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Otto, Louise: Schloß und Fabrik, Bd. 1. Leipzig, 1846.

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VIII.
Ein Fabrikarbeiter.
"Aus dem Munde des Heloten
Strömen die Räthsel des neuen Bundes."

Alfred Meißner.

Elisabeth war bei ihrer Ankunft in dem väterlichem Schloß mit keiner Illumination empfangen worden, aber von einem zärtlichen Mutterherzen und einem glücklich stolzen Vater. Sie fühlte sich stolz und befriedigt, als sie wieder diese alten ehrwürdigen Räume betrat, welche sie seit Jahrhunderten in dem Besitz ihrer Väter wußte. Sie fühlte, daß sie hier Herrin sei, und dies Bewußtsein gab ihr wenigstens auf Augenblicke Befriedigung.

Die beiden Freundinnen hatten sich am Christmorgen das leuchtende Zeichen ihrer einigen Freundschaft gegeben. Nach dem Schloß hinauf zogen die Kinder der ärmeren Landleute und empfingen dort die Gaben, welche Elisabeth unter den flimmernden Christbäumen für sie ausgebreitet hatte -- und zu derselben Stunde zog eine ungleich größere

VIII.
Ein Fabrikarbeiter.
„Aus dem Munde des Heloten
Strömen die Räthsel des neuen Bundes.“

Alfred Meißner.

Elisabeth war bei ihrer Ankunft in dem väterlichem Schloß mit keiner Illumination empfangen worden, aber von einem zärtlichen Mutterherzen und einem glücklich stolzen Vater. Sie fühlte sich stolz und befriedigt, als sie wieder diese alten ehrwürdigen Räume betrat, welche sie seit Jahrhunderten in dem Besitz ihrer Väter wußte. Sie fühlte, daß sie hier Herrin sei, und dies Bewußtsein gab ihr wenigstens auf Augenblicke Befriedigung.

Die beiden Freundinnen hatten sich am Christmorgen das leuchtende Zeichen ihrer einigen Freundschaft gegeben. Nach dem Schloß hinauf zogen die Kinder der ärmeren Landleute und empfingen dort die Gaben, welche Elisabeth unter den flimmernden Christbäumen für sie ausgebreitet hatte — und zu derselben Stunde zog eine ungleich größere

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[131/0141] VIII. Ein Fabrikarbeiter. „Aus dem Munde des Heloten Strömen die Räthsel des neuen Bundes.“ Alfred Meißner. Elisabeth war bei ihrer Ankunft in dem väterlichem Schloß mit keiner Illumination empfangen worden, aber von einem zärtlichen Mutterherzen und einem glücklich stolzen Vater. Sie fühlte sich stolz und befriedigt, als sie wieder diese alten ehrwürdigen Räume betrat, welche sie seit Jahrhunderten in dem Besitz ihrer Väter wußte. Sie fühlte, daß sie hier Herrin sei, und dies Bewußtsein gab ihr wenigstens auf Augenblicke Befriedigung. Die beiden Freundinnen hatten sich am Christmorgen das leuchtende Zeichen ihrer einigen Freundschaft gegeben. Nach dem Schloß hinauf zogen die Kinder der ärmeren Landleute und empfingen dort die Gaben, welche Elisabeth unter den flimmernden Christbäumen für sie ausgebreitet hatte — und zu derselben Stunde zog eine ungleich größere

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Zitationshilfe: Otto, Louise: Schloß und Fabrik, Bd. 1. Leipzig, 1846, S. 131. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/otto_schloss01_1846/141>, abgerufen am 25.05.2020.