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Peschel, Oscar: Völkerkunde. Leipzig, 1874.

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Die Neger.
eine Anzahl Nordwestsprachen, wie die der Ba-kele im Di-kele, der
Benga am Gabun, der Dualla in den Camerunbergen, der Isubu
und der neu eingewanderten ganz nackten Adiya der Insel Fer-
nando Po 1). Endlich sind hier auch noch die merkwürdigen Ba-
fan oder Fanneger zu erwähnen, welche vor nicht langer Zeit aus
dem Innern nach der Küste wanderten und sonderbar gezackte
Wurfeisen 2), wie die Sandeh oder Niamniam sowie hamitische
Stämme in Nubien verfertigen.

2. Die Sudanneger.

Wir beginnen ihre Aufzählung am Niger und schreiten nach
Westen fort, um uns dann hufeisenförmig nach dem Gebiet des
weissen Nils zurück zu wenden. Im unteren Laufe des Niger
wird die Ibo-, vom Benue aufwärts die Nuffisprache geredet, die
beide noch nicht untersucht sind. Westwärts folgt die Ewhe-
sprache, die als Mundarten das Joruba, das Dahome und das
binnenwärts von diesem auftretende Mahi umfasst. Linguistisch
verwandt sind den vorigen die Sprachen der Neger an der Gold-
küste, welche das Odschi reden wie die Aschanti, Akim, Akwa-
pim, Akwambu, sowie die Akra. An der Zahn- und Pfefferküste
sitzen eine Menge Horden, unter denen die Kru wegen ihrer
heroischen Körpergrösse und ihrer Seetüchtigkeit am bekanntesten
sind. Sprachlich stehen sie den Aschanti und Fanti näher als den
Mandingo, von denen sie indessen viele Worte entlehnt haben.
Das Mande oder die Sprache der Letztern zerfällt in eine Menge
Mundarten. Zu diesen gehört die der schriftkundigen Vei 3), so
wie das Soso und Bambara. Diese letzteren Sprachen gestalten

1) Sie wurde wie alle atlantischen Inseln von den Portugiesen unbewohnt
gefunden. Die Adiya dagegen stammen aus dem Gabungebiet, von wo sie
durch die Mpongwe verdrängt wurden. Winwood Reade, Savage Africa.
p. 63. Der Name Adiya soll indessen nur Dorfbewohner bedeuten. Bastian,
San Salvador. Bremen 1859. S. 317.
2) Du Chaillu, Explorations and adventures. London 1861. p. 79. Es
ist möglich, dass ihnen der Name Ba-fan nur von ihren Nachbarn gegeben
worden ist, dann aber würden sie vielleicht in eine ganz andere Gruppe ge-
stellt werden müssen.
3) S. W. Koelle, Outlines of a Grammar of the Vei Language. Lon-
don 1854. p. 11.

Die Neger.
eine Anzahl Nordwestsprachen, wie die der Ba-kele im Di-kele, der
Benga am Gabun, der Dualla in den Camerunbergen, der Isubu
und der neu eingewanderten ganz nackten Adiya der Insel Fer-
nando Po 1). Endlich sind hier auch noch die merkwürdigen Ba-
fan oder Fanneger zu erwähnen, welche vor nicht langer Zeit aus
dem Innern nach der Küste wanderten und sonderbar gezackte
Wurfeisen 2), wie die Sandeh oder Niamniam sowie hamitische
Stämme in Nubien verfertigen.

2. Die Sudanneger.

Wir beginnen ihre Aufzählung am Niger und schreiten nach
Westen fort, um uns dann hufeisenförmig nach dem Gebiet des
weissen Nils zurück zu wenden. Im unteren Laufe des Niger
wird die Ibo-, vom Benue aufwärts die Nuffisprache geredet, die
beide noch nicht untersucht sind. Westwärts folgt die Ewhe-
sprache, die als Mundarten das Joruba, das Dahome und das
binnenwärts von diesem auftretende Mahi umfasst. Linguistisch
verwandt sind den vorigen die Sprachen der Neger an der Gold-
küste, welche das Odschi reden wie die Aschanti, Akim, Akwa-
pim, Akwambu, sowie die Akra. An der Zahn- und Pfefferküste
sitzen eine Menge Horden, unter denen die Kru wegen ihrer
heroischen Körpergrösse und ihrer Seetüchtigkeit am bekanntesten
sind. Sprachlich stehen sie den Aschanti und Fanti näher als den
Mandingo, von denen sie indessen viele Worte entlehnt haben.
Das Mande oder die Sprache der Letztern zerfällt in eine Menge
Mundarten. Zu diesen gehört die der schriftkundigen Vei 3), so
wie das Soso und Bambara. Diese letzteren Sprachen gestalten

