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Peschel, Oscar: Völkerkunde. Leipzig, 1874.

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V.
HOTTENTOTTEN UND BUSCHMÄNNER.

In den südlichen Theilen Afrika's, der atlantischen Küste nahe,
vom indischen Ocean nach Westen verdrängt, zum Theil in Horden
verstreut, sitzt eine Menschenrace, die in zwei Abtheilungen zer-
fällt, in die Hottentotten und in die Buschmänner. Der eine
Name bedeutet Stotterer und wurde ersteren wegen ihrer Schnalz-
laute zum Spott von den Holländern gegeben. Gegenwärtig
ersetzt man ihn durch Koikoin, was die Menschen heisst, und
womit die Hottentotten sich selbst bezeichnen. Der Ursprung des
Namens Buschmänner ist noch völlig dunkel, von den Hottentotten
werden sie San (Plural von Sab) geheissen. Gemeinsam ist beiden
Abtheilungen der büschelförmige Haarwuchs, der aber auch bei
den anderen Südafrikanern, wenn auch minder scharf ausgeprägt,
auftritt. Von diesen trennt sie zunächst die ledergelbe oder leder-
braune Farbe der Haut, welche letztere durch frühe und starke
Runzelung auffällt. Auch sind ihre Fingernägel nie hell gefärbt
wie bei den Bantunegern 1).

Die Frauen dieser beiden Abtheilungen zeichnen sich durch
Steatopygie aus 2), eine Eigenthümlichkeit, die darin besteht, dass
die Fettpolster des Gesässes oben treppenartig vorspringen, dann
aber allmälig in den Schenkel übergehen, also umgekehrt 3), wie bei
allen übrigen Menschenracen gestaltet sind. Ein weniger gutes

1) G. Fritsch, Eingeborene Südafrika's. S. 264. S. 279.
2) Theophilus Hahn erzählt jedoch, dass auch bei Männern im
Jugendalter diese Fettbildung auftritt. Globus 1867. Bd. XII., Nr. 11. S. 332.
3) Nach dem Sectionsbefund der Afandy, die 1866 als Leiche nach Tü-
bingen gelangte. Archiv für Anthropologie. Bd. 3. S. 307.
V.
HOTTENTOTTEN UND BUSCHMÄNNER.

In den südlichen Theilen Afrika’s, der atlantischen Küste nahe,
vom indischen Ocean nach Westen verdrängt, zum Theil in Horden
verstreut, sitzt eine Menschenrace, die in zwei Abtheilungen zer-
fällt, in die Hottentotten und in die Buschmänner. Der eine
Name bedeutet Stotterer und wurde ersteren wegen ihrer Schnalz-
laute zum Spott von den Holländern gegeben. Gegenwärtig
ersetzt man ihn durch Koikoin, was die Menschen heisst, und
womit die Hottentotten sich selbst bezeichnen. Der Ursprung des
Namens Buschmänner ist noch völlig dunkel, von den Hottentotten
werden sie Sān (Plural von Sāb) geheissen. Gemeinsam ist beiden
Abtheilungen der büschelförmige Haarwuchs, der aber auch bei
den anderen Südafrikanern, wenn auch minder scharf ausgeprägt,
auftritt. Von diesen trennt sie zunächst die ledergelbe oder leder-
braune Farbe der Haut, welche letztere durch frühe und starke
Runzelung auffällt. Auch sind ihre Fingernägel nie hell gefärbt
wie bei den Bantunegern 1).

Die Frauen dieser beiden Abtheilungen zeichnen sich durch
Steatopygie aus 2), eine Eigenthümlichkeit, die darin besteht, dass
die Fettpolster des Gesässes oben treppenartig vorspringen, dann
aber allmälig in den Schenkel übergehen, also umgekehrt 3), wie bei
allen übrigen Menschenracen gestaltet sind. Ein weniger gutes

1) G. Fritsch, Eingeborene Südafrika’s. S. 264. S. 279.
2) Theophilus Hahn erzählt jedoch, dass auch bei Männern im
Jugendalter diese Fettbildung auftritt. Globus 1867. Bd. XII., Nr. 11. S. 332.
3) Nach dem Sectionsbefund der Afandy, die 1866 als Leiche nach Tü-
bingen gelangte. Archiv für Anthropologie. Bd. 3. S. 307.
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[[488]/0506] V. HOTTENTOTTEN UND BUSCHMÄNNER. In den südlichen Theilen Afrika’s, der atlantischen Küste nahe, vom indischen Ocean nach Westen verdrängt, zum Theil in Horden verstreut, sitzt eine Menschenrace, die in zwei Abtheilungen zer- fällt, in die Hottentotten und in die Buschmänner. Der eine Name bedeutet Stotterer und wurde ersteren wegen ihrer Schnalz- laute zum Spott von den Holländern gegeben. Gegenwärtig ersetzt man ihn durch Koikoin, was die Menschen heisst, und womit die Hottentotten sich selbst bezeichnen. Der Ursprung des Namens Buschmänner ist noch völlig dunkel, von den Hottentotten werden sie Sān (Plural von Sāb) geheissen. Gemeinsam ist beiden Abtheilungen der büschelförmige Haarwuchs, der aber auch bei den anderen Südafrikanern, wenn auch minder scharf ausgeprägt, auftritt. Von diesen trennt sie zunächst die ledergelbe oder leder- braune Farbe der Haut, welche letztere durch frühe und starke Runzelung auffällt. Auch sind ihre Fingernägel nie hell gefärbt wie bei den Bantunegern 1). Die Frauen dieser beiden Abtheilungen zeichnen sich durch Steatopygie aus 2), eine Eigenthümlichkeit, die darin besteht, dass die Fettpolster des Gesässes oben treppenartig vorspringen, dann aber allmälig in den Schenkel übergehen, also umgekehrt 3), wie bei allen übrigen Menschenracen gestaltet sind. Ein weniger gutes 1) G. Fritsch, Eingeborene Südafrika’s. S. 264. S. 279. 2) Theophilus Hahn erzählt jedoch, dass auch bei Männern im Jugendalter diese Fettbildung auftritt. Globus 1867. Bd. XII., Nr. 11. S. 332. 3) Nach dem Sectionsbefund der Afandy, die 1866 als Leiche nach Tü- bingen gelangte. Archiv für Anthropologie. Bd. 3. S. 307.

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Zitationshilfe: Peschel, Oscar: Völkerkunde. Leipzig, 1874, S. [488]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/peschel_voelkerkunde_1874/506>, abgerufen am 18.03.2019.