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[N. N.]: Alexander von Humboldts Vorlesungen über phÿsikalische Geographie nebst Prolegomenen über die Stellung der Gestirne. Berlin im Winter von 1827 bis 1828. [Berlin], [1827/28]. [= Nachschrift der ‚Kosmos-Vorträge‛ Alexander von Humboldts in der Berliner Universität, 3.11.1827–26.4.1828.]

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vordrangen[...] und 1453 Constanttinopel eroberten. Der Pabst Kalix-
tus
ließ Gebete gegen diesen Cometen ausschreiben und ihn
förmlich verwünschen. Man hat ihn wieder beobachtet 1531,
1682, 1759 und erwartet ihn wieder den 16ten November 1835.
Er hat also eine Periode von 76 Jahren, welche zwischen 751/2 und
76 schwankt wegen der Anziehung der beiden gewaltigen Massen
des Jupiter und Saturn, welche schon für sich allein ein eigenes
System von Planeten ausmachen. Halley hatte sein Erscheinen
1682[...] vorhergesagt und Clairault überreichte der Akademie
ein Memoira, worin sein Erscheinen auf die Mitte April 1759
bestimmt war. Er erschien endlich med: März und wenn
man damals die Störungen des Jupiter und Saturn genauer
gekannt und v[unleserliches Material]nom Uranus etwas gewußt hätte, so würde man
eine Genauigkeit von 5-6 Tagen erreicht haben.

Noch ist zu erwähnen, daß der Comet von 1770 durch Lexel
auf 51/2 Jahre Umlaufszeit berechnet wurde; er wollte aber
nicht erscheinen. Burckhardt in Paris hat sich sehr darum be-
müht, aber endlich fand man durch eine Menge der mühse-
ligsten Rechnungen, daß seine Bahn inflectirt worden sei:
er näherte sich nemlich dem Jupiter 1779 wieder auf so weit,
daß dieser auf ihn einwirken konnte und nach den unabän-
derlichen Gränzen, die man mit Unrecht Störungen nennt,
wurde die Bahn des Cometen so sehr perturbirt, daß er sich von
uns entfernte und wahrscheinlich nie wieder erscheinen wird.
Der Comet von 1815 den Olbers auf 75 Jahr elliptisch berechnete
stand in seiner Sonnenferne 34 Erdhalbmesser von der Erde
entfernt, der Halleysche 36 Erdhalbmesser.

vordrangen[…] und 1453 Constanttinopel eroberten. Der Pabst Kalix-
tus
ließ Gebete gegen diesen Cometen ausschreiben und ihn
förmlich verwünschen. Man hat ihn wieder beobachtet 1531,
1682, 1759 und erwartet ihn wieder den 16ten November 1835.
Er hat also eine Periode von 76 Jahren, welche zwischen 75½ und
76 schwankt wegen der Anziehung der beiden gewaltigen Massen
des Jupiter und Saturn, welche schon für sich allein ein eigenes
Sÿstem von Planeten ausmachen. Halleÿ hatte sein Erscheinen
1682[…] vorhergesagt und Clairault überreichte der Akademie
ein Memoira, worin sein Erscheinen auf die Mitte April 1759
bestimmt war. Er erschien endlich med: März und wenn
man damals die Störungen des Jupiter und Saturn genauer
gekannt und v[unleserliches Material]nom Uranus etwas gewußt hätte, so würde man
eine Genauigkeit von 5–6 Tagen erreicht haben.

Noch ist zu erwähnen, daß der Comet von 1770 durch Lexel
auf 5½ Jahre Umlaufszeit berechnet wurde; er wollte aber
nicht erscheinen. Burckhardt in Paris hat sich sehr darum be-
müht, aber endlich fand man durch eine Menge der mühse-
ligsten Rechnungen, daß seine Bahn inflectirt worden sei:
er näherte sich nemlich dem Jupiter 1779 wieder auf so weit,
daß dieser auf ihn einwirken konnte und nach den unabän-
derlichen Gränzen, die man mit Unrecht Störungen nennt,
wurde die Bahn des Cometen so sehr perturbirt, daß er sich von
uns entfernte und wahrscheinlich nie wieder erscheinen wird.
Der Comet von 1815 den Olbers auf 75 Jahr elliptisch berechnete
stand in seiner Sonnenferne 34 Erdhalbmesser von der Erde
entfernt, der Halleÿsche 36 Erdhalbmesser.

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[[119]/0125] vordrangen und 1453 Constantinopel eroberten. Der Pabst Kalix- tus ließ Gebete gegen diesen Cometen ausschreiben und ihn förmlich verwünschen. Man hat ihn wieder beobachtet 1531, 1682, 1759 und erwartet ihn wieder den 16ten November 1835. Er hat also eine Periode von 76 Jahren, welche zwischen 75½ und 76 schwankt wegen der Anziehung der beiden gewaltigen Massen des Jupiter und Saturn, welche schon für sich allein ein eigenes Sÿstem von Planeten ausmachen. Halleÿ hatte sein Erscheinen 1682 vorhergesagt und Clairault überreichte der Akademie ein Memoira, worin sein Erscheinen auf die Mitte April 1759 bestimmt war. Er erschien endlich med: März und wenn man damals die Störungen des Jupiter und Saturn genauer gekannt und vom Uranus etwas gewußt hätte, so würde man eine Genauigkeit von 5–6 Tagen erreicht haben. Noch ist zu erwähnen, daß der Comet von 1770 durch Lexel auf 5½ Jahre Umlaufszeit berechnet wurde; er wollte aber nicht erscheinen. Burckhardt in Paris hat sich sehr darum be- müht, aber endlich fand man durch eine Menge der mühse- ligsten Rechnungen, daß seine Bahn inflectirt worden sei: er näherte sich nemlich dem Jupiter 1779 wieder auf so weit, daß dieser auf ihn einwirken konnte und nach den unabän- derlichen Gränzen, die man mit Unrecht Störungen nennt, wurde die Bahn des Cometen so sehr perturbirt, daß er sich von uns entfernte und wahrscheinlich nie wieder erscheinen wird. Der Comet von 1815 den Olbers auf 75 Jahr elliptisch berechnete stand in seiner Sonnenferne 34 Erdhalbmesser von der Erde entfernt, der Halleÿsche 36 Erdhalbmesser.

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Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Christian Thomas: Herausgeber
Sandra Balck, Benjamin Fiechter, Christian Thomas: Bearbeiter
Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz: Bereitstellen der Digitalisierungsvorlage; Bilddigitalisierung

Weitere Informationen:

Dieses Werk wurde auf der Grundlage der Transkription in Anonym (Hg.): Alexander von Humboldts Vorlesungen über physikalische Geographie nebst Prolegomenen über die Stellung der Gestirne. Berlin im Winter von 1827 bis 1828. Berlin, 1934. anhand der Vorlage geprüft und korrigiert, nach XML/TEI P5 konvertiert und gemäß dem DTA-Basisformat kodiert.

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Zitationshilfe: [N. N.]: Alexander von Humboldts Vorlesungen über phÿsikalische Geographie nebst Prolegomenen über die Stellung der Gestirne. Berlin im Winter von 1827 bis 1828. [Berlin], [1827/28]. [= Nachschrift der ‚Kosmos-Vorträge‛ Alexander von Humboldts in der Berliner Universität, 3.11.1827–26.4.1828.], S. [119]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_msgermqu2345_1827/125>, abgerufen am 18.03.2019.