werthe. Der engl. S. ist = 10 Sgr. = 30 kr. C.-M.; der dän. S. = 1/96 Rigsbankdaler zu 22 Sgr. 8 Pfg. (= 1 fl. 55/6 kr. C.-M.) oder = 1/192 Speciesthaler zu 1 Thlr. 15 Sgr. 4 Pfg. = 2 fl. 381/2 kr. C.-M.; der schwed. S. als Rechnungsmünze = 1 Sgr. 91/2 Pfg. = 5 kr. C.-M.; in Mecklenburg, Hamburg, Lübeck = 7,75 Pfg. Schilling, Friedrich Gustav, geb. 1766 zu Dresden, war sächs. Artilleriehauptmann, nahm 1809 den Abschied, st. 1839 zu Dresden. sehr fruchtbarer Romanschreiber, einförmig in Erfindung und Charakterzeichnung, in der Erzählung angenehm. (Sämmtliche Schriften. 80 Bdch., Dresden 1828–39.) Schilter, Joh., Rechtsgelehrter und deutscher Alterthumsforscher, geb. 1632 zu Pegau, wandte sich später nach Straßburg, wo er 1705 als Rechtsconsulent u. Rathsherr starb. „Institutiones juris canonici“, Jena 1681; „Exercitationes ad quinquaginta libros Pandectarum“, 1698; „Institutiones juris publici Romano-Germanici“, Straßb. 1696; „Codex juris feudalis Alemannici“, 1697; „Thesaurus antiquitatum

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Zitationshilfe: Herders Conversations-Lexikon. Bd. 5. Freiburg im Breisgau, 1857, S. 83. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_conversationslexikon05_1857/84>, abgerufen am 28.11.2020.