1) Sie wurde wie alle atlantischen Inseln von den Portugiesen unbewohnt
gefunden. Die Adiya dagegen stammen aus dem Gabungebiet, von wo sie
durch die Mpongwe verdrängt wurden. Winwood Reade, Savage Africa.
p. 63. Der Name Adiya soll indessen nur Dorfbewohner bedeuten. Bastian,
San Salvador. Bremen 1859. S. 317.
2) Du Chaillu, Explorations and adventures. London 1861. p. 79. Es
ist möglich, dass ihnen der Name Ba-fan nur von ihren Nachbarn gegeben
worden ist, dann aber würden sie vielleicht in eine ganz andere Gruppe ge-
stellt werden müssen.
3) S. W. Koelle, Outlines of a Grammar of the Vei Language. Lon-
don 1854. p. 11.
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[500/0518] Die Neger. eine Anzahl Nordwestsprachen, wie die der Ba-kele im Di-kele, der Benga am Gabun, der Dualla in den Camerunbergen, der Isubu und der neu eingewanderten ganz nackten Adiya der Insel Fer- nando Po 1). Endlich sind hier auch noch die merkwürdigen Ba- fan oder Fanneger zu erwähnen, welche vor nicht langer Zeit aus dem Innern nach der Küste wanderten und sonderbar gezackte Wurfeisen 2), wie die Sandeh oder Niamniam sowie hamitische Stämme in Nubien verfertigen. 2. Die Sudanneger. Wir beginnen ihre Aufzählung am Niger und schreiten nach Westen fort, um uns dann hufeisenförmig nach dem Gebiet des weissen Nils zurück zu wenden. Im unteren Laufe des Niger wird die Ibo-, vom Benue aufwärts die Nuffisprache geredet, die beide noch nicht untersucht sind. Westwärts folgt die Ewhe- sprache, die als Mundarten das Joruba, das Dahome und das binnenwärts von diesem auftretende Mahi umfasst. Linguistisch verwandt sind den vorigen die Sprachen der Neger an der Gold- küste, welche das Odschi reden wie die Aschanti, Akim, Akwa- pim, Akwambu, sowie die Akra. An der Zahn- und Pfefferküste sitzen eine Menge Horden, unter denen die Kru wegen ihrer heroischen Körpergrösse und ihrer Seetüchtigkeit am bekanntesten sind. Sprachlich stehen sie den Aschanti und Fanti näher als den Mandingo, von denen sie indessen viele Worte entlehnt haben. Das Mande oder die Sprache der Letztern zerfällt in eine Menge Mundarten. Zu diesen gehört die der schriftkundigen Vei 3), so wie das Soso und Bambara. Diese letzteren Sprachen gestalten 1) Sie wurde wie alle atlantischen Inseln von den Portugiesen unbewohnt gefunden. Die Adiya dagegen stammen aus dem Gabungebiet, von wo sie durch die Mpongwe verdrängt wurden. Winwood Reade, Savage Africa. p. 63. Der Name Adiya soll indessen nur Dorfbewohner bedeuten. Bastian, San Salvador. Bremen 1859. S. 317. 2) Du Chaillu, Explorations and adventures. London 1861. p. 79. Es ist möglich, dass ihnen der Name Ba-fan nur von ihren Nachbarn gegeben worden ist, dann aber würden sie vielleicht in eine ganz andere Gruppe ge- stellt werden müssen. 3) S. W. Koelle, Outlines of a Grammar of the Vei Language. Lon- don 1854. p. 11.

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Zitationshilfe: Peschel, Oscar: Völkerkunde. Leipzig, 1874, S. 500. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/peschel_voelkerkunde_1874/518>, abgerufen am 19.03.2019.